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Bitcoin beleihen statt verkaufen: welche Wege es in Deutschland wirklich gibt

Erstmals nimmt eine deutsche Bank Bitcoin als Kreditsicherheit an. Welche Wege es gibt, was sie kosten und ab welchem Kursrückgang die Zwangsverwertung droht.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
August 28, 2026
Titelbild zur Frage, wie sich Bitcoin in Deutschland beleihen lässt, eine Waage mit Coins und Euroscheinen

In den USA tauschen große Bitcoin-Halter ihre Coins in Fondsanteile, unter anderem weil sich diese Anteile bei Banken beleihen lassen. Selbst verwahrte Bitcoin dagegen nicht. Warum das so ist, steht in unserem Beitrag Warum Bitcoin-Wale ihre Schlüssel abgeben.

Für deutsche Anleger stellt sich die Frage anders. Die US-Fonds sind hier gar nicht erhältlich, und die Steuerlage ist eine andere. Bleibt die eigentliche Frage: Wie komme ich an Geld, ohne meine Bitcoin zu verkaufen?

Die Antwort hat sich in den vergangenen Monaten verändert.

Die Kernpunkte

  • Die VR Bank Bayern Mitte startet 2026 als erstes Institut in Europa einen Pilotversuch für Bitcoin-besicherte Kredite
  • Der Beleihungswert liegt dort bei 50 Prozent, für 100.000 Euro in Bitcoin gibt es also 50.000 Euro Kredit
  • Spezialisierte Anbieter wie Firefish arbeiten seit Januar 2026 mit MiCA-Lizenz, Nexo hat sich im Juni der Aufsicht durch die BaFin unterstellt
  • Die Zinsen reichen von rund 5 bis über 10 Prozent, je nachdem ob Kreditgeber um den Kunden konkurrieren
  • Der Haken: Bei 50 Prozent Beleihung reicht ein Kursrückgang von etwa 40 Prozent für den Nachschuss. Solche Rückgänge hat es in jedem Bitcoin-Zyklus gegeben

Warum überhaupt beleihen

Der Gedanke dahinter ist alt und hat mit Krypto zunächst nichts zu tun.

Wer Vermögen hält und Geld braucht, kann verkaufen. Dann fällt Steuer an, und das Vermögen ist weg. Oder er hinterlegt das Vermögen als Sicherheit und leiht sich Geld dagegen. Dann bleibt das Vermögen liegen, und es fällt keine Steuer an, weil nichts verkauft wurde.

Genau so finanzieren sich wohlhabende Privatpersonen seit Jahrzehnten über Immobilien und Aktiendepots. Bei Bitcoin kommt ein Argument hinzu, das viele Halter höher gewichten als alles andere: Sie wollen ihre Coins behalten, weil sie an den langfristigen Kurs glauben.

Für deutsche Anleger gibt es dabei einen Punkt, der oft übersehen wird. Direkt gehaltene Bitcoin sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei, das steht in § 23 Einkommensteuergesetz. Wer nach Ablauf dieser Frist verkauft, zahlt auf den Gewinn nichts.

Der steuerliche Anreiz für einen Kredit ist hier also deutlich kleiner als in den USA. Interessant wird die Beleihung vor allem, wenn die Haltefrist noch läuft oder wenn man die Coins schlicht behalten will.

Das könnte sich allerdings bald ändern. Am 6. Juli 2026 hat das Bundeskabinett den Haushaltsentwurf für 2027 beschlossen. Darin sollen Kryptowährungen künftig wie Aktien besteuert werden, die einjährige Haltefrist würde also entfallen.

Sollte es so kommen, wird die Beleihung für deutsche Anleger deutlich attraktiver. Wenn jeder Verkauf steuerpflichtig ist, unabhängig von der Haltedauer, entsteht genau der Anreiz, der die Wale in den USA antreibt: das Vermögen behalten und Geld dagegen leihen.

Wie ein besicherter Kredit funktioniert

Drei Begriffe entscheiden über alles.

Der Beleihungswert, im Englischen Loan-to-Value oder LTV. Er sagt, wie viel Kredit es pro Euro Sicherheit gibt. Bei 50 Prozent bekommt man für 100.000 Euro in Bitcoin einen Kredit über 50.000 Euro. Der Rest ist Puffer.

Die Nachschussgrenze. Fällt der Kurs, verschiebt sich das Verhältnis. Erreicht es eine festgelegte Schwelle, fordert der Anbieter Nachschuss, also zusätzliche Sicherheiten oder eine Teilrückzahlung.

