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Wochenausblick KW 24: Nach dem Marktcrash kommt der SpaceX Börsengang

Die abgelaufene Handelswoche war ein klarer Bruch mit der monatelangen Aktien-Rally. Ein doppelt so starker US-Arbeitsmarktbericht zerschlug die Hoffnung auf Zinssenkungen, Broadcoms KI-Ausblick löste eine breite Halbleiter-Korrektur aus, und der S&P 500 verlor am Freitag in einer einzigen Sitzung rund 2 Billionen Dollar Marktkapitalisierung. Krypto bekam das voll ab, Bitcoin verlor rund 15 Prozent.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
Juni 7, 2026

Markt-Recap der Vorwoche

Der US-Arbeitsmarktbericht für Mai schlug am Freitagvormittag wie eine Bombe ein: 172.000 neue Stellen, fast doppelt so viel wie die erwarteten 85.000. Zusammen mit den JOLTS-Daten, die 731.000 zusätzliche offene Stellen zeigten (höchster Stand seit Mai 2024), war die Hoffnung auf Fed-Zinssenkungen schlagartig zerschlagen.

Der Markt preist jetzt im Basisszenario zwei Zinserhöhungen bis Anfang 2027, vor wenigen Monaten waren es noch bis zu vier Zinssenkungen für 2026. Die 10-jährigen US-Anleiherenditen sprangen auf 4,52 Prozent, und der S&P 500 verlor am Freitag rund 2 Billionen Dollar Marktkapitalisierung, der größte Tagesverlust seit Oktober 2025.

Die zweite Stoßrichtung kam aus dem KI-Sektor. Broadcom verfehlte am Donnerstag-Abend mit seinem KI-Chip-Ausblick die Erwartungen und löste eine breite Halbleiter-Korrektur aus: Broadcom selbst minus 22 Prozent Woche, Intel minus 26 Prozent vom Peak, Super Micro minus 20, Qualcomm minus 16, AMD minus 15. Der KOSPI in Südkorea, 2026 bisher beste Börse weltweit, brach 7 Prozent ein, der koreanische Won fiel auf den tiefsten Stand seit 2009. Geopolitisch dominierten die US-Iran-Spannungen: Die Diskussion um eine mögliche Schließung der Straße von Hormus treibt die Ölpreise und damit die Inflationserwartungen für den US-Verbraucherpreisindex am Mittwoch. Parallel zieht ein Liquiditäts-Sog durch den bevorstehenden SpaceX-Börsengang am Freitag (rund 75 Mrd. USD Bewertung, größter IPO aller Zeiten), Meta-Equity-Pläne über zweistellige Milliardenbeträge und Anthropic-IPO-Unterlagen Kapital aus den bestehenden Positionen ab.

Krypto-Recap

Krypto erlebte mit minus 13,8 Prozent auf 2,15 Billionen Dollar Marktkapitalisierung die heftigste Wochenkorrektur des Jahres. Bitcoin verlor rund 15 Prozent und rutschte zwischenzeitlich unter 60.000 USD, Ethereum verlor mit minus 19 Prozent auf 1.629 USD noch deutlicher.

Strukturell besonders schwer wiegt: Strategy (ehemals MicroStrategy) verkaufte erstmals seit 2022 Bitcoin und beschädigte damit das “Bitcoin never sells”-Narrativ. Zusammen mit anhaltenden ETF-Abflüssen (Mai-Total 2,4 Mrd. USD raus) und dem heißen US-Arbeitsmarktbericht drückte das den Crypto Fear & Greed Index auf extreme fear (12 bis 14).

Top-Mover der Woche

Auf der Gewinnerseite schlossen von den bekannten Top-100-Projekten lediglich vier im Plus.

  • Humanity Protocol (H) setzte mit plus 82 Prozent seinen Aufwärtstrend aus KW 22 fort, getrieben von der anhaltenden Rotation aus dem implodierenden Worldcoin und gestiegenem Interesse an On-Chain-Identitätslösungen.
  • Worldcoin (WLD) selbst legte 25 Prozent zu als technische Erholung nach Überverkauf.
  • Auch LAB (Decentralized-Science-Narrativ) und
  • Canton (CC) (Tokenisierungs-Schiene für regulierte Finanzinstitute) zählten zu den wenigen grünen Tupfern.

