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Was sind Altcoins und lohnt sich ein Investment in diese Kryptowährungen?

Ein Altcoin ist jede Kryptowährung außer Bitcoin, vom milliardenschweren Netzwerk bis zum Memecoin, der nach 3 Wochen verschwindet. Wir zeigen, warum über die Hälfte aller Projekte scheitert und mit welchen 5 Prüfpunkten du die wenigen aussichtsreichen erkennst.
Geschrieben von
Haag Sondershausen
Veröffentlicht
August 13, 2026
Titelbild zu Altcoins und der Frage, ob sich ein Investment in diese Kryptowährungen lohnt

Warum die meisten Kryptowährungen scheitern und woran du die wenigen aussichtsreichen Projekte erkennst. Noch immer beschäftigt vor allem Anfänger eine Frage: Welcher Altcoin wird der nächste Bitcoin? Die ehrliche Antwort ist unerfreulich: Vermutlich keiner.

Ein Altcoin ist technisch gesehen jede Kryptowährung außer Bitcoin, es handelt sich hierbei um eine Wortzusammensetzung aus alternativem Coin. In diese Kategorie fällt das milliardenschwere Netzwerk Ethereum genauso wie ein Memecoin, der nach drei Wochen wieder aus einem Social Media Hype verschwindet. Und genau darin liegt die eigentliche Aufgabe als Anleger: Tausende Projekte auszusortieren, bevor sie dein Kapital binden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Altcoin ist ein Sammelbegriff für alles außer Bitcoin. Über Qualität sagt er nichts aus.
  • Mehr als die Hälfte aller je gelisteten Kryptowährungen existiert heute nicht mehr.
  • Die entscheidende Investoren-Frage lautet: Warum sollte dieses Projekt in 10 Jahren überhaupt noch am Markt sein? Wer der nächste Bitcoin wird, führt dagegen in die Irre.
  • Viele Altcoins bewegen sich im Gleichschritt mit Bitcoin. Dann trägst du das höhere Risiko ohne zusätzlichen Ertrag.

Was Altcoins sind

Der Begriff selbst sagt wenig über Qualität aus. Er beschreibt lediglich die Abgrenzung zu Bitcoin. Innerhalb dieser riesigen Gruppe gibt es sehr unterschiedliche Kategorien:

  • Layer-1-Netzwerke wie Ethereum, Solana oder Cardano, die eine eigene Blockchain-Infrastruktur betreiben
  • Layer-2-Lösungen, die auf bestehenden Netzwerken aufsetzen und Transaktionen schneller oder günstiger machen
  • Utility-Token, die Zugang zu einem bestimmten Produkt oder Service verschaffen
  • Governance-Token, die Stimmrechte in einem Protokoll geben
  • Meme-Coins, deren Wert fast ausschließlich auf Aufmerksamkeit und Community-Dynamik beruht

Diese Einordnung ersetzt keine tiefergehende technische Analyse, sie liefert aber eine erste Orientierung, bevor du dich mit einem einzelnen Projekt beschäftigst. Was hinter den einzelnen Kategorien steckt, erklären wir ausführlich in unserem Artikel Kryptowährungen für Einsteiger.

Innerhalb dieser Kategorien schwankt die Qualität enorm. Ein etabliertes Layer-1-Netzwerk mit jahrelanger Historie, aktiver Entwickler-Community und messbarer Nutzung unterscheidet sich fundamental von einem Governance-Token, dessen einziger Zweck darin besteht, frühen Investoren einen Ausstieg zu ermöglichen.

Die Kategorie allein sagt also wenig über die Erfolgsaussichten aus. Entscheidend ist, was innerhalb der Kategorie tatsächlich passiert: Wird ein Netzwerk genutzt, wächst die Entwicklergemeinde, fließt echtes Kapital in das Projekt? Oder lebt der Kurs vor allem von Ankündigungen und Community-Hype?

Warum es überhaupt so viele Altcoins gibt

Die Blockchain-Technologie ist offen zugänglich. Jeder kann ein Protokoll starten, Kapital über einen Token einsammeln und sein Projekt als Innovation vermarkten.

Die Eintrittsbarrieren sind niedrig, die Anreize für Spekulation hoch, und die technische Hürde für einen neuen Token liegt inzwischen bei wenigen Klicks. Das Ergebnis ist eine enorme Menge an Angeboten bei sehr unterschiedlicher Substanz. Innovation, Kapitalbeschaffung und reine Spekulation liegen dabei oft nur wenige Codezeilen auseinander.

CoinGecko führt derzeit über 16.000 Kryptowährungen in seiner Datenbank. Die schiere Anzahl wirkt auf den ersten Blick wie eine riesige Chance. Der zweite Blick relativiert das deutlich.

Über die Hälfte aller Projekte ist bereits tot

Von den seit 2014 gelisteten Kryptowährungen existiert mehr als die Hälfte heute nicht mehr. In den Boomphasen 2017/18 und 2020/21 lag die Ausfallquote sogar bei rund 70 Prozent.

