SPAC (Special Purpose Acquisition Company) klingt nach kompliziertem Finanzjargon. Mit einer kleinen Geschichte ist es aber schnell verstanden:
Was ist ein SPAC?
Drei Freunde wollen ein Restaurant kaufen, wissen aber noch nicht welches. Statt zu warten, sammeln sie schon mal Geld von vielen Bekannten in eine gemeinsame Kasse, mit dem Versprechen: Wir kaufen davon bald ein gutes Restaurant. Diese Kasse ist anfangs leer, drin sind nur das eingesammelte Geld und das Versprechen.
Finden die drei dann ein passendes Restaurant, dürfen alle Geldgeber abstimmen, ob wirklich gekauft wird. Sagen sie Ja, wird aus der leeren Kasse plus Restaurant ein echtes, gemeinsames Unternehmen. Genau so funktioniert ein SPAC, nur an der Börse.
Wie ein SPAC wirklich funktioniert
SPAC steht für Special Purpose Acquisition Company, auf Deutsch etwa Übernahme-Firma für einen bestimmten Zweck. Vereinfacht ist es eine Firma, die zwar schon an der Börse notiert ist, aber gar kein echtes Geschäft betreibt. Sie verkauft kein Produkt und macht keinen Umsatz. Ihr einziger Zweck ist es, als eine Art Blankoscheck zu dienen, um später eine echte Firma an die Börse zu holen.
Der SPAC-Ablauf in vier Schritten:
Zuerst geht diese leere Hülle selbst an die Börse und sammelt Geld von Anlegern ein. Das Geld wird sicher auf einem Treuhandkonto geparkt.
Dann sucht das Team meist ein bis zwei Jahre lang eine echte, vielversprechende Firma. Ist eine gefunden, stimmen die Aktionäre über den Zusammenschluss ab. Bei einem Ja fusioniert die echte Firma mit der Hülle und ist damit schlagartig börsennotiert, ohne den langwierigen klassischen Börsengang. Das spart vor allem Zeit und Kosten.
Ein wichtiges Detail: Wem die ausgewählte Firma nicht gefällt, der kann sein Geld vor dem Zusammenschluss zurückverlangen. Das nennt man Rücknahme oder auf Englisch Redemption.
SPAC oder klassischer Börsengang?
Ein SPAC ist nur einer von mehreren Wegen an die Börse. Beim klassischen Börsengang, dem IPO, geht die Firma direkt selbst an die Börse, mit aufwendiger Prüfung und Werbetour bei Investoren. Der SPAC-Weg ist meist schneller und einfacher, weil die Hülle die Vorarbeit schon erledigt hat. Dafür ist die Prüfung zudem oft weniger streng.
Häufiges Missverständnis
Ein SPAC ist kein Gütesiegel. Dass eine Firma über diesen Weg an die Börse kommt, sagt nichts darüber aus, ob sie gut oder profitabel ist. Im großen SPAC-Hype um 2021 liefen viele dieser Firmen nach dem Börsenstart sogar schlecht. Dazu kommen zwei typische Haken, am besten wieder am Restaurant-Beispiel erklärt.
Erstens die Verwässerung.
Sagen wir, zehn Geldgeber zahlen je 1.000 Euro in die Kasse, zusammen 10.000 Euro, jeder hält ein Zehntel. Das Problem: Die drei Freunde, die das Ganze aufgesetzt haben, bekommen für ihre Mühe ebenfalls Anteile. Auf einmal gibt es mehr Anteile am selben Restaurant als nur die der zehn Geldgeber. Dein Stück vom Kuchen wird also kleiner, obwohl du den vollen Preis bezahlt hast. Genau das nennt man in dem Zusammenhang des SPAC eine Verwässerung.
Zweitens die Rücknahmen. Vor dem Zusammenschluss darf jeder Geldgeber sein Geld zurückziehen. Stell dir vor, acht der zehn springen ab und holen ihre 1.000 Euro wieder raus. Dann sind statt 10.000 nur noch 2.000 Euro in der Kasse. Der Kauf läuft dann durchaus zwar trotzdem, aber dem neuen Restaurant fehlt plötzlich fast das ganze geplante Startkapital. Bei echten SPACs kann genau das einen Deal aushöhlen.
Warum das gerade relevant ist
Das Thema ist hochaktuell. Der Tokenisierungs-Spezialist Securitize, unter anderem von BlackRock gestützt, geht genau über so einen SPAC an die New Yorker Börse. Dass dort zuletzt nur wenige Anleger ihr Geld zurückforderten, gilt übrigens als gutes Zeichen, weil so mehr Kapital für die Firma übrig bleibt.
