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13. Oktober 2011: Die Geburtsstunde von Litecoin

Am 13. Oktober 2011 um 5 Uhr morgens deutscher Zeit ging Litecoin an den Start. Charlie Lee hatte den Bitcoin-Code kopiert, Scrypt eingebaut und die Blockzeit auf 2,5 Minuten gesenkt. Wie der Start ablief, was die Blockchain zeigt und was bis heute gilt.
Geschrieben von
Haag Sondershausen
Veröffentlicht
Oktober 12, 2026
Titelbild: Programmierer nachts von hinten am Rechner, vorne eine silberne Litecoin-Münze und eine goldene Bitcoin-Münze, Schrift: 13. Oktober 2011: Die Geburtsstunde von Litecoin

Am Donnerstag, dem 13. Oktober 2011, um 03:00 Uhr Weltzeit (UTC) startete Litecoin. Seitdem ist der 13. Oktober der Geburtstag der Kryptowährung. In Deutschland war es 5 Uhr morgens, an der US-Ostküste noch Mittwochabend. Hinter der neuen Kryptowährung stand der Softwareentwickler Charlie Lee. Litecoin war ein Fork von Bitcoin: Lee hatte den offenen Quellcode übernommen und an wenigen Stellen umgebaut. Blöcke sollten viermal so schnell entstehen, die Gesamtmenge sollte viermal so groß sein.

Das Ziel stand gleich in der Ankündigung im Bitcoin-Forum: „We wanted to make a coin that is silver to Bitcoin’s gold.” Litecoin sollte zu Bitcoin stehen wie Silber zu Gold.

Herbst 2011: viele Kopien, wenig Vertrauen

Bitcoin lief damals seit knapp drei Jahren. Weil der Code offen lag, konnte ihn jeder kopieren, und 2011 taten das mehrere Entwickler. Lee zählte in der Ankündigung sechs dieser alternativen Coins auf und nannte bei jedem einen Makel. Bei ixcoin und Tenebrix hatten die Gründer vor dem Start große Mengen für sich selbst erzeugt, 580.000 und 7,7 Millionen Coins. So einen Vorrat nennt man Premine. Andere Projekte galten als tot oder kamen nach einem missglückten Start kaum voran.

Eine Zutat übernahm Lee trotzdem. Tenebrix nutzte für das Mining das Verfahren Scrypt. Mining ist die Rechenarbeit, mit der Computer neue Blöcke erzeugen und dafür neue Coins erhalten. Lee gefiel Scrypt. In der Ankündigung dankte Lee dem Entwickler ArtForz für die Umsetzung.

Mit Scrypt kannte Lee sich da schon aus. Am 2. Oktober 2011 hatte Lee im Forum den Neustart von Fairbrix angekündigt, nach eigener Beschreibung eine Kopie von Tenebrix ohne den Premine des Gründers. Glatt lief es nicht. Laut Lees Litecoin-Ankündigung litt schon der erste Start von Fairbrix unter einer falschen Einstellung, und der Neustart wurde gleich angegriffen.

Knapp vier Tage Vorlauf und eine Umfrage

Am Sonntag, dem 9. Oktober 2011, um 06:14 Uhr UTC stellte Lee Litecoin auf Bitcointalk vor, unter dem Namen coblee. Im Titel stand „a lite version of Bitcoin”, eine leichtere Version von Bitcoin. Lee schrieb im Namen einer Gruppe, die sich im Chat-Netz IRC zusammengefunden hatte.

37 Sekunden später folgte eine Umfrage zur Startzeit. Vier Termine standen zur Wahl, jeweils sechs Stunden auseinander und damit über den ganzen Tag verteilt. So sollte es fair zugehen. 91 Nutzer stimmten ab. 39 davon, also 42,9 %, wählten Donnerstag, 03:00 Uhr GMT, was hier der Weltzeit UTC entspricht.

Programm und Quellcode lagen vorab bereit. Wer wollte, konnte die Software im Testnetz ausprobieren, einem Übungsnetz mit wertlosen Coins. Lee stellte am selben Sonntag einen selbst gebauten Windows-Client ins Forum und bot Interessierten Test-Litecoins an. Den Genesis-Block, den ersten Block der Kette, gab es da schon. Er trägt den Zeitstempel 7. Oktober 2011, 07:31 Uhr UTC.