Die Zwangsverwertung. Kommt der Nachschuss nicht, verkauft der Anbieter die Sicherheit. Er verkauft dann, wenn der Kurs unten ist.

Rechnen wir das durch. Bei 50 Prozent Beleihung und einer Verwertungsschwelle um 80 Prozent reicht ein Kursrückgang von rund 40 Prozent, bis es eng wird.

Bitcoin hat in jedem abgeschlossenen Marktzyklus zwischen 78 und 94 Prozent verloren. Rückgänge um 30 oder 40 Prozent innerhalb weniger Wochen sind Routine.

Das ist der entscheidende Satz für jeden, der darüber nachdenkt. Ein Beleihungswert von 50 Prozent klingt konservativ, gemessen an der Schwankungsbreite von Bitcoin ist er es nicht.

Weg 1: die klassische Bank

Hier hat sich etwas bewegt.

Die VR Bank Bayern Mitte startet 2026 gemeinsam mit dem österreichischen Anbieter 21bitcoin und dem Dienstleister Sopra Financial Technology einen Pilotversuch für Bitcoin-besicherte Kredite. Nach eigenen Angaben ist das der erste Vorstoß dieser Art bei einem europäischen Institut.

Die Eckdaten: Beleihungswert 50 Prozent, ein gesichertes Kreditvolumen von 10 Millionen Euro, Start mit echten Kunden im Jahr 2026. Sopra baut die technische Brücke zwischen Blockchain und Bankensystem, 21bitcoin übernimmt Verwahrung und Bedienoberfläche. Angelegt ist das Ganze als Weißmarken-Lösung, die später auch andere Banken einsetzen können.

Warum das mehr ist als eine Randnotiz: Bei einer deutschen Genossenschaftsbank greift die deutsche Einlagensicherung und die Aufsicht der BaFin. Man hat einen Ansprechpartner mit Adresse und Impressum, und im Streitfall gilt deutsches Recht. Das ist ein anderer Ausgangspunkt als bei einer Plattform mit Sitz außerhalb der EU.

Für alles andere gilt bisher: Klassische Baufinanzierer akzeptieren Kryptowährungen in der Regel nicht als Eigenkapital. Wer mit einem besicherten Kredit Eigenkapital für einen Hauskauf schaffen will, sollte wissen, dass Banken die Herkunft des Eigenkapitals prüfen und geliehenes Geld dabei anders bewerten als angespartes.

Weg 2: spezialisierte Kreditplattformen

Hier ist das Angebot am größten und die Qualität am unterschiedlichsten.

Firefish aus Prag vermittelt Kredite zwischen Privatpersonen, besichert über die Bitcoin-Blockchain. Nach eigenen Angaben wurden bisher über 650 Millionen Dollar abgewickelt und rund 6.000 Bitcoin als Sicherheit hinterlegt.

Zwei Dinge unterscheiden die Plattform von klassischen Kreditgebern. Die Sicherheit liegt in einer Mehrfachsignatur-Hinterlegung auf der Bitcoin-Blockchain, der Anbieter verwahrt sie also nicht selbst und kann sie auch nicht weiterverleihen. Und weil es ein Marktplatz ist, setzen die Kreditgeber den Zins. Firefish wirbt mit Sätzen ab 5 Prozent, Laufzeiten liegen zwischen drei und 24 Monaten, getilgt wird am Ende in einer Summe.

Ein Detail lohnt den zweiten Blick. Firefish nennt eine MiCA-Zulassung, und die gibt es auch. Im Kleingedruckten steht allerdings, dass sie nur die Verwahrung der Sicherheit, die Verwertung und die Übertragungen auf der Blockchain abdeckt. Andere Leistungen der Plattform fallen ausdrücklich nicht darunter.

Das ist keine Kritik an Firefish, die schreiben es selbst offen hin. Es ist ein Hinweis darauf, wie man solche Angaben liest: Eine MiCA-Lizenz bedeutet nicht automatisch, dass das gesamte Geschäftsmodell beaufsichtigt wird.

Nexo hat sich im Juni 2026 unter deutsche Aufsicht gestellt und wickelt sein Europageschäft seitdem über eine MiCA-konforme Struktur ab. Das Angebot reicht von der Kreditlinie bis zur Karte, die gegen hinterlegte Coins funktioniert.