Die größten SPACs der Geschichte
Zum Schluss zwei Übersichten, jeweils mit der Kursentwicklung seit dem Börsengang. Eine Sache vorweg, die selten gesagt wird: Die allermeisten SPACs haben ihre Anleger viel Geld gekostet. Die Performance bezieht sich auf den üblichen SPAC-Ausgabepreis von 10 Dollar, ist gerundet, berücksichtigt zwischenzeitliche Aktien-Zusammenlegungen (Reverse-Splits) und gilt zum Stand Ende Juni 2026.
Die zehn größten SPAC-Börsengänge aller Zeiten:
- Grab, südostasiatische Super-App, rund 40 Mrd. Dollar (2021), der größte SPAC-Deal überhaupt. Performance seit Börsengang: rund minus 65 Prozent.
- MSP Recovery, US-Gesundheitsdaten, rund 32 Mrd. Dollar (2022). Performance: praktisch Totalverlust, rund minus 99 Prozent.
- Lucid Motors, Elektroautos, rund 24 Mrd. Dollar (2021). Performance: rund minus 40 Prozent.
- Polestar, Elektroautos, rund 20 Mrd. Dollar (2022). Performance: rund minus 90 Prozent (der optisch hohe Kurs täuscht, die Aktie wurde im Verhältnis zusammengelegt).
- United Wholesale Mortgage, Hypotheken, rund 16 Mrd. Dollar (2021). Performance: rund minus 78 Prozent.
- MultiPlan (heute Claritev), Gesundheits-IT, rund 11 Mrd. Dollar (2020). Performance: rund minus 90 Prozent (nach Reverse-Split).
- Paysafe, Zahlungsdienstleister, rund 9 Mrd. Dollar (2021). Performance: rund minus 94 Prozent (nach Reverse-Split).
- SoFi, Fintech, rund 8,7 Mrd. Dollar (2021). Performance: rund plus 80 Prozent, einer der wenigen Gewinner.
- Opendoor, Immobilien, rund 5 Mrd. Dollar (2020). Performance: rund minus 55 Prozent.
- DraftKings, Sportwetten, rund 3,3 Mrd. Dollar (2020). Performance: rund plus 160 Prozent, der große Gewinner der Liste.
Kuriosität am Rande: Bill Ackmans Pershing Square Tontine sammelte mit 4 Milliarden Dollar das meiste Geld aller SPAC-Börsengänge ein, fand am Ende aber keine Firma und wurde wieder aufgelöst.
Die zehn größten Krypto-SPAC-Börsengänge aller Zeiten:
- Core Scientific, Bitcoin-Mining, rund 4,3 Mrd. Dollar (2021). Performance: 2022 in die Insolvenz gerutscht, die ursprünglichen Aktionäre wurden faktisch ausgelöscht, heute nach Neustart wieder gelistet.
- GRIID, Bitcoin-Mining, rund 3,3 Mrd. Dollar (2024). Performance: rund minus 90 Prozent.
- Bakkt, Krypto-Plattform, rund 2,1 Mrd. Dollar (2021). Performance: rund minus 95 Prozent (nach Reverse-Split).
- Cipher Mining, Bitcoin-Mining, rund 2 Mrd. Dollar (2021). Performance: rund plus 160 Prozent, nach langer Talfahrt zuletzt stark gestiegen.
- Securitize, Tokenisierung, rund 1,25 Mrd. Dollar (2026). Handelsstart zum 1. Juli unter dem NYSE-Ticker SECZ, Performance daher noch offen.
- Coincheck, japanische Krypto-Börse, rund 1,25 Mrd. Dollar (2024). Performance: rund minus 78 Prozent.
- Bitdeer, Bitcoin-Mining, rund 1,2 Mrd. Dollar (2023). Performance: rund plus 70 Prozent.
- CoinShares, europäischer Krypto-Vermögensverwalter, rund 1,2 Mrd. Dollar (2026). Erst frisch gelistet, Performance noch offen.
- TeraWulf, Bitcoin-Mining (2021). Performance: rund plus 150 Prozent, nach langer Talfahrt zuletzt stark gestiegen.
- Greenidge, Bitcoin-Mining (2021). Performance: rund minus 98 Prozent (nach Reverse-Split).
Die mit Abstand größten angekündigten Krypto-SPACs kamen übrigens nie zustande: eToro, Circle und Bullish (je rund 9 bis 10 Mrd. Dollar) bliesen ihre SPAC-Deals ab und gingen 2025 stattdessen per klassischem Börsengang an den Markt.
Kurz erklärt
SPAC: eine leere Firmenhülle, die Geld sammelt und dann eine echte Firma an die Börse bringt.
Treuhandkonto: das geschützte Konto, auf dem das eingesammelte Geld bis zur Übernahme liegt.
Rücknahme (Redemption): das Recht der Anleger, ihr Geld vor dem Zusammenschluss zurückzuverlangen.
