Am 25. August 2026 haben 39 amerikanische Bankenverbände die BankChain Alliance gegründet. Sie wollen ein gemeinsames Blockchain-Netzwerk bauen, das der Bankenbranche selbst gehört. Geplanter Start: 2027.
Eine Sache fehlt noch: die Technik. Wer das Netzwerk tatsächlich baut, steht bis heute nicht fest. Die Allianz sucht noch einen Partner und räumt das offen ein.
Anderthalb Jahre bis zum Start, ohne dass jemand mit dem Bauen angefangen hat. Das allein wäre schon eine Nachricht wert. Wichtiger ist aber, wer bei dieser Allianz alles nicht dabei ist.
Was die Allianz ankündigt
Getragen wird das Projekt von den Bankenverbänden der einzelnen Bundesstaaten. Diese Verbände vertreten die Interessen tausender regionaler Institute, ähnlich wie in Deutschland der Sparkassenverband oder der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken.
Das Netzwerk soll laut Pressemitteilung vier Dinge ermöglichen:
- Programmierbare Zahlungen, also Überweisungen, die automatisch auslösen, wenn eine vorher festgelegte Bedingung erfüllt ist
- Tokenisierte Einlagen, also normales Bankguthaben als Eintrag auf einer Blockchain
- Stablecoins, die von Banken herausgegeben werden
- Automatische Abwicklung von Geschäften, ohne die üblichen Wartetage
Bei den tokenisierten Einlagen lohnt eine kurze Erklärung, weil der Unterschied zum Stablecoin oft untergeht. Dein Geld auf dem Bankkonto ist rechtlich eine Forderung gegen deine Bank. Eine tokenisierte Einlage ändert daran nichts. Sie macht diese Forderung nur übertragbar wie einen Token, rund um die Uhr und ohne Bankarbeitstage. Das Geld bleibt dabei im Bankensystem. Genau darum geht es den Banken.
Den Vorsitz führt Kathy Kraninger, Chefin des Bankenverbands von Florida und früher Direktorin der US-Verbraucherschutzbehörde CFPB. Geschäftsführerin ist Kim Askwith, Gründerin einer Firma namens TekFactor. Zu dieser Firma habe ich kaum öffentliche Spuren gefunden, was für sich genommen nichts heißen muss, bei einem Projekt dieser angekündigten Größe aber auffällt.
Elf Bundesstaaten fehlen, darunter die drei wichtigsten
Die Allianz spricht von einem landesweiten Netzwerk. Die Landkarte auf ihrer eigenen Website erzählt eine andere Geschichte.
Nicht dabei sind die Bankenverbände von New York, Kalifornien und Illinois. Dazu kommen Arizona, Colorado, Kentucky, Louisiana, Montana, New Mexico, West Virginia und Alaska.
Bei den acht kleineren Staaten kann man streiten, ob das wichtig ist. Bei den ersten drei nicht. In New York sitzen die Institute, die den amerikanischen Zahlungsverkehr tatsächlich steuern. Chicago und Kalifornien folgen dahinter. Ein Zahlungsnetzwerk ohne diese drei Standorte ist ungefähr so landesweit wie ein deutsches Bahnnetz ohne Frankfurt, München und Hamburg.

Die Karte stammt von der Allianz selbst. Sie ist als Beleg der eigenen Reichweite gedacht. Wer genau hinsieht, liest sie auch andersherum.
Warum New York fehlt: Die Großbanken bauen schon ihr eigenes Netz
Der Grund für diese Lücke ist kein Zufall. Er ist die eigentliche Geschichte.
JPMorgan, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo arbeiten seit Juni 2026 an einem gemeinsamen Netzwerk für tokenisierte Einlagen. Abgewickelt werden soll es über The Clearing House, die Abwicklungsgesellschaft der großen US-Banken. Angepeilter Start: erste Jahreshälfte 2027.
Damit entstehen in den USA gerade zwei Bank-Blockchains gleichzeitig, beide mit Ziel 2027. Eine für die vier größten Häuser des Landes. Eine für alle anderen.
Die BankChain Alliance ist damit vor allem die Antwort der kleinen Banken auf die großen. Wer die Selbstbeschreibung der Allianz liest, findet genau das zwischen den Zeilen. Dort steht, Einlagen im Bankensystem zu halten helfe dabei, die örtliche Kreditvergabe zu bewahren, die kleine Betriebe, Eigenheime und Landwirtschaft finanziert.
Das ist die Sprache von Regionalbanken, die um ihre Einlagen fürchten. Und zwar gleich doppelt: einmal an Stablecoin-Anbieter, einmal an die vier Großen, die schneller sind.
Die Zahl 21,8 Billionen Dollar hält der Prüfung nicht stand
Auf der Website der Allianz steht eine beeindruckende Angabe: 3.283 Banken und 21,8 Billionen Dollar an Vermögenswerten.
Die Zahlen lassen sich einordnen. Die US-Einlagensicherung FDIC zählte zum 31. März 2026 insgesamt 4.278 Institute mit einer Bilanzsumme von 26,15 Billionen Dollar.
