ca. 6 minutes Lesezeit

Quantencomputer und Bitcoin: Wie real ist die Gefahr wirklich?

Bloomberg nennt 470 Milliarden Dollar an gefährdetem Bitcoin, Frank Thelen verkauft alle Coins. Wie real ist die Quantengefahr wirklich, und wer schreit hier eigentlich am lautesten?
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
Juli 10, 2026

Es ist wohl die Schlagzeile und das Thema, das in den vergangenen Monaten erneut immer wieder durch die Finanzmedien geisterte. Bloomberg berichtete am 7. Juli 2026, dass Bitcoin im Wert von bis zu 470 Milliarden Dollar durch Quantencomputer bedroht sein könnte.

In der Krypto-Szene geht die Angst um, eine Angst, die seit über 8 Jahren im Kryptospace immer wieder für Schlagzeilen sorgt, doch noch nie so laut wie dieses Jahr.

In Deutschland verkaufte der bekannte Tech-Investor Frank Thelen medienwirksam alle seine Bitcoins, privat und im Fonds, mit genau diesem Argument. Zeit für einen nüchternen Blick:

Wie groß ist die Quantencomputer-Gefahr wirklich?

Dass die Sorge in der Branche angekommen ist, zeigte sich zuletzt am 9. Juli 2026. Der börsennotierte Verwahrspezialist BitGo (BTGO) stellte neue Tools vor, mit denen institutionelle Anleger ihre Bitcoin-Bestände gegen künftige Quantenangriffe absichern können. Ein reines Angebot für Profis, aber ein deutliches Signal, wie ernst die Lage inzwischen genommen wird. Schauen wir also genau hin.

Was Bloomberg berichtet hat:

Der Bloomberg-Artikel beschreibt ein theoretisches Risiko. Quantencomputer könnten eines Tages die Verschlüsselung knacken, die Bitcoin absichert. Die viel zitierten 470 Milliarden Dollar, rund 34 Prozent aller Bitcoin, beziehen sich laut der Krypto-Firma Galaxy Digital auf Coins in alten Adressen, deren öffentlicher Schlüssel offen auf der Blockchain liegt oder mehrfach verwendet wurde.

Das ist ein mögliches Angriffsziel in der Zukunft, kein akuter Schaden.

Entscheidend ist ein Satz, den man leicht überliest: Es gibt bis heute keinerlei Hinweis, dass ein Quantencomputer die Kryptografie von Bitcoin knacken kann.

Google Forschungspapier
Das eigentliche Alarmsignal ist ein Forschungspapier von Google, wonach dafür weniger Rechenleistung nötig sein könnte als lange angenommen. „Weniger als angenommen” heißt aber immer noch: Hunderttausende stabile, fehlerkorrigierte Qubits.

Der Realitäts-Check

Genau hier klafft die Lücke zwischen Schlagzeile und Technik. Der bisher größte öffentliche Angriff dieser Art knackte im April 2026 einen 15-Bit-Schlüssel auf einem echten Quantencomputer. Bitcoin arbeitet mit 256 Bit.

Der Abstand zwischen 15 und 256 Bit ist kein kleiner Schritt, sondern liegt astronomisch weit auseinander.

Googles optimistische Schätzung nennt unter 500.000 physische Qubits für einen echten Angriff. Der bislang verifizierte Rekord an stabilen, fehlerkorrigierten Qubits liegt aber erst bei rund 100. Eine Experten-Umfrage des Global Risk Institute hält einen kryptografisch gefährlichen Quantencomputer erst in rund zehn Jahren für möglich und in 15 Jahren für wahrscheinlich. Thelens Frist von drei Jahren steht damit ziemlich allein da.

Thelens Frist von drei Jahren steht damit ziemlich allein da – (Achtung Meinung der Redaktion:) und ist mehr Marktschreierei, um seine Anti-Bitcoin-Haltung und den Verkauf der BTCs privat sowie fondstechnisch zu legitimieren.

