Am 29. März 2013 überschritt der Bitcoin-Kurs erstmals die Marke von 100 US-Dollar. [1] Das war kein isolierter Kurssprung, denn er fiel in eine Woche, in der erstmals in der Geschichte des Bankensystems einer ganzen Region, nämlich Zypern, Auszahlungen verweigert wurden.
Was in Zypern geschah und warum dieser Moment historisch ist
Im März 2013 stand Zypern am Rande des Staatsbankrotts. Die zwei größten Banken des Landes, Bank of Cyprus und die Laiki Bank, waren durch Verluste auf griechische Staatsanleihen in die Insolvenz geraten.
Um Zypern vor dem Staatsbankrott zu bewahren, stellten der Internationale Währungsfonds, die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission ein Rettungspaket von zehn Milliarden Euro in Aussicht, dessen Bedingungen beispiellos waren: Zypern musste einen Teil der Rettungskosten selbst aufbringen, indem Guthaben wohlhabender Sparer direkt zur Bankenrettung herangezogen wurden. Einlagen über 100.000 Euro wurden teilweise einbehalten und in Bankkapital umgewandelt.
In der Folge blieben die Bankfilialen zwei Wochen lang geschlossen. Kapitalverkehrskontrollen wurden eingeführt und Auslandsüberweisungen zeitweise untersagt. Damit war zum ersten Mal in der Geschichte der Eurozone eingetreten, was viele für undenkbar hielten: Ein demokratischer Rechtsstaat griff direkt auf die Ersparnisse seiner Bürger zu, per politischer Entscheidung, über Nacht und ohne Vorwarnung.
Das war das richtige Momentum für Bitcoin. Satoshi Nakamoto hatte im Genesis-Block vom 3. Januar 2009 eine Zeitungsschlagzeile hinterlassen: The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks. Diese Botschaft, die sich auf die Finanzkrise 2008 bezog, musste 2013 niemand mehr erklären. Bitcoin war als Antwort auf ein Finanzsystem entstanden, das Bürger von Entscheidungen über ihr eigenes Geld ausschließt.
Die Zypernkrise bewies vier Jahre später, dass diese Sorge berechtigt war und dass Bitcoin eine Antwort darauf hatte: Guthaben in Bitcoin liegen auf der Blockchain und sind durch den privaten Schlüssel des Inhabers gesichert. Kein Dritter kann darauf zugreifen, weder durch Rettungspakete noch durch Kapitalverkehrskontrollen oder Regierungsentscheidungen.
Der Bitcoin-Kurs stieg in diesen Wochen von 13 auf über 100 US-Dollar, und die weltweite Berichterstattung über Bitcoin nahm in direktem zeitlichem Zusammenhang mit der Zypernkrise deutlich zu.
Was der Kurs in diesem Kontext zeigt
Der Bitcoin-Kurs lag zu Jahresbeginn 2013 bei etwa 13 US-Dollar. Er hatte bis Ende März die 100-Dollar-Marke überschritten. Das war ein Anstieg von rund 670 Prozent innerhalb von drei Monaten.
Die Zypernkrise war dafür ein wesentlicher Faktor. Erstmals in der Geschichte von Bitcoin war ein Kursanstieg durch ein konkretes politisches Ereignis erklärbar.
Im Hintergrund wuchs außerdem die Infrastruktur, die Bitcoin überhaupt erst für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich machte:
- Die Marktkapitalisierung von Bitcoin überschritt im März 2013 erstmals die Marke von einer Milliarde US-Dollar.
- Die Zahl aktiver Handelsplattformen wuchs, der Kauf von Bitcoin wurde einfacher.
- Erste Wirtschaftsmedien berichteten über Bitcoin als ernstzunehmendes Finanzthema.
- Vereinzelte Unternehmen begannen, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren.
Wer jetzt Bitcoin kaufte und warum das wichtig ist
Bis 2012 hatten überwiegend Entwickler, Kryptografen und technisch versierte Frühnutzer Bitcoin gekauft. Mit dem Kursanstieg 2013 wurde Bitcoin breiter akzeptiert. Viele Menschen hatten Bitcoin durch die Berichte über Zypern kennengelernt, als Antwort auf ein Problem, das gerade vor aller Augen ablief. Das wiederum veränderte den Markt in seiner Größe und Volatilität.
Wie es weiterging
Die 100-Dollar-Marke war zunächst ein wichtiges Plateau. Der Kurs zog daraufhin weiter an und zeigte dann aber, wie instabil der Markt in dieser Phase noch war:
- April 2013: kurzzeitiger Höchststand bei über 230 US-Dollar, danach Korrektur auf rund 70 US-Dollar
- Juni 2013: Stabilisierung im Bereich von 90 bis 130 US-Dollar
- November 2013: erstmals über 1.000 US-Dollar
Der Kurs-Einbruch nach dem April-Hoch zeigte, dass der Markt in dieser Phase zwar gewachsen, aber immer noch dünn war. Es gab noch wenig Liquidität, sodass wenige große Verkäufer den Preis erheblich bewegen konnten.

Einordnung: Was der 29. März 2013 bedeutet
- Der Durchbruch der 100-Dollar-Marke markiert den Moment, in dem Bitcoin aufhörte, ausschließlich ein Thema technischer Fachkreise zu sein.
- Die Zypernkrise lieferte den politischen Kontext: Ein staatlich verordneter Zugriff auf Bankguthaben machte das Versprechen eines dezentralen Wertspeichers für viele Menschen zum ersten Mal konkret nachvollziehbar.
- Der Kursanstieg von 13 auf über 100 US-Dollar in drei Monaten zog eine neue Art von Käufern in den Markt und legte damit den Grundstein für den ersten großen Boom, der im November 2013 zur 1.000-Dollar-Marke führte.
- Wer Bitcoin damals als Reaktion auf ein politisches Ereignis betrachtete, hatte das Wesentliche verstanden: Das System funktionierte so, wie es gedacht war.

