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Wochenausblick KW 34 2026: Fed-Protokoll, Trump-Krypto-Treffen und der schwächelnde US-Konsum

Die US-Inflation kam punktgenau, doch am Freitag brachen die Einzelhandelsumsätze überraschend ein. Diese Woche zeigt das Fed-Protokoll, wie zerstritten die Notenbank wirklich ist. Und im Weißen Haus trifft Trump die Chefs der größten Krypto-Firmen, nachdem die Börsenaufsicht ihre geplante Sitzung kurzfristig abgesagt hat.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
August 16, 2026
Titelbild zum Wochenausblick KW 34 2026 mit Fed-Protokoll und Trump-Krypto-Treffen

Die US-Inflation kam vergangene Woche punktgenau wie erwartet, doch am Freitag brachen die Einzelhandelsumsätze überraschend ein. Nach dem Stellenverlust im Juli ist das der 2. Hinweis darauf, dass die US-Wirtschaft abkühlt. Was wiederum bedeuten kann, dass die US-Notenbank Fed nicht den allzu großen Spielraum hat, um Zinsen zu erhöhen. Diese Woche liefert das Fed-Sitzungsprotokoll am Mittwochabend Einblick in die tief gespaltene Notenbank, und mit Walmart, Home Depot, Target und Lowe’s berichten genau die Unternehmen, an denen sich zeigt, wie es dem US-Verbraucher wirklich geht. Für Krypto-Anleger ist der wichtigste Termin das Treffen von Präsident Trump mit Krypto-Führungskräften im Weißen Haus am Mittwoch, nachdem die US-Börsenaufsicht ihre geplante Krypto-Sitzung kurzfristig abgesagt hat.

Zu faul zum Lesen? Die Kernpunkte auf einen Blick

  • US-Inflation exakt wie erwartet: 3,4 % im Jahresvergleich, Kernrate 2,5 % als tiefster Stand seit dem Inflationsschub nach Corona
  • Einzelhandelsumsätze brechen ein: minus 0,6 % statt plus 0,1 % erwartet
  • Öl dreht wieder nach oben: plus 5,95 % auf 88,52 USD, weil die USA den Druck auf Iran verschärft haben statt ein Hormus-Abkommen zu schließen
  • KOSPI Südkorea plus 11,5 % als stärkster Index weltweit, getrieben von Samsung und SK Hynix
  • Krypto als einzige Anlageklasse im Minus: Marktkapitalisierung minus 2,27 % auf 2,25 Bio. USD, Bitcoin minus 3,20 % auf 63.073 USD, ruhigstes Handelsgeschehen seit 2019
  • Riot Platforms: 20-Jahres-Mietvertrag über 191 Megawatt in Texas an Anthropic, Wert 9,1 Mrd. USD. Nach Ionic Digital und Hut 8 der 3. große Miner, der seinen Strom lieber an KI-Kunden verkauft
  • „Krypto ist tot”-Stimmung nimmt wieder zu, passend zum ruhigsten Handelsgeschehen seit 2019. In der Vergangenheit oft ein guter Indikator für Bodenbildung und Tiefzonen.
  • Tether besteht erste echte Bilanzprüfung durch KPMG, veröffentlicht den Bericht aber nicht
  • Trezor-Datenleck bei rund 14.000 Kunden, nach dem Coldcard-Vorfall der nächste Schlag für Selbstverwahrer
Diese Woche im Fokus
Fed-Sitzungsprotokoll am Mittwochabend, weil daraus hervorgeht, wie tief die Spaltung im Zinsausschuss nach den drei Gegenstimmen wirklich geht. Einzelhandels-Earnings von Walmart, Home Depot, Target und Lowe’s, weil sie zeigen, ob der Konsum-Einbruch vom Freitag ein Ausreißer war oder der Anfang eines Trends. Trump trifft am Mittwoch Krypto-Führungskräfte im Weißen Haus, nachdem die US-Börsenaufsicht ihre Krypto-Sitzung am Freitag kurzfristig und ohne neuen Termin abgesagt hat.

