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Sind Kryptowährungen tot? Was hinter dem Massensterben 2026 steckt

Über 100 Krypto-Projekte haben 2026 dichtgemacht, Altcoins haben bis zu 90 % verloren, und Bitcoin steht rund 50 % unter seinem Hoch. Wir zeigen anhand der Daten, was gerade wirklich stirbt, warum die Überlebenden ausgerechnet die langweiligsten Projekte sind und wie die regulatorische Lage dazu passt.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
August 16, 2026
Titelbild zur Frage, ob Kryptowährungen tot sind, und zum Massensterben von Krypto-Projekten 2026

Über 100 Krypto-Projekte, von denen wir wissen, haben 2026 aufgegeben. Altcoins haben zwischen 70 und 90 Prozent verloren. Der erste US-Bitcoin-ETF wurde geschlossen, Grayscale hat drei geplante ETFs zurückgezogen, und Bitcoin steht rund 50 Prozent unter seinem Hoch.

Wer nur die Schlagzeilen liest, kommt zu einem klaren Schluss: Das war es dann wohl.

Was aber gerade stirbt, ist ein bestimmtes Geschäftsmodell. Was gleichzeitig passiert, ist die schnellste institutionelle Übernahme, die dieser Markt je gesehen hat. Beides gleichzeitig zu verstehen, ist der eigentliche Punkt für dich als Investor und Trader. Zumal du nur mit einem ganzheitlichen Bild des aktuellen Marktes wirklich einschätzen kannst, ob Bitcoin und Kryptowährungen tot sind oder nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • 2026 haben laut RootData über 100 Krypto-Projekte geschlossen, Insolvenz angemeldet oder den Betrieb eingestellt. Allein in einer Woche Ende Juli waren es BitMEX, BitMart, Movement Labs und Storj Labs.
  • Der gemeinsame Nenner der Gescheiterten: Sie hatten Nutzer, aber keine Einnahmen in echtem Geld. Bezahlt wurde in eigenen Token, deren Wert um 70 bis 90 Prozent einbrach.
  • Die Überlebenden verdienen Gebühren in Dollar. Hyperliquid, Aave und Ether.fi sind durch den Bärenmarkt gewachsen statt geschrumpft.
  • Parallel dazu übernehmen klassische Banken und Vermögensverwalter genau die Felder, die früher Krypto-Projekten gehörten: Tokenisierung, Verwahrung, Handelsinfrastruktur.
  • Zum Einstiegszeitpunkt: Bitcoin ist rund 50 Prozent günstiger als auf dem Hoch im Oktober 2025. Gemessen an früheren Zyklen mit Rückgängen zwischen 77 und 93 Prozent ist der aktuelle Drawdown allerdings noch mild.
  • Kurzantwort auf die Titelfrage: Nein, Krypto ist nicht tot. Was stirbt, ist der Teil des Marktes, der nie ein Geschäftsmodell hatte. Das ist etwas anderes als das Ende der Anlageklasse.

Was 2026 tatsächlich passiert ist

Die Zahlen stammen von RootData, einem Datendienst, der Krypto-Projekte und deren Finanzierungen erfasst. Über 100 Projekte haben demnach 2026 dichtgemacht, und das Tempo zieht an.

Betroffen sind alle Ebenen der Branche: Börsen, Wallets, DeFi-Kreditprotokolle, NFT-Marktplätze und ganze Blockchains. Ende Juli traf es innerhalb einer einzigen Woche vier größere Namen. Die Polkadot-Parachain Moonbeam stellte am 31. Juli endgültig die Blockproduktion ein.

Die Liste ist dabei vermutlich unvollständig. Für jedes Projekt, von dessen Schließung man höre, gebe es womöglich zehn weitere, die still dasselbe täten.

Warum so viele Projekte gleichzeitig sterben

Hier wird es interessant, denn die Ursache ist eine andere als 2022.

Damals brachen Terra, Celsius und FTX innerhalb weniger Monate zusammen. Es gab einen zentralen Ansteckungsherd, und die Ursachen hießen Betrug und verkettete Kredite. Was wir 2026 sehen, hat keinen einzelnen Auslöser. Es ist eine branchenweite Abrechnung, die drei verschiedene Schwachstellen gleichzeitig freilegt.

Das Token-als-Gehalt-Modell ist zusammengebrochen

Die meisten der jetzt eingestellten Projekte haben nie Umsatz im klassischen Sinne erwirtschaftet. Entwickler wurden in eigenen Token bezahlt, Liquidität wurde mit Token subventioniert, Sicherheitsprüfungen in Token beglichen.

