Ende Juni 2026 haben sich mehr als 140 Firmen zusammengetan, von Visa über Mastercard bis BlackRock, um einen eigenen Stablecoin namens Open USD zu bauen. Die Aktie von Circle, einem der bisherigen Marktführer, brach am Tag der Ankündigung zweistellig ein.
Was war da los? Wer verstehen will, warum plötzlich die halbe Finanzwelt hinter einem digitalen Dollar-Token her ist, muss zuerst verstehen, was ein Stablecoin überhaupt ist und wie damit Geld verdient wird. Genau das erklären wir hier Schritt für Schritt, und am Ende wird klar, warum ausgerechnet klassische Banken zunehmend nervös werden.
Was ein Stablecoin überhaupt ist
Ein Stablecoin ist eine Kryptowährung, deren Wert an eine reale Währung gekoppelt ist, meistens den US-Dollar, meistens im Verhältnis eins zu eins. Ein Token, ein Dollar. Anders als Bitcoin oder Ethereum soll ein Stablecoin also gerade nicht schwanken. Die bekanntesten Beispiele sind Tether (USDT) und Circles USD Coin (USDC), zusammen decken sie den Großteil des Marktes ab.
Damit die Kopplung hält, funktioniert das Prinzip denkbar simpel. Ein Kunde überweist einen echten Dollar an den Anbieter. Der Anbieter gibt dafür einen Token aus und legt den echten Dollar als Sicherheit, im Fachjargon Collateral, zur Seite. Will der Kunde später aussteigen, gibt er den Token zurück und bekommt seinen Dollar wieder. So weit, so simpel. Der entscheidende Punkt kommt jetzt: Was macht der Anbieter in der Zwischenzeit mit dem eingesammelten Geld?
Die Antwort lautet in den allermeisten Fällen: kurzlaufende US-Staatsanleihen kaufen. Diese gelten als eine der sichersten Anlagen der Welt und werfen trotzdem Zinsen ab. Der Kunde bekommt seinen Token, der genauso viel wert bleibt wie vorher. Der Anbieter bekommt die Zinsen. Für den Kunden ändert sich scheinbar nichts, für den Anbieter kann daraus ein gewaltiges Geschäft werden, dazu später mehr.
Seit wann es Stablecoins gibt und wer sie erfunden hat
Die Idee ist deutlich älter, als die meisten denken. Der allererste Stablecoin hieß BitUSD und ging am 21. Juli 2014 an den Start, gebaut von den Krypto-Pionieren Dan Larimer und Charles Hoskinson (später Mitgründer von Cardano) auf der Blockchain BitShares. Die Konstruktion war komplett anders als bei den meisten heutigen Stablecoins: Kein echtes Geld lag als Sicherheit dahinter, sondern ein anderer, selbst schwankender Krypto-Token. Das Experiment zeigte schon damals, wie schwer eine stabile Kopplung ohne echte Reserven zu halten ist, und verlor seine Bindung zum Dollar 2018 endgültig. Die Grundidee war trotzdem geboren: eine Kryptowährung, die nicht schwankt.
Fast zeitgleich, im Juli 2014, gründeten Brock Pierce, Reeve Collins und Craig Sellars ein Projekt namens Realcoin, im November desselben Jahres umbenannt in Tether. Die Motivation dahinter war ziemlich praktisch. Krypto-Börsen taten sich damals schwer, überhaupt ein Bankkonto zu bekommen, viele Banken wollten mit der Branche nichts zu tun haben. Tether bot eine Abkürzung: einen Token, der jederzeit auf der Blockchain bewegt werden kann, ohne dass dafür bei jeder einzelnen Transaktion eine Bank eingeschaltet werden muss, und der trotzdem im Wert einem echten Dollar entspricht. Diesmal mit echten Dollar-Reserven im Hintergrund, nicht mit einem anderen, schwankenden Kryptowert. Dieses Prinzip ist bis heute das mit Abstand verbreitetste.
