Bitcoin ist aus seiner Seitwärtsspanne nach unten gefallen und kurz darauf zurückgekommen. Für Trader stellt sich dann eine Frage: Beginnt hier ein neuer Abwärtstrend, oder war das ein Fakeout, also ein Ausbruch, der nur kurz hält und dann scheitert? Florian Sondershausen hat diese Lage am 9. Oktober 2026 in einem kurzen Marktupdate gezeigt.
Wir erklären, wie man die drei Phasen eines Marktes auseinanderhält, warum der Stop-Loss bei einem solchen Ausbruch nicht direkt unter der Spanne liegen muss und was nach einer Rückkehr in die Range zählt.
Das Video in Kürze
- Bitcoin hat die Seitwärtsspanne nach unten verlassen und dabei die Liquidität unter dem Tief abgeholt.
- Florians Stop-Loss lag tiefer, an einer Support-Resistance-Flip-Marke knapp unter 80.000 USD, und wurde nicht ausgelöst.
- Der Kurs ist inzwischen wieder an die Spanne zurückgekehrt, das Ziel der Long-Position liegt oben.
- Die Kernfrage für jeden Trade: Seitwärtsphase, Ausbruch oder Rückkehr nach einem Fakeout?
- Am Schema zeigt Florian, wie auf eine Seitwärtsphase eine Trendphase folgt und wieder eine Seitwärtsphase.
- Zum Schluss ein kurzer Blick auf einen Trade in der Netflix-Aktie.
Die Lage am 9. Oktober: Bitcoin unter der Spanne und wieder zurück
Seit dem 22. September pendelte Bitcoin auf Tagesbasis zwischen rund 83.500 und 86.600 USD. Am 7. Oktober rutschte der Kurs an den unteren Rand dieser Spanne, darüber haben wir im Beitrag Bitcoin long oder short vor der New-York-Eröffnung geschrieben. Am 8. Oktober fiel er darunter. Das Tief lag am Abend gegen 20 Uhr deutscher Zeit bei rund 80.650 USD. Bis zum Nachmittag des 9. Oktober erholte sich Bitcoin auf rund 83.000 USD und stand damit wieder an der Unterkante (Kursdaten von CoinGecko, Stand 9. Oktober 2026, 15 Uhr).
Im Video hat Florian den Ablauf im Chart markiert. Der Kurs ist unter die Spanne gelaufen, hat dort die Liquidität abgeholt und ist umgekehrt. Ein gelber Pfeil zeigt zurück an die obere Kante der Spanne, wo das Ziel der offenen Long-Position liegt. Ein zweiter Pfeil zeigt, dass es von dort auch wieder nach unten gehen kann.

Drei Fragen vor jedem Trade
Florian fasst im Video zusammen, worauf es ankommt. Man muss nur unterscheiden, ob der Markt seitwärts läuft, ob er gerade ausbricht oder ob er nach einem Ausbruch wieder zurückkommt. So knapp ist das. Die Umsetzung braucht trotzdem Übung, weil alle drei Phasen im Moment des Geschehens ähnlich aussehen können.
- Seitwärtsphase. Der Kurs pendelt zwischen einer oberen und einer unteren Kante. Gehandelt wird an den Rändern, in der Mitte gibt es keinen Vorteil.
- Ausbruch. Der Kurs verlässt die Spanne und bleibt draußen. Die alte Kante wird zur neuen Marke, an der der Kurs beim Rücklauf abprallen kann.
- Rückkehr. Der Kurs verlässt die Spanne nur kurz und kommt zurück. Dann war der Ausbruch ein Fakeout, und die Gegenseite der Spanne wird zum naheliegenden Ziel.
Wer diese Einordnung vor dem Einstieg trifft, weiß, welche Art von Trade er sucht. Eine Long-Position nach einem gescheiterten Ausbruch nach unten ist ein anderer Plan als ein Short nach einem bestätigten Ausbruch. Wie man Hochs, Tiefs und Spannen sauber bestimmt, steht im Beitrag Marktstruktur lesen.
Woran man einen Fakeout erkennt
Unter dem Tief einer Seitwärtsspanne liegen viele Stop-Loss-Orders. Die Käufer, die dort eingestiegen sind, sichern sich knapp darunter ab. Fällt der Kurs unter das Tief, werden diese Orders ausgelöst und zu Verkäufen. Größere Marktteilnehmer nutzen genau dieses Angebot, um eigene Kaufaufträge zu füllen. Danach fehlt der Verkaufsdruck, und der Kurs kann zurück in die Spanne laufen. Das ist der Liquiditätsabgriff, den Florian im Video beschreibt.
Ob der Ausbruch scheitert, zeigt sich erst danach. Typische Hinweise sind:
- Der Kurs schließt schnell wieder innerhalb der Spanne, oft schon nach wenigen Kerzen.
- Unter dem alten Tief entsteht eine lange Lunte, also ein Kerzenschatten, ohne dass die Kerzen dort schließen.
- Nach dem Abprallen bildet sich ein höheres Tief.
Keines dieser Zeichen ist eine Garantie. Ein Fakeout kann selbst wieder scheitern, und aus einer Rückkehr an die Kante wird manchmal nur ein Test von unten, bevor der Kurs weiter fällt. Genau dieses Szenario deutet der zweite Pfeil in Florians Chart an. In der Fachsprache heißt das Muster eines gescheiterten Ausbruchs an einem markanten Hoch oder Tief Swing Failure Pattern.
Warum der Stop-Loss tiefer lag
Ein naheliegender Gedanke wäre, den Stop-Loss direkt unter die Seitwärtsspanne zu legen. Florian hat ihn tiefer gesetzt, an einer Marke, die im Chart mit „S/R Flip“ beschriftet ist, knapp unter 80.000 USD. Der Kurs ist am 8. Oktober bis etwa 80.650 USD gefallen. Der Stop wurde damit nicht ausgelöst.
Der Grund für diese Platzierung ist der Liquiditätsabgriff selbst. Ein Stop direkt unter dem Tief liegt genau dort, wo bei einem Fakeout die Orders abgeholt werden. Er wird also gerade in dem Szenario ausgelöst, auf das die Position setzt. Ein Stop an der nächsten tieferen Marke gibt dem Kurs Raum für diesen Ausflug. Erst wenn auch diese Marke fällt, ist die Idee widerlegt.
Das hat einen Preis. Ein weiter entfernter Stop bedeutet bei gleicher Positionsgröße einen größeren möglichen Verlust. Wer den Stop tiefer legt, muss die Position deshalb kleiner wählen, damit der Betrag im Verlustfall gleich bleibt. Wie Stop-Orders technisch funktionieren, steht in Ordertypen erklärt.
Auf die Seitwärtsphase folgt der Trend
Im zweiten Teil des Videos zeigt Florian ein Schema, das den ganzen Ablauf zusammenfasst. Der Kurs läuft seitwärts, bricht nach oben aus und steigt in einer Trendphase, bis sich wieder eine Seitwärtsphase bildet. Aus dieser bricht er nach unten aus, und eine Abwärtsphase beginnt.