Solange diese Token ihren Dollarwert hielten, funktionierte das System. Als die Altcoins zwischen 70 und 90 Prozent verloren, war die Kalkulation, wie lange das Geld noch reicht, plötzlich völlig wertlos.

Drei Fälle zeigen, wie wenig Nutzung dabei half:

  • Tally, eine Plattform für die Abstimmungsprozesse dezentraler Organisationen, betreute über 500 Protokolle, darunter Uniswap, Arbitrum und ENS. Sie wickelte über eine Milliarde Dollar an Zahlungen ab und half, bis zu 80 Milliarden Dollar an Werten abzusichern. Sie überlebte trotzdem nicht. Mitgründer Dennison Bertram schrieb zum Abschied, es gebe schlicht kein risikokapitalfähiges Geschäft mit Governance-Werkzeugen für dezentrale Protokolle.
  • Everclear, ein Abwicklungsprotokoll zwischen verschiedenen Blockchains, erreichte 500 Millionen Dollar monatliches Transaktionsvolumen. Das Geld ging trotzdem aus. Das Team hatte auf Geschäftskunden umgestellt und große Partner gewonnen, aber unterschätzt, wie lange diese Partner bis zum Start brauchen würden.
  • Step Finance, ein Portfolio-Tracker auf Solana, verlor im Januar durch einen Phishing-Angriff auf das Gerät einer Führungskraft rund 35 Millionen Dollar aus der Firmen-Wallet. Rettungskapital kam nicht, im Februar war Schluss.

Das Muster ist in allen drei Fällen dasselbe: Nutzung ohne Einnahmen, dazu eine Kasse, die vollständig in einem fallenden Token gehalten wurde.

Ein einziger Hack reicht jetzt für das Aus

Parallel läuft die schlimmste Phase an DeFi-Angriffen, die je erfasst wurde. Nach einer Auswertung des Sicherheitsanbieters Blockaid gingen im ersten Halbjahr 2026 rund 1,1 Milliarden Dollar durch Angriffe verloren, mehr als im gesamten Jahr 2025.

Der April 2026 war gemessen an der Zahl der Vorfälle der am häufigsten angegriffene Monat der Kryptogeschichte. Zwei Angriffe machten den Großteil der Summe aus: 293 Millionen Dollar bei Kelp DAO am 18. April und 285 Millionen Dollar bei Drift Protocol am 1. April. Bei Drift arbeiteten sich nordkoreanisch verbundene Angreifer über sechs Monate hinweg sozial in die Organisation hinein, ohne eine einzige Zeile Programmcode anzugreifen. Nach Schätzung von TRM Labs gehen 66 Prozent aller Hack-Verluste im ersten Halbjahr auf nordkoreanisch verbundene Akteure zurück.

Neu ist allerdings, was nach einem Hack passiert.

Früher rückte die Community zusammen, die Projektkasse deckte den Schaden, das Protokoll erholte sich. 2026 sind die Kassen durch den Kursverfall bereits leer, und Wagniskapitalgeber (Venture capital) schreiben kaum noch Rettungsschecks. Ein Angriff bedeutet damit häufig das sofortige Ende.

Wie du dich als Anleger davor schützt, dass dich so etwas trifft, steht in unserem Artikel zu Hot- und Cold-Storage-Wallets.

Das Zombie-Problem

Ein totes Protokoll verschwindet nicht sauber. Wenn ein Team sich auflöst, laufen die veröffentlichten Programme auf der Blockchain einfach weiter. Der Code stirbt nicht.

Im Juli führte ein Angriff über sechs Millionen Dollar beim Lazy Summer Protocol direkt zurück auf Stream Finance, ein Protokoll, das bereits im November 2025 zusammengebrochen war. Acht Monate nach dem Ende wurde der ungepflegte Code zum Einfallstor für Hacker.

Bei Moonbeam zeigt sich die andere Seite desselben Problems. Die Chain hat am 31. Juli aufgehört, Blöcke zu produzieren. Wer sein Guthaben bis dahin nicht abgezogen hatte, kommt nicht mehr daran. Die Verträge existieren weiter, nur gibt es niemanden mehr, der etwas tun könnte.

