ca. 6 minutes Lesezeit

SpaceX an der Börse: Der größte Börsengang 2027 im Realitäts-Check

Am Freitag geht SpaceX an die Börse, und es wird der größte IPO aller Zeiten. Doch hinter der Rekordbewertung von 1,77 Billionen Dollar steckt ein Konzern, der Geld verbrennt. Wir zeigen, was Investoren und Trader jetzt wissen müssen. Von der Eigentümerstruktur über den Lock-up bis zur Index-Aufnahme.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
Juni 9, 2026
Ein Coverbild zum SpaceX-Börsengang am 12. Juni 2026. Dargestellt ist eine startende SpaceX-Rakete mit steigenden Trading-Charts in Orange. Zudem sind im Bild Elon Musk und das SpaceX-Logo zu sehen.

Am Freitag, den 12. Juni, wagt SpaceX den Sprung aufs Parkett. Und das nicht leise. Mit einem Volumen von rund 75 Milliarden Dollar wäre es der größte Börsengang, den es je gegeben hat. Der bisherige Rekordhalter Saudi Aramco kam 2019 auf knapp ein Drittel davon.

Klingt nach Selbstläufer. Ist es aber nicht. Das Unternehmen, das hier gelistet wird, ist längst nicht mehr die reine Raketenfirma, die viele vor Augen haben. Und der Preis, den der Markt aufruft, treibt selbst erfahrenen Analysten die Sorgenfalten auf die Stirn.

Das Wichtigste in Kürze

  • Handelsstart am Freitag, 12. Juni, an der Nasdaq unter dem Kürzel SPCX, zum festen Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie.
  • Angepeilte Bewertung rund 1,75 Billionen Dollar. Damit wäre SpaceX auf einen Schlag eines der zehn wertvollsten US-Unternehmen.
  • An die Börse gehen nur etwa 4 bis 5 Prozent der Aktien. Über 95 Prozent bleiben in privater Hand.
  • Der S&P 500 verweigert die schnelle Aufnahme. Nasdaq 100 und FTSE Russell winken dagegen im Eiltempo durch.
  • 2025 standen 18,7 Milliarden Dollar Umsatz einem Nettoverlust von fast 5 Milliarden gegenüber. Das frisch integrierte KI-Geschäft verschlingt das Geld.

Hier wird ein Konglomerat gelistet, keine reine Raketenfirma

Wer das Börsenprospekt bei der SEC öffnet, findet nicht mehr nur Falcon, Dragon und Starship. SpaceX hat Anfang 2026 die KI-Firma xAI übernommen, die zuvor schon X, das frühere Twitter, geschluckt hatte. Beide stecken jetzt rückwirkend in den Zahlen. Heißt konkret: Die roten Zahlen stammen ganz überwiegend aus dem KI-Geschäft.

In Zahlen liest sich das so. 2025 setzte der Konzern 18,7 Milliarden Dollar um und schrieb dabei einen Nettoverlust von rund 4,94 Milliarden. Bei einer Bewertung von 1,77 Billionen ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa dem 94-Fachen. Das Analysehaus Morningstar hält die Aktie für ungefähr die Hälfte zu teuer und beziffert den fairen Wert auf rund 780 Milliarden Dollar. Oder anders gesagt, mit einem Augenzwinkern der Financial Times: Nach Bewertung wäre SpaceX das siebtgrößte US-Unternehmen, nach Umsatz aber erst rund das zweihundertgrößte.

Wem gehört der Laden, und ist das ein Exit-Scam?

Die ehrliche Antwort vorweg: Nein, ein Exit-Scam ist nicht angelegt. Aber man sollte genau hinschauen.

Zunächst zur Verteilung. Über die Dual-Class-Struktur, bei der eine Class-B-Aktie zehn Stimmen hat, kontrolliert Elon Musk laut Prospekt rund 82,4 Prozent der Stimmrechte, obwohl ihm nur etwa 42 Prozent am Kapital gehören. SpaceX gilt damit offiziell als Controlled Company. Die wichtigsten weiteren Eigentümer:

  • Alphabet (Google) als größter institutioneller Investor mit geschätzt rund 7 Prozent.
  • Frühe Wagniskapitalgeber wie Founders Fund, Sequoia und Andreessen Horowitz sowie Fidelity.
  • Aus dem xAI-Deal neu dabei, unter anderem Nvidia und der Staatsfonds Qatar Investment Authority.

