Rückblick 11 Handelswoche
Der Freitag der elften Handelswoche hatte es in sich. Das US-Wirtschaftswachstum (BIP) im vierten Quartal 2025 wurde auf nur noch +0,7 % revidiert – Ökonomen hatten +1,4 % erwartet, im dritten Quartal 2025 waren es noch +4,4 %. Eine Halbierung in einem Quartal. Das ist keine sanfte Landung mehr, das ist ein deutliches Warnsignal. Rezessionssorgen, die zuletzt leiser geworden waren, sind damit zurück auf der Agenda.

Etwas Entlastung kam von der Inflationsfront: Der PCE-Kernindex – das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, das volatile Preise wie Energie und Lebensmittel herausrechnet – traf mit +0,4 % monatlich und +3,1 % jährlich exakt die Erwartungen. Keine böse Überraschung – aber eben auch kein Rückgang. Die Luft für Zinssenkungshoffnungen bleibt damit dünn.
Der Iran-Konflikt hält die Energiemärkte weiter in Spannung. Die Meldung, dass Iran Minen in der Straße von Hormuz legt, löste innerhalb von Stunden extreme Ölpreis-Schwankungen aus. Trump drohte mit „nie dagewesenen militärischen Konsequenzen”, Saudi-Arabien kürzte seine Produktion deutlich. Die Folge: steigende Anleiherenditen, weil die Märkte höhere Inflation durch den Konflikt einpreisen.
Dazu ein Blick auf den US-Arbeitsmarkt, der zunehmend Risse zeigt. In 13 der letzten Monate wurden die Jobdaten nachträglich nach unten korrigiert – insgesamt um rund 710.000 Stellen. Die Industrie verlor im Februar weitere 12.000 Arbeitsplätze, der längste Rückgang seit der Finanzkrise 2008. Kleine Unternehmen melden „schlechte Umsätze” auf einem Niveau, das historisch mit Rezessionen zusammenfällt. Eine Arbeitslosenquote über 5 % erscheint damit immer wahrscheinlicher.
Krypto Recap 11. Handelswoche

Der Kryptomarkt legte in KW 11 trotz allem zu. Die Gesamtmarktkapitalisierung stieg in der Spitze um 10 %, Bitcoin-Dominanz blieb bei knapp 59 %. Wichtig: Das tägliche Handelsvolumen hat sich mehr als verdoppelt im Wochenverlauf – das signalisiert erstmals wieder echte Überzeugung hinter der Erholung, nicht nur technische Gegenbewegung.
Die strukturell bedeutsamste Nachricht kam von BlackRock: Der weltgrößte Vermögensverwalter startete mit dem iShares Staked Ethereum Trust (ETHB) seinen ersten Krypto-ETF mit integriertem Staking. 70–95 % der gehaltenen Ether werden gestakt, 82 % der Erträge monatlich ausgeschüttet. Am ersten Handelstag flossen 15,5 Millionen Dollar durch den Fonds – bei einem Start-AUM von über 100 Millionen. Zum Vergleich: An demselben Donnerstag verzeichneten Ethereum-ETFs insgesamt 72,4 Millionen Dollar Zuflüsse – mehr als Bitcoin-ETFs mit 53,8 Millionen.
Ebenfalls bemerkenswert: SEC und CFTC – die beiden wichtigsten US-Finanzmarktaufsichten, die sich jahrelang gegenseitig bei der Krypto-Regulierung blockiert haben – haben ein formelles Kooperationsabkommen unterzeichnet. Das Ende der Regulierungs-Grabenkämpfe wäre ein echter Befreiungsschlag für die Branche.
Mastercard hat ein globales Krypto-Partnerprogramm mit über 85 Teilnehmern gestartet – darunter Binance, Ripple, Circle und PayPal. Ziel: grenzüberschreitende Zahlungen schneller, programmierbarer und compliant über Mastercards Infrastruktur abwickeln. Das Kartennetzwerk baut sich aktiv zur Infrastruktur der digitalen Zahlungswelt um.
Zum Clarity Act – dem geplanten US-Krypto-Marktstrukturgesetz – gibt es eine klare Ansage: Senatsmehrheitsführer Thune erwartet nicht, dass das Gesetz vor April den Bankenausschuss passiert. Kein Rückschlag, aber eine Verschiebung der Erwartungen.
Wochenausblick 12. Handelswoche
Die zwölfte Handelswoche ist klar von einem einzigen Ereignis dominiert – alles andere ist Vorbereitung oder Nachklang.

Am Dienstag erscheinen die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland, ein Stimmungsbarometer für die europäische Wirtschaft. Für US-Märkte und Krypto ein Hintergrundsignal, aber relevant als früher Hinweis auf Europas wirtschaftliche Verfassung vor dem EZB-Entscheid am Donnerstag.
Der Mittwoch ist der Tag der Woche. Um 11:00 Uhr erscheint der Euroraum-CPI – erwartet wird ein leichter Rückgang auf 1,9 %, nach 1,7 % im Vormonat. Um 13:30 Uhr folgen die US-Erzeugerpreise (EPI). Beides ist aber nur Vorprogramm.
Um 19:00 Uhr verkündet die Fed ihre Zinsentscheidung – erwartet wird eine unveränderte Rate von 3,75 %.