Warum das kein Krypto-Sonderfall ist

Orkun Mahir Kılıç, Chef von Chainway Labs, ordnet die Welle so ein: Dieses Muster aus Schließung und Konsolidierung sei in der Technologiebranche üblich und für Krypto keineswegs einzigartig. Ähnliches habe man beim Platzen der Internetblase (Dotcom zur 2000er Wende) gesehen, und Vergleichbares werde vermutlich bald auch bei künstlicher Intelligenz zu beobachten sein.

Genau diesen Vergleich haben wir zuletzt in unserem Marktupdate zur KI-Blase durchgerechnet. Die Parallele trägt in beide Richtungen: Nach der Dotcom-Blase verschwand ein Großteil der Projekte, und aus den Trümmern gingen die Unternehmen hervor, die das Internet bis heute tragen.

Ben Fisch, Chef von Espresso Systems, benennt beim Thema Layer-2-Netzwerke das Grundproblem: Es habe viel zu viele Allzweck-Netzwerke gegeben, die als Produkt kaum Sinn ergäben, weil es keinen Grund für viele Versionen derselben Sache gebe.

Wie bei vielen Tools, Softwares, Standards und Normen ergibt sich hieraus ein Learning: Es wird sich eine Handvoll Marktführer durchsetzen, und die anderen werden verschwinden oder kleine Nischen bedienen.

Wer überlebt, und woran du das erkennst

Einige Protokolle sind durch den Bärenmarkt hindurch sogar gewachsen. Ihr gemeinsamer Nenner ist denkbar unspektakulär: Sie verdienen Geld in Dollar, nicht im eigenen Token.

  • Hyperliquid, eine dezentrale Terminbörse, überschritt am 30. Juni eine Milliarde Dollar an kumulierten Gebühren, keine zwei Jahre nach dem Start und mitten im Bärenmarkt. Das Handelsvolumen stieg, während der Markt fiel. Der Anteil am Markt für dezentrale Terminkontrakte liegt bei rund 70 Prozent. 
  • Aave, der größte DeFi-Kreditmarkt, hielt im Juli 2026 über 12 Milliarden Dollar an Einlagen und erwirtschaftete auf Jahressicht mehr als 100 Millionen Dollar an Kreditgebühren. Im April überstand das Protokoll Abflüsse von 8,4 Milliarden Dollar, ausgelöst durch den Kelp-Hack, und lief weiter.
  • Ether.fi hat seine Einnahmen früh verbreitert. Die hauseigene Krypto-Debitkarte macht inzwischen rund die Hälfte der Protokolleinnahmen aus, die Transaktionsgebühren erreichten im zweiten Quartal mit 2,72 Millionen Dollar einen Rekord. Im Protokoll liegen 7,8 Milliarden Dollar.

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Weitere Informationen

Diese Konzentration ist inzwischen extrem. Lorenzo Valente, Research-Direktor bei Ark Invest, weist darauf hin, dass Hyperliquid und Pump.fun zusammen 67 Prozent aller Anwendungs-Einnahmen im Kryptomarkt auf sich vereinen. Nimmt man Ethena dazu, sind es fast 80 Prozent für drei Anbieter.

Valentes Einschätzung dazu ist deutlich: Der Markt durchlaufe die größte Konsolidierungsphase seiner Geschichte, tiefgreifender als in früheren Bärenmärkten. Kapital sei viel selektiver geworden und das bei viel mehr Projekten, Teams und Börsen ohne echte Produkte schließen. Er erwarte in den kommenden Monaten deutlich mehr Übernahmen, Insolvenzen und Notverkäufe. Sein Fazit: Für den Sektor sei das äußerst positiv.

Ist Bitcoin tot?

Bitcoin notiert aktuell bei rund 64.000 Dollar und damit etwa 50 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.198 Dollar aus dem Oktober 2025. Der gesamte Kryptomarkt ist von rund 4,27 Billionen auf etwa 2,29 Billionen Dollar geschrumpft. Nach jeder gängigen Definition ist das ein Bärenmarkt.

Auffällig ist allerdings, wie dieser Rückgang verlief. Statt der brutalen Neubewertungen früherer Kryptowinter gab es einen geordneten, langgezogenen Abstieg. Nach Daten des Market Makers Wintermute entfielen im ersten Halbjahr 2026 rund 72 Prozent des Spot-Handelsvolumens am eigenen Handelstisch auf institutionelle Investoren, nach 59 Prozent im Vorjahr. Der Markt verhält sich zunehmend wie andere Anlageklassen auch.