Und selbst der viel bejubelte „Durchbruch” von Microsoft mit dem Chip Majorana 2 ist wissenschaftlich hart umstritten, die zugrunde liegenden Bausteine sind bis heute nicht einmal zweifelsfrei nachgewiesen.

Die Panik hat einen Beigeschmack

Kurse reagieren auf Angst, nicht auf Physik.
Als die Investmentbank Jefferies eine Bitcoin-Position aus ihrem Musterportfolio strich und prominente Stimmen wie Thelen öffentlich verkauften, drückte das die Stimmung, ganz unabhängig davon, ob je ein Qubit einen Schlüssel bricht.

Dazu kommt ein Punkt, der die Aufregung relativiert. Ein guter Teil der lautesten Warnungen stammt aus einem Umfeld mit Eigeninteresse. Quanten-Aktien wie IonQ, Rigetti und D-Wave werden zu absurden Bewertungen gehandelt, teils mit dem Hundertfachen oder mehr des Jahresumsatzes, während firmeneigene Insider Aktien abstoßen.

Je lauter „der Q-Day kommt bald”, desto höher die Bewertungen und desto besser verkaufen sich Sicherheitslösungen gegen die Quantengefahr. Wer laut warnt, verdient hier oft mit.

Was Bitcoin dagegen tut

Untätig ist die Krypto-Welt nicht. Seit Februar 2026 liegt mit BIP-360 ein ausgearbeiteter Vorschlag für einen quantensicheren Bitcoin-Adresstyp vor, auf Testnetzen bereits erprobt, aber noch nicht aktiviert und in der Community umstritten.

Dazu gilt eine einfache Grundregel: Adressen nicht wiederverwenden und den eigenen öffentlichen Schlüssel nicht unnötig preisgeben. Ein von Coinbase eingesetztes Expertengremium, dem unter anderem der Stanford-Kryptograf Dan Boneh angehört, beziffert die gefährdeten Bestände auf rund sieben Millionen Bitcoin. Und in der Szene tobt bereits ein Streit darüber, was mit sehr alten, nicht mehr bewegbaren Coins geschehen soll, darunter die vermuteten Bestände von Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto.

Auch die ETF-Verwahrer rüsten auf: Der eingangs erwähnte Anbieter BitGo stellte im Juli Werkzeuge vor, mit denen institutionelle Kunden ihre Bestände auf Quantenrisiken prüfen und die Offenlegung von Schlüsseln reduzieren können. Das ist ein Angebot für Institutionen und kein Protokoll-Upgrade, doch das Grundprinzip dahinter, exponierte Schlüssel zu vermeiden, gilt für jeden.

Ethereum geht mit seinem Lean-Ethereum-Umbau denselben Weg hin zu quantensicherer Verschlüsselung.

Was das für dich heißt

Ernst nehmen, ja. Panik, nein. Die Quantengefahr ist eine langfristige, planbare Herausforderung, kein akutes Risiko für dein Portfolio in den nächsten Jahren. Praktisch hilft schon viel, wenn du moderne Adressen nutzt und sie nicht wiederverwendest. Wie ein Quantencomputer überhaupt funktioniert, warum er die Kryptografie theoretisch bedroht und wie weit die Technik wirklich ist, liest du ausführlich in unserer Analyse Quantencomputer: Wie groß ist die Gefahr für Bitcoin 2026 wirklich?.


Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlageberatung.


Was ist ein Quantencomputer?

Ein klassischer Computer rechnet mit Bits, und ein Bit kennt genau zwei Zustände, null oder eins. Ein Quantencomputer nutzt stattdessen Quantenbits, kurz Qubits. Deren Trick: Ein Qubit kann null und eins zugleich sein, und rechnerisch auch unendlich viele Zwischenzustände. Fachleute nennen das Überlagerung.