Im Forum gingen die Meinungen auseinander. Der Nutzer grod hatte nach eigenen Worten auf genau so eine Alternative zu Tenebrix gewartet, die sich mit dem Prozessor schürfen lässt. Etlase2 fragte spitz, ob Lee bei Bitcoin zu spät eingestiegen sei. Spacy fasste das Misstrauen gegen neue Coins in fünf Schritte: „1. Fork Project 2. Mine at start 3. Sell 4. Profit 5. Repeat”.

Die Nacht des Starts

Zum gewählten Zeitpunkt gab Lee den Hash des Genesis-Blocks bekannt, eine Art Fingerabdruck des ersten Blocks. Die Miner mussten nur ihre Konfigurationsdatei leicht ändern und rechneten ab da im echten Netz. Alle sollten zur gleichen Zeit anfangen. Das war Lees Vorstellung von einem fairen Start.

Die Blockchain zeigt, wie es lief. Block 3, der erste nach dem Start, trägt den Zeitstempel 02:59:41 Uhr UTC. In der ersten halben Stunde kamen rund 600 Blöcke dazu. Geplant waren 2,5 Minuten je Block, also zwölf in 30 Minuten.

Der Grund war die Schwierigkeit, also der Rechenaufwand für einen gültigen Block. Sie stand zum Start praktisch am unteren Anschlag, den der Code zulässt, und passt sich nur alle 2.016 Blöcke an. Die ersten Blöcke folgten deshalb im Abstand weniger Sekunden. In der später überarbeiteten Ankündigung schrieb Lee von viel Rechenleistung ab der ersten Minute. Viele Blöcke seien verwaist, also gleichzeitig mit einem anderen gefunden worden und am Ende nicht in der Kette gelandet.

So unterscheidet sich Litecoin von Bitcoin

Beim Mining probieren Rechner so lange Zahlen durch, bis ein Block eine festgelegte Prüfung besteht. Jeder Block hängt an seinem Vorgänger, so entsteht die Kette. Mehr dazu steht in unserem Beitrag darüber, wie eine Blockchain funktioniert. Bitcoin nutzt für die Prüfung das Verfahren SHA-256. Litecoin setzt auf Scrypt, das der Entwickler Colin Percival 2009 vorgestellt hatte, um aus Passwörtern Schlüssel abzuleiten. Percival baute Scrypt so, dass es beim Rechnen auch Speicher belegt. Das sollte Angriffe mit Spezialhardware verteuern.

Auf der Litecoin-Website hieß es im Oktober 2011, Scrypt nutze den schnellen Zwischenspeicher moderner Prozessoren und laufe deshalb auf CPUs schneller als auf Grafikkarten. Wer Bitcoin mit der Grafikkarte schürfte, sollte nebenher mit dem Prozessor Litecoin erzeugen können.

Die zweite Änderung betrifft das Tempo. Ein Litecoin-Block soll im Schnitt alle 2,5 Minuten entstehen, bei Bitcoin sind es 10. Eine Zahlung bekommt so schneller ihre erste Bestätigung, also die Aufnahme in einen Block. Lee räumte in der Ankündigung ein, dass schnelle Bestätigungen weniger sicher sein können als langsame. Wer dieselbe Sicherheit wie bei Bitcoin wolle, könne viermal so viele Bestätigungen abwarten. Für kleine Beträge reiche den meisten Händlern eine.

Den Rest rechnete Lee passend um. Jeder Block brachte anfangs 50 Litecoin (LTC), wie bei Bitcoin. Weil viermal so viele Blöcke entstehen, halbiert sich die Belohnung erst alle 840.000 Blöcke statt alle 210.000. In beiden Fällen sind das rund vier Jahre. Am Ende stehen rund 84 Millionen LTC, viermal so viel wie die 21 Millionen Bitcoin. Die Anpassung der Schwierigkeit alle 2.016 Blöcke kommt bei Litecoin etwa alle dreieinhalb Tage, bei Bitcoin alle zwei Wochen.

Von der Nische auf Platz zwei

Litecoin hielt sich. Laut der Momentaufnahme von CoinMarketCap vom 21. Juli 2013 lag Litecoin nach Marktkapitalisierung auf Platz zwei hinter Bitcoin. Die Marktkapitalisierung ist der Kurs mal die Zahl der Coins im Umlauf.

Die Halbierungen kamen nach Plan. Mit Block 840.000 sank die Belohnung am 25. August 2015 auf 25 LTC, am 5. August 2019 folgten 12,5 LTC und am 2. August 2023 dann 6,25 LTC, jeweils nach UTC.

Bei einer großen Neuerung war Litecoin schneller als Bitcoin. Am 10. Mai 2017 aktivierte das Netz mit Block 1.201.536 Segregated Witness, kurz SegWit. Das Update speichert die Signaturen getrennt vom übrigen Teil einer Transaktion. Bitcoin folgte am 24. August 2017 mit Block 481.824.

