Die vergangene Woche brachte eine ungewöhnlich gespaltene Fed-Sitzung, die erste gemeinsame USA-Japan-Yen-Intervention seit 15 Jahren und eine extreme Divergenz bei den Big-Tech-Earnings. Diese Woche stellt vor allem der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag die Weichen für die Zins-Diskussion im September. Dazu berichten unter anderem AMD, Palantir und SpaceX, im Krypto-Sektor stehen mit Circle und Riot Platforms große Q2-Zahlen aus dem Stablecoin- und Mining-Geschäft auf dem Programm.
Zu faul zum Lesen? Die Kernpunkte auf einen Blick
- Fed-Sitzung mit historischer Spaltung: Warsh hielt bei 3,50 bis 3,75 Prozent, drei Fed-Mitglieder stimmten dagegen, kein Vorabhinweis mehr auf die September-Sitzung
- US-Anleiherenditen auf 5,20 Prozent (höchster Stand seit 2007), Muster: Anleihen attraktiver → Aktien und Krypto unter Druck
- Big-Tech-Divergenz: Amazon plus 15,3 Prozent, Microsoft plus 8 Prozent, Apple über 5 Billionen USD Marktkapitalisierung, Meta minus 9 Prozent
- Erste gemeinsame USA-Japan-Yen-Intervention seit 15 Jahren: Japan bewegte am Donnerstag 53 Mrd. USD (größte Eintages-Aktion aller Zeiten), am Freitag legten die USA nach. Yen von 164 auf 157 pro Dollar, US-Dollar-Index von 101,5 auf 99,8. Wichtig wegen möglicher Yen-Carry-Trade-Auflösung wie im August 2024
- Krypto seitwärts auf 2,17 Bio. USD, Bitcoin um 63.000 USD, PUMP plus 21 Prozent als Top-Gewinner, MemeCore minus 13 Prozent als Top-Verlierer
- Coldcard-Sicherheitslücke: 594 bis 1.082 BTC gestohlen, der härteste Schlag für Selbstverwahrer seit FTX
Markt-Recap der Vorwoche
Vier Ereignisse haben die vergangene Woche geprägt.
Fed-Sitzung mit historischer Spaltung: Kevin Warsh hielt die Zinsen unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent, aber gleich drei Fed-Mitglieder stimmten dagegen (üblich sind null bis eine Gegenstimme). Er gab zusätzlich keinen konkreten Vorabhinweis mehr, in welche Richtung die Zinsen im September gehen könnten. Trader müssen sich jetzt allein aus den Wirtschaftsdaten der nächsten Wochen ihre Erwartung selbst zusammenbauen. Zusätzlich deutete Warsh an, die Anzahl der Fed-Meetings pro Jahr reduzieren zu wollen.
Die Reaktion war heftig: die 30-jährigen US-Anleiherenditen kletterten auf über 5,20 Prozent, den höchsten Stand seit 2007. Steigende Renditen sicherer Staatsanleihen bedeuten: Anleger bekommen dort mehr Zinsen bei weniger Risiko, was Aktien und Krypto relativ unattraktiver macht. Das übliche Muster: Anleiherenditen hoch → Geld raus aus Aktien und Krypto → deren Kurse geraten unter Druck. Genau das war die ganze Woche zu sehen.
Big-Tech-Earnings mit extremer Divergenz: Amazon und Apple lieferten voll, Microsoft solide, Meta enttäuschte beim Ausblick. Details unten in der Earnings-Sektion.
Trump-Iran-Ankündigung: Am Samstag früh sagte Trump auf Truth Social die geplanten Iran-Militärschläge überraschend ab. Kombiniert mit der Öffnung der Straße von Hormus fiel der Ölpreis weiter, was die Inflationslage kurzfristig entspannt.

Gemeinsame Yen-Intervention der USA und Japans (erste gemeinsame Aktion seit 15 Jahren): Am Donnerstag bewegte die japanische Notenbank (Bank of Japan) rund 8,45 Billionen Yen (etwa 53 Mrd. USD), die größte jemals erfasste Eintages-Intervention. Am Freitag legten dann die USA nach: Die New Yorker Notenbank verkaufte im Auftrag von US-Finanzminister Scott Bessent Euro und kaufte dafür Yen. Die Aktion wurde nur dadurch öffentlich, dass ein Reuters-Fotograf im Kabinettssaal einen handschriftlichen „To Do”-Zettel abgelichtet hatte, auf dem der geplante Yen-Kauf notiert war. Der Yen sprang von 164 pro Dollar (Tiefstand seit 1986) auf 157,40, der US-Dollar-Index brach von 101,5 auf 99,8 ein.
