Im Englischen heißt es Risk-Reward-Ratio, im Deutschen Chance-Risiko-Verhältnis, meist abgekürzt mit CRV. Gemeint ist immer dasselbe: der Abstand zwischen dem Kurs, bei dem ein Trade den geplanten Gewinn erreicht (Take-Profit), und dem Kurs, bei dem er den geplanten Verlust erreicht (Stop-Loss), jeweils gemessen vom Einstieg aus.
Ein CRV von 1 zu 2 bedeutet: Geht der Trade auf, gewinnst du doppelt so viel, wie du verlierst, wenn er nicht aufgeht. Wie genau sich Stop-Loss und Take-Profit dabei technisch über eine Order absichern lassen, erklärt unser Artikel zu Market-, Limit- und Stop-Order.
Warum das CRV wichtiger ist als die Trefferquote
Ein hohes CRV kann eine niedrige Trefferquote mehr als ausgleichen. Bei einem Verhältnis von 1 zu 2 reicht rein rechnerisch schon eine Trefferquote von 33 Prozent, um nicht ins Minus zu rutschen. Bei 1 zu 3 genügen 25 Prozent. Ein anschauliches Rechenbeispiel dazu, warum vier Gewinner sechs Verlierer locker aufwiegen können, findest du in unserem Artikel Warum verlieren die meisten Trader Geld. Deshalb blicken erfahrene Trader oft weniger darauf, wie oft sie richtig liegen, als darauf, wie viel sie im Verhältnis zum Risiko gewinnen, wenn sie richtig liegen.
Wie du das CRV vor dem Trade festlegst
Das CRV wird vor dem Einstieg festgelegt, nicht danach. Zuerst steht der Stop-Loss: der Kurs, bei dem der Trade als gescheitert gilt und automatisch geschlossen wird. Der Abstand vom Einstieg zu diesem Stop ist das Risiko. Danach folgt das Kursziel, meist an der nächsten sinnvollen Marke aus der technischen Analyse, etwa einem Widerstand. Der Abstand dorthin ist die Chance. Erst wenn beide Punkte stehen, ergibt sich das CRV automatisch als Verhältnis der beiden Abstände zueinander.
Häufiges Missverständnis
Ein gutes CRV allein macht noch keinen guten Trade. Ein Verhältnis von 1 zu 5 klingt verlockend, ist aber wertlos, wenn der Kurs das weit entfernte Ziel realistisch kaum je erreicht. Das CRV ist immer nur eine Rechengröße auf Basis vorher festgelegter Kurse, keine Erfolgsgarantie. Es entfaltet seine Wirkung erst über eine größere Serie von Trades, in der sich Gewinner und Verlierer nach den festgelegten Regeln ausgleichen, nicht beim einzelnen Trade.