Gegen die Todes-These sprechen mehrere strukturelle Entwicklungen:

  • Die USA halten rund 328.000 Bitcoin in einer strategischen Reserve.
  • Luxemburg hat als erstes Land der Eurozone einen Teil seines Staatsfonds in Bitcoin-ETFs investiert.
  • BlackRock, Fidelity und Invesco bieten Bitcoin-Produkte für Pensionskassen und Vermögensverwalter an. Details dazu in unserer Übersicht zu Krypto-ETFs in den USA.
  • Der Anteil von Bitcoin an der gesamten Krypto-Marktkapitalisierung liegt je nach Datenanbieter zwischen 56 und 60 Prozent, also höher als in den Vorjahren.

Man sollte aber auch bei allen positiven News nicht die Gegenseite außer Acht lassen:

Der Bitcoin-ETF von Hashdex wurde eingestellt, die erste Schließung eines börsengehandelten US-Bitcoin-Fonds überhaupt. Bloomberg-Analyst Eric Balchunas ordnet ein, dass weniger der Kursverfall das Problem war als der späte Start. Und Grayscale hat Anfang August drei geplante ETFs auf Cardano, Polkadot und Hedera zurückgezogen, nachdem diese Token seit den ersten Anträgen zwischen 70 und 80 Prozent verloren hatten.

Beides zeigt dasselbe Bild: Bitcoin und die etablierten Produkte darauf halten sich. Der lange Schweif an Altcoin-Produkten wird ausgedünnt.

Was fundamental gerade passiert

An diesem Punkt wird die Diskrepanz zwischen Stimmung und Substanz am größten. Denn während die Schlagzeilen vom Sterben handeln, sieht die regulatorische und institutionelle Lage so gut aus wie nie.

Die wichtigste Börsenaufsicht der Welt arbeitet aktiv an Regeln statt an Klagen. Die US-Börsenaufsicht SEC stimmt am 14. August über ihren ersten förmlichen Regelvorschlag für Kryptowährungen ab. Was dahintersteckt, haben wir in unserer News zur geplanten SEC-Regulierung aufgeschrieben. Dass der Clarity Act im Senat vor der Sommerpause gescheitert ist, hat daran wenig geändert, die Behörde macht ohne das Gesetz weiter.

Europa hat mit MiCA einen verbindlichen Rechtsrahmen. Was das praktisch bedeutet, steht in unserem Artikel zu MiCA und deiner Kryptobörse.

Und der interessanteste Punkt: Der Wettbewerb hat sich verschoben. Tokenisierung, Verwahrung, Handelsinfrastruktur, Layer-2-Skalierung. Das waren jahrelang die Felder, auf denen Krypto-Projekte gegeneinander antraten. Heute werden sie zunehmend von klassischen Finanzhäusern besetzt:

  • Die Deutsche Börse handelt über ihre Tochter 360T seit Februar tokenisierte Aktien.
  • BlackRocks tokenisierter Geldmarktfonds BUIDL ist auf rund drei Milliarden Dollar gewachsen.
  • Securitize, der Marktführer der Tokenisierungsinfrastruktur, ist im Juli an die New Yorker Börse gegangen.
  • Zehn europäische Banken haben mit RL1 eine eigene Blockchain für Wertpapiere gestartet.

Für Anleger bedeutet das eine unbequeme Umstellung. Wer auf die Technologie setzen will, kauft dafür nicht mehr zwingend einen Token. Oft ist die passende Position inzwischen eine regulierte Aktie. Wie sich dieser Trend weiterentwickelt, haben wir in unserem Artikel zur Zukunft von Bitcoin und Co. ausführlich beschrieben.

Ist das jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einsteigen in Kryptowährungen?

Zwei Dinge lassen sich dazu sagen, und sie widersprechen sich weniger, als es zunächst wirkt:

Was positiv für den aktuellen Zeitpunkt spricht

Rein rechnerisch kaufst du heute dieselbe Menge Bitcoin für rund die Hälfte dessen, was im Oktober 2025 fällig gewesen wäre. Das ist keine Prognose, das ist Arithmetik. Wer im Herbst 2025 in der maximalen Euphorie eingestiegen ist, hat für dasselbe Asset das Doppelte bezahlt.

Es hat also objektiv schon deutlich schlechtere Zeitpunkte für einen Einstieg gegeben. Das gilt unabhängig davon, ob der Kurs von hier aus weiter fällt.

