Ein Manöver, das man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Elon Musk wurde 2022 mehr oder weniger gezwungen, Twitter für viel zu viel Geld zu kaufen. Jetzt, vier Jahre später, landen die alten Schulden aus diesem Deal ausgerechnet bei SpaceX. Also bei der Firma, in die Anleger eigentlich investieren, weil sie an Raketen, Satelliten und Rechenzentren glauben. Schauen wir uns an, was da passiert ist, und ob der Vorwurf stimmt.
Was passiert ist
Um das einzuordnen, ein kurzer Schritt zurück. Elon Musk hat SpaceX 2002 selbst gegründet. Am 12. Juni 2026 ging die Firma an die Börse, und das mit dem größten Börsengang der Geschichte: rund 75 Milliarden Dollar wurden eingesammelt, bei einer Bewertung von fast 1,8 Billionen Dollar.
Das Besondere daran: An die Börse kamen nur etwa 5 Prozent der Aktien. Schon dieser eine Schritt hat also ordentlich Geld in die Kasse gespült. Mehr Insights und Infos über den Börsengang von SpaceX findest du hier in unserem Artikel zum SpaceX IPO. Darin enthalten sind auch Informationen dazu, welche Investoren wann wie viele Aktien verkaufen können.
Jetzt, nur gut zehn Tage später, holt sich SpaceX erneut Geld, diesmal aber auf einem völlig anderen Weg.
Am 23. Juni 2026 hat SpaceX zum ersten Mal überhaupt Anleihen ausgegeben, und zwar gleich für 25 Milliarden Dollar. Die Nachfrage war gewaltig, in der Spitze lagen Bestellungen über rund 90 Milliarden Dollar vor, also mehr als das Dreifache. Verteilt auf mehrere Laufzeiten bis 2056 liegen die Zinsen zwischen 5,35 und 6,65 Prozent.
Mit dem Geld löst SpaceX eine teure Zwischenfinanzierung und vor allem die alten, hochverzinsten Schulden von X (früher Twitter) und der KI-Firma xAI ab. Die liefen vorher zu 9,5 bis 12,5 Prozent, also auf dem Niveau riskanter Ramschanleihen. Unterm Strich spart SpaceX dadurch rund 300 Millionen Dollar Zinsen pro Jahr.
Verwässert das jetzt die Anteile der SpaceX-Aktionäre?
Nein, denn beide Finanzierungswege sind deutlich zu unterscheiden. Dennoch ist das Finanzieren über Anleihen ein Aspekt, der potenzielle Renditen der jeweiligen Aktie schmälern kann.
Beim Börsengang gibt eine Firma neue Aktien aus. Dadurch schrumpft der Anteil der bisherigen Eigentümer am Gesamtkuchen. Eine Anleihe dagegen ist nur geliehenes Geld und kein neuer Anteil an der Firma; die Eigentumsverhältnisse bleiben damit gleich. Jedoch muss SpaceX jetzt Zinsen zahlen und die Summe später zurückzahlen. Wer SpaceX-Aktien hält, wird durch die Anleihen also nicht verwässert.
Kapital, das jedoch durch Zinszahlungen und spätere Rückzahlungen gebunden wird, kann nicht genutzt werden, um zum Beispiel Aktienrückkäufe zu tätigen, um die Nachfrage nach SpaceX-Aktien zu erhöhen bzw. das Angebot zu senken. Es kann sich also negativ auswirken, ist aber keine direkte Aktienverwässerung.
Die Anleihenausgabe von SpaceX und das Umschichten der xAI- und Twitter-Schulden senkt die jährlich zu zahlenden Zinsen und macht dadurch im Grunde Kapital wieder frei.
Wie Twitters Schulden bei SpaceX gelandet sind
Der Weg dahin ist eine kleine Odyssee. 2022 kündigte Musk den 44-Milliarden-Kauf von Twitter an, wollte später wieder raus, wurde aber von einem Gericht zum Vollzug gezwungen. Die Banken blieben auf rund 13 Milliarden Dollar Kredit sitzen, die kaum jemand haben wollte.
Dann ging es Schlag auf Schlag. 2025 kaufte xAI die Plattform X. Anfang 2026 schluckte SpaceX wiederum xAI. Mit jedem dieser Schritte wanderten die Schulden weiter, bis sie schließlich in der Bilanz von SpaceX lagen. Und weil SpaceX als grundsolide gilt, bekam die Firma eine Top-Bonität, im Fachjargon Investment-Grade. Damit öffnete sich der riesige Markt für sichere Unternehmensanleihen, rund 8 Billionen Dollar groß, mit deutlich günstigeren Zinsen als im Ramsch-Segment.
Zahlen SpaceX-Investoren Elon Musk Twitter-Schulden?
Stimmt es also, dass SpaceX-Anleger jetzt Elons Twitter-Schulden abbezahlen? Ein Stück weit ja. Die Schulden liegen heute bei SpaceX, und es sind die stabilen Einnahmen aus dem Satelliten-Internet Starlink und den Raketenaufträgen der US-Regierung, die das Ganze tragen. xAI dagegen verbrennt Geld: 2025 standen rund 3,2 Milliarden Dollar Umsatz einem operativen Verlust von 6,4 Milliarden gegenüber. Das gesunde Geschäft stützt also das verlustreiche.
Musk hat seine Firmen vor dem großen Börsengang Mitte Juni bewusst zu einem Konzern verschmolzen. Wer SpaceX kauft, kauft heute das ganze Paket inklusive X (ehemals Twitter) und xAI, das ist kein Geheimnis. Und rein finanziell ist der Schritt sogar clever: Statt mehr zu zahlen, zahlt der Konzern durch die Umschuldung weniger Zinsen als vorher. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob hier jemand betrogen wird, sondern ob man es richtig findet, die verlässliche Cash-Maschine Starlink für Musks teure KI-Wette haften zu lassen.
Was der Markt dazu sagt
Interessant ist die gespaltene Reaktion. Die Anleihe-Käufer rissen sich um das Papier, ein klares Vertrauenssignal. Die Aktie dagegen schwächelte, sie verlor nach dem Börsengang an drei Tagen rund ein Viertel ihres Werts und rutschte unter 150 Dollar, bevor sie sich leicht fing. Erste Analysten bleiben vorsichtig und nennen die Bewertung von sehr aggressiven Wachstumsannahmen abhängig. Oder wie es ein Marktstratege auf den Punkt brachte: Um hier zu investieren, muss man im Grunde ein Gläubiger im wörtlichen Sinne sein, einer, der daran glaubt.
Fazit
Der SpaceX-Deal ist ein Lehrstück in Finanz-Akrobatik. Mehr Schulden aufnehmen und trotzdem weniger Zinsen zahlen, das muss man erst mal hinbekommen. Der Preis dafür ist, dass das solide Raketen- und Satellitengeschäft nun für Elon Musks riskante KI- und Social-Media-Ambitionen geradesteht. Ob das aufgeht, hängt davon ab, ob xAI je profitabel wird. Bis dahin gilt: Wer SpaceX kauft, kauft auch ein Stück Twitter-Vergangenheit.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