Ein Großteil der Projekte verschwindet also genau dann, wenn die Stimmung am Markt am euphorischsten ist und neues Kapital am leichtesten fließt. Viel Auswahl bedeutet demnach vor allem viel Ausschuss, der erst im Rückblick sichtbar wird.

Noch drastischer sieht es aus, wenn man alle jemals irgendwo ausgegebenen Token mitzählt, auch die, die es nie auf eine kuratierte Börsenliste geschafft haben. In dieser Rechnung kommt CoinGecko auf über 20 Millionen Projekte, von denen rund 11,6 Millionen als tot gelten, der weit überwiegende Teil davon allein im Jahr 2025. Verantwortlich dafür sind Plattformen, auf denen sich ein Token in Sekunden erstellen lässt.

Für dich als Anleger sind beide Zahlen relevant, weil sie dasselbe zeigen: Der Normalfall im Altcoin-Markt ist das Scheitern, nicht der Erfolg.

Die wichtigste Frage: hat das Projekt eine Existenzberechtigung?

Aus dieser Perspektive lässt sich eine belastbare Selektion aufbauen. Fünf Prüfpunkte nutzen wir bei Haag Sondershausen, um Projekte einzuordnen.

1. Ist das Projekt überhaupt relevant? Eine Notierung auf CoinGecko oder CoinMarketCap allein sagt wenig aus, ein Listing im Top-100-Segment mit ausreichender Liquidität dagegen schon. Kleine, kaum gehandelte Coins bergen ein strukturelles Risiko: Im Zweifel kommst du nicht mehr aus der Position heraus, ohne den Kurs selbst zu bewegen.

2. Löst es ein echtes Problem? Ein Projekt mit realem Anwendungsfall hat Nutzer, ein Produkt und im besten Fall Umsatz. Ein Projekt ohne diese Substanz hat oft nur ein Narrativ. Ein belastbarer Anwendungsfall garantiert keine Rendite, er schützt aber vor Scam-Projekten und vor Token, die außer einer Website und einem Discord-Server wenig vorzuweisen haben.

3. Läuft der Coin nur Bitcoin hinterher? Das ist vermutlich der stärkste Prüfpunkt der ganzen Liste. Viele Altcoins bewegen sich in nahezu jeder Marktphase im Gleichschritt mit Bitcoin. Wenn ein Coin faktisch eine gehebelte Bitcoin-Wette ist, stellt sich eine unangenehme Gegenfrage: Warum solltest du das höhere Risiko tragen, wenn dieselbe Bewegung auch mit Bitcoin selbst zu haben ist? In diesem Fall ist das Kapital in Bitcoin meist besser aufgehoben.

4. Gibt es Substanz hinter dem Projekt? Team, Entwickleraktivität, Liquidität, Tokenomics und Track-Record müssen zusammen betrachtet werden. Ein Blick auf die Tokenomics lohnt sich besonders: Wie viele Token sind bereits im Umlauf, wie viele werden noch schrittweise freigegeben, und wer hält die größten Anteile? Ein Projekt, bei dem Team und frühe Investoren einen Großteil der Token halten und diese nach Ablauf einer Sperrfrist verkaufen können, erzeugt strukturellen Verkaufsdruck, unabhängig davon, wie überzeugend das Whitepaper klingt. Ein anonymes Team, eine intransparente Token-Verteilung und ein fehlender belegbarer Track-Record verdienen besondere Vorsicht, selbst wenn der Kurs gerade steigt.

5. Wie gehst du mit der eigenen Position um? Marktstimmung und Trend können sich jederzeit drehen, unabhängig davon, wie zuversichtlich die Lage aktuell erscheint. Klare Limit-Orders für Einstieg und Ausstieg sowie der Einsatz technischer Analyse helfen dabei, Positionen aktiv zu steuern, statt sie einfach laufen zu lassen.

Warum wir bei Bitcoin den Schwerpunkt setzen

Unsere Haltung bei Haag Sondershausen ist auch eine Frage des Aufwands. Um unter mehr als 16.000 Projekten die wenigen aussichtsreichen zu identifizieren, braucht es einen Rechercheaufwand, den kaum ein Privatanleger nebenbei leisten kann.

Bitcoin bringt dagegen bereits den liquidesten Markt, die höchste Akzeptanz, den stärksten Grad an Dezentralisierung und den längsten Track-Record im gesamten Kryptosektor mit. Je nach Datenanbieter entfallen aktuell zwischen 56 und 60 Prozent der gesamten Krypto-Marktkapitalisierung allein auf Bitcoin. Die Spanne kommt daher, dass manche Anbieter Stablecoins in die Gesamtsumme einrechnen und andere nicht. In beiden Rechnungen gilt: Bitcoin allein wiegt mehr als alle Altcoins zusammen. Mehr über Bitcoin als Anlageobjekt erfährst du in unserem Artikel Bitcoin, das digitale Gold.

Wir wollen damit nicht sagen, dass sich eine Beschäftigung mit Altcoins grundsätzlich nicht lohnt. Der Aufwand für eine fundierte Entscheidung liegt aber deutlich höher als beim Kauf von Bitcoin.