Die Allianz beansprucht damit 77 Prozent aller US-Banken und 83 Prozent der gesamten Bilanzsumme. Und das, obwohl New York, Kalifornien und Illinois vollständig fehlen.
Rechnerisch geht das nur auf eine Weise auf: Große Institute, die in vielen Bundesstaaten Geschäft machen, sind in mehreren teilnehmenden Landesverbänden Mitglied und werden entsprechend mehrfach mitgezählt.
Die Allianz weiß das. In der Fußnote unter der Karte steht es, im Kleingedruckten: Die von diesen Verbänden vertretenen Banken seien nicht einzeln beteiligt, solange sie das nicht ausdrücklich erklärt haben.
Die Zahl beschreibt also, wie viele Banken in den beteiligten Verbänden Mitglied sind. Sie sagt nichts darüber, wer am Ende auf diesem Netzwerk arbeiten wird. Das ist ein Unterschied, den man beim Lesen von Pressemitteilungen im Hinterkopf behalten sollte.
Europa hat genau das vor vier Wochen live geschaltet
Und hier lohnt der Blick nach Hause. Denn während amerikanische Verbände ankündigen, ist Europa schon einen Schritt weiter.
Am 28. Juli 2026 ging RL1 in Betrieb, ein gemeinsames Blockchain-Netzwerk europäischer Banken für tokenisierte Wertpapiere. Beteiligt sind unter anderem die DekaBank, die DZ Bank, die LBBW, die niederländische ABN Amro und die französische Natixis. Sitz ist Luxemburg, die Rechtsform eine Europäische Genossenschaft. Was das Netzwerk kann und woran es scheitern könnte, haben wir uns in einem eigenen Artikel angesehen.
Parallel dazu arbeitet Qivalis an einem Euro-Stablecoin. Das Konsortium wurde im September 2025 gegründet, sitzt in Amsterdam und beantragt bei der niederländischen Zentralbank eine Zulassung als E-Geld-Institut. Aus anfangs neun Banken sind bis Mai 2026 rund 37 Institute aus 15 Ländern geworden.
Der Vergleich ist unbequem:
| BankChain Alliance | RL1 | Qivalis | |
|---|---|---|---|
| Angekündigt | August 2026 | Juli 2025 | September 2025 |
| Status | Ankündigung | seit Juli 2026 live | Zulassung beantragt |
| Firma und Sitz | LLC, USA | Genossenschaft, Luxemburg | Amsterdam |
| Technikpartner | wird gesucht | SWIAT | Fireblocks |
| Aufsicht | offen | offen | niederländische Zentralbank |

Europa wird beim Thema Krypto gern als der langsame Kontinent beschrieben, der reguliert, während andere bauen. Bei Bank-Blockchains stimmt das gerade nicht.
Ein Grund dafür liegt in der Regulierung selbst. Mit MiCA gibt es in Europa seit 2024 ein fertiges Regelwerk. Wer einen Euro-Stablecoin herausgeben will, weiß, bei welcher Behörde er sich meldet. In den USA hat der GENIUS Act 2025 zwar einen Rahmen für Stablecoins geschaffen, wir haben ihn hier ausführlich erklärt. Die Umsetzung im Detail läuft aber noch, und ausgerechnet die Bankenverbände hatten im April 2026 dafür geworben, sie zu verlangsamen.
Warum die Banken das überhaupt tun
Der Auslöser ist eine schlichte Sorge: Einlagenabfluss.
Wenn Kunden Geld in Stablecoins halten statt auf dem Konto, verlieren Banken ihre günstigste Finanzierungsquelle. Und Einlagen sind es, aus denen Banken Kredite vergeben. Weniger Einlagen bedeuten weniger Kreditvergabe.
Rückenwind bekommen die Banken dabei von der Politik. In den USA ist seit dem 11. Juli 2026 ein Gesetz in Kraft, das der Notenbank Federal Reserve bis Ende 2030 verbietet, einen digitalen Dollar auszugeben. Wie es dazu kam und warum Trump das Gesetz nie unterschrieben hat, steht hier. Der Staat fällt als Anbieter digitalen Geldes damit aus. Das Feld gehört privaten Anbietern, und die Banken wollen ein Stück davon.
Europa geht den Gegenweg. Die EZB treibt den digitalen Euro voran, hat im August 2026 36 Zahlungsdienstleister für einen Pilotbetrieb ausgewählt und peilt eine erste Ausgabe bis 2029 an.
Und die Konkurrenz schläft nicht. Über 140 Unternehmen, darunter Visa, Mastercard, Stripe, BlackRock, Google und Coinbase, arbeiten am Stablecoin Open USD. Swift hat im Juli 2026 ein eigenes Blockchain-Register in Betrieb genommen, auf dem 17 Großbanken tokenisierte Einlagen testen.
Anders gesagt: Bis der Zug der BankChain Alliance 2027 abfährt, sind auf derselben Strecke schon mehrere andere unterwegs.