Der nächste große Schritt kam mit MakerDAO. Der Däne Rune Christensen brachte im Dezember 2017 DAI an den Start, komplett dezentral organisiert und ohne zentrale Firma im Hintergrund, dafür überbesichert mit Krypto-Werten wie Ether. Ein Jahr später, im September 2018, zogen Circle und Coinbase mit USD Coin (USDC) nach, gemeinsam über die sogenannte Centre-Konsortium-Struktur, mit dem klaren Anspruch, transparenter und stärker reguliert aufzutreten als Tether. Aus diesen vier frühen Ansätzen, BitUSD, Tether, DAI und USDC, haben sich im Grunde alle Bauarten entwickelt, die es heute gibt.
Die wichtigsten Arten von Stablecoins
Bis heute haben sich aus dieser Anfangszeit vier grundverschiedene Bauarten entwickelt. Alle verfolgen denselben Zweck, tragen dabei aber ganz unterschiedliche Risiken.
Fiat-gedeckt: Tether und Circle
Das mit Abstand größte Modell, siehe oben: Echte Dollar oder kurzlaufende Staatsanleihen liegen als Sicherheit hinter jedem Token. Tether (USDT) ist hier der Platzhirsch, mit deutlich über 100 Milliarden Dollar Umlauf, war aber in der Vergangenheit wegen seiner Reserven in der Kritik. 2021 zahlte die Firma 18,5 Millionen Dollar an die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft und wenig später weitere 41 Millionen Dollar an die US-Terminbörsenaufsicht CFTC, weil sie zeitweise nicht so vollständig durch Dollar gedeckt war, wie behauptet. Seither veröffentlicht Tether vierteljährlich testierte Reserveberichte, wenn auch noch keine vollständige Bilanzprüfung. Circle (USDC) gilt als das transparentere Gegenstück, mit regelmäßigen Bestätigungen und ist seit Juni 2025 sogar selbst an der New Yorker Börse notiert.
Krypto-gedeckt: DAI und Sky
Bei DAI hinterlegen Nutzer statt echten Dollar Kryptowerte wie Ether, und zwar deutlich mehr, als sie an DAI herausbekommen, meist 150 Prozent oder mehr des Werts. Fällt der Wert der Sicherheit zu stark, wird die Position automatisch aufgelöst, damit das System nicht in Schieflage gerät. Der Vorteil: keine zentrale Firma, die über die Reserven entscheidet. Der Nachteil: mehr Komplexität und ein Sicherheitspuffer, der selbst wieder schwanken kann. Das dahinterstehende Projekt MakerDAO hat sich 2024 in Sky umbenannt, DAI bekam mit USDS ein neues Schwester-Token, das seit April 2026 in einer großen Umtauschaktion an vielen Börsen automatisch ersetzt wird. DAI existiert aber weiter parallel dazu. Zusammen kommen beide Token mittlerweile auf gut 13 Milliarden Dollar Umlauf, und ein Großteil der Erträge stammt inzwischen nicht mehr aus reinen Krypto-Zinsen, sondern aus tokenisierten Staatsanleihen und anderen Real-World-Assets.
Algorithmisch, ohne echte Reserve: das Warnbeispiel Terra und Luna
Die riskanteste Variante verzichtet komplett auf hinterlegte Reserven und versucht stattdessen, die Kopplung rein über Angebot und Nachfrage zwischen zwei Token zu steuern. Das bekannteste und bis heute abschreckendste Beispiel ist Terras UST, gekoppelt an einen zweiten, frei schwankenden Token namens Luna. Im Mai 2022 kollabierte das System innerhalb weniger Tage: UST verlor die Dollar-Bindung, daraufhin wurde immer mehr Luna nachgedruckt, um die Kopplung zu retten, was den Kurs nur noch schneller fallen ließ, ein klassischer Teufelskreis. Am Ende war aus gut 120 Dollar pro Luna praktisch null geworden, rund 50 Milliarden Dollar Marktwert waren vernichtet, mit Ausstrahleffekten von über 400 Milliarden Dollar auf den gesamten Kryptomarkt. Seither gilt das rein algorithmische Modell als weitgehend widerlegt. Moderne Regelwerke wie der GENIUS Act oder die europäische MiCA verlangen inzwischen echte, werthaltige Reserven und würden ein zweites Terra in dieser Form gar nicht mehr zulassen.
