Die vergangene Woche war eine massiv geopolitisch getriebene Woche mit einer neuen US-Iran-Eskalation, einem Öl-Sprung von rund 16 Prozent, einem Big-Tech-Crash und einem SpaceX-Kurs erstmals unter dem IPO-Preis. Diese Woche entscheidet die EZB über die Zinsen, gleichzeitig berichten mit Alphabet und Tesla die ersten Werte der Magnificent Seven ihre Zahlen für das zweite Quartal, und in Washington läuft die Uhr für das Krypto-Regulierungsgesetz CLARITY Act.
Zu faul zum Lesen?
Die Kernpunkte auf einen Blick:
- US-Iran-Konflikt eskalierte: iranischer Angriff auf US-Basis in Jordanien mit Toten, Öl-Sprung 16 Prozent auf über 88 USD
- Nasdaq minus 4,1 Prozent, Halbleiter-ETF minus 8,9 Prozent: starke Sektor-Rotation raus aus Big Tech, rein in Energie und Rüstung
- SpaceX minus 17 Prozent auf 124 USD: erstmals unter dem IPO-Preis von 135 USD, nur 2 Wochen nach Nasdaq-100-Aufnahme
- US-Verbraucherpreisinflation schwächer als erwartet, was die Erwartung einer Fed-Zinserhöhung im Juli deutlich dämpfte (Dollar runter, Risk-Assets rauf)
- Krypto blieb stabil: Bitcoin plus 0,86 Prozent, Ethereum plus 3,53 Prozent, die Spot-ETFs beendeten ihre 8-Wochen-Abfluss-Serie
- CLARITY Act unter Zeitdruck: Ohne Demokraten-Stimmen keine Abstimmung zur Krypto-Regulatorik vor der Sommerpause Anfang August
- Klingbeil bestätigt Krypto-Steuerreform: Die 1-Jahres-Haltefrist wird abgeschafft, Krypto wird künftig wie Aktien besteuert
- Diese Woche: EZB-Zinsentscheidung Donnerstag, Alphabet und Tesla Quartalszahlen am Mittwoch, Intel, IBM und Texas Instruments als Chip-Test-Block, Andy Burnham als neuer britischer Premierminister
Markt-Recap der Vorwoche

Die abgelaufene Handelswoche war geopolitisch stark beeinflusst. Die US-Iran-Konfrontation eskalierte mit Berichten über amerikanische Militäraktionen und einem iranischen Angriff auf eine US-Basis in Jordanien mit Toten. Der Ölpreis sprang entsprechend um rund 16 Prozent auf über 88 USD (Brent).
Die US-Aktienmärkte drehten in die Sektor-Rotation, beziehungsweise eine Risk-off-Entscheidung: Der S&P 500 verlor 1,55 Prozent, der Nasdaq 100 brach um 4,13 Prozent ein, der Halbleiter-Sektor sogar um 8,92 Prozent.
Big-Tech-Fonds verzeichneten massive Abflüsse, Insider-Verkäufe stiegen stark, und die Konzentration der zehn größten Tech-Werte im S&P 500 erreichte einen Rekord von 49 Prozent.
Klarer Verlierer der Woche in Einzelaktien: SpaceX (SPCX) verlor 17 Prozent auf 124 USD und rutschte damit erstmals unter den IPO-Preis von 135 USD, nur zwei Wochen nach der Aufnahme in den Nasdaq 100.
Zum einen kam die US-Verbraucherpreisinflation für Juni überraschend weich herein (monatlich minus 0,4 Prozent), was die Erwartung einer Fed-Zinserhöhung im Juli deutlich dämpfte. Zum anderen kletterte die Zahl der Personen außerhalb der US-Erwerbsbevölkerung auf ein Allzeithoch von 105,8 Millionen. Fed-Chef Warsh nutzte seine halbjährliche Kongress-Anhörung, um klarzumachen, dass die Notenbank “nicht im Bailout-Business für Krypto” sei. In Berlin bestätigte Bundesfinanzminister Klingbeil kurz, dass die Abschaffung der 1-Jahres-Haltefrist für Krypto weiterhin geplant ist, Krypto-Gewinne werden künftig mit 25 Prozent Abgeltungsteuer besteuert.
Krypto-Recap
Krypto zeigte sich in der Aktien-Sturmwoche bemerkenswert stabil und legte auf Wochensicht 0,64 Prozent auf 2,29 Bio. USD Marktkapitalisierung leicht zu. Bitcoin schloss bei 64.498 USD (plus 0,86 Prozent) in einer Range zwischen 61.860 und 65.450 USD, Ethereum outperformte mit plus 3,53 Prozent auf 1.865 USD.

