Binance hat keine Lizenz nach dem EU-Kryptogesetz MiCA und bedient Kunden in der EU trotzdem weiter. Jetzt wollen die EU-Wertpapieraufsicht ESMA und Aufseher in Frankreich, Deutschland und Griechenland wissen, auf welcher Grundlage. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf Insider. Die ESMA ist die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde. Sie sorgt dafür, dass nationale Aufseher wie die deutsche BaFin die EU-Regeln für Finanzmärkte einheitlich anwenden.
Für uns ist das der erste große Härtetest für MiCA. Die größte Kryptobörse der Welt hat keine Zulassung, und ihre Kunden in der EU handeln weiter.
Was die Aufseher von Binance wissen wollen
Binance stützt sich auf eine Ausnahme im EU-Recht, die Reverse Solicitation. Sie gilt für Kunden, die von sich aus zu einem Anbieter außerhalb der EU kommen. Einige Aufseher haben bei Binance bereits Auskünfte angefordert. Mehrere stellen laut einem Insider dieselbe Frage: Woran macht Binance fest, dass ein Kunde aus eigenem Antrieb kam?
Reichen ihnen die Antworten nicht, können die Aufseher laut den Insidern durchgreifen, bis hin zu Bußgeldern. Laut einem von ihnen schauen sie sich auch kleinere Anbieter an.
Binance erklärt, es halte die geltenden Regeln ein und stimme seine Produkte laufend auf die Vorgaben ab. An einer MiCA-Zulassung arbeite die Börse aktiv.
Was seit dem 1. Juli für Anbieter ohne MiCA-Lizenz gilt
MiCA, oft auch MiCAR genannt, ist die EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte. Wer in der EU Kryptodienste anbietet, also Coins verwahrt oder den Handel damit ermöglicht, braucht eine Zulassung. Vergeben wird sie von einer nationalen Aufsicht, gültig ist sie in der ganzen EU.
Die Übergangsfrist für Anbieter, die nach altem nationalem Recht arbeiteten, endete am 30. Juni. Wer keine MiCA-Zulassung hat, muss sein EU-Geschäft seit dem 1. Juli abwickeln. Kunden darf er nur noch helfen, ihre Coins zu verkaufen oder zu übertragen. Etwa zu einem anderen Anbieter oder in eine eigene Wallet.
Binance hat keine Zulassung. Der Antrag scheiterte im Sommer, laut Bloomberg in Griechenland. Die Lizenzen, die Binance vorher nach nationalem Recht hatte, etwa in Frankreich, Spanien und Polen, sind mit MiCA erloschen.
So funktioniert die Ausnahme Reverse Solicitation
Reverse Solicitation erlaubt Firmen außerhalb der EU, dort Kunden zu bedienen. Die Bedingung: Der Kunde sucht die Geschäftsbeziehung ganz aus eigenem Antrieb. Keine Werbung, keine Ansprache. Der Kunde muss anklopfen.
Bekannt wurde die Ausnahme nach dem Brexit. Britische Finanzfirmen wollten so ihre Kunden in der EU weiter bedienen, ohne eine eigene EU-Lizenz zu beantragen. Kryptofirmen setzt das EU-Recht laut FT enge Grenzen, mit strengen Auflagen auch dort, wo die Ausnahme greift. Die ESMA nennt sie sehr eng gefasst: Sie solle die Ausnahme bleiben und dürfe nicht dazu dienen, MiCA zu umgehen. Zum Fall Binance selbst wollte sich die ESMA nicht äußern.
Binance setzt die Ausnahme laut FT so um: Kunden aus EU-Ländern, in denen die Börse keine nationale Lizenz hatte, betreut die Binance-Gesellschaft in Abu Dhabi. Sie ist dort seit Dezember 2025 beaufsichtigt. Bestätigt haben das ein Nutzer aus Österreich und zwei Insider. In diesen Ländern melden sich laut einem Insider Kunden von selbst an, ohne dass Binance um sie wirbt.
Für die Prüfer ist das schwer zu fassen: Ob jemand aus eigenem Antrieb kam, steht in keinem Kontoauszug. Und mit jeder Anmeldung wächst ein Geschäft in der EU, für das Binance keine Lizenz hat. Auf Dauer will Binance laut einem Insider auch gar nicht über die Ausnahme wachsen.