Am einfachsten stellst du dir ein Labyrinth vor. Ein klassischer Computer sucht den Ausgang, indem er einen Weg nach dem anderen abläuft. Ein Quantencomputer kann alle Wege gewissermaßen gleichzeitig prüfen. Genau deshalb könnte er bestimmte Aufgaben, an denen normale Rechner Jahre knabbern, in Sekunden lösen.

Der Haken: Qubits sind extrem zickig. Erstens müssen die Teilchen fast auf den absoluten Nullpunkt heruntergekühlt werden, was riesige Kühlanlagen braucht. Zweitens, und das ist das größere Problem, sind Qubits von Natur aus empfindlich. Schon kleinste Störungen zerstören ihren Zustand, und die Information geht verloren. Man kann die Fehler zwar ausgleichen, indem man viele Qubits zusammenschaltet, aber mit jedem zusätzlichen Qubit steigt auch die Fehlerquelle. Diesen Zwiespalt zu lösen ist die eigentliche Herausforderung, an der die ganze Branche gerade arbeitet. Der bislang verifizierte Rekord liegt bei rund 100 stabilen, fehlerkorrigierten Qubits, und schon die reichen bei Weitem nicht an das heran, was ein echter Angriff bräuchte.

Wie Quantencomputer die Kryptografie bedrohen?

Bitcoin und fast alle Kryptowährungen beruhen auf einem Verfahren namens asymmetrische Kryptografie. Vereinfacht hat jede Adresse zwei Schlüssel. Der öffentliche Schlüssel ist wie eine Kontonummer, die du weitergeben darfst. Der private Schlüssel beweist, dass die Coins dir gehören, und nur mit ihm kannst du sie ausgeben. Wie du diese Schlüssel schützt, erklärt unser Artikel Seed Phrase & Private Key.

Der Zusammenhang zwischen beiden ist heute eine Einbahnstraße. Aus dem privaten lässt sich der öffentliche Schlüssel berechnen, aber nicht umgekehrt. Genau diese Einbahnstraße könnte ein Quantencomputer aufbrechen. Mit einem Verfahren namens Shor-Algorithmus ließe sich aus dem öffentlichen Schlüssel der private ableiten. Wer den privaten Schlüssel hat, kann die Coins stehlen.

Entscheidend ist deshalb, ob der öffentliche Schlüssel überhaupt sichtbar ist. Bei alten Adressformaten aus Bitcoins Anfangsjahren steht er offen in der Blockchain. Auch wer dieselbe Adresse mehrfach nutzt, legt ihn offen. Und selbst bei moderneren Adressen wird der öffentliche Schlüssel für einige Minuten sichtbar, während eine Transaktion bestätigt wird. Laut der Krypto-Firma Galaxy Digital sind so bis zu 470 Milliarden Dollar oder rund 34 Prozent aller Bitcoin theoretisch angreifbar. Ein Expertengremium von Coinbase beziffert die gefährdeten Bestände auf rund sieben Millionen Bitcoin, davon etwa 1,7 Millionen in uralten Adressen und rund fünf Millionen durch wiederverwendete Adressen.

Der fiese Teil daran: Ein Angreifer kann diese offenen Schlüssel schon heute sammeln und erst in vielen Jahren knacken, wenn die Technik so weit ist. Fachleute nennen das „harvest now, decrypt later”, also jetzt ernten, später entschlüsseln.

Erlerne die Kunst des Tradings
Jetzt Termin vereinbaren

Schritt für Schritt zu deiner finanziellen Freiheit!

Gespräch sichern
Du wirst da abgeholt, wo du stehst und hast 24/7 Support bei deinen nächsten Schritten. Mit eigens entwickelten Strategien bringen wir dir das nötige Wissen bei, damit du schnell und erfolgreich in Kryptowährungen investieren kannst. Du entscheidest selbst über dein Geld und worin du es investierst - du gibst dein Geld nie aus der Hand. Mit uns lernst du, Fehler zu vermeiden, bevor sie überhaupt entstehen.