Der Zinssatz selbst ist damit nicht die Nachricht. Die Nachricht ist der Dot Plot. Dieser zeigt, wie viele Zinssenkungen die Fed-Mitglieder für 2026 projizieren. Werden es weniger als bisher? Wird das Wachstum nach unten revidiert? Jede Verschiebung in diesem Diagramm und jeder Halbsatz Powells zur Inflationstoleranz bei schwachem Wachstum kann unmittelbar massive Kapitalströme auslösen. Für Krypto ist die Fed-Pressekonferenz traditionell einer der volatilsten Einzelmomente im Kalender – der Markt handelt 24/7 und reagiert sofort.
Am Donnerstag liefert die EZB das europäische Gegenstück. Auch hier wird keine Zinsänderung erwartet – der Einlagezins bleibt voraussichtlich bei 2,00 %, der Leitzins bei 2,15 %. Entscheidend ist Lagardes Sprache: Wie stark gewichtet die EZB die schwachen Wachstumsdaten gegenüber der noch nicht vollständig gezähmten Inflation? Die Antwort bewegt Euro, europäische Anleihen und mittelbar auch Krypto. Philly Fed und Jobless Claims ergänzen das US-Bild, bleiben aber nach der Fed-Entscheidung vom Vorabend zweitrangig.
Am Samstag spricht Powell erneut – außerhalb der Börsenstunden. Das klingt nach Randnotiz, ist es aber nicht. Krypto handelt 24/7. Powell-Aussagen am Wochenende haben in der Vergangenheit Bitcoin und Co. teils massiv bewegt, während traditionelle Aktienmärkte erst am Montag reagieren konnten. Wer über das Wochenende in offenen Positionen ist, sollte das auf dem Schirm haben.
Earnings: Krypto, Chips und ein Wirtschaftsbarometer
Die Berichtswoche in KW 12 ist selektiv stark – ein paar Namen stechen deutlich heraus.

Am Dienstagabend berichtet Lululemon ($LULU) – ein guter Gradmesser dafür, ob Verbraucher im mittleren bis oberen Einkommenssegment trotz Makro-Gegenwind weiter konsumieren. Im gleichen Atemzug legt DocuSign ($DOCU) Zahlen vor, ein Softwareunternehmen im Bereich digitale Signaturen. In einem Umfeld, in dem KI klassische Software-Tools herausfordert, werden Umsatzentwicklung und Ausblick genau bewertet.
Am Mittwochabend ist Micron ($MU) der wichtigste Name. Der Halbleiterhersteller produziert Speicherchips, die für KI-Rechenzentren unverzichtbar sind. Nach Nvidias starken Zahlen in der Vorvorwoche wird der Markt prüfen, ob die KI-Nachfrage auch weiter oben in der Lieferkette ankommt.
Am Donnerstagmorgen berichtet Alibaba ($BABA) – Chinas größter E-Commerce- und Cloud-Konzern. Relevant nicht nur für China-Investoren, sondern auch als Signal für die globale Tech-Nachfrage und den Zustand der chinesischen Wirtschaft.
Den ungewöhnlichsten Abschluss liefert am Donnerstagabend Gemini ($GEMI) – die Kryptobörse der Winklevoss-Zwillinge.

Die Zahlen erscheinen in einem schwierigen Umfeld: Kurz nach dem Börsengang verließen COO, CFO und Chief Legal Officer gleichzeitig das Unternehmen, internationale Märkte wurden geschlossen, rund 25 % der Belegschaft entlassen – die Aktie fiel auf Allzeittief-Niveau. Dazu kommt: Die Winklevoss-Brüder haben laut Blockchain-Analyseplattform Arkham innerhalb einer Woche 130 Millionen Dollar in Bitcoin auf ihre eigene Börse transferiert – vermutlich zum Verkauf.
Der Quartalsbericht wird zeigen, ob hinter den Schlagzeilen noch ein funktionierendes Geschäftsmodell steckt – oder ob die Gerüchte über tiefere strukturelle Probleme Substanz haben.
Kurz erklärt

Dot Plot: Grafik der US-Notenbank, die zeigt, wo jedes Fed-Mitglied den Leitzins in den nächsten Jahren erwartet. Verändert sich das Bild nach unten, deutet das auf mehr Zinssenkungen hin – positiv für Risikoanlagen wie Aktien und Krypto.
Was jetzt zählt
Mittwochabend entscheidet die Stimmung für die nächsten Wochen. Nicht der Zinssatz – der bleibt (wahrscheinlich) unverändert. Sondern wie die Fed das Dilemma kommuniziert, das die Daten der letzten Woche auf den Tisch gelegt haben: schwaches Wachstum bei gleichzeitig hartnäckiger Inflation.
Projiziert die Fed mehr Zinssenkungen für 2026 als bisher – also einen niedrigeren Leitzins am Jahresende – dann ist Risk-on angesagt. Hält sie an ihrer restriktiven Haltung fest? Dann droht neuer Druck auf Wachstumsaktien und Krypto.

Laut CME FedWatch – dem Marktbarometer für Zinsprognosen, das Terminkontrakte auswertet – rechnet die Mehrheit der Marktteilnehmer erst ab der Oktober-Sitzung erstmals knapp mit einer Zinssenkung. März und April gelten als nahezu ausgeschlossen, Juni zeigt eine 25 Prozentige Wahrscheinlichkeit.
Was Powell am Mittwoch kommuniziert, könnte diese Erwartungen deutlich nach vorne – oder weiter nach hinten – verschieben.
Trader beobachten: Mittwoch 19:00 Uhr den Fed-Entscheid und Dot Plot. um 19:30 Uhr, sowie Powell-Pressekonferenz.
Samstag 15:30 Uhr: Powell-Rede außerhalb der Börsenstunden, relevant für Krypto-Positionen über das Wochenende.