Debifi setzt auf Dezentralität, Kreditgeber und Kreditnehmer handeln Zinssatz und Rückzahlung selbst aus, eine Identitätsprüfung ist nicht vorgesehen. Das ist für manche ein Vorteil und bedeutet zugleich, dass im Streitfall keine Aufsicht hilft.

Ledn ist einer der bekanntesten Anbieter weltweit, für Kunden aus Deutschland aber derzeit nicht zugänglich.

Die Spanne bei den Zinsen ist groß. Sie reicht von rund 5 Prozent bei Marktplätzen mit vielen Kreditgebern bis über 10 Prozent bei Anbietern mit festen Konditionen. Zum Vergleich: Ein klassischer Wertpapierkredit auf Aktien und Fonds kostet in Deutschland derzeit im Schnitt 6,5 bis 9,5 Prozent.

Die wichtigste Frage an jeden dieser Anbieter lautet: Was passiert mit meinen Coins, während der Kredit läuft? Dazu gleich mehr.

Weg 3: dezentrale Protokolle

Bei Protokollen wie Aave hinterlegt man Coins in einem Vertrag auf der Blockchain und leiht sich Stablecoins dagegen. Kein Antrag, keine Prüfung, keine Bank.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Vertrag ist einsehbar, die Regeln sind für alle gleich, und niemand kann die Auszahlung stoppen, weil die Firma pleite ist.

Die Nachteile ebenso: Die Liquidation läuft automatisch und kennt keine Kulanz. Fällt der Kurs unter die Schwelle, wird sofort verwertet, auch nachts und auch bei einem kurzen Ausschlag. Dazu kommt das Risiko von Programmierfehlern im Vertrag selbst. Und wer hier etwas falsch bedient, hat keinen Kundenservice, den er anrufen kann.

Für erfahrene Nutzer ist das ein brauchbarer Weg. Für jemanden, der zum ersten Mal über eine Beleihung nachdenkt, ist es der falsche Einstieg.

Was 2022 schiefgegangen ist, und warum es wichtig bleibt

Celsius Network meldete im Sommer 2022 Insolvenz an, ausgelöst durch den Zusammenbruch von Terra. Die Wertpapieraufsicht von Vermont warf dem Unternehmen vor, alte Anleger mit dem Geld neuer Kunden ausbezahlt zu haben. BlockFi folgte im November 2022 nach dem Zusammenbruch von FTX.

Der gemeinsame Nenner heißt Rehypothekierung. Die Anbieter haben die hinterlegten Kundenmünzen selbst weiterverliehen oder als eigene Sicherheit eingesetzt, statt sie einfach zu verwahren. Solange alles läuft, merkt das niemand. Wenn es kippt, gehören die Coins plötzlich zur Insolvenzmasse.

Daraus folgt die eine Frage, die man jedem Anbieter stellen sollte: Werden meine Coins während der Laufzeit weiterverliehen oder unangetastet verwahrt? Und steht das so im Vertrag?

Anbieter, die mit Mehrfachsignatur arbeiten und bei denen die Coins nachweislich liegen bleiben, sind eine andere Kategorie als solche, die aus den Sicherheiten selbst Erträge erwirtschaften. Auffällig hohe Zinsen für Einleger sind dabei ein Warnsignal, weil das Geld dafür irgendwo herkommen muss.

Die Steuerfrage, die niemand sauber beantwortet

Hier wird es unangenehm.

Ob die Verpfändung von Kryptowährungen als Veräußerung im Sinne von § 23 Einkommensteuergesetz gilt, ist nicht abschließend geklärt. Bei einer reinen Verpfändung spricht viel dagegen, weil das Eigentum beim Kreditnehmer bleibt. Bei einer Sicherungsübereignung, bei der die Coins auf den Kreditgeber übertragen werden, sieht das anders aus.

Praktisch heißt das: Die Vertragskonstruktion entscheidet über die Steuerfolgen, und die Konstruktionen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter.

Sicher ist dagegen der unangenehme Fall. Wird die Sicherheit zwangsweise verwertet, während die Einjahresfrist noch läuft, ist das ein Verkauf mit allen steuerlichen Folgen. Man verliert dann die Coins und bekommt eine Steuerforderung dazu, ohne das Geld dafür in der Hand zu haben.

Wer über eine Beleihung nachdenkt, sollte die Konstruktion vorher von einem Steuerberater prüfen lassen. Das ist der Punkt, an dem sich ein kluger von einem teuren Schritt unterscheidet, und ausdrücklich kein Standardsatz zum Schluss.

