Rückblick: Geopolitik trifft Märkte mit voller Wucht
Der Iran-Konflikt und die damit verbundene Schließung der Straße von Hormus haben die Märkte in KW 10 durchgeschüttelt wie selten zuvor. Öl kletterte auf über 90 Dollar pro Barrel, Inflationsängste flammten neu auf – und die Volatilität ließ kaum eine Assetklasse unberührt.

Besonders eindrucksvoll zeigen das die Handelsspannen der vergangenen Woche. Der deutsche DAX schwankte um 6,2 % und fiel auf den tiefsten Stand seit November 2025. Der S&P 500 bewegte sich in einer Spanne von 2,8 % und notiert nun auf Oktober-2025-Niveau. Der japanische Nikkei legte eine Handelsspanne von über 8 % hin – Japan importiert rund 95 % seines Öls aus dem Nahen Osten und ist damit direkt betroffen. Am härtesten traf es den südkoreanischen KOSPI mit einer Schwankungsbreite von 18,1 %, wobei sich rund die Hälfte der Verluste zum Wochenschluss wieder erholte.
Auch Rohstoffe zeigten extreme Ausschläge. Gold schwankte zwischen 4.990 und 5.400 Dollar pro Unze – eine Spanne von 7,8 %. Silber legte sogar eine Handelsspanne von 19 % hin. Klassische Krisenreflexe, aber eben auch: extreme Volatilität in beide Richtungen.
Bitcoin schloss die Woche leicht im Plus. Das Wochentief lag bei 65.200 Dollar, das Hoch bei 74.000 Dollar – eine Handelsspanne von rund 12 %. Zwischenzeitlich wurden Gewinne über 70.000 Dollar zunächst abgegeben, bevor Bitcoin zum Wochenschluss bei rund 68.000 Dollar korrigierte. Der Gesamtkryptomarkt beendete die Woche mit einem Plus von rund 2,5 % – liegt aber weiterhin rund 47 % unter seinem Allzeithoch aus Oktober 2025.
Etwas untergegangen in all dem Lärm: Die US-Regierung hat in einem Gerichtsdokument bestätigt, dass Rückzahlungen aus den gekippten Trump-Zöllen sogar verzinst werden sollen. Das Gesamtvolumen der betroffenen Zolleinnahmen beläuft sich auf rund 170 Milliarden Dollar – die Zinslast könnte laut Analysen über 700 Millionen Dollar pro Monat betragen. Ob und wann das Geld tatsächlich zurückfließt, ist noch offen. Für den US-Haushalt wäre es eine erhebliche Belastung.
Krypto Recap: Strukturell stark, taktisch nervös
Trotz der turbulenten Woche war der Kryptosektor alles andere als still. Die bedeutendste Meldung kam von Kraken: Die Kryptobörse hat als erste ihrer Art ein sogenanntes FedMaster-Konto erhalten – direkten Zugang zum Kernsystem der US-Notenbank für Interbankzahlungen. Bislang mussten Kryptounternehmen für Dollar-Transfers zwingend Partnerbanken einschalten. Das ist vorbei. Kraken kann nun wie eine klassische Bank direkt mit der Fed abrechnen – schneller, günstiger, ohne Zwischenstelle. Ein echter Meilenstein für die Integration von Krypto ins klassische Finanzsystem.
Ebenfalls strukturell bedeutsam: Der Bundesstaat Indiana hat per Gesetz festgelegt, dass staatliche Renten- und Sparprogramme bis Juli 2027 mindestens ein Krypto-Investmentprodukt anbieten müssen. Betroffen sind unter anderem Lehrer- und Beamtenfonds. Fidelity – mit 7,1 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen einer der größten Finanzdienstleister weltweit – startet Krypto-Optionen für individuelle Rentenkonten. Und Morgan Stanley hat angekündigt, einen Kryptofonds in Rentenkonten zugänglich zu machen. Das Muster ist klar: Krypto wandert schrittweise in die Altersvorsorge der USA.
Auch regulatorisch gab es Bewegung. Im neu verabschiedeten US-Wohnungsbaugesetz hat sich auf Seite 303 eine Anti-CBDC-Klausel versteckt: Die US-Notenbank darf bis Ende 2030 keinen digitalen Dollar ausgeben. Parallel dazu hat ein US-Bundesgericht die Sammelklage gegen die dezentrale Börse Uniswap vollständig abgewiesen – ein wichtiger Präzedenzfall: Wer Open-Source-Code schreibt, haftet nicht, wenn Dritte ihn für Betrug missbrauchen.
Und dann war da noch die NYSE. Der Betreiber der New Yorker Börse, Intercontinental Exchange (ICE), hat sich mit 200 Millionen Dollar an der Kryptobörse OKX beteiligt. Die Logik dahinter: OKX-Spotpreise sollen als Basis für neue Krypto-Futures an der NYSE dienen – und OKX-Kunden könnten künftig Zugang zu tokenisierten Aktien auf NYSE-Infrastruktur erhalten. Die Wall Street geht den Kryptohandel aktiv ein.
Zum Abschluss: Trump hat die Bankenlobby direkt angegriffen und gefordert, den Clarity Act – das geplante US-Kryptomarktstrukturgesetz – ohne Einschränkungen zu verabschieden. Ob das politischen Druck erzeugt oder verpufft, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.
Ausblick 11. Handelswoche 2026