Für Trader ist der Kontext wichtiger als der Kurssprung selbst. Der Yen ist seit Jahren die billigste Finanzierungswährung der Welt. Weil die japanische Notenbank ihren Leitzins bei 1 Prozent hält und die US-Notenbank bei 3,50 bis 3,75 Prozent, verdient man mit dem sogenannten Yen-Carry-Trade rund 2,5 Prozentpunkte, indem man Yen leiht und dafür Dollar-Anlagen kauft (US-Techaktien, Schwellenländer-Anleihen, Unternehmenskredite). Wirkt eine Intervention und muss der Yen zurückgekauft werden, müssen diese Carry-Trade-Positionen zwangsweise aufgelöst werden. Das entzieht anderen Märkten weltweit Liquidität, unabhängig von den dortigen Fundamentaldaten. Genau dieser Mechanismus drückte im August 2024 binnen Tagen weltweit Kurse, auch bei Krypto.
Warum die USA plötzlich mitmachen: Japan hält rund 1,19 Billionen USD an US-Staatsanleihen und ist damit der größte ausländische Gläubiger der USA. Um allein zu intervenieren, müsste Tokio Teile dieser Bestände verkaufen. Und zwar in genau der Woche, in der die 30-jährigen US-Anleiherenditen auf über 5,20 Prozent sprangen. Kooperation war für Washington die günstigere Option als der Verkaufsdruck auf dem eigenen Anleihenmarkt.
Gewinner und Verlierer der Woche
Aktien-Gewinner: Amazon plus 15,3 Prozent, Microsoft plus 8 Prozent, Apple erstmals über 5 Billionen USD Marktkapitalisierung, Bitcoin-Miner plus 20 bis 27 Prozent (Käufer der zwangsverkauften Aschenbrenner-KI-Rechenzentren, die jetzt zum Mining und KI-Compute-Vermieten genutzt werden).
Aktien-Verlierer: Meta minus 9 Prozent, Coinbase minus 7 Prozent, SanDisk deutlich, KOSPI Südkorea unter Verkaufsdruck asiatischer Investoren. Und Anleiheinhaber selbst, weil steigende Renditen und fallende Anleihekurse zwei Seiten derselben Medaille sind.
Krypto insgesamt seitwärts bis leicht schwächer: Marktkapitalisierung von 2,20 auf 2,17 Billionen USD, Bitcoin in enger Range um 63.000 USD. Sektor-Nachrichten: BitMart wurde geschlossen, BitMEX kündigt den geordneten Rückzug an, Binance verschwand aus dem europäischen Android-Store. Positiv: Flipster erhielt die VARA-Lizenz in Dubai.
Top-Bewegungen in den Top 100 auf Wochensicht:

- Gewinner: Audiera (BEAT) plus 22,3 Prozent, Pump.fun (PUMP) plus 21 Prozent, Uniswap (UNI) plus 14,4 Prozent, Cardano (ADA) plus 12,8 Prozent
- Verlierer: MemeCore (M) minus 13,4 Prozent, Hyperliquid (HYPE) minus 11,1 Prozent, Shiba Inu (SHIB) minus 10,5 Prozent, Gram (ehemals Toncoin) minus 7 Prozent
Quartalszahlen der Vorwoche:
Geliefert:
- Amazon Q2: Umsatz 200,6 Mrd. USD, Gewinn pro Aktie 5,75 vs. 1,82 erwartet, AWS stark → plus 15,3 Prozent
- Apple Q3: Umsatz 109,42 Mrd. USD, Gewinn pro Aktie 2,02, alle Erwartungen übertroffen → über 5 Billionen USD Marktkapitalisierung
- Microsoft: solide Azure-Zahlen, KI-Umsätze wachsen → plus 8 Prozent
Im Rahmen:
- Strategy Q2: Buchhalterischer 8,2-Mrd.-USD-Verlust wegen Bitcoin-Neubewertung, aber Bitcoin-Bestand plus 11 Prozent auf 843.775 BTC. Reine Bilanz-Kosmetik, kein operativer Verlust.