Für Anleger, die bereit sind, Projekte laufend zu beobachten, Entwicklungsfortschritte zu verfolgen und Positionen bei veränderter Faktenlage anzupassen, können einzelne Altcoins eine sinnvolle Beimischung sein. Wie groß dieser Anteil im Gesamtportfolio ausfallen sollte, haben wir in unserem Artikel Wie viel Krypto gehört ins Portfolio? durchgerechnet. Für alle anderen bleibt ein klarer Bitcoin-Schwerpunkt die risikoärmere und zeitsparendere Grundlage.

Warum Altcoins sich schlecht für Sparpläne eignen

Wenn du planst, regelmäßig und automatisiert in Krypto zu investieren, lohnt sich ein Blick auf einen Krypto-Sparplan. Altcoins eignen sich für diese Strategie allerdings deutlich schlechter als Bitcoin.

Der Grund ist einfach: Ein automatisierter Sparplan trifft keine Auswahl. Er kauft stur nach Zeitplan weiter, auch wenn ein Projekt technisch bereits auf dem Weg zur Bedeutungslosigkeit ist. Bei Bitcoin verteilt die Zeit das Risiko über viele Kaufzeitpunkte. Bei einem strukturell scheiternden Altcoin verstärkt derselbe Mechanismus nur die Verluste. Warum diese Unterscheidung so wichtig ist, erklärt unser Artikel Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Krypto zu kaufen?.

Drei typische Fehler bei der Altcoin-Auswahl

Den niedrigen Coin-Preis mit einer günstigen Bewertung verwechseln. Ein Coin zu 0,002 Euro ist nicht automatisch preiswerter als einer zu 200 Euro. Entscheidend ist die Marktkapitalisierung, also der Preis multipliziert mit der Anzahl der im Umlauf befindlichen Token, nicht der Preis pro Einheit.

Meme-Coins für eine Anlagestrategie halten. Ein Meme-Coin mit hoher Volatilität und ohne fundamentalen Wert ist eher eine Wette auf Aufmerksamkeit. Kurzfristige Kursgewinne sind möglich, eine belastbare Anlagestrategie lässt sich darauf kaum aufbauen, weil der Wert fast ausschließlich von Stimmung und Reichweite in sozialen Netzwerken abhängt.

Auf den nächsten Bitcoin hoffen. Diese Hoffnung verstellt den Blick auf die eigentliche Frage, ob ein Projekt in zehn Jahren überhaupt noch existieren wird. Bitcoin hat seinen Status seit 2009 durch Netzwerkeffekt, Transparenz, begrenztes Angebot und Akzeptanz aufgebaut. Ein neues Projekt müsste diesen Vorsprung erst noch aufholen, unabhängig davon, wie vielversprechend das Marketing klingt.

Welche weiteren Stolperfallen beim Kauf lauern, von FOMO bis zur falschen Plattform, haben wir in unserem Artikel Die größten Fehler beim Krypto-Kauf gesammelt.

Fazit

Die wichtigste Frage bei der Bewertung eines Altcoins lautet: Warum sollte dieses Projekt in zehn Jahren überhaupt noch am Markt sein?

Diese Frage konsequent zu stellen, sortiert automatisch den größten Teil des Marktes aus. Sie erfordert Expertise und genaues Hinschauen, und genau darin liegt der wichtigste Unterschied zwischen Investieren und Spekulieren.


Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Performance ist kein Garant für zukünftige Ergebnisse. Genannte Projekte sind Beispiele, keine Empfehlungen.

Häufige Fragen zu Altcoins

Was sind Altcoins?

Alle Kryptowährungen außer Bitcoin. Der Begriff kommt von alternative coin und umfasst damit sowohl große Projekte wie Ethereum als auch Tausende Projekte ohne jede Substanz.

Sind Altcoins riskanter als Bitcoin?

Deutlich. Bei CoinGecko gelten über 14.000 der mehr als 24.000 gelisteten Kryptowährungen als tot. In den Jahrgängen der Bullruns 2017 und 2021 lag die Ausfallquote bei rund 70 Prozent.

Woran erkenne ich ein tragfähiges Projekt?

An einem konkreten Problem, das es löst, an nachweisbarer Nutzung statt reiner Ankündigungen, an einer nachvollziehbaren Verteilung der Token und an einem Entwicklerteam, das seit mehreren Jahren aktiv ist.

Was ist eine Altcoin-Season?

Eine Phase, in der Altcoins stärker steigen als Bitcoin. Sie folgt typischerweise auf eine Bitcoin-Rallye, wenn Kapital aus Bitcoin in kleinere Projekte umgeschichtet wird. Verlässlich vorhersagen lässt sie sich nicht.

Wie viel Altcoins gehören ins Portfolio?

Wer passiv hält, fährt mit Bitcoin oder ganz überwiegend Bitcoin am besten. Eine Beimischung ergibt nur Sinn, wenn du den konkreten Grund für jede einzelne Position benennen kannst.

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