Synthetisch und gehedgt: Ethena und Co
Die neueste Variante funktioniert wieder anders. Ethenas USDe hält zum Beispiel gestaktes Ether als Sicherheit, geht aber gleichzeitig eine Gegenposition an den Terminmärkten ein und verkauft dort ungefähr denselben Betrag an Ether auf Termin leer, im Fachjargon ein Hedge genannt. Steigt Ether im Wert, gewinnt die eine Seite, verliert die andere, in Summe bleibt der Dollarwert stabil. Die Rendite kommt aus zwei Quellen: den Erträgen fürs Staking und den sogenannten Funding-Zahlungen, laufenden Ausgleichszahlungen zwischen Long- und Short-Seite, die im Krypto-Terminhandel üblich sind. Der Unterschied zu Terra: Hinter Ethena steckt echtes Vermögen, nur eben in einer derivativen Konstruktion statt in einer simplen Bar-Reserve. Das Modell ist deutlich jünger und wuchs zuletzt schnell, Mitte 2026 lag der Umlauf bei rund 6 Milliarden Dollar. Im Juni 2026 kündigte sogar der Vermögensverwalter BlackRock eine Anbindung an seine hauseigene Risikomanagement-Plattform Aladdin an. Das größte Risiko bleibt, dass die Funding-Zahlungen in schwachen Marktphasen ins Negative drehen können. Eine weitere Sonderform, bei der Erträge ausdrücklich an den Halter weitergereicht werden, erklären wir im Abschnitt weiter unten im Detail.
Warum plötzlich alle einen eigenen Stablecoin wollen
Wer hier überall mitmischt, ist fast schon verblüffend. Der amerikanische Präsident Donald Trump ist über die Familienfirma World Liberty Financial an einem eigenen Stablecoin namens USD1 beteiligt, der seit seinem Start im März 2025 auf rund 4,5 Milliarden Dollar Umlauf gewachsen ist. Der US-Bundesstaat Wyoming hat im Januar 2026 mit dem Frontier Stable Token (FRNT) sogar den ersten staatlich ausgegebenen Stablecoin überhaupt herausgebracht, die Zinserträge aus den hinterlegten Staatsanleihen fließen dabei direkt in den Landeshaushalt, dieselbe Masche wie bei jedem privaten Anbieter, nur mit einem Bundesstaat als Nutznießer. Die klassischen Krypto-Anbieter Tether und Circle sind ohnehin schon lange dabei. Jetzt zieht mit Open USD die geballte Zahlungs- und Tech-Industrie nach, und selbst die Bankenbranche baut mit Qivalis ihr eigenes Gegenstück in Europa auf. Der Anreiz reicht dabei sogar bis zu den Notenbanken: Deren digitales Pendant heißt zwar nicht Stablecoin, sondern CBDC, kurz für Zentralbank-Digitalwährung, und ist rechtlich etwas anderes als ein privat ausgegebener Token, verfolgt im Kern aber einen ganz ähnlichen Gedanken, nämlich digitales Zentralbankgeld direkt an Bürger und Firmen zu bringen.
Der Markt für Stablecoins ist im Sommer 2026 auf rund 300 Milliarden US-Dollar angewachsen. Klingt schon groß, ist aber laut der Investmentbank Citi erst der Anfang. In ihrer im September 2025 überarbeiteten Prognose rechnet Citi bis 2030 im Basisszenario mit 1,9 Billionen US-Dollar, im optimistischeren Szenario sogar mit 4 Billionen. Selbst die vorsichtigere Zahl wäre mehr als eine Versechsfachung innerhalb weniger Jahre.
Kein Wunder also, dass gerade jeder mitmischen will. Neben Open USD, dem neuen Gemeinschaftsprojekt von Visa, Mastercard, Stripe, BlackRock und mehr als 140 weiteren Partnern, gibt es bereits das Global Dollar Network rund um Paxos, unterstützt unter anderem von Robinhood und Kraken. Und auch Europa zieht nach: Ein Bankenkonsortium aus 37 Instituten, darunter die ING, die UniCredit und die BBVA, arbeitet unter dem Namen Qivalis an einem eigenen, MiCA-konformen Euro-Stablecoin, der Start ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Der Reiz ist dabei immer derselbe. Wer einen eigenen Stablecoin betreibt oder zumindest daran beteiligt ist, sitzt am Anfang einer Geldkette, die sich fast von selbst füllt. Wie groß dieser Reiz in Zahlen ausgedrückt tatsächlich ist, lohnt einen genaueren Blick.
