Die vergangene Woche brachte eine Erholung an den Aktienmärkten, obwohl der US-Arbeitsmarktbericht am Donnerstag mit nur plus 57.000 neuen Stellen historisch schwach ausfiel. Krypto legte 4,55 Prozent zu, mit Ethereum plus 11,5 Prozent als klarem Wochen-Outperformer. Diese Woche ist ruhig auf der Datenseite, hat aber zwei Schwergewichte: Das Bundeskabinett stimmt heute über eine Krypto-Steuerreform ab, die die 1-Jahres-Haltefrist kippen soll, und am Mittwoch veröffentlicht die Fed das Protokoll ihrer Juni-Sitzung.
Markt-Recap der Vorwoche
Die abgelaufene Woche war eine klare Erholung nach dem Abverkauf in KW 26, ausgelöst durch zwei parallele Impulse.
Der Tanker-Verkehr durch den Strait of Hormuz nahm Anfang Juli stark zu, die USA und der Iran verhandelten wieder aktiv, und die Energiepreise sanken deutlich.
Gleichzeitig meldeten Tech-Firmen wie Meta, Microsoft und Oracle Rekord-Investitionen von 850 Mrd. USD in neue KI-Rechenzentren, ein Zuwachs von 204 Prozent gegenüber dem Vorjahr
Der KI-Boom braucht extrem viel Rechenleistung, weshalb die großen Tech-Konzerne sich diese Kapazität aktuell im ganz großen Stil sichern, entweder über langfristige Mietverträge oder eigene Neubauten.

Der S&P 500 legte plus 1,76 Prozent zu und näherte sich wieder dem Allzeithoch, der Nasdaq 100 gewann nur 0,72 Prozent, weil der Halbleiter-ETF mit minus 3,16 Prozent die dritte Verlustwoche in Folge ablieferte. Der südkoreanische KOSPI verlor ebenfalls minus 3,84 Prozent und markierte ebenfalls die dritte Verlustwoche nach der 11,4-Prozent-Rallye in KW 25.
Der Donnerstag lieferte den eigentlichen Impuls: Der US-Arbeitsmarktbericht für Juni kam mit nur plus 57.000 neuen Stellen (Prognose war plus 114.000), gleichzeitig sank die Vollzeitbeschäftigung im Juni um dramatische 514.000 Stellen und die Vorwochenzahlen wurden zusätzlich nach unten revidiert.
Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh betonte in einem Kommentar, dass die niedrigeren Ölpreise die Inflationserwartungen gedämpft haben, hielt aber am Ziel der Preisstabilität fest.
Krypto-Recap

