Rückblick: Wirtschaft und Geopolitik
Das bestimmende Thema war die Wende im Konflikt zwischen den USA und Iran.
Im Lauf der Woche verdichteten sich Berichte über ein von Pakistan vermitteltes Rahmenabkommen, das die Waffenruhe um 60 Tage verlängert, die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus wieder öffnet und die Öl-Sanktionen schrittweise lockert.
Die entscheidenden Meldungen dazu kamen über das Wochenende, und genau dort spielte sich auch die größte Marktbewegung ab. Der Ölpreis, der am Freitag noch seitwärts bei rund 97 Dollar lag, eröffnete am Montag bei etwa 94 Dollar und rutschte weiter in Richtung 90 Dollar. Auf Wochensicht steht damit ein Minus von rund 6,5 Prozent, bereits die zweite Verlustwoche in Folge.
Für die Märkte ist das ein wichtiges Signal, denn ein fallender Ölpreis nimmt Druck von der Inflation und verbessert damit das Umfeld für Risikoanlagen.
Die US-Aktienmärkte blieben im Rekordmodus, ohne dabei zu überdrehen. Der S&P 500 markierte mit 7.517 Punkten erneut ein Allzeithoch, bewegte sich auf Wochensicht mit einer Spanne von nur rund 2,5 Prozent aber vergleichsweise ruhig und notiert aktuell um 7.473 Punkte.
Auch der technologielastige Nasdaq pendelte nahe seinen Rekordständen.
Das Bild ist damit weniger ein neuer Kraftakt nach oben als eine Konsolidierung auf hohem Niveau, gestützt von einer starken Bilanzsaison und den Rekordzahlen des KI-Chip-Konzerns Nvidia.
Als Gegengewicht zur guten Stimmung wirkt weiter der Anleihemarkt.
Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe war zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit 2007 geklettert und gab erst mit dem fallenden Ölpreis wieder etwas nach.
Hinzu kommt ein Wechsel an der Spitze der US-Notenbank.
Kevin Warsh wurde als neuer Vorsitzender vereidigt und gilt als eher restriktiv, dürfte die Zinsen also nicht vorschnell senken.
Hohe Anleiherenditen und eine hartnäckige Inflation sind der Grund, warum die steigenden Kurse eventuell auf wackligen Fundamenten stehen und die Rekordstände an den Börsen bisher ohne echte Euphorie zustande kommen.
Krypto-Recap
Der Kryptomarkt bewegte sich erneut weitgehend seitwärts. Bitcoin pendelte in derselben Spanne wie in der Vorwoche, zwischen rund 74.000 und 78.000 Dollar.
Am Samstag rutschte der Kurs auf das untere Ende bei 74.000 Dollar, erholte sich dann aber im Zuge der oben beschriebenen Nachrichten zum Iran-Abkommen innerhalb von rund zwei Tagen um knapp 5 Prozent auf aktuell 77.500 Dollar. Der gesamte Kryptomarkt legte auf Wochensicht nur knapp 0,5 Prozent zu.
Die Anlegerstimmung am Kryptomarkt ist dabei bislang nur neutral, da Krypto besonders empfindlich auf das hohe Zinsniveau reagiert und ihm im Gegensatz zum Aktienmarkt derzeit ein eigener fundamentaler Treiber fehlt.
Die größten Krypto-Bewegungen der Woche
Trotz der ruhigen Gesamtlage gab es bei den Altcoins deutliche Ausschläge.
Größter Gewinner unter den Top-100-Coins war NEAR Protocol (NEAR) mit rund 75 Prozent im Plus. Auslöser war ein öffentliches Lob von BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes, der NEAR zu seiner sogenannten Holy Trinity der Altcoins zählte. Das löste eine Kaufwelle und einen Short Squeeze aus, also eine Kettenreaktion, bei der Wetten auf fallende Kurse zwangsweise glattgestellt werden. Fundamental gestützt wird die Bewegung von der Neuausrichtung des Projekts als KI-Infrastruktur-Plattform.
Größter Verlierer war Chiliz (CHZ) mit rund 24 Prozent im Minus. Eine konkrete Nachricht als Auslöser gab es hier nicht, der Kurs brach nach Wochen enger Seitwärtsbewegung schlicht charttechnisch nach unten aus.
Wochenausblick: die wichtigsten Termine

Die neue Handelswoche ist von den Terminen her überschaubar. Am Dienstag gibt das US-Verbrauchervertrauen einen ersten Stimmungstest, am Mittwoch folgt eine Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank und am Donnerstagvormittag ein Auftritt von EZB-Chefin Lagarde.
Das eigentliche Gewicht der Woche liegt jedoch auf dem Donnerstagnachmittag, wenn zwei Schwergewichte zusammentreffen: die PCE-Kerninflation und die erste Schätzung des US-Wirtschaftswachstums für das erste Quartal.
Die PCE-Kerninflation misst, wie stark die Preise für die alltäglichen Ausgaben der US-Haushalte steigen, und klammert dabei die schwankungsanfälligen Bereiche Energie und Lebensmittel aus. Sie ist das von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmaß: Bleibt der Preisdruck hoch, sinkt die Chance auf Zinssenkungen, was Aktien und Krypto belastet.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes und ist die wichtigste Kennzahl für das Wachstum. Hier zählt weniger die erwartete Marke von 2,0 Prozent als die Abweichung davon, denn genau diese Überraschung entscheidet, wohin sich Anleiherenditen, Dollar und Risikoanlagen kurzfristig bewegen.
Earnings: die wichtigsten Quartalszahlen

Die Earnings-Woche fällt ruhig aus, große Schwergewichte fehlen. Im Fokus stehen drei Titel rund um den KI-Ausbau.
Am Mittwoch nach US-Börsenschluss berichten Synopsys (SNPS) und Marvell (MRVL): Synopsys liefert die Software, mit der praktisch alle modernen Chips entworfen werden, Marvell baut Halbleiter für KI-Rechenzentren. Beide sind damit Frühindikatoren für die tatsächliche Nachfrage nach KI-Chips.
Am Donnerstag nach Börsenschluss folgt Dell (DELL), dessen Geschäft mit KI-Servern direkt zeigt, wie stark die Nachfrage nach Rechenzentrumshardware ist.
Aus dem Kryptosektor berichtet am Freitag der Bitcoin-Mining-Anbieter BitFuFu (FUFU) seine Quartalszahlen. Die Aktie notiert mit rund 2 Dollar etwa 60 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 5,38 Dollar und zeigt damit, wie schwer es viele Mining-Werte trotz der jüngsten Bitcoin-Stabilisierung zuletzt hatten.