Das Geschäftsmodell: wie Anbieter mit fremdem Geld verdienen
Rechnen wir es einmal grob durch. Der aktuelle Leitzins der US-Notenbank liegt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Bei rund 300 Milliarden Dollar Marktgröße ergibt das ein Zinspotenzial von etwa 10 bis 11 Milliarden Dollar im Jahr für die gesamte Branche zusammen, allein durch das Halten von Staatsanleihen. Zufällig deckt sich diese Größenordnung ungefähr mit dem, was Tether, der größte Anbieter, für 2024 an Gewinn gemeldet hat: rund 13 Milliarden Dollar.
Und jetzt die Zukunft. Legt man Citis Basisszenario von 1,9 Billionen Dollar für 2030 zugrunde und den heutigen Leitzins an, wären das rund 71 Milliarden Dollar Zinsertrag pro Jahr. Beim optimistischeren Szenario von 4 Billionen wären es sogar etwa 150 Milliarden. Selbst bei einem niedrigeren, langfristig eher üblichen Leitzins von 3 Prozent blieben im Basisszenario rund 57 und im optimistischen Szenario rund 120 Milliarden Dollar übrig. Wohlgemerkt: Diese Zahlen sind eine vereinfachte Momentaufnahme mit dem heutigen Zinsniveau, die tatsächlichen Zinsen in vier Jahren kennt niemand. Sie zeigen aber die Größenordnung, um die hier gerungen wird.
Was diese Rechnung so besonders macht: Der Anbieter trägt dabei kaum eigenes Risiko. Er leiht sich das Geld quasi kostenlos von seinen eigenen Kunden, legt es in eine der sichersten Anlageklassen der Welt und behält die Zinsen. Genau dieses Prinzip, nahezu risikofrei mit fremdem Geld zu verdienen, ist der Grund, warum Zahlungsnetzwerke, Banken und Tech-Konzerne gerade Schlange stehen. Der einzige echte Unterschied zwischen den Anbietern ist inzwischen die Frage, wer diese Zinsen am Ende behalten darf. Und genau hier setzt Open USD an: Statt die Erträge komplett selbst zu behalten wie Tether oder Circle es tun, verteilt Open USD sie unter den beteiligten Firmen. Das erklärt, warum sich ausgerechnet Circles eigene Partner wie BlackRock und Coinbase dem neuen Projekt angeschlossen haben. Ein größeres Stück von einem geteilten Kuchen kann eben attraktiver sein als ein kleineres Stück vom eigenen.
Die Weitergabe von Zinsen: was Yield-bearing Stablecoins sind
Bleibt eine Frage, die sich nach dem Abschnitt oben aufdrängt: Bei Ethena fließt ein Teil der Erträge ja sichtbar an Halter, die USDe gegen das verzinste sUSDe eintauschen. Warum ist das bei den viel größeren, klassischen Zahlungs-Stablecoins wie Tether, Circle oder Open USD nicht genauso üblich? In den USA ist das inzwischen sogar gesetzlich geregelt. Der sogenannte GENIUS Act, ein im Juli 2025 verabschiedetes Bundesgesetz, verbietet es Emittenten von Stablecoins ausdrücklich, ihren Haltern direkt Zinsen zu zahlen.
Ganz dicht ist dieses Verbot allerdings nicht. Coinbase zum Beispiel zahlt Kunden, die USDC in der eigenen App halten, weiterhin 3,5 Prozent im Jahr, nur nennt man es dort nicht Zins, sondern Treueprämie. Finanziert wird das aus genau dem Anteil der Reserve-Erträge, den Coinbase über seine Beteiligung an Circle ohnehin kassiert. Die US-Bankenaufsicht OCC hält das für eine Umgehung des Gesetzes und will genau diese Konstruktion mit einer neuen Regel unterbinden.
Wichtig ist außerdem eine Unterscheidung: Open USD zahlt nicht etwa privaten Haltern Zinsen aus, sondern teilt die Erträge mit den beteiligten Unternehmen, die den Coin in ihre Produkte einbauen. Das ist rechtlich etwas anderes als ein klassischer verzinster Coin für Privatanleger, wie es sie parallel als eigene Produktkategorie gibt, etwa tokenisierte Geldmarktfonds. Diese laufen meist außerhalb der strengen Regeln für reine Zahlungs-Stablecoins und richten sich oft nicht an normale Privatkunden in den USA.
