Rückblick: Was letzte Woche passiert ist
Aktienmärkte, Rohstoffe und Weltgeschehen
Die letzte Woche vom 19. bis 26. April 2026 war von einem starken Comeback der Aktienmärkte und anhaltender KI-Euphorie geprägt. Der S&P 500 legte die 4. Handelswoche in Folge zu. Seit dem Tief Ende März hat der Index insgesamt 13,5 Prozent gewonnen und erreichte mit 7.170 Punkten ein neues Allzeithoch. Allein seit dem Tief am 30. März kamen beeindruckende 7,6 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung hinzu. Die vergangene Woche schloss der Index knapp 1,7 Prozent im Plus.
Besonders technologielastige Indizes wie der Nasdaq profitierten von massiven Käufen institutioneller Investoren. Asset Manager bauten Rekordpositionen von plus 9,7 Milliarden Dollar in Nasdaq-Futures auf. Das war der höchste Wochenwert seit mindestens 10 Jahren.
Gleichzeitig drehte das Kapital mal wieder massiv in Richtung Halbleiterwerte. Der Halbleiter-Index SOX übertraf Software-Aktien an einem einzigen Tag um 8 Prozentpunkte.

Nvidia knackte die Fünf-Billionen-Dollar-Marke. Alphabet, der Google-Mutterkonzern, überschritt nach einer weiteren 40-Milliarden-Dollar-Investition in das KI-Unternehmen Anthropic die Vier-Billionen-Dollar-Grenze. Der KI-Investitionszyklus beschleunigt sich weiter. Das Beratungsunternehmen McKinsey prognostiziert bis 2030 allein für KI-Rechenzentren bis zu 7,9 Billionen Dollar an Investitionen. Auch Privatanleger drehten bullisch. Die AAII-Umfrage, die die Stimmung unter Kleinanlegern misst, zeigte erstmals seit Mitte Februar wieder mehr Optimisten als Pessimisten.
Bei den Rohstoffen gab es ebenfalls Bewegung. Gold eröffnete die Woche bei knapp 4.800 Dollar, korrigierte in der Spitze um 3,6 Prozent auf 4.600 Dollar und hält sich aktuell bei rund 4.700 Dollar. Der Ölpreis war zunächst richtungslos, zog dann aber von 84 Dollar auf aktuell gut 95 Dollar an. Hauptgrund ist der anhaltende Iran-Konflikt. Damit liegt Öl zwar 20 Prozent unter dem Eskalationshoch von Anfang März, als der Preis kurz auf 120 Dollar stieg, bleibt aber auf einem klar erhöhten Niveau.
Trotz der positiven Marktstimmung gab es geopolitische Belastungen. Die Iran-Verhandlungen standen im Mittelpunkt. Präsident Trump schickte Vertreter zu Gesprächen nach Pakistan, was den Ölpreis vorübergehend auf Tagestiefs drückte. Das US-Verbrauchervertrauen der Universität Michigan fiel mit 49,8 Punkten auf ein Rekordtief seit 1978. Das ist ein klarer Hinweis auf anhaltende Inflationsängste durch den geopolitischen Konflikt. Die Woche war also ein Mix aus starkem Risikoappetit im KI-Bereich und der Erkenntnis, dass geopolitische Spannungen weiterhin Volatilität erzeugen.
Krypto
Der Kryptomarkt bewegte sich in der vergangenen Woche ruhig nach oben. Bitcoin eröffnete die Woche bei 75.240 Dollar. Das Wochentief lag bei 63.700 Dollar, das Wochenhoch bei 79.500 Dollar. Aktuell steht Bitcoin bei 77.700 Dollar. Die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen einschließlich Stablecoins bewegte sich zwischen 2,47 Billionen und 2,63 Billionen Dollar und liegt aktuell bei 2,57 Billionen Dollar. Das ist ein Plus von rund 4 Prozent gegenüber der Vorwoche. In der Spitze wurden dabei Niveaus wie zuletzt Ende Januar und Anfang Februar 2026 erreicht.
Bitcoin dominierte mit einem Marktanteil von knapp 60 Prozent. Altcoins legten kaum zu. Das zeigt, dass Kapital eher in Bitcoin und wenige große Namen floss als breit über den gesamten Markt. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten weiter starke Zuflüsse. Auch XRP stach heraus mit der stärksten ETF-Woche des Jahres 2026 und rund 55 Millionen Dollar an Zuflüssen, unter anderem dank Nachrichten aus dem japanischen Banken- und Zahlungsverkehrssektor.

