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Zusammen mit Kraken: Londoner Börse (LSE) bringt tokenisierte Aktien

Die London Stock Exchange will 2027 tokenisierte britische Aktien auf ihrem Nachthandelsplatz handelbar machen, gemeinsam mit dem Kraken-Eigentümer Payward. Wer die Token hält, besitzt allerdings keine Aktie.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
September 1, 2026
Klassisches Börsengebäude in London bei Nacht mit beleuchteten Fenstern, nasse Straße mit Spiegelungen und zwei unscharfe Passanten

Die Londoner Börse will tokenisierte Aktien britischer Unternehmen handelbar machen. Partner ist Payward, die Muttergesellschaft der Kryptobörse Kraken. Das meldeten am 1. September 2026 zuerst die Financial Times und Bloomberg.

Der Start ist für 2027 geplant, die Freigabe der britischen Finanzaufsicht FCA steht noch aus.

Was genau angekündigt wurde

  • Die London Stock Exchange bringt tokenisierte Versionen großer britischer Aktien auf ihren neuen Nachthandelsplatz, der im Juli angekündigt wurde und im ersten Halbjahr 2027 starten soll.
  • Der Handel läuft montags bis freitags, getrennt vom Hauptmarkt.
  • Technischer Partner ist Payward, Betreiber der Plattform xStocks und Eigentümer von Kraken.
  • Jeder Token ist eins zu eins mit einer echten Aktie hinterlegt.
  • Parallel bringt xStocks in den kommenden Wochen tokenisierte Versionen der 100 größten britischen Aktien auf die eigene Plattform.

Die LSE baut zusätzlich ein digitales Abwicklungshaus, über das Banken und Broker digitale Vermögenswerte rund um die Uhr abrechnen können sollen.

Der Haken: Ein Token ist keine Aktie

Der Token ist mit einer echten Aktie hinterlegt. Wer die tokenisierte Aktie hält, besitzt trotzdem nicht wirklich die Aktie.

Konkret bedeutet das nach den Angaben in den Berichten:

Echte AktieTokenisierte Aktie
Rechtliches Eigentum am Unternehmenjanein
Anspruch auf Dividendejanein
Stimmrecht auf der Hauptversammlungjanur eingeschränkt
Handel rund um die Uhrneinja
Übertragbar in eigene Walletsneinja

Der zuständige LSE-Manager Simon McQuoid-Mason beschreibt es selbst als synthetisches Engagement. Der Token bilde den zugrunde liegenden Wert ab, ohne dieser Wert zu sein.

Die LSE prüft nach eigenen Angaben, ob sich ein Token mit vollen Aktionärsrechten entwickeln lässt, und hat dazu bereits mit dem britischen Wirtschaftsverband CBI und einzelnen Unternehmen gesprochen. In New York verfolgt die Nasdaq einen ähnlichen Ansatz.

Für Anleger heißt das: Was hier entsteht, ähnelt in der Konstruktion eher einem Zertifikat als einem Wertpapierdepot. Man trägt zusätzlich zum Kursrisiko das Risiko, dass die Konstruktion hält, also dass der Emittent die hinterlegten Aktien tatsächlich verwahrt und im Ernstfall herausgibt.

Für deutsche Anleger gibt es das längst

xStocks ist in der EU bereits verfügbar. Über Kraken lassen sich tokenisierte US-Aktien und ETFs handeln, abgewickelt auf der Solana-Blockchain, umgesetzt zusammen mit dem Schweizer Anbieter Backed.

Neu an der Londoner Ankündigung sind also zwei Dinge. Erstens kommen britische Aktien dazu. Zweitens macht es diesmal eine traditionelle Börse selbst, unter Aufsicht der FCA, statt allein eine Kryptobörse.

Eine Pointe liegt darin, wo xStocks bislang nicht angeboten wird: unter anderem in den USA, Kanada, Australien und im Vereinigten Königreich. Die Londoner Börse startet also ein Produkt für tokenisierte britische Aktien, das die eigenen Landsleute in der bisherigen Form gar nicht kaufen können.