⚠️ Nach der Überperformance in der vorletzten Woche stand zudem Rain Protocol im Fokus: Der Onchain-Analyst ZachXBT veröffentlichte am 5. Juni eine Analyse mit problematischen Wallet-Verbindungen und schwachen Fundamentals. Wer Rain auf der Watchlist hatte, sollte diese Analyse einmal anschauen, bevor er Positionen aufbaut.

Auf der Verliererseite waren die Storys schmerzhaft:

  • Cardano (ADA) verlor rund 30 Prozent und fiel erstmals seit über fünf Jahren unter 0,20 USD. Gründer Charles Hoskinson kündigte in einem Video eine Pause an und warnte vor einer “Welle von Pleiten” im Cardano-Ökosystem. Konkret hatte zuvor die Analytik-Plattform TapTools nach vier Jahren ihre Schließung verkündet.
  • Zcash (ZEC) verlor knapp 29 Prozent Woche, intraday sogar 46 Prozent, nachdem ein Security-Researcher eine seit Mai 2022 bestehende kritische Schwachstelle im Orchard-Pool offenlegte, die unbegrenzte Token-Erzeugung erlaubt hätte.
  • Solana (SOL) verlor 21 Prozent und fiel auf den tiefsten Stand seit Ende 2023. Im Preis wurde Solana erstmals von Hyperliquid (HYPE) überholt, getrieben von Hyperliquids Rekord bei den globalen Perpetual-Volumina und dem Start des HYPG-ETFs durch Grayscale.

Ausblick auf die Handelswoche

Die 24. Handelswoche bündelt drei Schwergewichte:

US-Inflation am Mittwoch, EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag und SpaceX-IPO am Freitag.

  • Den Auftakt liefert am Montag die Apple Worldwide Developers Conference (WWDC) in Cupertino: Erwartet wird die Vorstellung einer überarbeiteten KI-Strategie, nachdem Apple im KI-Wettlauf gegenüber Microsoft, Google und Meta zuletzt in Rückstand geraten ist.
  • Dienstag spricht EZB-Präsidentin Lagarde im Vorfeld ihrer Sitzung, parallel kommen die US-Verkäufe bestehender Häuser (Mai) als erster Immobilien-Datenpunkt.
  • Mittwoch steht der US-Verbraucherpreisindex (Inflation) für Mai im Fokus, der wichtigste Inflations-Frühindikator vor der Fed-Entscheidung Ende Juni. Erwartet werden 4,2 Prozent Jahresrate (von 3,8 Prozent), getrieben vom Energiepreis-Sprung infolge der Iran-Eskalation. Der Mechanismus läuft über die Anleihen: Höhere Inflation treibt die Renditen, Kapital fließt aus Aktien und Krypto in den sichereren Dollar.
  • Donnerstag entscheidet die EZB über die Zinsen und wird voraussichtlich erstmals seit September 2023 erhöhen, um 25 Basispunkte auf 2,40 Prozent. Hintergrund ist die Eurozonen-Inflation, die im Mai auf 3,2 Prozent kletterte, der höchste Stand seit zweieinhalb Jahren. Entscheidend wird Lagardes Ton: Eine hawkische Erhöhung würde den Euro stärken, eine taube Erhöhung ihn schwächen, was über die Wechselkurse direkt auf Dollar und damit auf Krypto durchschlägt.
  • Freitag startet der SpaceX-Börsengang bei rund 75 Mrd. USD Bewertung, der größte IPO der Geschichte und damit ein weiterer Liquiditäts-Sog.

Earnings und Tech-Termine

Auf der Earnings-Seite steht Oracle (ORCL) am Mittwoch nach Börsenschluss im Mittelpunkt. Nach dem Broadcom-Schock ist Oracle der wichtigste Einzelwert für die KI-Cloud-Story, ein schwacher Ausblick würde die bereits angeschlagene Halbleiter- und KI-Bewertung weiter belasten.

Hinzu kommt der Apple WWDC am Montag, der zwar kein Earnings-Termin ist, wegen der erwarteten neuen KI-Strategie aber für den gesamten Tech-Sektor.

Bleib vorbereitet und nutze den ruhigen Montag, um deine Cash-Quote vor den Mittwoch-Inflationszahlen und der Donnerstag-EZB zu kalibrieren.

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