Die Stimmungsindikatoren zeigten ein vorsichtig optimistisches Bild. Der Fear and Greed Index, der die Marktstimmung zwischen extremer Angst und extremer Gier misst, lag im neutralen Bereich. Bitcoin testete die Marke um 79.500 Dollar, schaffte aber keinen klaren Ausbruch nach oben über die 80.000 Dollar.
Ausblick: Was diese Woche zählt

Die kommende Handelswoche ist vollgepackt. Fünf der sieben größten US-Technologiekonzerne legen ihre Quartalszahlen vor, die Notenbanken in den USA und Europa entscheiden über die Zinsen und dazu kommen noch wichtige Konjunkturdaten. Der Ton für den Sommer wird hier gesetzt.
Schon am Dienstag liefert das CB Verbrauchervertrauen (Conference Board Consumer Confidence) einen ersten Stimmungstest. Dieser Index misst, wie zuversichtlich US-Verbraucher die aktuelle Wirtschaftslage und die nächsten sechs Monate einschätzen. Angesichts des Rekordtiefs beim Verbrauchervertrauen der Universität Michigan aus der Vorwoche wird geschaut, ob die Konsumlaune breiter kippt. Fallende Verbraucherstimmung kann Krypto kurzfristig belasten, weil sie als Risk-off-Signal gilt.
Mittwoch ist der wichtigste Einzeltag der Woche. Zunächst kommen um 16:30 Uhr die Rohöllagerbestände. Sinkende Lagerbestände treiben den Ölpreis nach oben und halten den Inflationsdruck hoch. Dann folgt um 20:00 Uhr das, worauf die gesamte Finanzwelt wartet:

Das US-Notenbanksystem, die Fed (Federal Reserve), gibt bekannt, ob es die Zinsen verändert. Aktuell liegt der Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Eine Zinssenkung wird derzeit zu 99 Prozent ausgeschlossen, sowohl vom FedWatch-Tool der Terminbörse CME als auch von den Prognosemärkten Kalshi und Polymarket.
Was zählt, ist also nicht die Entscheidung selbst, sondern das FOMC-Statement (die offizielle Erklärung des Offenmarktausschusses) und die anschließende Pressekonferenz von Fed-Chef Jerome Powell um 20:30 Uhr. Es ist voraussichtlich Powells letzte Sitzung als Fed-Vorsitzender. Jede Formulierung zu Inflation, Wachstum oder künftigen Zinsschritten kann den Markt sofort bewegen. Für Krypto gilt: Solche Fed-Momente gehören zu den volatilsten Einzelereignissen im Kalender. Bitcoin und der gesamte Kryptomarkt reagieren auf Powell-Aussagen oft noch schneller und stärker als die Aktienmärkte.
Am Donnerstag: Um 11:00 Uhr kommt der europäische Verbraucherpreisindex (VPI) für April, eine erste Schätzung der Inflation im Euroraum. Danach trifft um 14:15 Uhr die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsentscheidung. Der aktuelle EZB-Leitzins liegt bei 2,15 Prozent, die Einlagefazilität bei 2,00 Prozent. Auch hier wird keine Veränderung erwartet. Trotzdem wird genau zugehört, was EZB-Chefin Christine Lagarde um 14:45 Uhr auf der Pressekonferenz zur Inflation und zur weiteren Richtung sagt.
Gleichzeitig kommen um 14:30 Uhr aus den USA gleich mehrere wichtige Datenpunkte.
Erstens die Erstschätzung des BIP (Bruttoinlandsprodukt) für das 1. Quartal 2026. Das BIP misst die gesamte wirtschaftliche Leistung eines Landes in einem bestimmten Zeitraum. Im Vorquartal lag das Wachstum bei 0,5 Prozent.
Zweitens die PCE-Kernrate für März 2026. Der PCE misst die Preisentwicklung bei den Konsumausgaben privater Haushalte. Die Kernrate klammert Energie und Lebensmittel aus und ist das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Kommt der monatliche Wert höher als erwartet herein, schiebt das Zinssenkungen weiter nach hinten. Das wäre ein Risk-off-Signal für Aktien und Krypto. Ebenfalls um 14:30 Uhr werden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gemeldet. Im Vormonat waren es 214.000. Diese Zahl gibt Aufschluss über die aktuelle Lage am US-Arbeitsmarkt.
Am Freitag stehen in den USA zwei Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe auf dem Programm. Zum einen der S&P Global EMI um 15:45 Uhr (Vormonat: 54,0), zum anderen der offiziellere ISM Einkaufsmanagerindex um 16:00 Uhr (Vormonat: 52,7). Beide Werte über 50 signalisieren Wachstum in der US-Industrie. Sie treten nach dem vollgepackten Mittwoch und Donnerstag klar in den Hintergrund, sind aber eine Beobachtung wert.
Earnings: Die wichtigsten Zahlen der Woche