Im Oktober 2020 nahm PayPal Litecoin neben Bitcoin, Ethereum und Bitcoin Cash in ein neues Angebot für Kunden in den USA auf. Im Mai 2022 kam mit MWEB eine Erweiterung dazu, über die Nutzer freiwillig vertrauliche Überweisungen schicken können.

Was vom Litecoin-Start bleibt

Das Netz aus der Nacht zum 13. Oktober 2011 läuft weiter. Am 12. Oktober 2026 stand die Kette bei Block 3.193.783. Laut dem Datendienst Blockchair waren da rund 77,7 Millionen LTC im Umlauf, gut 92 % der Obergrenze.

Lees Eckdaten stehen bis heute so im Code von Litecoin Core: Scrypt als Mining-Verfahren, 2,5 Minuten je Block, Halbierung alle 840.000 Blöcke, 84 Millionen als Obergrenze. Der Vergleich mit Edelmetallen hat Tradition. Warum Bitcoin selbst oft mit Gold verglichen wird, steht in unserem Beitrag über Bitcoin als digitales Gold.

Im Historischen Kryptokalender steht einen Tag vor dem Litecoin-Start der erste Bitcoin-Dollar-Handel vom 12. Oktober 2009. Danach folgt der erste Bitcoin-Geldautomat vom 29. Oktober 2013.

Dieser Beitrag ist ein historischer Rückblick und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

Kurz erklärt

  • Fork: Eine Abspaltung von einem bestehenden Softwareprojekt. Entwickler kopieren offenen Quellcode und ändern ihn. Litecoin bekam dabei eine eigene Blockchain mit eigenem Genesis-Block.
  • Scrypt: Ein Rechenverfahren, das neben Rechenzeit auch Speicher belegt. Entwickelt wurde es, um aus Passwörtern Schlüssel abzuleiten. Bei Litecoin dient es als Arbeitsnachweis beim Mining.
  • Halving: Die Halbierung der Blockbelohnung nach einer festen Zahl von Blöcken. Bei Litecoin passiert sie alle 840.000 Blöcke, bei Bitcoin alle 210.000, in beiden Fällen etwa alle vier Jahre.

Häufige Fragen zu Litecoin

Gab es bei Litecoin einen Premine?

Einen kleinen. Lee sprach von 150 vorab erzeugten Coins, je 50 LTC aus dem Genesis-Block und den ersten zwei Blöcken. Block 1 entstand am 8. Oktober 2011, Block 2 am 12. Oktober um 02:34 Uhr UTC, einen Tag vor dem Start. Auf der Litecoin-Website stand am 11. Oktober noch die Zahl 100, verteilt auf den Genesis-Block und einen weiteren Block.

Wer ist Charlie Lee?

Charlie Lee ist der Gründer von Litecoin. Laut CoinDesk arbeitete Lee 2011 bei Google, als Litecoin entstand, und war ab 2013 Director of Engineering bei der Kryptobörse Coinbase. Im Juni 2017 meldete Lee auf Twitter den letzten Arbeitstag bei Coinbase und kündigte an, sich nun auf Litecoin zu konzentrieren. Laut TechCrunch schrieb Lee im Dezember 2017 auf Reddit, die eigenen Litecoin verkauft oder gespendet zu haben, bis auf einige physische Sammlermünzen. Als Grund nannte Lee den Interessenkonflikt, wenn der Gründer über den eigenen Coin twittert.

Warum steht Steve Jobs im Genesis-Block von Litecoin?

In den ersten Block ist eine Zeitungsschlagzeile eingeschrieben: „NY Times 05/Oct/2011 Steve Jobs, Apple’s Visionary, Dies at 56″. Der Apple-Mitgründer war am 5. Oktober 2011 gestorben. Bitcoin hatte es 2009 vorgemacht, dort steht eine Zeile aus der britischen Zeitung The Times im Genesis-Block. Eine solche Zeile zeigt, dass der Block frühestens am Tag der Meldung entstanden sein kann.

Wann ist das nächste Litecoin-Halving?

Die vierte Halbierung kommt mit Block 3.360.000, danach gibt es 3,125 LTC je Block. Am 12. Oktober 2026 fehlten dafür noch 166.217 Blöcke. Bei 2,5 Minuten je Block ergibt das rechnerisch Ende Juli 2027. Der echte Termin hängt davon ab, wie schnell die Blöcke tatsächlich kommen.

Hinweis: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt.

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