Markt-Recap der Vorwoche

US-Inflation punktgenau, aber der Konsum bricht ein: Die Verbraucherpreise für Juli kamen am Mittwoch exakt wie erwartet, mit 3,4 Prozent im Jahresvergleich und einer Kernrate von 2,5 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit dem Inflationsschub nach Corona und der dritte brauchbare Wert in Folge. Aktien sprangen darauf an. Am Freitag folgte der Dämpfer: Die Einzelhandelsumsätze fielen um 0,6 Prozent statt der erwarteten plus 0,1 Prozent. Nach dem Stellenverlust im Juli ist das der zweite Hinweis, dass die US-Wirtschaft spürbar abkühlt. Für Anleger ist das ein zweischneidiges Signal: Eine Zinserhöhung im September wird unwahrscheinlicher, was Aktien und Krypto stützt, gleichzeitig wächst aber die Sorge um Konjunktur und Wachstum.

Iran-Eskalation dreht den Ölpreis wieder nach oben: Statt des erwarteten Abkommens zur Straße von Hormus hat US-Finanzminister Scott Bessent den wirtschaftlichen Druck auf Iran verschärft. Öl (Brent) stieg auf Wochensicht um 5,95 Prozent auf 88,52 USD, die strategischen US-Ölreserven fielen erstmals seit 1983 unter 300 Millionen Barrel. Ein höherer Ölpreis bedeutet mehr Inflationsdruck und frisst damit einen Teil der Entlastung wieder auf, die die Inflationsdaten gebracht hatten.

Der KI-Handel läuft weiter auf Hochtouren: Nvidia holte sechs Finanzfirmen an Bord (Apollo, Blackstone, BlackRock, Brookfield, KKR und Goldman Sachs), um 500 Mrd. USD für den Ausbau von KI-Rechenzentren einzusammeln. Nvidia gibt dabei kein eigenes Geld, sondern die sechs Häuser verleihen es an Firmen, die Nvidia-Technik kaufen oder mieten wollen. Als Sicherheit dient die Rechenleistung selbst. Intel sammelte über die Ausgabe neuer Aktien 20 Mrd. USD ein statt der geplanten 15 Mrd., weil Investoren für das Fünffache zugegriffen hätten. Bei den Quartalszahlen legten CoreWeave 16 Prozent zu und Supermicro rund 8 Prozent.

Berkshire Hathaway verdoppelt fast seine Alphabet-Position: Die Quartalsmeldung an die US-Börsenaufsicht am 15. August zeigte, dass die Firma von Warren Buffett im zweiten Quartal für rund 17 Mrd. USD Alphabet-Aktien zugekauft hat, ein Plus von 83 Prozent auf rund 106 Millionen Anteile. Alphabet ist damit die viertgrößte Position im Depot und hat Bank of America verdrängt.

Gewinner und Verlierer der Woche

Aktien: Der KOSPI in Südkorea war mit plus 11,5 Prozent der mit Abstand stärkste Index weltweit, getrieben von Samsung und SK Hynix mit jeweils rund 6 Prozent. Nikkei 225 plus 4,74 Prozent, CSI 300 China plus 3,02 Prozent. In den USA blieb es ruhiger mit Nasdaq 100 plus 1,09 Prozent und S&P 500 plus 0,36 Prozent, der DAX legte 0,46 Prozent zu. Klarer Sektorgewinner war Energie mit plus 7,67 Prozent durch den Ölpreis, einziger Verlierer waren Versicherer mit minus 0,48 Prozent.

Rohstoffe: Öl (Brent) plus 5,95 Prozent auf 88,52 USD, Silber plus 2,80 Prozent auf 65,11 USD, Gold plus 2,23 Prozent auf 4.437 USD.

Krypto ging als einzige Anlageklasse zurück: Die Marktkapitalisierung fiel um 2,27 Prozent auf 2,25 Bio. USD, Bitcoin verlor 3,20 Prozent auf 63.073 USD, Ethereum 2,10 Prozent auf 1.883 USD. Analysten sprachen vom ruhigsten Handelsgeschehen seit 2019, das Volumen bei den Terminkontrakten fiel auf ein Dreijahrestief.

