Es sah nach einer klaren Sache aus, dann kam der Rückzieher. Erst am Dienstag dem 23. Juni 2026 hatte der US-Kongress das Verbot einer staatlichen Digitalwährung, einer sogenannten CBDC (Central Bank Digital Currency), endgültig beschlossen. Heute, am Donnerstag dem 24. Juni 2026, sollte Präsident Donald Trump das Gesetz unterzeichnen.
Doch ausgerechnet er, der dieses Verbot lange gefordert hatte, verweigert nun die Unterschrift. Der Grund hat mit dem digitalen Dollar nichts zu tun.
Wie der Markt gerade steht

Dazu passt die nervöse Stimmung an den Märkten, auch wenn man das nicht allein dieser Nachricht zuschreiben sollte. Der Kryptomarkt korrigiert auf breiter Front: Bitcoin ist auf rund 60.000 Dollar gefallen, Ethereum auf etwa 1.600 Dollar, und der Angst-und-Gier-Index (Fear and Greed Index) steht wieder auf extremer Angst. Weil zeitgleich auch Gold nachgab, sieht das eher nach allgemeiner Risiko-Aversion aus als nach einer direkten Reaktion auf den Polit-Streit. Die Hängepartie in Washington trägt zur Unsicherheit aber bei.
Was passiert ist
Für Mittwoch war eine große Unterzeichnungs-Zeremonie geplant. Trump sagte sie kurzfristig ab, per Post auf seiner Plattform Truth Social. Seine Begründung: Er werde erst unterschreiben, wenn der Kongress vorher ein ganz anderes Vorhaben durchwinkt, den sogenannten SAVE America Act, ein umstrittenes Wahlgesetz, das von Wählern einen Staatsbürgerschaftsnachweis verlangt.
Das CBDC-Verbot ist nämlich gar kein eigenes Gesetz, sondern hängt an einem großen Paket für bezahlbaren Wohnraum. Genau dieses Paket lässt Trump jetzt liegen, er nannte es selbst von geringerer Bedeutung. Das Krypto-Thema nimmt er damit faktisch in Geiselhaft für ein Projekt, das ihm wichtiger ist.
Worum es beim CBDC-Verbot geht
Zur Einordnung: Eine CBDC ist digitales Zentralbankgeld, also ein digitaler Dollar, der direkt von der Notenbank käme. Das geplante Gesetz würde der US-Notenbank Federal Reserve verbieten, so etwas bis Ende 2030 auszugeben.
Die Krypto-Branche und viele Datenschützer unterstützen dieses Verbot, weil sie fürchten, ein staatlicher digitaler Dollar könnte zur Überwachung der Bürger werden. Trump selbst hatte schon im Januar 2025 per Dekret jede Bewegung Richtung CBDC gestoppt. Das Verbot per Gesetz wäre nun die festere, langfristige Absicherung gewesen.
Warum Trump blockiert
Den SAVE America Act fordert Trump seit Monaten, und er hatte schon früher gedroht, andere Gesetze so lange zu blockieren, bis er ihn bekommt. Das Problem: Für das Wahlgesetz fehlt im Senat die Mehrheit. Analysten sehen aktuell keinen realistischen Weg, wie es Gesetz wird. Die Blockade könnte sich also hinziehen.
Der Haken für die Krypto-Branche
Richtig brisant ist ein Nebeneffekt. Legt Trump den Kongress mit diesem Streit lahm, gerät auch das wichtigste Krypto-Vorhaben unter Zeitdruck: der Clarity Act, das große Gesetz zur Marktstruktur für digitale Assets. Dem Senat bleiben vor der Sommerpause nur noch rund fünf Wochen. Jede weitere Verzögerung kann den Clarity Act für 2026 kippen. Aus einem kleinen Macht-Poker wird so schnell ein Problem für die ganze Branche.
Wie lange das gedauert hat
Die Ablehnung einer CBDC zieht sich durch Trumps gesamte Krypto-Politik. Die wichtigsten Stationen:
- 18. Januar 2024: Trump verspricht im Wahlkampf in New Hampshire, niemals eine CBDC zuzulassen.
- 23. Januar 2025: Kurz nach Amtsantritt unterzeichnet er ein Dekret, das US-Behörden eine CBDC untersagt.
- 22. Juni 2026: Der US-Senat stimmt dem Gesetz mit dem CBDC-Verbot zu, mit 85 zu 5.
- 23. Juni 2026: Das Repräsentantenhaus zieht nach, das Gesetz geht an Trumps Schreibtisch.
- 24. Juni 2026: Trump sagt die Unterzeichnung ab und fordert zuerst den SAVE America Act. Das Verbot ist damit vorerst auf Eis.
Der Kontrast zu Europa
Das Timing bleibt pikant. Während Europa mit dem digitalen Euro genau in die andere Richtung läuft und eine staatliche Digitalwährung aufbaut, will Washington das Gegenteil, ein Verbot. Nur kommt derzeit nicht einmal dieses Verbot sauber durch. Zwei Wirtschaftsräume, dieselbe Frage, und in den USA gerade nicht einmal eine klare Antwort.
Was jetzt zählt
Endgültig vom Tisch ist das Verbot nicht. Trump hat verfassungsgemäß zehn Tage Zeit, das Gesetz zu unterschreiben oder zu blockieren. Weil es im Kongress mit sehr großer Mehrheit beschlossen wurde, könnten die Abgeordneten ein Veto sogar überstimmen. Wahrscheinlicher ist aber, dass weiter gepokert wird. Im Auge behalten sollte man vor allem, ob dieser Streit am Ende den Clarity Act ausbremst.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