Krypto erholte sich in der Woche um 4,55 Prozent auf 2,26 Bio. USD Marktkapitalisierung, mit besonders starkem Comeback der Altcoin-Sektion (plus 7,8 Prozent).
Bitcoin gewann knapp 4 Prozent auf 62.656 USD und reclaimte die 63.000-USD-Marke zeitweise
Ethereum stach mit plus 11,5 Prozent auf 1.763 USD als solider Wochen-Performer hervor, getrieben von einer DeFi-Erholung.
Deutsche Krypto-Steuerreform 2026
Die für deutsche Anleger wichtigste Nachricht kommt aus Berlin. Das Bundesfinanzministerium hat eine Kabinettsvorlage eingereicht, die die bisherige 1-Jahres-Haltefrist für steuerfreie Krypto-Verkäufe abschaffen würde.
Krypto würde damit steuerlich wie Aktien behandelt, also über die pauschale Abgeltungsteuer von rund 26 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag statt über den individuellen Einkommensteuersatz von bis zu 45 Prozent. Für langfristige Hodler ist das ein struktureller Wechsel: Wer bisher darauf gesetzt hatte, seine Bitcoin nach einem Jahr steuerfrei verkaufen zu können, man könnte mit diesem steuerlichen Impuls jetzt dazu zum Nachdenken gebracht werden, ob dieser Long-Term-Aspekt sich noch lohnt.
Das Kabinett stimmt am heutigen Montag über die Vorlage ab.
Zwei entscheidende Fragen bleiben aber offen.
Erstens, ob die Reform einen Bestandsschutz vorsieht oder auch bereits gekaufte Coins erfasst.
Zweitens, wie der Bundestag am Ende darüber entscheidet, denn nach dem Kabinett folgen noch Bundesrat, Bundestag und Bundespräsident.
Beschlossen ist also noch nichts, aber die Diskussion zur Bitcoin-Haltenfrist will aktuell im politischen Umfeld nicht versiegen.
Eine Ironie am Rande: Als Kapitalvermögen ließen sich Krypto-Verluste voraussichtlich erstmals mit Aktiengewinnen verrechnen. Bei Aktien nahe Allzeithoch und Bitcoin rund 50 Prozent unter dem Allzeithoch könnte die Reform dem Fiskus zunächst also Geld kosten statt einbringen. Wobei es, wie gesagt, sehr unwahrscheinlich ist, dass genau in diesem Jahr noch die Haltefrist kippen wird.
Top-Mover der Woche
Auf der Gewinnerseite dominierte die Altcoin-Erholung mit gleich mehreren zweistelligen Wochenzuwächsen:
- Ethereum (ETH): plus 11,6 Prozent als klarer Wochen-Outperformer.
- Cardano (ADA): plus 29,6 Prozent als bemerkenswerteste Comeback-Story. ADA hatte seit dem Hoskinson-Pause-Announcement in KW 24 stark verloren, jetzt eine scharfe Gegenbewegung nach starker Überverkauft-Stellung.
- Solana (SOL): plus 12,5 Prozent durch anhaltendes DeFi- und Real-World-Assets-Wachstum.
- MemeCore (M) plus 105 Prozent als klassischer Dead-Cat-Bounce nach dem 76-Prozent-Crash der Vorwoche, aber ohne fundamentale Story und weiter mit den Insider-Wallet-Risiken belastet, die wir letzte Woche im Newskanal beschrieben hatten.
Auf der Verliererseite blieb die Woche mild: Nur zwei Werte in den Top 100 verloren zweistellig.
Venice Token (VVV) verlor 13 Prozent und Pi Network (PI) minus 11 Prozent.
Bei Venice Token, dem Token einer dezentralen KI-Plattform, ist der Korrekturmoment besonders interessant:
Das Projekt hatte in derselben Woche Investorenkapital eingesammelt, ein klassisches “Buy the rumors, sell the news”-Muster nach einer starken Rallye. Zusätzlich stören sich Anleger möglicherweise daran, dass mit einem zentralisierten Geldgeber wieder klassische Einflusskanäle auf ein eigentlich dezentrales KI-System entstehen.
Ausblick auf die Handelswoche

Die 28. Handelswoche ist auf der Datenseite ruhig, mit einem klaren Schwergewicht am Mittwoch.
Den Auftakt am Montag liefern die US-Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor, also der wichtigste Frühindikator für den mit Abstand größten Teil der US-Wirtschaft (Werte über 50 signalisieren Wachstum).
Parallel spricht am Abend EZB-Präsidentin Lagarde.
Am Dienstag wird SpaceX in den Nasdaq 100 aufgenommen. Weil die großen Index-ETFs (also Fonds, die den Nasdaq 100 automatisch nachbilden) die Aktie an diesem und folgenden Tag zwangsweise mit aufnehmen müssen, kann das kurzfristig für Kursimpulse bei SpaceX sorgen.
Alles dreht sich aber um den Mittwochabend: Da veröffentlicht die US-Notenbank Fed das detaillierte Protokoll ihrer letzten Zinssitzung vom 16. und 17. Juni, also der ersten unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh.
Die Fed hatte bei dieser Sitzung ihre Zinsprognose für Ende 2026 von 3,4 auf 3,8 Prozent angehoben, plus die Erwartung mindestens einer Zinserhöhung dieses Jahres. Der Markt wird jedes Detail im Protokoll auf Hinweise zum weiteren Kurs prüfen, vor allem nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht der Vorwoche. Bleibt der harte Ton auch im Protokoll deutlich, drückt das US-Anleiherenditen weiter nach oben und damit Kapital aus Aktien und Krypto zurück in den sichereren Dollar.
Donnerstag liefern die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und die Verkäufe bestehender Häuser (4,20 Mio. erwartet, was der höchste Stand des Jahres wäre) den Vorgeschmack.
Freitag kommt die deutsche Verbraucherpreisinflation mit unveränderten 2,3 Prozent auf Jahressicht.
Earnings der Woche

Die Earnings-Seite ist diese Woche insgesamt ruhig ohne echte Schwergewichte für Trader und Investoren mit Krypto- oder Makro-Fokus. Die Q2-Earnings-Saison startet erst nächste Woche mit den US-Großbanken wieder.

