Eine Unternehmensanleihe ist ein Kredit, den ein Unternehmen sich direkt am Kapitalmarkt holt, statt zur Bank zu gehen. Du leihst der Firma Geld, sie zahlt dir Zinsen und gibt dir am Ende der Laufzeit dein Kapital zurück.
Der Unterschied zur Aktie ist grundlegend: Mit einer Aktie wirst du Miteigentümer und profitierst vom Erfolg. Mit einer Anleihe wirst du Gläubiger und bekommst einen vorher festgelegten Zins, egal wie gut das Geschäft läuft.
Warum Unternehmen das machen
Für große Konzerne ist der Kapitalmarkt oft günstiger als ein Bankkredit, und er stellt deutlich größere Summen bereit. Ein Unternehmen, das mehrere Milliarden für eine Übernahme oder für neue Rechenzentren braucht, findet die kaum bei einer einzelnen Bank.
Aktuell zeigt sich das besonders deutlich bei der Finanzierung von künstlicher Intelligenz. Technologiekonzerne begeben Anleihen im Rekordtempo, um ihre Investitionen zu stemmen, und sie wählen dafür lange Laufzeiten. Damit konkurrieren sie um dasselbe Geld wie Staaten mit ihren Staatsanleihen.
Auch im Kryptobereich ist das Instrument angekommen. Die Firma Strategy, früher MicroStrategy, finanziert einen Teil ihrer Bitcoin-Käufe über solche Anleihen.
Wie sich der Zins bestimmt
Die Faustregel lautet: Je unsicherer der Schuldner, desto höher der Zins, den er bieten muss.
Bewertet wird diese Unsicherheit von Ratingagenturen. Grob teilt sich der Markt in zwei Hälften:
- Investment Grade. Solide bewertete Unternehmen. Niedrigerer Zins, geringeres Ausfallrisiko.
- High Yield, umgangssprachlich Ramschanleihen. Schwächer bewertete Schuldner. Deutlich höherer Zins, deutlich höheres Risiko.
Der Abstand zwischen dem Zins einer Unternehmensanleihe und dem einer gleich langen Staatsanleihe heißt Risikoaufschlag oder Spread. Er ist einer der besten Stimmungsmesser am Markt: Weitet er sich aus, misstrauen Investoren der Wirtschaftslage.
Ein Rechenbeispiel
🧮 Du kaufst eine Unternehmensanleihe über 1.000 Euro mit fünf Prozent Zins und sieben Jahren Laufzeit.
Fünf Prozent von 1.000 Euro sind 50 Euro im Jahr. Über sieben Jahre sind das 350 Euro. Am Ende bekommst du zusätzlich deine 1.000 Euro zurück, insgesamt also 1.350 Euro.
Eine Staatsanleihe mit derselben Laufzeit bringt in diesem Beispiel drei Prozent. Die zwei Prozentpunkte Unterschied sind genau die Bezahlung dafür, dass du hier ein Unternehmen finanzierst und keinen Staat.
Was passiert bei einer Insolvenz
Hier liegt der praktische Vorteil gegenüber der Aktie.
Geht ein Unternehmen pleite, werden zuerst die Gläubiger bedient und danach die Aktionäre. Als Anleihegläubiger stehst du also weiter vorn in der Reihe. Das bedeutet in vielen Fällen, dass du zumindest einen Teil deines Geldes zurückbekommst, während die Aktie wertlos wird.
Eine Garantie ist das trotzdem nicht. Bei einer Insolvenz kann auch für Gläubiger wenig übrig bleiben.
Häufiges Missverständnis
Fester Zins heißt nicht sicherer Ertrag.
Zwei Risiken bleiben, unabhängig vom vereinbarten Kupon. Erstens das Ausfallrisiko: Zahlt das Unternehmen nicht, hilft der schönste Zinssatz nichts. Zweitens das Zinsänderungsrisiko: Steigen die Marktzinsen, fällt der Kurs deiner bestehenden Anleihe. Wer vorzeitig verkauft, macht Verlust.
Planbar ist der Ertrag nur unter zwei Bedingungen: Das Unternehmen überlebt die Laufzeit, und du hältst bis zum Ende durch.
Einordnung
Unternehmensanleihen liegen im Risikoprofil zwischen Staatsanleihen und Aktien. Mehr Ertrag als beim Staat, weniger Schwankung als bei der Aktie, dafür ohne Beteiligung am Erfolg des Unternehmens.
Die Grundmechanik von Anleihen erklärt unser Glossar zu Anleihen. Das staatliche Gegenstück und den weltweiten Maßstab für risikoarme Zinsen behandelt der Eintrag zu Treasuries.