- Tether Q2: Die Excess Reserves (Reserven über die 1-zu-1-USDT-Deckung hinaus) fielen von 8,2 auf 4,1 Mrd. USD. Kapitaldecke immer noch komfortabel, aber die Diskussion um Tethers Kapitalisierung ist neu entflammt.
Enttäuscht:
- Meta: Zahlen ok, Ausblick schwach → minus 9 Prozent
- Coinbase Q2: Rekord-Marktanteil von 10,3 Prozent im US-Spot-Handel und verdoppeltes Prediction-Markets-Volumen. Trotzdem minus 7 Prozent, weil Analysten das schon eingepreist hatten.
- SanDisk: schwacher Ausblick
Cold-Wallet-Hack
Ein Ereignis der Woche verdient einen eigenen Absatz: Bei bestimmten Coldcard-Wallets (Modell Mk3 und älter) wurden über eine Firmware-Schwachstelle aus dem März 2021 zwischen 594 und über 1.082 BTC gestohlen (rund 38 bis 70 Millionen USD). Der Fehler lag in einer zu schwachen Zufallszahlen-Erzeugung bei der Wallet-Einrichtung, ein Angreifer nutzte KI-Analyse, um die Lücke systematisch auszubeuten.
FTX war der Vertrauensbruch bei einer zentralen Börse. Das hier ist der Vertrauensbruch bei einem der als am sichersten geltenden Hardware-Wallets überhaupt. „Not your keys, not your coins” hilft nicht, wenn die Keys selbst kompromittiert sind. Für viele Selbstverwahrer ist das der härteste Schlag seit FTX.
Alle Details, die volle Schadenshöhe und was du konkret prüfen solltest um deine Wallet zu schützen, liest du in unserem ausführlichen Blog zur Coldcard-Sicherheitslücke.
Ausblick auf die Handelswoche

Die 32. Handelswoche hat einen klaren Schwerpunkt: den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag um 14:30 Uhr deutscher Zeit. Nach Warshs ungewöhnlich gespaltener Fed-Sitzung ohne konkreten Zinsausblick ist der Bericht die wichtigste Weichenstellung für die September-Zinsdiskussion. Erwartet wird ein Anstieg der neu geschaffenen Stellen auf 88.000 gegenüber 57.000 im Vormonat, die Arbeitslosenquote soll unverändert bei 4,2 Prozent bleiben, die Stundenlöhne als direkter Inflations-Indikator um unveränderte 0,3 Prozent zulegen. Ein deutlich stärker oder schwächer als erwarteter Bericht kann die Erwartungshaltung an die Fed komplett drehen und würde entsprechend heftige Bewegungen an Anleihen, Aktien und Krypto auslösen.
Davor liefern zwei Frühindikator-Pakete den Vorlauf. Am Montag kommen die beiden Einkaufsmanager-Indizes für das verarbeitende Gewerbe (erwartet 53,8 und 54,0 Punkte, Werte über 50 bedeuten Wachstum). Am Mittwoch folgen die parallelen Indizes für den Dienstleistungssektor (erwartet 53,6 und 54,2) plus der ADP-Beschäftigungsbericht als privater Vorlauf auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht (erwartet 71.000 neu geschaffene Stellen vs. 98.000 im Vormonat) und die wöchentlichen Rohöllagerbestände. Am Donnerstag schließen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe die Frühindikator-Reihe ab.
Wichtig für die Interpretation: Alle Frühindikatoren sind auf Konsens-Niveau erwartet. Jede deutliche Abweichung ist damit unmittelbar handelsrelevant. Vor allem der ADP-Bericht am Mittwoch wird das erste konkrete Signal für die Payrolls am Freitag liefern.
Politische und institutionelle Termine mit Krypto-Bezug
- US-Kongress in Sommerpause ab 7. August: Der Senat pausiert offiziell nach dem 7. August bis Anfang September. Ohne den in KW 31 möglichen Senats-Vote zum CLARITY Act verschiebt sich der US-Krypto-Regulierungsrahmen mindestens bis nach der Sommerpause, damit realistisch in den September oder Oktober. Für Krypto heißt das: keine großen regulatorischen Impulse aus Washington in dieser Woche zu erwarten.
