Markt-Recap 20. Handelswoche
Trumps China-Besuch: Eine Delegation für die Geschichtsbücher
Der politisch bedeutsamste Moment der vergangenen Woche spielte sich nicht an der Börse ab, sondern im Flugzeug. US-Präsident Trump reiste Donnerstag zu einem Staatsbesuch nach China.

An Bord: Elon Musk (Tesla/SpaceX), Jensen Huang (Nvidia), Tim Cook (Apple), Larry Fink (BlackRock), David Solomon (Goldman Sachs) und weitere Schwergewichte aus Industrie, Finanz und Tech. Die vertretenen Unternehmen machen zusammen rund 20 % des S&P 500 aus – ihre kombinierte Marktkapitalisierung entspricht fast 40 % der gesamten US-Wirtschaftsleistung und übersteigt das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands um den Faktor drei. Was als Staatsbesuch begann, ist faktisch die größte gemeinsame Wirtschaftsmission in der modernen US-Geschichte.
Für die Märkte ist das ein Signal in zwei Richtungen: Entspannung im Handelskonflikt wäre positiv für globale Lieferketten, Tech-Exporte und Rohstoffpreise. Gleichzeitig zeigt die Zusammensetzung der Delegation, welche Branchen am meisten vom China-Markt abhängen – und damit am stärksten exponiert bleiben, sollte es zu neuen Spannungen kommen.
Inflation: Heißer als erwartet
Die US-Inflationsdaten für April kamen in KW 20 heißer herein als erhofft – sowohl beim Verbraucherpreisindex (CPI) als auch bei den Erzeugerpreisen (PPI).Die Gesamtinflation liegt bei 3,8 % auf Jahresbasis. Das drückt Zinssenkungshoffnungen weiter nach hinten und erklärt, warum das Fed-Protokoll diese Woche so genau unter die Lupe genommen wird. Die Märkte zeigten sich trotzdem resilient.
Krypto: Clarity Act nimmt die nächste Hürde
Die strukturell wichtigste Krypto-Nachricht der Woche kam aus Washington. Der Clarity Act hat den Bankenausschuss des US-Senats mit 15 zu 9 Stimmen passiert. Das Gesetz soll die Zuständigkeiten im Kryptomarkt klar regeln: Bitcoin und andere digitale Rohstoffe würden künftig der CFTC unterstehen, nicht der SEC.
Auf der Prognoseplattform Polymarket stieg die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesetz noch in diesem Jahr verabschiedet wird, auf 69 %.
Marktausblick 21. Handelswoche
Die 21. Handelswoche ist auf einen einzigen Tag konzentriert: Mittwoch. Wer den Überblick behalten will, muss vor allem diesen Tag im Blick haben.

Am Mittwoch erscheinen gleichzeitig das FOMC-Sitzungsprotokoll und Nvidias Quartalszahlen – zwei der marktrelevantesten Termine des gesamten Quartals. Das Protokoll der letzten Fed-Sitzung ist diesmal besonders interessant, weil es drei Gegenstimmen gab – ungewöhnlich viel für ein Gremium, das nach außen gerne Einigkeit demonstriert. Die Frage: Wer hat widersprochen, aus welchem Grund, und wie positioniert sich die Mehrheit nach den zuletzt heißeren Inflationsdaten? Jeder Hinweis auf Zeitplan und Bedingungen für künftige Zinssenkungen bewegt Dollar, Anleihen und Krypto unmittelbar. Hawkische Töne – also eine restriktivere Haltung – würden den Dollar stützen und Risikoanlagen belasten. Dovische Signale – also mehr Offenheit für Zinssenkungen – wären Risk-on, wovon Krypto überproportional profitieren könnte.
Gleichzeitig erscheinen die Rohöllagerbestände – im aktuellen Iran-Kontext kein reines Nebensignal, sondern ein weiterer Inflationsfilter.
Am Donnerstag verdichtet sich das Bild mit drei parallelen Datenpunkten. Der Philly Fed Index – ein Stimmungsindikator für die US-Industrie in der Region Philadelphia – wird deutlich schwächer erwartet als im Vormonat (17,9 nach 26,7). Solche regionalen Indizes wirken kurzfristig, aber ein starker Rückgang würde das Wachstums-Narrativ weiter eintrüben. Gleichzeitig kommen die Flash-PMIs für Mai – Vorabschätzungen der Einkaufsmanagerindizes für Industrie und Dienstleistungen. Beide Sektoren werden knapp im Wachstumsbereich erwartet, wobei April der erste volle Monat unter dem neuen Zollregime war. Diese Mai-Daten geben erstmals einen breiteren Blick darauf, wie die Wirtschaft sich darunter entwickelt. Die Jobless Claims runden das Arbeitsmarktbild ab – mit erwartet 210.000 kaum verändert gegenüber der Vorwoche.
Earnings: Nvidia im Mittelpunkt – und zwei Konsum-Barometer

Mittwoch nach Börsenschluss: Nvidia ($NVDA). Mehr muss man kaum sagen. Nach dem Rekordquartal vor drei Monaten und dem Ausblick auf die neue Vera-Rubin-Chip-Generation wartet der Markt auf Bestätigung: Hält die KI-Nachfrage auf diesem Niveau? Übersteigen die Rechenzentren-Umsätze erneut die Erwartungen? Und was sagt Jensen Huang über Lieferketten, China-Exporte und die nächsten Quartale? Nvidias Zahlen sind kein gewöhnlicher Earnings-Bericht mehr – sie sind das stärkste Stimmungsbarometer für den gesamten KI-Superzyklus. Ein starker Ausblick könnte Tech-Aktien, Halbleiter-ETFs mit nach oben ziehen.
Am Montag berichtet Baidu – Chinas größter Suchkonzern und KI-Pionier. Im Kontext von Trumps China-Besuch ein interessanter Blick darauf, wie die KI-Entwicklung auf chinesischer Seite läuft und ob sich Entspannungssignale im Handelskonflikt bereits in der Geschäftsstimmung niederschlagen.
Am Donnerstag berichten Walmart ($WMT) und John Deere ($DE) – zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen aufschlussreiche Unternehmen. Walmart ist das verlässlichste Barometer für die Kaufkraft amerikanischer Haushalte im breiten Mittelstand: Was kaufen Menschen, wenn Preise steigen und Unsicherheit wächst? John Deere hingegen ist ein Gradmesser für die globale Agrar- und Industrienachfrage – besonders relevant in einem Umfeld steigender Rohstoffpreise und geopolitischer Lieferkettenrisiken.