Top-Bewegungen in den Top 100 auf 7-Tages-Sicht:

  • Gewinner: Bitway (BTW) plus 68,8 Prozent, World Liberty Financial (WLFI) plus 17,9 Prozent nach der vorläufigen Zulassung als nationale Treuhandbank, Chainlink (LINK) plus 12,8 Prozent nach starken Käufen großer Wallets, Worldcoin (WLD) plus 12,6 Prozent, OKB plus 11,3 Prozent
  • Verlierer: Uniswap (UNI) minus 17,4 Prozent, Cardano (ADA) minus 10,4 Prozent, Pepe (PEPE) minus 9,3 Prozent, Bitcoin Cash (BCH) minus 5,9 Prozent, Hedera (HBAR) minus 5,6 Prozent

Die wichtigsten Krypto-Nachrichten

Tether hat nach Jahren der Ankündigungen erstmals eine vollständige unabhängige Prüfung vorgelegt. KPMG US erteilte dem größten Stablecoin-Herausgeber für 2025 ein uneingeschränktes Prüfurteil, also die beste Note, die ein Prüfer vergeben kann. Den Bericht selbst veröffentlicht Tether allerdings nicht, er geht nur auf Anfrage an Regulierer und Banken.

Für Selbstverwahrer gab es nach dem Coldcard-Vorfall den zweiten Schlag: Bei einem Versanddienstleister von Trezor sind die Daten von rund 14.000 Kunden abgeflossen, darunter Name, Lieferadresse und Telefonnummer. Wiederherstellungswörter sind nicht betroffen und niemand kann mit diesen Daten auf Guthaben zugreifen. Trotzdem haben Angreifer jetzt eine Liste von Menschen, bei denen bekannt ist, dass sie eine Hardware-Wallet besitzen und wo sie wohnen. Genau das ist die Grundlage für gezielte Betrugsmails.

Regulatorisch trat die Woche auf der Stelle: Die US-Börsenaufsicht sagte ihre für Freitag angesetzte Sitzung zu neuen Krypto-Regeln kurzfristig ab. Was daraus für diese Woche folgt, steht weiter unten bei den politischen Terminen.

Wenn alle sagen, Krypto sei tot

Passend zum ruhigsten Handelsgeschehen seit 2019 meldet der Analysedienst Santiment, dass Begriffe wie „tot”, „vorbei” und „erledigt” in Bezug auf Krypto auf X, Reddit und Telegram wieder deutlich häufiger auftauchen. Santiment ordnet das als typische Angstsprache ein: Sie kommt auf, wenn die Geduld der Privatanleger reißt, die Kurse sich festgefahren anfühlen und Trader eine vorübergehende Schwäche für ein endgültiges Scheitern halten.

Historisch war genau diese Stimmungslage oft ein Wendepunkt, weil die Verkäufer irgendwann ausgehen. Ein Signal ist das aber nicht, sondern nur ein Stimmungsbild. Wir haben uns die Daten hinter der Frage angesehen, ob an dem Untergangsszenario etwas dran ist: Über 100 Projekte haben dieses Jahr aufgegeben, Altcoins stehen bis zu 90 Prozent im Minus, der erste US-Bitcoin-ETF wurde geschlossen. Warum das trotzdem nicht das Ende des Sektors ist, sondern das Ende eines bestimmten Geschäftsmodells, steht in unserem Beitrag Sind Kryptowährungen tot?.

Ausblick auf die Handelswoche

Nach zwei außergewöhnlich dichten Wochen beruhigt sich der Kalender spürbar. Das Schwergewicht ist das Fed-Sitzungsprotokoll am Mittwoch um 20:00 Uhr deutscher Zeit. Veröffentlicht wird das Protokoll der Sitzung von Ende Juli, bei der gleich drei Mitglieder gegen den Zinsbeschluss gestimmt haben. Anleger lesen darin nach, wie tief die Spaltung im Zinsausschuss wirklich geht und welche Argumente für eine Zinserhöhung im September sprechen. Das ist besonders relevant, weil Fed-Chef Kevin Warsh danach keinen konkreten Zinsausblick mehr gegeben hat und der Markt sich seine Erwartung selbst zusammenbauen muss.