Jetzt zum Punkt, der Anleger am meisten umtreibt, der Lock-up. SpaceX geht hier einen ungewöhnlichen Weg.

  • Musk selbst und ausgewählte Großinvestoren haben sich auf eine Sperrfrist von 366 Tagen verpflichtet, ganz ohne vorzeitige Freigaben.
  • Andere Insider dürfen gestaffelt verkaufen: rund 20 Prozent nach den ersten Quartalszahlen, weitere 10 Prozent, falls die Aktie deutlich über dem Ausgabepreis notiert, danach mehrere 7-Prozent-Tranchen und der Rest spätestens nach 180 Tagen, also etwa Anfang Dezember.

Warum SpaceX kein klassischer Exit auf Kosten der Kleinanleger ist?

1. Verkauft beim IPO nur SpaceX selbst neue Aktien. Kein Frühinvestor macht am ersten Tag Kasse.

2. Zweitens gehören Musks Anteile ihm größtenteils erst dann endgültig, wenn extrem langfristige Ziele erreicht sind, unter anderem eine bemannte Mars-Kolonie. Bis diese Bedingungen erfüllt sind, kann er die Aktien nicht verkaufen.

3. Baut Musk seine Kontrolle nicht ab, sondern zementiert sie.

Der Haken bleibt trotzdem: Ab August dürfen die übrigen Insider in Tranchen verkaufen, und genau dieser Angebotsüberhang ist das eigentliche Kursrisiko.

Index-Aufnahme: S&P sagt Nein, der Rest sagt Ja

Für alle, die über ETFs investieren, ist das die vielleicht wichtigste Nachricht, denn hier sind sich die Indexanbieter uneins.

  • S&P 500: blockiert. Der Anbieter verlangt zwölf Monate Börsenhistorie, schwarze Zahlen nach US-Bilanzregeln und mindestens 10 Prozent Streubesitz. SpaceX erfüllt nichts davon. Eine Aufnahme ist damit frühestens Mitte 2027 ein Thema.
  • Nasdaq 100: grünes Licht im Schnellverfahren. Neuzugänge unter den Top 40 nach Marktkapitalisierung kommen schon nach 15 Handelstagen rein, also voraussichtlich Anfang Juli.
  • FTSE Russell: sogar nach nur fünf Handelstagen.
  • MSCI World und FTSE All-World, also die typischen Welt-ETFs, ebenfalls über Schnellaufnahme-Regeln und realistisch innerhalb weniger Wochen.

Ein Detail, das gern untergeht: Das Indexgewicht richtet sich nach dem frei handelbaren Streubesitz von rund 75 Milliarden, nicht nach der 1,77-Billionen-Bewertung. Die mechanischen Zwangskäufe aus Nasdaq 100 und Russell liegen in den ersten Wochen bei geschätzt 22 bis 27 Milliarden Dollar.

Die Bewertung im Realitäts-Check

Am eindrücklichsten wird die Diskrepanz, wenn man SpaceX neben Firmen mit ähnlicher Marktkapitalisierung stellt. Auf dem Papier spielt der Konzern in einer Liga mit Saudi Aramco, Meta und Tesla. Beim Umsatz trennen ihn dagegen Welten von ihnen.

Auf dem Papier eine Liga mit Aramco, Meta und Tesla. Beim Umsatz ist SpaceX nicht mal in Sichtweite.

Die folgende Tabelle zeigt das im Detail, samt Gewinn und Schulden.

UnternehmenUmsatzNettoergebnisSchuldenMarktkap.
SpaceX (inkl. xAI/X)18,7 Mrd.minus 4,94 Mrd.rund 20 Mrd.rund 1,77 Bio.
Saudi Aramco480 Mrd.106 Mrd.geringrund 1,75 Bio.
Metarund 180 Mrd.rund 70 Mrd.netto schuldenfreirund 1,49 Bio.
Teslarund 98 Mrd.rund 7 Mrd.geringrund 1,54 Bio.
Angaben in US-Dollar, letztes verfügbares Geschäftsjahr, Werte gerundet. Quellen: SEC-Börsenprospekt (Form S-1), Geschäftsberichte der Unternehmen, Bloomberg, Morningstar. Boeing und Lockheed Martin stehen hier für die klassische Luft- und Raumfahrt: SpaceX wäre mehr wert als beide zusammen, bei einem Bruchteil ihres Umsatzes.