Warum die Börse das macht

Die LSE hat ein Problem, das mit Blockchain zunächst nichts zu tun hat. Sie verliert seit Jahren Börsengänge, und Unternehmen verschwinden über Übernahmen vom Kurszettel. Der Handelsplatz braucht Liquidität und neue Teilnehmer.

Tokenisierte Aktien adressieren genau das. Der Payward-Manager Mark Greenberg nennt als Zielgruppe Menschen, die mit kleinen Beträgen einsteigen wollen, von wenigen Dollar an, und die ihre Positionen zwischen Kryptobörsen und Wallets bewegen möchten. Dazu kommt die Nutzung in Kreditanwendungen auf der Blockchain, also das Beleihen der Position, ohne sie zu verkaufen. Wie dieses Prinzip funktioniert, haben wir am Beispiel Bitcoin in Bitcoin beleihen statt verkaufen beschrieben.

Der Nachthandel ist der zweite Hebel. Wer in Asien oder Amerika sitzt, kann britische Werte künftig auch außerhalb der Londoner Handelszeiten bewegen.

Der politische Rahmen

Die Ankündigung fällt nicht zufällig in diese Woche. Ende August hat die britische Regierung angekündigt, der Bank of England ein neues Nebenziel zu geben: Sie soll Innovation im Zahlungsverkehr und bei digitalem Geld fördern, Stablecoins ausdrücklich eingeschlossen. Umgesetzt wird das über Änderungen am Financial Services and Markets Bill, das im September ins Oberhaus geht. Die Notenbank soll dem Parlament jährlich berichten.

Das Nebenziel steht ausdrücklich unter dem Hauptauftrag Finanzstabilität. Trotzdem ist die Richtung klar: Großbritannien will sich als Standort für digitale Vermögenswerte aufstellen.

Damit reiht sich London in eine Entwicklung ein, die wir hier seit Monaten verfolgen. In den USA bauen sich die Regionalbanken ihre eigene Blockchain, in Europa ist mit RL1 bereits ein Bankennetzwerk für tokenisierte Wertpapiere in Betrieb. Der Unterschied in London: Hier geht erstmals eine große Aktienbörse selbst an den Endkunden.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlageberatung.

Häufige Fragen

Was sind tokenisierte Aktien?

Digitale Abbildungen von Aktien auf einer Blockchain. Jeder Token ist in der Regel eins zu eins mit einer echten Aktie hinterlegt und lässt sich rund um die Uhr zwischen Börsen und Wallets bewegen. Der Halter besitzt damit aber meist keine Aktie im rechtlichen Sinn.

Bekomme ich bei einer tokenisierten Aktie Dividende?

Bei den bisher bekannten Konstruktionen nicht. Nach den Angaben zur Londoner Ankündigung hat der Token-Halter kein rechtliches Eigentum am Unternehmen, keinen Anspruch auf Dividendenzahlungen und nur eingeschränkte Stimmrechte. Die LSE prüft nach eigenen Angaben, ob sich ein Token mit vollen Aktionärsrechten entwickeln lässt.

Wann startet der Handel mit tokenisierten Aktien an der LSE?

Geplant ist 2027, auf dem neuen Nachthandelsplatz der Börse, der montags bis freitags außerhalb der regulären Zeiten läuft. Voraussetzung ist die Freigabe der britischen Finanzaufsicht FCA, die noch aussteht.

Kann ich als deutscher Anleger tokenisierte Aktien kaufen?

In der EU sind tokenisierte US-Aktien und ETFs über die Plattform xStocks bereits verfügbar, abgewickelt auf der Solana-Blockchain. In den USA, Kanada, Australien und im Vereinigten Königreich wird das Angebot bislang nicht bereitgestellt. Vor einem Kauf lohnt der genaue Blick darauf, welche Rechte der jeweilige Token tatsächlich verbrieft.

Warum macht die Londoner Börse das?

Die LSE verliert seit Jahren Börsengänge und Unternehmen an Übernahmen. Tokenisierte Aktien und Nachthandel sollen neue Teilnehmer und zusätzliche Liquidität bringen, gerade aus Zeitzonen außerhalb Europas und von Anlegern, die mit kleinen Beträgen einsteigen.

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