Top-Mover der Woche
Auf der Gewinnerseite dominierten die konservativen Alts:
- Ondo (ONDO): plus 7,7 Prozent als klarer Real-World-Assets-Gewinner. Die Story von BlackRocks BUIDL-Fund über 900 Mio. USD strahlt weiter aus.
- Zcash (ZEC): plus 6,5 Prozent setzt die Privacy-Rotation der letzten Wochen fort.
- Litecoin (LTC): plus 4,9 Prozent und Chainlink (LINK): plus 3,9 Prozent als klassische Alts in einer Rotation-Woche.
- Ethereum (ETH): plus 3,4 Prozent als bemerkenswerter Outperformer gegenüber Bitcoin.
Auf der Verliererseite dominierte die Rotation:
- DeXe (DEXE): minus 19,1 Prozent als komplette Umkehr nach dem 94,9-Prozent-Sprung der Vorwoche.
- Aave (AAVE): minus 8,4 Prozent nach mehreren Plus-Wochen im Rahmen der Aavenomics-3.0-Story.
- Hyperliquid (HYPE): minus 8,9 Prozent Woche, minus 10 Prozent Monat.
Ausblick auf die Handelswoche
Die 30. Handelswoche 2026 ist auf der klassischen Datenseite ruhig, wird aber vom EZB-Zinsentscheid und einer 2. Welle politischer und institutioneller Termine geprägt.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag. Nach der Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Juni wird erwartet, dass die Notenbank die Zinsen bei 2,40 Prozent beziehungsweise 2,25 Prozent (Einlagensatz) unverändert lässt.
Spannend wird die Kommunikation: Der Markt preist aktuell mindestens eine weitere Zinserhöhung im September ein. Wenn Lagarde in der Pressekonferenz das bestätigt, könnte der Euro fester tendieren.
Am Freitag kommen zusätzlich die vorläufigen US-Einkaufsmanagerindizes (Frühindikatoren für die Wirtschaftslage, Werte über 50 signalisieren Wachstum) und die Verkäufe neuer US-Häuser.
Politische und institutionelle Termine mit Krypto-Bezug
Über den klassischen Wirtschaftskalender hinaus gibt es diese Woche 3 Termine mit direktem Marktbezug:
- CLARITY Act möglicher Senats-Vote diese Woche: Senate Majority Leader John Thune hat die Woche vom 20. Juli als möglichen Termin für die Abstimmung zum wichtigsten US-Krypto-Regulierungsgesetz signalisiert. Die notwendige Cloture-Motion (die Verfahrenshürde für das Ende der Debatte im Senat) ist noch nicht eingereicht, ein Vote also noch nicht offiziell terminiert. Aber die politische Uhr tickt: Ohne Senats-Vote bis 7. August (letzter Sitzungstag vor der Sommerpause) verzögert sich die US-Krypto-Regulierung mindestens bis Herbst. Für alle Coins mit US-Regulierungsbezug, allen voran XRP ist das ein potenziell hochvolatiler Trigger.
- Andy Burnham wird am Montag 21. Juli als neuer britischer Premierminister vereidigt. Für Forex-Trader relevant, weil sein links-orientiertes Profil und der Fokus auf expansivere Fiskalpolitik das britische Pfund und die Anleiherenditen bewegen dürften.
- US Fed Quiet Period ab 21. Juli vor der Zinssitzung am 28. und 29. Juli. Die Quiet Period ist eine zehntägige selbstauferlegte Redepause, in der Fed-Verantwortliche keine öffentlichen Kommentare zur Geldpolitik mehr abgeben dürfen. Ziel: Der Markt soll nicht kurzfristig durch einzelne Fed-Stimmen beeinflusst werden, bevor die eigentliche Zinsentscheidung fällt. Für Trader heißt das eine leere Woche an Fed-Kommunikation, was oft zu erhöhter Volatilität in den letzten Tagen vor der Sitzung führt.
Earnings der Woche
Die Q2-Saison ist diese Woche voll im Gang. Zwei Blöcke sind für uns besonders relevant.

Big Tech aus den Magnificent Seven: Alphabet (GOOGL) und Tesla (TSLA) berichten beide am Mittwoch nach Börsenschluss. Alphabet gibt den Ausblick für den Werbemarkt und die Google-Cloud-KI-Story vor, Tesla wird zeigen, ob die Auslieferungs-Zahlen und der Ausblick auf Robotaxis den Aktienkurs stützen. Interessant: Tesla hält weiterhin Bitcoin auf seiner Bilanz, entsprechend werden die Details zu Änderungen bei den Krypto-Beständen und dem Impairment-Test genau geprüft.
Chip-Block als Halbleiter-Belastungsprobe: Nach dem 8,9-Prozent-Crash im Halbleiter-Sektor der Vorwoche entscheidet dieser Block, ob das nur eine Rotation-Korrektur oder ein tieferer Trendbruch war. IBM und Texas Instruments berichten am Mittwoch nach Börsenschluss, Intel am Donnerstag nach Börsenschluss. Texas Instruments ist trotz seines Retro-Images einer der größten Halbleiter-Konzerne der Welt (analoge Chips und eingebettete Prozessoren) und damit ein wichtiger Konjunktur-Indikator, weil seine Chips in fast allen Industrieprodukten stecken. Intel ist der Bellwether für den PC- und Server-Markt und für die Frage, ob die KI-Datacenter-Story auch für die klassischen CPU-Hersteller trägt.