Woran solche Konsortien in der Vergangenheit gescheitert sind
Es gibt einen Grund, warum erfahrene Beobachter bei Bank-Konsortien vorsichtig werden. Es hat schon einmal eine Welle gegeben, und sie ist fast vollständig abgeräumt worden.
we.trade gehörte zwölf europäischen Banken und IBM, darunter die Deutsche Bank, HSBC, Santander und UniCredit. Die Plattform meldete im Juni 2022 Insolvenz an, nachdem sich die Anteilseigner nicht auf eine Finanzierung einigen konnten. Marco Polo folgte im Februar 2023. TradeLens von Maersk und IBM und Contour verschwanden ebenfalls.
Alle diese Projekte hatten große Namen, gute Technik und ernsthaftes Geld. Gescheitert sind sie an etwas anderem: daran, dass viele Eigentümer mit unterschiedlichen Interessen sich einigen müssen, bevor irgendetwas passiert.
Die BankChain Alliance muss 39 Verbände unter einen Hut bringen. Jeder davon vertritt eigene Mitglieder mit eigenen Wünschen. Das ist keine Prognose des Scheiterns. Es ist der schwierigste Teil der Aufgabe, und er hat noch nicht einmal richtig angefangen.
Eine Randnotiz mit Ironie: CaixaBank, KBC und UniCredit waren bei we.trade dabei. Heute sitzen sie bei Qivalis mit am Tisch. Manche Lektion muss man offenbar zweimal lernen.
Was das für dich bedeutet
Kaufen kann man hier nichts. BankChain und RL1 sind Infrastruktur für Banken, keine Coins.
Trotzdem lohnt der Blick, weil hier etwas Grundsätzliches entschieden wird. Die Bankenwelt versucht inzwischen, die Blockchain-Technik selbst zu besetzen, bevor jemand anderes es tut.
Drei Dinge würde ich beobachten:
- Ob und wann die Allianz einen Technikpartner benennt. Kommt bis Jahresende keiner, ist der Termin 2027 nicht zu halten.
- Ob New York, Kalifornien und Illinois nachrücken. Bleiben sie draußen, bestätigt das die Zweiteilung des US-Bankensektors.
- Ob Qivalis wie geplant im zweiten Halbjahr 2026 startet. Das ist jetzt. Ein europäischer Bank-Stablecoin wäre der erste echte Praxistest dafür, ob Banken so etwas können.
Für Anleger ist die Richtung interessanter als jede einzelne Meldung. Tokenisierte Einlagen, Bank-Stablecoins und Notenbank-Digitalgeld werden in den nächsten Jahren nebeneinander existieren und um dieselben Zahlungsströme konkurrieren. Wer diese Entwicklung versteht, liest Nachrichten aus dem Bankensektor mit anderen Augen.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen
Was ist die BankChain Alliance?
Ein Zusammenschluss von 39 US-Bankenverbänden, gegründet am 25. August 2026. Sie wollen bis 2027 ein gemeinsames Blockchain-Netzwerk aufbauen, das der Bankenbranche selbst gehört und von ihr verwaltet wird. Vorgesehen sind programmierbare Zahlungen, tokenisierte Einlagen, Stablecoins und automatische Abwicklung.
Was ist eine tokenisierte Einlage?
Normales Bankguthaben, das als Eintrag auf einer Blockchain geführt wird. Rechtlich bleibt es eine Forderung gegen deine Bank, genau wie Geld auf dem Girokonto. Der Unterschied liegt in der Beweglichkeit: Es lässt sich rund um die Uhr übertragen, auch am Wochenende, und kann an Bedingungen geknüpft werden.
Worin unterscheidet sich eine tokenisierte Einlage von einem Stablecoin?
Bei der tokenisierten Einlage bleibt die Bank dein Vertragspartner und das Geld im Bankensystem. Ein Stablecoin wird von einem eigenen Anbieter herausgegeben, der das hinterlegte Geld selbst verwaltet. Für dich als Kunde heißt das: unterschiedliche Schuldner, unterschiedliche Absicherung, unterschiedliche Aufsicht.
Welche Bundesstaaten sind bei der BankChain Alliance nicht dabei?
Elf Bundesstaaten fehlen: New York, Kalifornien, Illinois, Arizona, Colorado, Kentucky, Louisiana, Montana, New Mexico, West Virginia und Alaska. Ausgerechnet die drei größten Bankenstandorte des Landes sind damit außen vor. Deren Großbanken arbeiten an einem eigenen Netzwerk über The Clearing House.
Gibt es in Europa etwas Vergleichbares?
Ja, und es ist weiter. Das Netzwerk RL1 europäischer Banken, darunter DekaBank, DZ Bank und LBBW, ist seit dem 28. Juli 2026 in Betrieb. Das Konsortium Qivalis mit rund 37 Banken aus 15 Ländern arbeitet an einem Euro-Stablecoin und hat eine Zulassung bei der niederländischen Zentralbank beantragt.


