Ein Fibonacci Retracement ist ein Werkzeug im Chart, das eine abgeschlossene Kursbewegung in prozentuale Abschnitte teilt. Es zeigt an, bis zu welchen Marken ein Kurs zurücklaufen kann, ohne dass die vorherige Bewegung als beendet gilt.
Angelegt wird es zwischen dem Startpunkt und dem Endpunkt einer Bewegung. Das Werkzeug zieht daraufhin waagerechte Linien bei 23,6 Prozent, 38,2 Prozent, 50 Prozent, 61,8 Prozent und 78,6 Prozent des Abstands.
Woher die Zahlen kommen

Die Werte stammen aus der Fibonacci-Folge, einer Zahlenreihe, bei der sich jede Zahl aus der Summe der beiden vorherigen ergibt. Das Verhältnis benachbarter Zahlen nähert sich dabei 0,618 an. Die 50-Prozent-Linie gehört mathematisch nicht dazu, wird aber mitgezeichnet, weil eine Halbierung der Bewegung in der Praxis oft eine Rolle spielt.
Ein Beispiel
Bitcoin steigt von 62.000 auf 81.400 Dollar. Die Bewegung umfasst 19.400 Dollar. Das 61,8-Prozent-Retracement liegt damit bei rund 69.400 Dollar, die 50-Prozent-Marke bei 71.700 Dollar. Fällt der Kurs in diesen Bereich zurück, gilt der Aufwärtsimpuls technisch weiter als intakt.
Häufiges Missverständnis
Die Linien sind keine Kauf- oder Verkaufssignale. Sie markieren Bereiche, in denen erfahrungsgemäß viele Händler auf eine Reaktion warten. Ein Kurs kann jede dieser Marken ohne Halt durchlaufen.
Der zweite Fehler liegt im Anlegen. Wer Start- und Endpunkt anders wählt, bekommt andere Linien. Das Werkzeug ist deshalb nur so belastbar wie die Bewegung, an die es angelegt wurde. Wie sich das mit der übergeordneten Marktstruktur verbinden lässt, steht im zugehörigen Beitrag.
Für wen das zählt
Fibonacci Retracements begegnen jedem, der Chartanalysen liest. Sie gehören zum Standardwerkzeug der technischen Analyse und tauchen in fast jedem Marktupdate auf. Für Einsteiger sind sie ein guter Einstieg, weil sich das Werkzeug in zwei Klicks anlegen lässt. Wer fundamental investiert, also nach dem Wert eines Unternehmens oder Projekts geht, braucht sie nicht. Wichtig ist die Einordnung: Das Werkzeug beschreibt, wo viele Händler hinschauen, und nicht, was der Markt tun muss.