Warum Binance für MiCA der Härtetest ist
MiCA soll für alle Anbieter in der EU dieselben Regeln schaffen. Zugelassene Börsen zahlen für Lizenz, Kontrollen und Auflagen. Wer ohne Zulassung dieselben Kunden bedient, spart sich das.
Die niederländische Aufsicht AFM begründet ihr Vorgehen gegen Kryptodienste ohne Zulassung genau so: Verbraucherschutz und fairer Wettbewerb. Auf die Ausnahme könne sich niemand einfach berufen. Zu Binance selbst äußerte sich die AFM nicht.
Ärger mit Aufsehern kennt Binance seit Jahren. In den USA zahlte die Börse 2023 eine Rekordstrafe von 4,3 Mrd. USD und bekannte sich schuldig, gegen Regeln zu Geldwäsche und Sanktionen verstoßen zu haben.
Die ESMA will sich ohnehin mehr Werkzeug holen. Am 30. September, einen Tag vor dem FT-Bericht, schickte sie der EU-Kommission ihre Vorschläge zur Überarbeitung von MiCA. Darin fordert sie stärkere Befugnisse gegen Firmen aus Drittstaaten. Gemeint sind Firmen von außerhalb der EU, die ohne Zulassung um Anleger in der EU werben. Werben oder nicht werben: An genau dieser Grenze hängt auch der Fall Binance.
Was das für Binance-Kunden in Deutschland und Österreich bedeutet
Ein Nutzer aus Österreich sagte der FT, für ihn habe sich nichts geändert. Er kaufe, verkaufe und handle in der App wie vorher.
Zu Deutschland steht weniger im Bericht. Die BaFin gehört zu den Behörden, die Binances Berufung auf die Ausnahme prüfen. Einen Kommentar gab sie nicht. Welche Binance-Gesellschaft Kunden hier betreut, nennt die FT nicht ausdrücklich.
Wie es weitergeht, hängt an Binances Antworten. Reichen sie den Aufsehern, bleibt vorerst alles beim Alten. Reichen sie nicht, ist offen, wer entscheidet und ein Bußgeld verhängt: die ESMA oder eine nationale Behörde. Der Bericht sagt dazu nichts.
Dass MiCA-Verstöße Geld kosten, hat im August die österreichische Aufsicht FMA gezeigt, mit der ersten veröffentlichten MiCA-Strafe. 70.000 Euro gegen Bitpanda, wegen Formfehlern bei Whitepaper und Werbung. Bei Binance geht es um mehr: ob die Börse hier überhaupt Kunden bedienen darf.
Wer sich jetzt neu bei Binance anmeldet, tut das nach Binances Lesart aus eigenem Antrieb. Genau diese Lesart prüfen die Aufseher gerade. Wie sie entscheiden, zeigt, was MiCA gegen einen Anbieter dieser Größe ausrichtet.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen zu Binance und MiCA
Hat Binance eine MiCA-Lizenz?
Nein. Der Antrag scheiterte im Sommer 2026, laut Bloomberg in Griechenland. Die nationalen Lizenzen, die Binance vorher etwa in Frankreich, Spanien und Polen hatte, sind mit MiCA erloschen. Beaufsichtigt wird seit Dezember 2025 die Binance-Gesellschaft in Abu Dhabi, über die laut FT Kunden in EU-Ländern ohne frühere Binance-Lizenz handeln. Nach eigenen Angaben arbeitet Binance aktiv an einer MiCA-Zulassung.
Ist Binance in Deutschland verboten?
Von einem Verbot ist in den Berichten nicht die Rede. Ohne MiCA-Lizenz muss Binance sein Geschäft in der EU seit dem 1. Juli aber abwickeln. Weiter bedienen darf die Börse Kunden nur im engen Rahmen der Reverse Solicitation, also wenn sie ganz von selbst kommen. Ob Binance diesen Rahmen einhält, prüfen die ESMA und Aufseher in Deutschland, Frankreich und Griechenland.
Hinweis: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt.