Diese Woche ist die mit Abstand wichtigste Berichtswoche der Earnings-Saison für das abgeschlossene Quartal. Allein fünf der Magnificent 7, also der sieben größten und wertvollsten US-Technologiekonzerne, legen ihre Quartalszahlen vor.
Den Auftakt machen am Dienstag vor der Eröffnung UPS und Coca-Cola. Nach Börsenschluss am Dienstag folgen dann Robinhood und Visa.
Mittwoch nach Börsenschluss ist das Herzstück der Woche:
Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet berichten gleichzeitig. Fünf der wichtigsten Unternehmen an der Börse an einem einzigen Abend.
Im Fokus steht die Frage, wie viel diese Konzerne in KI-Infrastruktur investieren und was sie über die Zukunft aussagen. Jede Aussage zu KI-Rechenzentren, Cloudwachstum oder Investitionsausblicken wird den gesamten Technologiesektor unmittelbar beeinflussen.
Ebenfalls mittwochs nach Schluss berichtet Qualcomm (relevanter Hersteller von Halbleitern und KI-Chips).
Am Donnerstag vor der Eröffnung berichten unter anderem Eli Lilly und Mastercard. Nach Börsenschluss am Donnerstag folgt Apple als letztes Mitglied der Magnificent 7. Dazu kommen die Speicherchip-Unternehmen SanDisk und Western Digital sowie Reddit, Rivian und First Solar.
Ein besonderer Blick gilt Donnerstag nach Börsenschluss: Riot Platforms berichtet seine Zahlen. Riot ist ein Bitcoin-Mining-Unternehmen und betreibt große Rechenzentren. Die Ergebnisse geben Einblick, wie profitabel das Bitcoin-Mining im aktuellen Umfeld ist.
Am Freitag schließen die Ölgiganten Chevron und ExxonMobil die Berichtswoche ab. Angesichts des gestiegenen Ölpreises und der geopolitischen Lage im Nahen Osten sind die Energiezahlen durchaus marktrelevant.
Was jetzt zählt
Trader beobachten am Mittwoch jeden Halbsatz der Powell-Pressekonferenz und die unmittelbare Reaktion auf die Earnings der Magnificent 7. Investoren schauen auf die KI-Investitionsausblicke der Technologiekonzerne und auf den Inflations-Wert am Donnerstag. Gibt es bei beidem positive Überraschungen, hat die Rallye der vergangenen Wochen ein solides Fundament. Gibt es Enttäuschungen bei den Earnings oder heißere Inflationsdaten als erwartet, könnte die Stimmung schnell drehen. Die gesamte Woche über bangt die Weltlage gespannt um jede (De)eskalation im Nahen Osten.


