Eine geplante Fusion dreier Firmen aus dem Umfeld des Krypto-Riesen Tether ist geplatzt. Und Jack Mallers, eine der bekanntesten Figuren der Szene, gibt den Chefposten bei Twenty One Capital (kurz: XXI) ab.
Neuer Chef von Twenty One Capital, an der Börse unter dem Kürzel $XXI gehandelt, wird Raphael Zagury.
Was nach reiner Personalie klingt, sagt viel über den Zustand einer ganzen Branche aus.
Tethers Plan der Bitcoin-Fusion
Im April 2026 stellte Tether auf der großen Bitcoin-Konferenz einen ehrgeizigen Plan vor. Der Konzern wollte drei Firmen unter einem einzigen börsennotierten Dach bündeln, in den eigenen Worten sollte es “das führende börsennotierte Bitcoin-Unternehmen der Welt” werden. Jede der drei stand für einen anderen Baustein des Bitcoin-Geschäfts:
- Twenty One Capital (XXI), der Bitcoin-Schatz. Die Firma hält Bitcoin als Unternehmensvermögen. Sie wurde im April 2025 von Tether, dessen Schwesterfirma Bitfinex, dem japanischen Investor SoftBank und Jack Mallers vorgestellt und ging im Dezember 2025 über eine Fusion mit einer Börsenhülle per SPAC von Cantor Fitzgerald an die Börse, bewertet mit rund 3,6 Milliarden Dollar. Tether hält die Mehrheit und kaufte im Mai 2026 auch noch SoftBanks Anteil ab.
- Strike, die Zahlungs- und Handels-App. Die Firma von Jack Mallers bringt Bitcoin zu den Endkunden. Was genau sie kann, dazu gleich mehr.
- Elektron Energy, die Mining-Firma. Gemeint ist die Rechenarbeit, die das Bitcoin-Netz absichert und dafür neue Coins verdient. Elektron zählt zu den größten Mining-Betrieben der Welt, wurde von Raphael Zagury gegründet und ist ebenfalls mehrheitlich von Tether finanziert.
Schatz, Zahlungen und Produktion in einer Hand, das war die Idee. Daraus wird nun so nichts. Strike steigt ganz aus und bleibt eigenständig. Die Gespräche zwischen Twenty One Capital und Elektron laufen laut Bloomberg zwar weiter, gelten aber als vorläufig.
Wer ist Jack Mallers?
Mit Jack Mallers verliert Twenty One sein Zugpferd. Der Gründer ist Bitcoin-Maximalist und gilt seit Jahren als eines der Gesichter der Bitcoin-Bewegung, seit seine Firma Strike 2021 die staatliche Bitcoin-Einführung in El Salvador technisch mittrug. Zum 20. Juli legte er sein Amt bei Twenty One nieder, um sich ganz auf Strike zu konzentrieren.
Den Grund benannte er in einem eigenen Video offen: Er und der Aufsichtsrat, also das Kontrollgremium der Firma, waren sich über den richtigen Weg nicht einig. Sein Lebenswerk sei Bitcoin, und sein Zuhause dafür bleibe Strike.
Wer ist Raphael Zagury?
Er leitet bislang Elektron, saß im Aufsichtsrat von Twenty One und bringt eine lange Wall-Street-Laufbahn mit, unter anderem bei Goldman Sachs und der Deutschen Bank. Sein erklärtes Ziel: Twenty One weg vom reinen Bitcoin-Horten und hin zu echten Einnahmen zu führen. Als Vorbild nennt die Firma den Mischkonzern Berkshire Hathaway von Warren Buffett, der profitable Unternehmen kauft und langfristig hält.
Warum das Tether stärkt
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Rückschlag für Tether. Beim zweiten Blick festigt der Umbau die Macht des Konzerns. Tether hält die Mehrheit sowohl an Twenty One als auch an Elektron. Im Mai 2026 kaufte der Konzern zudem den Anteil des japanischen Investors SoftBank und baute seine Kontrolle weiter aus.
Die verbliebenen Fusionsgespräche laufen damit praktisch im eigenen Haus. Und mit Zagury führt nun ein Mann beide Seiten, der eng mit Tether verbunden ist. Der große Dreier-Deal ist vom Tisch, die Fäden laufen trotzdem stärker bei Tether zusammen.
Was eine Treasury-Firma ist und warum sie leidet
Um die Tragweite zu verstehen, hilft ein Blick auf das Geschäftsmodell von Twenty One. Es ist eine sogenannte Treasury-Firma. Ihr Kerngeschäft besteht darin, eine Kryptowährung zu halten, in diesem Fall Bitcoin. Wer die Aktie kauft, wettet damit indirekt auf den Bitcoin-Kurs.
Twenty One sitzt auf 43.514 Bitcoin und ist damit nach Michael Saylors Firma Strategy der zweitgrößte Unternehmens-Halter der Welt. Beschäftigt sind laut Börsendaten trotzdem nur eine Handvoll Menschen. Genau diese Firmen bekommen den schwachen Bitcoin-Kurs besonders hart zu spüren. In der Branche häufen sich Verluste und Stellenstreichungen.
Auch die Zahlen von Twenty One zeigen das. Die Aktie fiel in Folge dieser News kräftig, je nach Quelle um rund 14 bis 18 Prozent, und rutschte auf ein Rekordtief. Seit ihrem ATH im Mai 2025 hat sie über 90 Prozent verloren. Der Umbau von reiner Treasury (also dem Horten von Bitcoin) hin zu echten Einnahmen ist der Versuch gewesen, genau aus dieser Abhängigkeit vom Kurs herauszukommen.
Was das für den Markt bedeutet
Das Modell, eine börsennotierte Hülle zu bauen, die im Kern nur Bitcoin hält, gerät bereits seit Langem unter Druck. Der Markt zeigt sich skeptisch, und die Firmen suchen nach Wegen, echtes Geld zu verdienen.
Zugleich wächst der Einfluss von Tether im Bitcoin-Kosmos. Der Konzern finanziert über eine Kreditlinie von 2,1 Milliarden Dollar auch die Bitcoin-Kredite von Strike. Wer die Machtverhältnisse im Kryptomarkt verstehen will, sollte Tether im Blick behalten. Und die eigentlich spannende Frage bleibt offen: Was macht Zagury nun aus dem, was von dem großen Plan übrig ist? Was der neue Mann an der Spitze von XXI umsetzen wird, wird nicht nur den Firmenkurs, sondern auch den Aktienkurs bestimmen.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.