Was dagegen spricht: der Blick auf frühere Zyklen

Der maximale Drawdown beschreibt, wie weit ein Kurs vom höchsten Punkt bis zum tiefsten Punkt gefallen ist. Er misst also den schlimmsten Verlust, den ein Anleger im ungünstigsten Fall ausgesessen hätte. Bei Bitcoin sah das in den vergangenen Zyklen so aus:

ZyklustiefMaximaler Drawdown
2011rund 93 Prozent
2015rund 86 Prozent
2018rund 84 Prozent
2022rund 77 Prozent
Aktueller Zyklus, Stand August 2026rund 54 Prozent

Das tiefste Niveau des laufenden Zyklus lag Ende Juni bei etwa 58.000 Dollar. Gemessen am Hoch von 126.198 Dollar sind das rund 54 Prozent.

Gemessen an Bitcoins eigener Historie ist der bisherige Rückgang damit vergleichsweise mild. Genau diese Rechnung stellen derzeit mehrere Analysehäuser auf. Ein Rückgang um 70 Prozent, also noch etwas milder als 2022, würde vom aktuellen Hoch aus bei rund 38.000 Dollar landen. Eine exakte Wiederholung des 2022er-Werts von 77 Prozent käme sogar bei etwa 29.000 Dollar heraus.

Bevor man jetzt jedoch auf den 77 %-Drop und Bitcoin unter 30.000 Dollar wartet, sollte man folgenden Aspekt zu den historischen Drawdowns berücksichtigen: Die Drawdowns werden von Zyklus zu Zyklus milder. 93, dann 86, dann 84, dann 77 Prozent. Der Grund liegt auf der Hand, denn der Markt ist mit jedem Zyklus größer, liquider und institutioneller geworden. Ein erneuter Einbruch um 77 Prozent ist damit keineswegs die zwangsläufige Fortschreibung des Musters. Er ist aber auch nicht auszuschließen.

Was Marktpsychologie dazu sagt

Es gibt ein bekanntes Muster an Finanzmärkten: Die pessimistischsten Schlagzeilen erscheinen selten am Anfang eines Abschwungs. Sie häufen sich am Ende, wenn die letzten Verkäufer aufgeben. Wer dann noch investiert ist, hat den Rückgang bereits ausgesessen und verkauft in der Regel nicht mehr.

Genau dieses Muster beschreiben derzeit mehrere Marktbeobachter. Matthew Sigel, Leiter der Digital-Asset-Forschung bei VanEck, formulierte es knapp: Die Bodensignale beginnen sich anzuhäufen. Auch mehrere technische Modelle konvergieren im Bereich um 64.000 Dollar.

Zwei Einschränkungen gehören dazu, und sie sind wichtig.

Erstens lässt sich ein Boden erst im Rückblick sicher erkennen. Dieselben Signale können sich über Monate wiederholen, bevor sich etwas dreht. Zweitens kann eine schlechte Stimmung sehr lange anhalten. Der Nasdaq brauchte nach dem Platzen der Dotcom-Blase 15 Jahre bis zum alten Hoch, Gold nach 1980 rund 28 Jahre.

Beide Aussagen können damit gleichzeitig stimmen: Der Einstieg ist heute deutlich günstiger als auf dem Höhepunkt, und der Boden muss trotzdem noch nicht erreicht sein. Wer mit dieser Spannung nicht umgehen will, findet in einem regelmäßigen Sparplan die Antwort, die genau dafür gebaut wurde. Warum das bei Bitcoin funktioniert und bei Altcoins gerade nicht, steht in unserem Artikel Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Krypto zu kaufen?.

Lohnen sich Kryptowährungen noch?

Diese Frage lässt sich nur getrennt beantworten, weil “Krypto” drei sehr verschiedene Dinge meint.

Bitcoin ist das älteste, liquideste und institutionell am breitesten akzeptierte Asset im Sektor, mit begrenztem Angebot und staatlicher Adaption. Das Kursrisiko bleibt hoch, das Ausfallrisiko des Netzwerks selbst ist minimal. Mehr dazu in unserem Artikel Bitcoin, das digitale Gold.

Der breite Altcoin-Markt ist der Bereich, in dem das Massensterben stattfindet. Hier gilt unverändert: Die Auswahl entscheidet, und sie kostet Zeit. Welche Kriterien tragen, steht in unserem Artikel Was sind Altcoins und welche lohnen sich wirklich?.