Am selben Tag spricht Präsidentin Christine Lagarde von der Europäischen Zentralbank, und die Verbraucherpreise für die Eurozone werden veröffentlicht (Prognose unverändert bei 2,9 Prozent). Am Donnerstag folgen der Philly-Fed-Herstellungsindex mit einem erwarteten deutlichen Rückgang auf 24,3 Punkte nach 41,4 und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Am Freitag schließen die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für August die Woche ab, erwartet bei 54,0 Punkten für die Industrie und 53,9 für die Dienstleistungen. Werte über 50 signalisieren Wachstum.

Politische und institutionelle Termine mit Krypto-Bezug

  • Trump trifft am Mittwoch Krypto-Führungskräfte im Weißen Haus: Der wichtigste Krypto-Termin der Woche. Erwartet werden neben dem Präsidenten auch der Vorsitzende der US-Terminmarktaufsicht CFTC, Michael Selig, sowie der Chef der Börsenaufsicht SEC, Paul Atkins. Auf der Gästeliste stehen unter anderem Coinbase, Ripple, Chainlink, a16z und Paradigm. Am Donnerstag folgt die erste öffentliche Sitzung des neu gegründeten Innovations-Beirats der CFTC, die online übertragen wird und sich mit der Regulierung von Krypto-Vermögenswerten und künstlicher Intelligenz befasst. Konkrete Beschlüsse sind nicht angekündigt, aber jede Aussage zur künftigen Marktstruktur kann Bewegung auslösen.
  • Der Auslöser: abgesagte Sitzung der Börsenaufsicht: Die SEC hatte für vergangenen Freitag eine Sitzung angesetzt, in der sie ein eigenes, zugeschnittenes Regelwerk für bestimmte Krypto-Angebote vorstellen wollte. Die Sitzung wurde kurzfristig abgesagt, ein Ersatztermin steht bis heute aus. SEC-Chef Atkins nennt klare Regeln für die Branche seit Monaten die wichtigste Aufgabe seiner Behörde, kommt aber ohne gesetzliche Grundlage nicht voran.
  • CLARITY Act weiter blockiert: Genau diese Grundlage soll das Gesetz liefern, doch der US-Senat stimmt erst am 15. September darüber ab, ob er überhaupt darüber debattieren darf. Dafür sind 60 der 100 Stimmen nötig, die Republikaner halten 53 Sitze. Danach bleibt bis zu den Zwischenwahlen im November wenig Zeit. Für den Sektor heißt das: Die Rechtsunsicherheit in den USA zieht sich mindestens bis in den Herbst.

Earnings der Woche

Die Berichtssaison läuft aus, aber diese Woche hat einen klaren Schwerpunkt.

Die Einzelhandels-Woche: Nach dem überraschenden Einbruch der Einzelhandelsumsätze am Freitag berichten genau die Unternehmen, die den US-Konsum abbilden. Home Depot (HD) am Dienstag vor Börsenöffnung, dann am Mittwoch vor Börsenöffnung gleich drei auf einmal mit Target (TGT), TJX Companies (TJX) und Lowe’s (LOW), und am Donnerstag vor Börsenöffnung Walmart (WMT) als größter Einzelhändler der Welt. Zusammen ergeben diese Berichte die schlüssigste Antwort auf die Frage, ob der US-Verbraucher wirklich schwächelt oder ob der Freitagswert ein Ausreißer war. Für Trader ist das die wichtigste Story der Woche.

China-Riesen: Baidu (BIDU) am Dienstag vor Börsenöffnung, Alibaba (BABA) und NetEase (NTES) am Donnerstag vor Börsenöffnung. Nach dem starken CSI 300 der Test, ob die Konjunkturhoffnung fundamental gedeckt ist.

KI- und Fintech-Bezug: Analog Devices (ADI) am Mittwoch vor Börsenöffnung als Chip-Zulieferer für Industrie und Automobil. Klarna (KLAR) am Dienstag vor Börsenöffnung, deren Zahlen zu Konsumkrediten ein Frühindikator für die Zahlungsmoral der Verbraucher sind. Webull (BULL) am Mittwoch nach Börsenschluss und Futu (FUTU) am Donnerstag vor Börsenöffnung als Handelsplattformen für Privatanleger mit Krypto-Bezug.

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