Der Kapitaleinnahmehebel: warum Banken sich fürchten
Damit sind wir beim eigentlichen Grund, warum die Bankenbranche das Thema so ernst nimmt. Der Mechanismus dahinter wird oft missverstanden. Manche argumentieren, Geld verschwinde ja nicht einfach, es wandere nur von einer Bank zur nächsten. Eine Bank finanziert mit den Einlagen ihrer Kunden Kredite an andere Kunden, etwa Baufinanzierungen oder Firmenkredite. Ein Stablecoin-Anbieter dagegen tut das nicht, er parkt das Geld ausschließlich in Staatsanleihen. Wandert also ein Dollar vom Bankkonto in einen Stablecoin, verlässt dieser Dollar effektiv den Kreislauf, aus dem Banken Kredite vergeben. Das Geld ist nicht weg, aber es steht der Realwirtschaft in Form von Krediten nicht mehr zur Verfügung.
Wie groß dieser Effekt am Ende ausfällt, darüber streiten sich Ökonomen kräftig. Eine von der Stablecoin-Branche mitfinanzierte Studie kommt bei einem angenommenen Marktvolumen von 4 Billionen Dollar auf bis zu 3,7 Billionen Dollar an tatsächlich verlorenen Bankeinlagen und rund 2,7 Billionen Dollar weniger Kreditvergabe insgesamt. Eine Ökonomin der US-Notenbank kommt in einer eigenen, unabhängigen Untersuchung auf deutlich moderatere 65 Milliarden bis 1,26 Billionen Dollar.
Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen, aber die Richtung ist bei beiden Studien dieselbe: Je mehr Geld in Stablecoins fließt, desto weniger bleibt den Banken zum Verleihen übrig. Genau das ist der Kapitaleinnahmehebel, den Bankenverbände in den USA seit Monaten öffentlich kritisieren.
Was das für dich als Trader oder Anleger bedeutet
Für dich als Trader ist der praktische Nutzen von Stablecoins erst einmal simpel: Sie sind das Zahlungsmittel, mit dem du zwischen Börsen wechselst, Gewinne parkst oder in Sekunden weltweit Geld bewegst, ohne jedes Mal zurück auf ein Bankkonto zu müssen. Wer verstehen will, wie stark sich dieser Markt gerade verschiebt, sollte aber auch die Unternehmen im Blick behalten, die dahinterstehen. Circle ist mit USDC börsennotiert, entsprechend hat die OUSD-Ankündigung die Aktie direkt getroffen. Wie sich das Kräfteverhältnis zwischen den etablierten Anbietern und den neuen Konsortien entwickelt, dürfte den Sektor in den kommenden Jahren prägen.
Für Anleger in Europa lohnt zusätzlich der Blick auf Qivalis, das europäische Gegenstück zu den amerikanischen Projekten. Es zeigt, dass auch hierzulande Bewegung in den Markt kommt, nur eben unter anderen regulatorischen Vorzeichen und mit klassischen Banken statt Tech-Konzernen als treibender Kraft.
Fazit: worauf es jetzt ankommt
Stablecoins haben sich vom Werkzeug für Krypto-Händler zu einem der lukrativsten Geschäftsmodelle der Finanzwelt entwickelt, gerade weil das Prinzip so einfach ist: fremdes Geld einsammeln, in Staatsanleihen parken, Zinsen kassieren. Wie groß dieses Geschäft werden kann, zeigen sowohl die nüchternen Prognosen von Citi als auch der Umstand, dass sich inzwischen selbst enge Geschäftspartner wie BlackRock und Coinbase offen gegen Circle stellen. Für klassische Banken bedeutet dieser Trend dagegen echten Gegenwind, weil jeder abgewanderte Dollar auch einen Dollar weniger für die eigene Kreditvergabe bedeutet. Wie das ausgeht, ob Banken selbst zu Emittenten werden, ob sich das Reserve-Ertrags-Teilen à la Open USD durchsetzt oder ob am Ende die Regulierung den Ausschlag gibt, entscheidet sich in den kommenden Jahren.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