- Fed-Kommunikation im Fokus: Nach Warshs Andeutung, die Anzahl der Fed-Sitzungen pro Jahr reduzieren zu wollen, achten Marktteilnehmer auf weitere Kommentare aus dem Fed-Zinsausschuss. Jede zusätzliche Wortmeldung eines Fed-Gouverneurs zum Reform-Vorschlag kann für Ausschläge sorgen, weil weniger Sitzungen auch weniger Reaktionsspielraum bedeuten.
- Warten auf SEC- und CFTC-Reaktion: Nach der Fed-Sitzung und den Coinbase-Zahlen wird geprüft, ob es neue Stellungnahmen der US-Aufsichtsbehörden zu Prediction Markets, Stablecoins oder Miner-Regulierung gibt. Aktuell sind keine konkreten Termine angekündigt.
Earnings der Woche

Die Berichtssaison bleibt dicht. Der Fokus für Trader und Krypto-Investoren liegt auf drei Blöcken.
Halbleiter und KI-Infrastruktur: Nach dem starken Amazon-AWS- und Microsoft-Azure-Ausblick aus der Vorwoche liefert AMD am Dienstag nach Börsenschluss die wichtigste Nachbereitung für den KI-Chip-Sektor. Palantir (PLTR) öffnet am Montag nach Close die Woche als Retail-Liebling im AI-Software-Segment.
SpaceX (SPCX) am Dienstag nach Börsenschluss: Die 1. Quartalszahlen von SpaceX als börsennotiertes Unternehmen und mit Abstand das meistbeachtete Retail-Event der Woche. Zur Erinnerung: SpaceX ging am 12. Juni 2026 mit dem größten IPO aller Zeiten an die Börse. Der Ausgabepreis lag bei 135 USD pro Aktie, das Unternehmen sammelte 75 Mrd. USD ein bei einer Bewertung von rund 1,77 Billionen USD. Ungewöhnlich für einen IPO dieser Größe: Rund 30 Prozent der öffentlich angebotenen Aktien waren für Privatanleger reserviert. Am 1. Handelstag schloss SPCX bei 160,95 USD (plus 19 Prozent zum Ausgabepreis), in den Folgetagen kletterte die Aktie auf einen Peak von rund 225 USD. Seitdem geht es kontinuierlich abwärts: Aktuell notiert SPCX bei 108 USD, das sind rund 52 Prozent unter dem Peak und rund 20 Prozent unter dem IPO-Preis. Die Q2-Zahlen und vor allem der Ausblick auf Starlink-Umsätze, Starship-Programmfortschritt und die Wettbewerbssituation mit Blue Origin werden entscheiden, ob der Abwärtstrend gestoppt wird oder ob die Aktie den Halbierer weiter ausweitet.
Konsum und Reise als Konjunktur-Check: McDonald’s und Caterpillar liefern am Dienstag vor Open die klassischen Konsum- und Industrie-Barometer. Uber, Shopify, Disney und der Pharma-Riese Eli Lilly folgen am Mittwoch vor Open. Am Donnerstag nach Close berichten mit Airbnb und DraftKings zwei Retail-affine Reise- und Betting-Namen. Zusammen ergeben diese Berichte ein Konjunktur-Bild, das direkt in die Interpretation des Freitags-Arbeitsmarktberichts einfließt.
Krypto- und Blockchain-Earnings:
- Circle (CRCL) am Mittwoch vor Börsenöffnung: als USDC-Emittent der direkte Test nach der Tether-Excess-Reserve-Diskussion aus KW 31. Die Zahlen zeigen, wie der zweitgrößte Stablecoin-Emittent operativ dasteht.
- Riot Platforms (RIOT) am Mittwoch vor Börsenöffnung: großer US-Bitcoin-Miner, direkte Bestätigung, wie stark der Miner-Sektor tatsächlich vom Aschenbrenner-Kauf profitiert.
- Hut 8 (HUT) am Dienstag vor Börsenöffnung: zweiter börsennotierter Bitcoin-Miner der Woche, weiterer Datenpunkt.
- Mercado Libre (MELI) am Mittwoch nach Börsenschluss: LatAm-Handelsplattform mit wachsendem Krypto-Zahlungsgeschäft.