Zur Einordnung der Schulden: SpaceX hat vor dem IPO einen Brückenkredit über 20 Milliarden Dollar aufgenommen und damit teure Altschulden von X und xAI abgelöst. Morningstar beziffert die gesamte Schuldenlast zum Jahresauftakt auf rund 29 Milliarden.

Bleibt die Gretchenfrage, mit der wir gestartet sind: Wie viel Luft ist am ersten Handelstag überhaupt noch nach oben? Ein Blick in die Statistik ernüchtert. Der IPO-Forscher Jay Ritter hat 45 Börsengänge untersucht, die mit mehr als dem 40-Fachen ihres Umsatzes an den Start gingen. Drei Jahre später standen nur sieben davon höher. Im Schnitt hatten sich diese Aktien ab dem ersten Schlusskurs halbiert. SpaceX kommt auf das rund 94-Fache.

Und der erste Handelstag?

Kurzfristig spricht die Mechanik klar für einen Kurssprung. Die Order ist laut Bloomberg etwa doppelt überzeichnet, die Nachfrage liegt bei rund 150 Milliarden Dollar, und ungefähr 30 Prozent sind für Privatanleger reserviert. Zusammen mit dem winzigen Free Float und den anstehenden Index-Käufen kann das den Kurs nach oben treiben. Einige Strategen halten sogar mehr als 2 Billionen Dollar an Bewertung schon am ersten Tag für denkbar.

Nur sollte man sich klarmachen, woher dieser Schub käme: aus Knappheit und der Angst, etwas zu verpassen, nicht aus einer günstigen Bewertung. Für Krypto-affine Anleger noch ein Warnhinweis: Es kursieren tokenisierte Pre-IPO-Produkte. Die tragen aber erhebliche Gegenpartei- und Strukturrisiken und sind nur so verlässlich wie die Plattform dahinter.

Unterm Strich

SpaceX verkauft am Freitag vor allem eine Geschichte: Mars, orbitale KI-Rechenzentren und ein weiter wachsendes Starlink. Wer kauft, wettet auf diese Zukunft, kaum auf die heutigen Kennzahlen. Ein Sprung am ersten Tag ist gut möglich, getrieben von Knappheit statt Substanz. Ein Exit-Scam steckt nicht dahinter, dafür sorgen das reine Primärangebot und Musks lange Sperrfrist. Aber der dünne Free Float, die gestaffelten Insider-Verkäufe ab dem Spätsommer und die historisch magere Bilanz solcher hochpreisigen Debüts sollten jedem Trader im Hinterkopf bleiben.

Und Versprechen sind bei Elon Musk eine eigene Disziplin. Eine umfangreiche Auswertung der New York Times hat über 600 öffentlich formulierte Ziele und Ankündigungen von Musk durchgesehen. Das Ergebnis ernüchtert: Nur rund 19 Prozent wurden fristgerecht eingelöst. Weitere 35 Prozent kamen zwar, aber teils mit massiver Verspätung, und etwa 33 Prozent waren so vage formuliert, dass sie sich gar nicht klar bewerten ließen. Wer SpaceX zu dieser Bewertung kauft, sollte die Zeitpläne hinter Mars, orbitalen Rechenzentren und Co. also eher als Richtungsangabe verstehen denn als verbindlichen Termin.


Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Investments in Börsengänge sind mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben beruhen auf öffentlich verfügbaren Quellen zum Redaktionszeitpunkt und können sich bis zur endgültigen Preisfestsetzung ändern.

Erlerne die Kunst des Tradings
Jetzt Termin vereinbaren

Schritt für Schritt zu deiner finanziellen Freiheit!

Gespräch sichern
Du wirst da abgeholt, wo du stehst und hast 24/7 Support bei deinen nächsten Schritten. Mit eigens entwickelten Strategien bringen wir dir das nötige Wissen bei, damit du schnell und erfolgreich in Kryptowährungen investieren kannst. Du entscheidest selbst über dein Geld und worin du es investierst - du gibst dein Geld nie aus der Hand. Mit uns lernst du, Fehler zu vermeiden, bevor sie überhaupt entstehen.