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20. Januar 2023 – Das Ordinals-Protokoll geht live

Am 20. Januar 2023 veröffentlichte Casey Rodarmor das Ordinals-Protokoll auf dem Bitcoin-Mainnet. Zum ersten Mal lassen sich Bilder, Text und Audio direkt auf der Bitcoin-Blockchain speichern. Was Ordinals sind, warum sie die Community spalteten und welche Zahlen seither entstanden sind.
Geschrieben von
Haag Sondershausen
Veröffentlicht
Juni 8, 2026

Teil unseres Krypto-Kalenders über die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Kryptowährungen.

Bitcoin wurde ursprünglich als Peer-to-Peer-Zahlungsmittel entwickelt, um Transaktionen ohne zwischengeschaltete Institutionen zu ermöglichen. Dieser Grundsatz galt 14 Jahre lang, bis Casey Rodarmor am 20. Januar 2023 das Ordinals-Protokoll auf dem Bitcoin-Mainnet veröffentlichte und damit eine der leidenschaftlichsten Debatten in der Geschichte der Kryptowelt auslöste: Darf die Blockchain auch zu anderen Zwecken als Zahlungen genutzt werden?

Was sind Ordinals?

Das Ordinals-Protokoll macht sich eine einfache Tatsache zunutze: Ein Bitcoin besteht aus 100 Millionen Satoshis. Diese sind im Ursprung nicht individualisiert und damit vollständig austauschbar, wie Cent-Stücke. Das Ordinals-Protokoll ändert das, indem es jedem einzelnen Satoshi eine eindeutige Seriennummer zuweist, basierend auf der Reihenfolge, in der er gemined wurde.

Aus einem beliebigen Satoshi wird dadurch ein individuell identifizierbares, einzigartiges Objekt. Und auf dieses Objekt lassen sich Daten schreiben: Bilder, Text, Audio, Video. Direkt auf der Bitcoin-Blockchain, ohne externe Speicherung oder einen Verweis auf einen Server irgendwo im Internet. Rodarmor nannte die eingeschriebenen Datensätze „Inscriptions” und hielt diese digitalen Artefakte für unveränderlicher und echter als klassische NFTs auf Ethereum.

Warum das technisch erst jetzt möglich war

Zwei Bitcoin-Upgrades machten Ordinals möglich:

  • SegWit (2017): Führte einen separaten Datenbereich in Bitcoin-Transaktionen ein, in dem Signaturdaten gespeichert werden
  • Taproot (2021): Hob die Größenbeschränkungen für diesen Bereich auf und öffnete damit die Tür für die Speicherung größerer Datenmengen direkt auf der Blockchain

Rodarmor erkannte diese Möglichkeit und nutzte sie. Das Ordinals-Protokoll änderte nichts am Bitcoin-Code selbst, sondern machte sich bestehende Strukturen zunutze. Mehr zur technischen Grundlage der Blockchain: Blockchain einfach erklärt.

Was danach passierte

  • Januar 2023: Protokoll geht live, erste Inscriptions werden erstellt
  • März 2023: Entwickler „Domo” führt den BRC-20-Standard ein, fungible Token auf Bitcoin werden möglich
  • April 2023: Tägliche Bitcoin-Transaktionen erreichen das höchste Niveau seit 2017, angetrieben durch Ordinals
  • Mai 2023: Transaktionsgebühren für einfache Bitcoin-Überweisungen steigen auf über 30 US-Dollar
  • Ende 2023: Über 52 Millionen Inscriptions auf der Bitcoin-Blockchain gespeichert
  • 2024: Über 69 Millionen Inscriptions; durch Ordinals gezahlte Gebühren an Miner übersteigen 400 Millionen US-Dollar
  • 2025: Galaxy Research schätzt das Gesamtvolumen des Ordinals-Marktes auf 4,5 Milliarden US-Dollar

Eine Debatte, die das Bitcoin-Ökosystem spaltet

Kein Thema hat die Bitcoin-Community in den letzten Jahren so gespalten wie Ordinals. Die Kritiker sahen in Ordinals eine Zweckentfremdung der Blockchain: Wer Bilder und Memes auf einem Zahlungsnetzwerk speichert, verstopft es mit unnötigen Daten, treibt Transaktionsgebühren in die Höhe und schadet damit normalen Nutzern.

Die Befürworter sahen es genau umgekehrt: Mehr Nutzung bedeutet mehr Gebühreneinnahmen für Miner und damit langfristig mehr Sicherheit für das Netzwerk, gerade im Hinblick auf das sinkende Mining-Reward nach jedem Halving. Rodarmor selbst blieb gelassen: Bitcoin gehöre niemandem. Es habe die Absichten seines Schöpfers längst überschritten.

Was das für Bitcoin bedeutet

Ordinals haben bewiesen, dass Bitcoin mehr kann als Zahlungen. Für Anleger ist das Protokoll ein Signal: Bitcoin entwickelt sich weiter. Es entstehen neue Anwendungsfelder, neue Nutzergruppen und neue Einnahmequellen für das Netzwerk. Mehr zu Bitcoin als Anlageklasse: Bitcoin vs. Ethereum.

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