Am Samstag, dem 18. Juli 2026, wurde der GENIUS Act ein Jahr alt. Es ist das erste große US-Gesetz für Stablecoins, also für Kryptowährungen, die fest an eine Währung gekoppelt sind, meist an den Dollar. Präsident Donald Trump hatte es am 18. Juli 2025 unterzeichnet.
Der Jahrestag war zugleich eine Frist. Bis dahin sollten die US-Aufsichtsbehörden die konkreten Regeln fertig haben, mit denen das Gesetz in der Praxis umgesetzt wird. Diese Frist haben sie verstreichen lassen.
Die Behörden liegen zurück
Betroffen sind gleich mehrere Stellen: die Bankenaufsicht OCC, die Einlagensicherung FDIC, die Aufsicht über Kreditgenossenschaften NCUA, die Notenbank Federal Reserve und das Finanzministerium. Ihre wichtigsten Regelpakete liegen bis heute nur als Entwürfe vor. Bei manchen läuft die öffentliche Kommentierung sogar noch bis in den August hinein.
Für die Unternehmen heißt das: Sie müssen sich um Vorgaben herum organisieren, die es formal noch gar nicht gibt. Wer heute einen Stablecoin herausgibt, plant gegen einen Entwurf, der sich noch ändern kann.
Besonders umstritten ist dabei eine Frage, an der das Geschäftsmodell der Branche hängt. Der GENIUS Act verbietet nur dem Herausgeber, seinen Haltern Zinsen zu zahlen. Kryptobörsen und verbundene Firmen erfasst er nicht, weshalb bei Kunden über die Börse trotzdem eine Rendite ankommen kann. Die Bankenaufsicht OCC will dieses Verbot in ihren Regeln auf Dritte ausweiten. Entschieden ist das noch nicht.
Die Uhr läuft trotzdem weiter
Hier steckt der Punkt, der leicht übersehen wird. Dass die Behörden ihre Frist gerissen haben, verschiebt das Gesetz selbst nicht. Der GENIUS Act tritt am 18. Januar 2027 in Kraft, oder 120 Tage nach den finalen Regeln, je nachdem was früher eintritt.
Das Ergebnis ist ein kürzerer Anlauf. Die Branche bekommt keine Verlängerung. Sie bekommt weniger Vorbereitungszeit mit fertigen Regeln in der Hand.
Warum Tether im Zentrum steht
Am stärksten unter Druck steht der Marktführer Tether mit seinem USDT. Der GENIUS Act verlangt, dass ein Stablecoin vollständig mit den sichersten und liquidesten Anlagen gedeckt ist, im Kern also mit Bargeld und kurzlaufenden US-Staatsanleihen.
Laut den jüngsten Offenlegungen des Unternehmens steckt aber bis zu ein Viertel der USDT-Reserven in Anlagen, die diese Anforderung nicht erfüllen: Edelmetalle, vergebene Kredite und Bitcoin. Tether-Chef Paolo Ardoino hatte direkt nach der Unterzeichnung versprochen, man werde die Vorgaben erfüllen. Einen aktuellen Stand dazu blieb das Unternehmen zuletzt schuldig.
Der Rivale Circle mit dem USDC hat sich sichtbar früher auf die kommenden Regeln eingestellt. Tether hat zwar mit dem USAT einen eigenen US-Ableger gestartet, herausgegeben über den Partner Anchorage Digital. Genutzt wird er bislang kaum.
Wie viel Zeit Tether wirklich hat
Das Gesetz sieht eine Schonfrist von drei Jahren vor. Danach dürfen US-Handelsplätze keine Stablecoins mehr anbieten, deren Herausgeber die Vorgaben nicht erfüllen. Rechnerisch wäre das der 18. Juli 2028.
Ob diese Schonfrist auch für ausländische Anbieter wie das in El Salvador ansässige Tether gilt, ist allerdings umstritten. Anwälte der Kanzlei Davis Polk gehen davon aus, dass ausländische Herausgeber rund zwei weitere Jahre Zeit zur Vorbereitung haben. Eine Fußnote der Bankenaufsicht OCC deutet dagegen auf eine zweigleisige Frist hin, nach der für ausländische Anbieter bestimmte Anforderungen schon mit dem Inkrafttreten greifen könnten, also voraussichtlich im Januar. Eine weitere Kanzlei hatte zunächst eine abweichende Lesart veröffentlicht und nahm sie zuletzt wieder von ihrer Website.
Unstrittig ist ein Punkt: Ausländische Anbieter müssen ab Inkrafttreten sofort behördlichen Anordnungen folgen und Coins von Kriminellen einfrieren oder herausgeben. Für alles Weitere, etwa die Registrierung bei der OCC, bleibt mehr Zeit. Als Kleinigkeit gilt dieser Schritt allerdings nicht.
Was das für dich bedeutet
Für dich als Anleger entscheidet sich hier, welche Stablecoins auf US-Handelsplätzen langfristig verfügbar bleiben. Fachleute erwarten, dass kleinere Plattformen mit wenig Risikoappetit betroffene Stablecoins lieber früh auslisten. Größere Häuser dürften kämpfen, weil sie auf das Handelsvolumen und die Liquidität ausländischer Anbieter angewiesen sind.
Kurzfristig ändert sich für dich nichts. Mittelfristig kann sich die Rangordnung im Stablecoin-Markt aber deutlich verschieben, je nachdem wie die Behörden ihre eigenen Regeln am Ende auslegen.
Ein zweites Gesetz spielt ebenfalls hinein. Der Clarity Act, das große US-Vorhaben zur Marktstruktur für Krypto, steckt weiter im Kongress fest. Kommt er durch, dürfte er Teile des GENIUS Act noch einmal umschreiben.
Wie der GENIUS Act im Detail funktioniert, welche Regeln er genau vorschreibt und warum das Zinsverbot für Anleger der spannendste Punkt ist, liest du in unserer Analyse zum GENIUS Act.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.


