Circle, der Herausgeber des Stablecoins USDC, hat am Mittwoch, 16. September 2026, seine eigene Blockchain Arc gestartet. Die Gebühren zahlt man dort in USDC, also in einem Token, dessen Wert an den US-Dollar gekoppelt ist. Neue Blöcke bestätigen große Finanzhäuser wie BlackRock, Visa und die US-Wertpapierabwicklung DTCC. Einen eigenen Token namens ARC gibt es auch schon. Kaufen kann ihn niemand.
Was beim Start von Arc passiert ist
Fast ein Jahr lang lief Arc als Testnetz, ohne echtes Geld. Seit Oktober 2025 wurden dort nach Angaben von Circle mehr als 700 Mio. Transaktionen abgewickelt. Seit Mittwoch ist das Hauptnetz offen.
Zum Start sind laut The Block mehr als 100 Anwendungen verfügbar. Darunter sind die Handelsplattform Uniswap und die Kreditprotokolle Aave und Morpho, bei denen man Coins verleihen oder gegen Sicherheiten leihen kann. Auch BlackRocks tokenisierter Geldmarktfonds BUIDL soll auf Arc als Sicherheit dienen. Eine Überweisung ist nach weniger als einer Sekunde endgültig.
Wer das Netz absichert, hatte Circle schon im August bekannt gegeben. Zu den elf Gründungs-Validatoren gehören neben BlackRock, DTCC und Visa auch Mastercard, die Großbank Standard Chartered und der Börsenbetreiber ICE. Validatoren sind die Teilnehmer, die neue Transaktionen prüfen und als Block an die Kette hängen. Sie kommen schrittweise ins Netz.
Warum Circle eine eigene Blockchain baut
Bisher läuft USDC auf fremden Netzen wie Ethereum oder Solana. Wer dort Dollar-Token verschickt, zahlt die Gebühr in der Währung des Netzes, also in ETH oder SOL. Eine Firma, die nur Dollar bewegen will, muss sich dafür zusätzlich einen Coin besorgen, dessen Kurs schwankt. Auf Arc fällt dieser Umweg weg. Dollar rein, Dollar raus. Circle-Chef Jeremy Allaire hält nichts von einem Pflicht-Token: Das sei, als müsste Netflix Amazon-Aktien kaufen, um seine Cloud-Rechnung bei Amazon zu bezahlen.
Der zweite Grund ist der Wettbewerb. Circle verdient sein Geld mit dem Stablecoin, und in dieses Geschäft drängen gerade Banken und Zahlungskonzerne. 21 Institute um Bank of America, Citi und Goldman Sachs bereiten laut CoinDesk einen eigenen Dollar-Stablecoin für das erste Halbjahr 2027 vor. Der Zahlungsdienst Stripe baut mit dem Krypto-Investor Paradigm die Zahlungs-Blockchain Tempo und mischt beim geplanten Stablecoin Open USD mit. Geben viele Anbieter digitale Dollar aus, wird der einzelne Stablecoin leichter austauschbar. Circle baut deshalb die Schiene gleich mit, auf der das Geld fährt.
Dazu kommen Wertpapiere. Ab dem zweiten Halbjahr 2027 wollen Circle und die DTCC Wertpapiere, die bei deren Verwahrstelle liegen, auf Arc als Token abbilden.
Der ARC-Token: geschaffen, Rolle offen
In dieser Woche hat Circle 10 Mrd. ARC geschaffen. Laut Unternehmen ist das ein technischer Schritt und keine Zusage, den Token öffentlich auszugeben. Geld ist trotzdem geflossen: Im Mai zahlten Investoren wie Apollo, ARK Invest und BlackRock in einem Vorverkauf 222 Mio. USD für ARC, bei einer Bewertung des Netzes von 3 Mrd. USD. BlackRock steckt damit doppelt in Arc, als Geldgeber und als Validator.
Welche Rolle ARC bekommt, hängt am Sicherheitsmodell. Heute bestätigen nur Institute Blöcke, die Circle zugelassen hat. Das Verfahren heißt Proof of Authority. Für 2027 prüft Circle den Wechsel zu Proof of Stake, den Ethereum 2022 vollzogen hat. Dabei hinterlegen die Prüfer eigene Token als Pfand und können ihn verlieren, wenn sie gegen die Regeln verstoßen. ARC könnte dann für Sicherheit und Mitbestimmung im Netz sorgen. Die Gebühren sollen auch danach in USDC anfallen.
Wie kaufe ich ARC, die Kryptowährung von Circles Blockchain Arc?
Heute gar nicht. ARC steht nicht zum öffentlichen Verkauf, und Circle hat auch keinen Verkauf angekündigt. Es gibt keine Börse, keine App und keinen Händler, über die man den Token von Circle bekommt.
Ob es je einen öffentlichen Verkauf gibt, ist offen. Wenn Informationen dazu kommen, dann von Circle selbst. Maßgeblich ist, was das Unternehmen über seine offiziellen Kanäle mitteilt.
