Das Trading Glossar

Short

Geschrieben von
Haag Sondershausen
Veröffentlicht
Mai 15, 2026

Short bezeichnet eine Handelsposition, bei der ein Trader auf fallende Kurse eines Wertpapiers, einer Währung oder eines anderen Finanzinstruments setzt. Der Trader verkauft dabei einen Vermögenswert, den er sich geliehen hat, um ihn später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen und die Differenz als Gewinn zu vereinnahmen.

Definition und Funktionsweise

Eine Short-Position (auch „Leerverkauf“ oder „Short Selling“) ist das Gegenstück zur klassischen Long-Position. Während ein Long-Trader auf steigende Kurse spekuliert („billig kaufen, teuer verkaufen“), kehrt ein Short-Trader die Reihenfolge um: Er verkauft zuerst zum hohen Preis und kauft später zum niedrigeren Preis zurück.

Der Ablauf in vier Schritten:

  1. Leihen: Der Trader leiht sich die Aktie bei seinem Broker gegen eine Gebühr
  2. Verkaufen: Er verkauft die geliehene Aktie sofort zum aktuellen Marktpreis
  3. Zurückkaufen: Fällt der Kurs wie erwartet, kauft er die Aktie günstiger zurück („Cover“)
  4. Zurückgeben: Er gibt die Aktie an den Verleiher zurück und behält die Kursdifferenz

Rechenbeispiel

Ein Trader geht bei Aktie XY zu 100 € short und verkauft 100 Stück. Fällt der Kurs auf 80 €, kauft er die Aktien zurück.

Gewinn = (100 € – 80 €) × 100 Stück = 2.000 € (abzüglich Leihgebühren und Spread)

Steigt der Kurs hingegen auf 120 €, entsteht ein Verlust von 2.000 €.

Wege, eine Short-Position einzugehen

Privatanleger gehen heute selten klassisch leer, sondern nutzen meist Derivate:

InstrumentHebelTypische Nutzer
Klassischer Leerverkauf1:1Institutionelle Anleger
CFDsbis 1:30Aktive Retail-Trader
Put-OptionenvariabelErfahrene Trader, Hedger
Knock-out-ZertifikatehochSpekulative Privatanleger
Inverse ETFsmeist 1:1 oder 1:2Längerfristig orientierte Anleger

Short vs. Long – der zentrale Unterschied

Bei einer Long-Position ist der maximale Verlust auf das eingesetzte Kapital begrenzt – eine Aktie kann maximal auf 0 € fallen. Bei einer Short-Position ist der Verlust theoretisch unbegrenzt, weil ein Kurs nach oben kein natürliches Limit hat. Steigt die Aktie statt zu fallen um 300 %, verliert der Short-Trader das Dreifache seines Einsatzes. Diese asymmetrische Risikostruktur macht Short-Trading deutlich gefährlicher als Long-Trading.

Risiken im Short-Trading

Neben dem theoretisch unbegrenzten Verlustrisiko gibt es weitere Besonderheiten:

  • Short Squeeze: Steigt der Kurs stark, müssen viele Shortseller gleichzeitig zurückkaufen – das treibt den Kurs zusätzlich nach oben (bekanntestes Beispiel: GameStop 2021)
  • Leihgebühren: Schwer zu leihende Aktien („hard to borrow“) kosten teils zweistellige Jahresgebühren
  • Dividendenpflicht: Während der Leihzeit muss der Shortseller Dividenden an den Verleiher zahlen
  • Margin Calls: Bewegt sich der Kurs gegen die Position, muss der Trader Sicherheiten nachschießen
  • Regulatorische Eingriffe: In Krisenzeiten verbieten Aufsichtsbehörden teilweise Leerverkäufe (z. B. 2008, 2020)

Warum gehen Trader short?

Drei Hauptmotive: Spekulation auf fallende Kurse, Hedging bestehender Long-Positionen zur Absicherung des Depots und Arbitrage, etwa bei Paartrades (Long Aktie A, Short Aktie B derselben Branche). Institutionelle Investoren wie Hedgefonds nutzen Short-Strategien systematisch – Long-Short-Equity ist eine der ältesten Hedgefonds-Strategien überhaupt.

Häufige Fragen

Ist Short-Trading für Anfänger geeignet?

Nein. Das asymmetrische Risikoprofil, Margin-Anforderungen und Phänomene wie der Short Squeeze machen Short-Positionen anspruchsvoller als Long-Trades. Wer einsteigen will, sollte mit klar verlustbegrenzten Instrumenten wie Put-Optionen oder Knock-outs mit definiertem Maximalverlust starten.

Wie lange kann man eine Short-Position halten?

Theoretisch unbegrenzt, praktisch begrenzen Leihgebühren und Margin-Anforderungen die sinnvolle Haltedauer. Die meisten Short-Trades sind kurz- bis mittelfristig (Tage bis Wochen).

Ist Leerverkauf in Deutschland erlaubt?

Ja, sogenannte gedeckte Leerverkäufe (mit geliehenen Aktien) sind in Deutschland und der gesamten EU erlaubt. Ungedeckte Leerverkäufe („naked short selling“), bei denen die Aktie nicht geliehen wird, sind dagegen seit 2012 EU-weit verboten.

Woran erkenne ich eine „überfüllte“ Short-Position?

Über die Short Interest Ratio bzw. die Leerverkaufsquote. In Deutschland werden Netto-Leerverkaufspositionen ab 0,5 % im Bundesanzeiger veröffentlicht. Quoten über 20 % gelten als Warnsignal für mögliche Short Squeezes.

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