Sieben Fragen vor der Entscheidung

  1. Wird die Sicherheit weiterverliehen? Wenn ja oder wenn die Antwort schwammig ist: weitergehen.
  2. Wer verwahrt, und wie? Mehrfachsignatur mit einem unabhängigen Dritten ist besser als ein Konto beim Anbieter.
  3. Wo ist der Sitz, und welche Aufsicht greift? Und deckt die Lizenz das ganze Geschäft ab oder nur einen Teil?
  4. Ab welchem Kurs kommt der Nachschuss? Diese Zahl muss man kennen, bevor man unterschreibt.
  5. Wie lange habe ich Zeit, um nachzuschießen? Stunden oder Tage machen einen großen Unterschied.
  6. Was kostet es wirklich? Zins, Bereitstellung, Gebühr bei vorzeitiger Rückzahlung.
  7. Wie ist die Konstruktion steuerlich einzuordnen? Verpfändung oder Übereignung, schriftlich.

Die ehrliche Zusammenfassung

Der Zugang ist da. 2026 ist das erste Jahr, in dem eine deutsche Bank Bitcoin als Kreditsicherheit annimmt und mehrere Plattformen unter europäischer Aufsicht arbeiten.

Ob es sich rechnet, ist eine andere Frage. Bei rund 10 Prozent Zins muss Bitcoin um mehr als 10 Prozent im Jahr steigen, damit der Kredit sich trägt. In guten Jahren passiert das mühelos. In schlechten zahlt man Zinsen auf eine Position, die gleichzeitig an Wert verliert, und riskiert die Zwangsverwertung.

Der Mechanismus ist ein Werkzeug für Leute, die ihn nicht brauchen. Wer den Kredit zurückzahlen kann, ohne die Sicherheit anzutasten, sitzt bequem. Wer darauf angewiesen ist, dass der Kurs steigt, hat aus einem Investment eine Wette mit Nachschusspflicht gemacht.

Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung und keine Empfehlung für einen der genannten Anbieter. Angaben zu Konditionen und Verfügbarkeit ändern sich laufend. Stand: 26. August 2026.

Häufige Fragen

Kann man in Deutschland Bitcoin bei einer Bank beleihen?

Die VR Bank Bayern Mitte startet 2026 gemeinsam mit 21bitcoin und Sopra Financial Technology einen Pilotversuch mit einem Beleihungswert von 50 Prozent. Nach eigenen Angaben ist es der erste Vorstoß dieser Art bei einem europäischen Institut. Flächendeckend verfügbar ist das noch nicht.

Was kostet ein Bitcoin-besicherter Kredit?

Die Spanne reicht von rund 5 Prozent bei Marktplätzen, auf denen Kreditgeber um Kunden konkurrieren, bis über 10 Prozent bei Anbietern mit festen Konditionen. Ein klassischer Wertpapierkredit auf Aktien und Fonds kostet in Deutschland derzeit im Schnitt 6,5 bis 9,5 Prozent. Dazu können Gebühren für Bereitstellung und vorzeitige Rückzahlung kommen.

Wie viel Kredit bekomme ich für meine Bitcoin?

Üblich sind Beleihungswerte zwischen 40 und 50 Prozent. Für Bitcoin im Wert von 100.000 Euro gibt es also 40.000 bis 50.000 Euro. Der Rest dient als Puffer für Kursrückgänge.

Was passiert, wenn der Bitcoin-Kurs fällt?

Ab einer festgelegten Schwelle fordert der Anbieter Nachschuss. Kommt der nicht, wird die Sicherheit verkauft. Bei 50 Prozent Beleihung reicht dafür ein Rückgang von etwa 40 Prozent. Solche Bewegungen hat es in jedem Bitcoin-Zyklus mehrfach gegeben.

Ist ein Kredit gegen Bitcoin steuerfrei?

Die Auszahlung eines Kredits ist kein steuerpflichtiger Vorgang. Ob die Verpfändung selbst als Veräußerung gilt, ist nicht abschließend geklärt und hängt von der Vertragskonstruktion ab. Wird die Sicherheit innerhalb der einjährigen Haltefrist zwangsweise verwertet, ist das ein steuerpflichtiger Verkauf.

Woran erkenne ich einen unseriösen Anbieter?

An fehlender Aufsicht, an unklaren Angaben dazu, was mit den hinterlegten Coins geschieht, und an auffällig hohen Zinsen für Einleger. Celsius und BlockFi sind 2022 unter anderem daran zerbrochen, dass sie Kundenmünzen weiterverliehen haben.

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