Krypto-Infrastruktur als Aktie ist die Kategorie, die es vor drei Jahren so noch kaum gab. Börsennotierte Unternehmen aus dem Bereich Verwahrung, Tokenisierung und Handel bieten Zugang zur Technologie ohne Token-Risiko, dafür mit klassischem Unternehmensrisiko.

Was sich für dich als Privatanleger konkret geändert hat, sind drei Dinge:

  1. Nutzerzahlen taugen nicht mehr als Qualitätsmerkmal. Tally, Everclear und Step Finance hatten alle echte Nutzung. Gescheitert sind sie an fehlenden Einnahmen in echtem Geld.
  2. Ein Hack ist heute existenzbedrohend. Die Zeiten, in denen Wagniskapital ein beschädigtes Protokoll rettete, sind vorbei.
  3. Tote Projekte bleiben gefährlich. Ungepflegter Code auf der Blockchain bleibt angreifbar, und Guthaben auf eingestellten Ketten können unerreichbar werden.

Häufige Fragen

Ist Bitcoin tot?

Nein. Bitcoin liegt rund 50 Prozent unter seinem Hoch vom Oktober 2025, das Netzwerk läuft aber unverändert, der Anteil am Gesamtmarkt ist gestiegen, und die institutionelle Beteiligung nimmt zu. Ein Kursrückgang ist etwas anderes als das Ende eines Netzwerks.

Sind Kryptowährungen tot?

Ein großer Teil davon ja. Über 100 Projekte haben 2026 aufgegeben, und mehr als die Hälfte aller seit 2014 gelisteten Kryptowährungen existiert nicht mehr. Die Projekte mit echten Einnahmen wachsen dagegen weiter.

Lohnt sich ein Krypto-Investment 2026 noch?

Das hängt davon ab, was du kaufst und über welchen Zeitraum. Der Markt ist deutlich selektiver geworden, gleichzeitig sind Regulierung und institutionelle Beteiligung so weit fortgeschritten wie nie. Eine pauschale Antwort auf diese Frage wäre unseriös, weil sie von deinem Anlagehorizont, deiner Risikotragfähigkeit und deinem Zeitbudget für Recherche abhängt.

Woran erkenne ich, ob ein Projekt überlebt?

An einer einzigen Frage: Verdient es Geld in Dollar oder Euro, oder nur im eigenen Token? Alle Überlebenden dieses Zyklus fallen in die erste Kategorie.

Was ist ein Max Drawdown bei Bitcoin?

Der maximale Drawdown misst, wie weit ein Kurs vom höchsten bis zum tiefsten Punkt gefallen ist, also den schlimmsten Verlust im ungünstigsten Fall. Bei Bitcoin lag er 2011 bei rund 93 Prozent, 2015 bei 86, 2018 bei 84 und 2022 bei 77 Prozent. Im laufenden Zyklus sind es bislang rund 54 Prozent.

Ist jetzt der Bitcoin Boden erreicht?

Das weiß niemand. Mehrere Analysehäuser sehen den Bereich zwischen 60.000 und 68.000 Dollar als mögliche Bodenzone und nennen das dritte oder vierte Quartal 2026 als Zeitfenster. Andere rechnen einen Rückgang wie in früheren Zyklen hoch und kommen damit auf rund 38.000 Dollar. Ein Boden lässt sich erst im Nachhinein bestätigen.

Fazit

Das Massensterben 2026 ist real, und es ist größer, als die Schlagzeilen es abbilden. Getroffen hat es allerdings ein bestimmtes Geschäftsmodell: Projekte, die Nutzer hatten, Aufmerksamkeit hatten und Token ausgaben, aber nie einen Weg fanden, damit Geld zu verdienen. Das ist etwas anderes als “Krypto”.

Was gleichzeitig läuft, ist die Gegenbewegung. Die Anwendungen mit echten Gebühreneinnahmen wachsen durch den Bärenmarkt hindurch. Die Regulierung nimmt Form an. Und die Infrastruktur, um die sich Krypto-Projekte jahrelang stritten, wird gerade von Banken und Vermögensverwaltern übernommen.

Für dich als Anleger heißt das vor allem eines: Die Frage “lohnt sich Krypto” ist zu grob geworden. Sie zerfällt in drei Fragen, und die Antworten fallen unterschiedlich aus.


Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlageberatung. Wir sind keine Anlageberater. Vergangene Performance ist kein Garant für zukünftige Ergebnisse. Genannte Projekte und Unternehmen sind Beispiele, keine Empfehlungen.

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