Die elfte Handelswoche ist klar strukturiert: ruhiger Start, ein entscheidender Mittwoch und ein Freitag, der das Wachstumsnarrativ auf den Prüfstand stellt.
Am Dienstag erscheinen die Verkäufe bestehender Häuser. Ein Blick auf den Immobilienmarkt, aber kein direkter Kurstreiber – eher Hintergrundinformation zur allgemeinen Konsumlaune.
Der Mittwoch ist der wichtigste Tag der Woche. Der Verbraucherpreisindex (VPI – misst, wie stark Waren und Dienstleistungen für Haushalte teurer oder günstiger werden) erscheint um 13:30 Uhr. Die Kernrate wird bei 0,2 % erwartet, nach 0,3 % im Vormonat – also ein leichter Rückgang, der bereits eingepreist ist.
Entscheidend ist jede Abweichung davon. Kommt der Wert höher als erwartet, schwinden Hoffnungen auf Zinssenkungen im Jahr 2026, Wachstumsaktien und Krypto geraten unter Druck. Die Rohöllagerbestände am selben Tag sind im Kontext der Iran-Spannungen kein reines Nebensignal mehr, sondern ein zusätzlicher Inflationsfilter.
Am Donnerstag folgen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe – ein Frühanzeiger für den Arbeitsmarkt nach den schwächeren Payrolls der Vorwoche.
Der Freitag bündelt drei schwere Datenblöcke gleichzeitig. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das 3. Quartal wird mit 1,4 % erwartet – nach 4,3 % im Vorquartal. Das wäre eine drastische Verlangsamung und würde das Bild einer robusten US-Wirtschaft ernsthaft erschüttern.
Gleichzeitig erscheinen die PCE-Kernrate (das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, das volatile Komponenten wie Energie und Lebensmittel ausklammert) sowie die JOLTS-Stellenangebote als Arbeitsmarktkontext.
Sind Wachstum und Inflation gleichzeitig rückläufig, könnte das die Fed in eine dovischere Haltung drängen – also in Richtung Zinssenkungen. Für Krypto wäre das ein positives Signal. Zeigt die PCE hingegen anhaltenden Inflationsdruck trotz schwachem Wachstum, droht das ungünstigste aller Szenarien: Stagflation – schwaches Wachstum bei hartnäckiger Inflation, in dem weder Aktien noch Krypto sich wohlfühlen.
Earnings & Quartalsberichte der Woche
Die Berichtswoche in KW 11 ist überschaubar, trifft aber ein paar relevante Namen.

Den Auftakt macht am Dienstagabend Oracle ($ORCL). Der Softwarekonzern ist längst kein reiner Datenbanklieferant mehr – Oracle hat sich zu einem ernsthaften Cloud- und KI-Infrastrukturplayer entwickelt. Die Zahlen werden zeigen, ob Unternehmenskunden ihre KI-Budgets weiter hochfahren oder angesichts makroökonomischer Unsicherheit zurückhaltender werden.
Am Mittwochabend folgt UiPath ($PATH), ein Softwareunternehmen im Bereich Prozessautomatisierung. In einer Phase, in der KI klassische Automatisierungslösungen unter Druck setzt, ist der Ausblick von UiPath ein direktes Signal dafür, wie Unternehmen zwischen KI-nativen und traditionellen Automatisierungslösungen abwägen.
Den stärksten Marktimpuls dürfte am Donnerstagabend Adobe ($ADBE) setzen. Adobe ist eines der wenigen Unternehmen, das KI gleichzeitig als Bedrohung und als Wachstumshebel erfährt – neue KI-Tools im Creative-Bereich könnten Abonnentenzahlen stützen oder kannibalisieren.
Der Markt wartet auf klare Aussagen zur Monetarisierung. Ebenfalls am Donnerstag berichtet Wheaton Precious Metals ($WPM) – im Kontext der extremen Gold- und Silbervolatilität der Vorwoche ein interessanter Blick auf die Profitabilität im Edelmetallsektor.