Fall niemals auf einen angeblichen ARC-Presale herein, also einen Vorverkauf, bei dem du früh und günstig an den Token kommen sollst. Einen Token mit dem Namen ARC kann jeder auf einer Blockchain erzeugen. Der Name beweist nichts. Wie solche Maschen ablaufen, zeigen wir in unserem Ratgeber Krypto-Betrug erkennen.
Was Arc für Anleger und Trader bedeutet
Wer USDC hält, merkt davon zunächst nichts. Der Stablecoin bleibt derselbe, und Circle will ihn weiter auf den großen Netzen anbieten.
Für Circle ist das ein Balanceakt. Groß geworden ist USDC, weil Circle den Stablecoin auf vielen konkurrierenden Netzen verteilt hat. Jetzt tritt das Unternehmen selbst gegen diese Netze an. Holen sich Banken und Fonds ihre Zahlungen und Geschäfte auf Arc, wandert ein Teil der Aktivität von offenen Netzen wie Ethereum auf Circles Kette. Bleibt es bei Tests und Absichtserklärungen, ist Arc eine Blockchain unter vielen.
Unsere Einordnung: Circle wird zum Mittelsmann
Bei Bitcoin kann jeder Blöcke erzeugen, der Rechenleistung einbringt. Eine Erlaubnis braucht er nicht. Bei Arc bestimmt Circle, wer Blöcke bestätigen darf. Damit braucht es wieder Vertrauen und einen Mittelsmann. Genau beides wollten Bitcoin und Kryptowährungen überflüssig machen.
Ob das stört, hängt an der Anwendung. Eine Bank muss der Aufsicht sagen können, wer ihre Zahlungen abwickelt. Und wer täglich Geld für Kunden verschickt, möchte jemanden erreichen, wenn eine Zahlung an die falsche Adresse geht. Für Institutionen ist ein Netz wie Arc deshalb verständlich gebaut.
Positiv finden wir, wer die Infrastruktur baut: Circle ist ein Unternehmen aus der Kryptobranche und kein klassisches Finanzhaus wie JP Morgan. Die Zentralisierung sollte man trotzdem nicht aus dem Blick verlieren. Die Kontrolle liegt bei wenigen bekannten Namen.
Für Aktien-Trader kommt ein Punkt dazu. Circle ist eine der wenigen Möglichkeiten, über die Börse an der Verbreitung von Stablecoins teilzuhaben. Wer so investiert, hat ein Interesse daran, dass Circle um Marktanteile kämpft, sein Geschäft absichert und wächst. Arc ist dieser Versuch. Eine Kaufempfehlung für die Aktie ist das nicht.
Kurz erklärt
Proof of Authority. Ein Verfahren, bei dem nur vom Betreiber zugelassene Teilnehmer Blöcke bestätigen dürfen.
Tokenisierter Geldmarktfonds. Ein Fonds, der in kurzfristige, als sicher geltende Anlagen investiert und dessen Anteile als Token auf einer Blockchain geführt werden.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen zu Circle Arc
Wie kaufe ich ARC, die Kryptowährung von Circles Blockchain Arc?
Derzeit gar nicht. Circle hat 10 Mrd. ARC geschaffen, den Token aber nicht öffentlich ausgegeben und keinen Verkauf angekündigt. Verlässliche Informationen zu einem möglichen Verkauf kann es nur von Circle selbst geben. Wer einen ARC-Presale anbietet, handelt nicht im Auftrag von Circle.
Was ist der Unterschied zwischen USDC und ARC?
USDC ist ein Stablecoin, sein Wert ist an den US-Dollar gekoppelt. Auf Arc ist er das Zahlungsmittel und die Währung für Gebühren. ARC ist der Token des Netzes selbst. Eine Rolle könnte er ab 2027 bei Sicherheit und Mitbestimmung bekommen, falls Circle zu Proof of Stake wechselt.
Welche Stablecoins außer USDC laufen auf Arc?
Circle hat seinen Devisendienst StableFX in Arc eingebaut. Er soll rund um die Uhr den Tausch und die Abwicklung zwischen Währungen ermöglichen. Unterstützt werden laut The Block neben USDC unter anderem der Euro-Stablecoin EURC sowie Token für britisches Pfund, japanischen Yen und koreanischen Won.
Laufen Ethereum-Anwendungen auch auf Arc?
Ja, Arc ist mit der Technik von Ethereum kompatibel. Programme, die für Ethereum geschrieben wurden, funktionieren auch auf Arc. Deshalb konnten Anwendungen wie Uniswap, Aave und Morpho schon am ersten Tag starten.
Kann auf Arc jeder sehen, wer wem wie viel überweist?
Vorerst ja, wie auf den meisten Blockchains. Circle arbeitet an einer freiwilligen Funktion für vertrauliche Transaktionen und Kontostände. Einsicht sollen dann nur berechtigte Stellen bekommen, etwa Prüfer und Aufsichtsbehörden. Freigeschaltet ist die Funktion noch nicht.


