Die Stimmung an den Finanzmärkten bleibt angespannt. Der Kryptomarkt verlor in der vergangenen Woche (10.11.2025-16.11.2025) rund 8% seiner Gesamtbewertung und fiel auf etwa 3,2 Billionen USD.

Nach Wochen der Sommer-Euphorie ist „Das war das Top“ wieder allgemeine Marktstimmung. „Extreme Angst“-Signale tauchen täglich auf, während klassische Aktien dem Kryptomarkt davon gelaufen sind und in den letzten Tagen zeigte sich nun auch an der Wall Street ein bröckelndes Vertrauen:

Große Tech-Aktien gaben zuletzt –10 % bis –20 % nach – typische Symptome einer technischen Korrektur innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends.
Bitcoin und Ethereum führten den Mid-Week-Sell-off an. Bitcoin fiel am Samstag auf 93.800 USD – rund 26 % unter Allzeithoch.
Ethereum hielt sich stabil über 3.000 USD, was zwar Stärke signalisiert, aber ohne eine deutliche Erholung von Bitcoin weiter Zweifel an der Resilienz des Kryptomarkts weckt.
Auch die klassischen Märkte litten. Trotz eines leichten Freitags-Pumps war es die dritte Woche in Folge mit Verlusten:

Der S&P 500 notiert –2,7 % unter seinem Hoch, der Nasdaq –4 %. Noch kein Bärenmarkt, aber ein klarer Bruch im Momentum – vor allem, weil viele Einzeltitel in nur zwei Wochen über 15 % eingebüßt haben.
Ein Lichtblick kam aus Omaha: Warren Buffetts Berkshire Hathaway kaufte eine 4,3-Milliarden-Dollar-Beteiligung an Alphabet (GOOGL). Doch anstatt Euphorie auszulösen, wirft das Investment Fragen auf: Ist Berkshire zu spät?
Die zehn größten US-Unternehmen bringen inzwischen 24,5 Billionen USD Marktkapitalisierung auf die Waage – fünfmal so viel wie der gesamte Euro Stoxx 50. Kapital und Macht bündeln sich zunehmend in wenigen Händen – ein Stabilitätsfaktor oder ein Klumpenrisiko?
Neue Sorgenherde: China schwächelt, USA wanken
🇨🇳 In China zeigen die Oktober-Zahlen den schwächsten Wert für Fabrikproduktion und Einzelhandel seit über einem Jahr. Die Investitionen in Sachanlagen sanken um rekordverdächtige –1,7 %, der Immobiliensektor steckt weiter tief in der Krise. Der Mix aus schwacher Inlandsnachfrage, anhaltenden Handelskonflikten und fallenden Preisen dämpft das globale Wachstum – und nährt die Angst vor einer asiatischen Rezession.
🇺🇸 In den USA fiel die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Dezember von 63 % auf 52 %, nachdem der sechs Wochen lange Government Shutdown endlich beendet wurde.

Doch die Rückkehr der Wirtschaftsdaten nach dem Shutdown bringt auch neue Sorgen: Wie stark ist die US-Wirtschaft wirklich angeschlagen? Kann die Fed es sich wirklich leisten Zinsen nicht zu senken?
Liquiditätsalarm an der Wall Street
Ein Thema, das kaum jemand versteht, aber große Wirkung hat: Liquidität.

Am 13. November berief die New York Fed ein spontanes Treffen mit Vertretern großer Banken ein – ohne öffentliche Ankündigung.
Grund: wachsende Spannungen den Banken am Geldmarkt.
Das dort diskutierte Standing Repo Facility (SRF) ist eine Art Notfall-Kreditlinie, über die Banken sich kurzfristig Dollar-Liquidität beschaffen können, wenn der Bankenmarkt klemmt.
In einfachen Worten: Wenn Banken plötzlich niemandem mehr Geld leihen wollen, oder können, springt die Fed ein, um Panik zu verhindern.
Dass sich die Fed so eilig mit den Banken traf, zeigt, wie ernst die Lage ist: Ende Oktober stieg die Nutzung des SRF auf über 50 Mrd. USD, während die kurzfristigen Finanzierungskosten (SOFR-Satz) 35 %-Punkte über dem Leitzins lagen – ein deutliches Stresssignal. Solche Gespräche finden nur dann statt, wenn etwas knirscht.
Kein Grund zur Panik, aber zur Vorsicht.
Wochenausblick: Daten-Comeback nach Shutdown
Nach dem Ende des längsten Shutdowns der US-Geschichte kehrt der Datenkalender langsam zur Normalität zurück.

Diese Woche, in der 47. Kalenderwoche (17.11.2025 – 23.11.2025), rückt besonders die Veröffentlichung der FOMC-Protokolle (FOMC-Protokolle sind detaillierte Zusammenfassungen der US-Notenbank, in denen festgehalten wird, wie die Mitglieder der Fed ihre jüngste Zinsentscheidung diskutiert und bewertet haben) am Mittwoch in den Fokus – Anleger erhoffen sich Hinweise, wie die Fed die konjunkturelle Schwäche bewertet und ob ein Dezember-Cut noch realistisch ist.
Ein stabiler oder sinkender Wert würde die vorsichtige Fed-Haltung stützen, ein Anstieg hingegen die Zins-Cut-Wahrscheinlichkeit wieder erhöhen.
Earnings: Fokus auf Nvidia & Co.
Auf Unternehmensseite steht alles im Zeichen von Nvidia (Mittwoch Abend).

Nach Monaten dominanter AI-Rally ist der Chip-Gigant erneut Gradmesser für den gesamten Tech-Sektor. Jede Abweichung von den hohen Erwartungen könnte Wellen schlagen – nicht nur bei Halbleitern und KI-Aktien weltweit, sondern auch auf dem gesamten Finanzmarkt.
Daneben lohnt sich der Blick auf einige Spezialwerte:
- Dienstag Morgen: Baidu (China) – das „Google Chinas“ – die führende chinesische Suchmaschine und zugleich einer der größten Tech-Konzerne im Land. Die Earnings sind wichtig, weil Baidu ein zentraler Indikator für Online-Werbung, Konsum, Cloud-Geschäft und Chinas Fortschritt bei KI ist.
- Dienstag Morgen: Klarna – liefert wertvolle Einblicke in den Konsum- und Retail-Sektor durch das „Buy Now, Pay Later“-Geschäftsmodell.
- Dienstag Morgen: Canaan – ein Schlüsselplayer für den Mining-Hardware-Markt, wichtig für Krypto-Zyklen.
- Mittwoch Morgen: Bullish – die im August spektakulär an die Börse gegangene Kryptobörse legt erstmals Zahlen vor. Die Aktie hat seit dem IPO über –50 % verloren.
- Donnerstag Morgen: Walmart – liefert als weltgrößter Einzelhändler Einblick in Konsumverhalten und Preisdruck im Weihnachtsgeschäft.