Für die Praxis heißt das: Die meiste Zeit verbringt ein Markt in Spannen. Trends sind die Abschnitte dazwischen. In einer Seitwärtsphase funktionieren Trades an den Kanten, in einer Trendphase Trades in Richtung des Trends. Wer die Phase falsch einschätzt, wendet die richtige Methode im falschen Moment an. Warum ein einzelner Ausbruch noch keinen Trend macht, erklären wir im Beitrag Bitcoin-Ausbruch: Woran man einen Bullrun erkennt.
Ein Blick auf die Netflix-Aktie
Zum Schluss zeigt Florian kurz einen Trade in der Netflix-Aktie. Im Chart ist der Kurs nach einem Hoch gefallen, hat unter einem Tief Liquidität abgeholt und ist gedreht. Den Einstieg setzt er nach einem Strukturbruch, die Ziele liegen darüber auf Fibonacci-Niveaus, im Chart mit „GP“ für Golden Pocket beschriftet. Er nennt dafür ein Chance-Risiko-Verhältnis von 8.

Das CRV von 8 bedeutet: Das Kursziel ist achtmal so weit vom Einstieg entfernt wie der Stop-Loss. Wer 100 USD riskiert, plant also mit 800 USD möglichem Gewinn.
Ein solcher Wert beschreibt den Plan. Ob das Ziel erreicht wird, sagt er nicht. Je weiter das Ziel entfernt ist, desto seltener wird es in der Regel erreicht. Kein Trade ist eine Garantie für die Zukunft.
Erklärt für Einsteiger: Support-Resistance-Flip
Ein Support ist eine Preiszone, an der Käufer den Kurs mehrfach gestützt haben. Eine Resistance ist eine Zone, an der Verkäufer ihn gebremst haben. Bricht der Kurs durch eine solche Zone, tauscht sie oft die Rolle. Ein alter Widerstand, der überwunden wurde, wird beim Rücklauf zur Unterstützung, und eine durchbrochene Unterstützung wird zum Widerstand. Diesen Rollentausch nennt man Support-Resistance-Flip.
Ein Beispiel: Bitcoin scheitert mehrmals an 80.000 USD, bricht dann darüber aus und steigt auf 85.000 USD. Fällt der Kurs später zurück, kaufen viele Trader wieder bei 80.000 USD, weil sie dort den Ausbruch verpasst haben oder ihre Position aufstocken wollen. Die Marke hält dann von oben. Im Video liegt Florians Stop-Loss knapp unter einer solchen Marke.
Fazit
Ein Kurs unter der Spanne ist noch kein Trendwechsel. Ob ein Ausbruch hält oder ein Fakeout war, zeigt sich in den Kerzen danach, und genau dafür braucht der Stop-Loss Abstand zum offensichtlichen Tief.
Die Einordnung kommt immer zuerst: Seitwärtsphase, Ausbruch oder Rückkehr. Erst daraus folgt, welcher Trade passt.
Häufige Fragen zu Fakeout und Ausbruch
Was ist ein Fakeout beim Trading?
Ein Fakeout ist ein Ausbruch aus einer Spanne oder über eine wichtige Marke, der nicht hält. Der Kurs läuft kurz hinaus und kehrt dann zurück. Oft steckt ein Liquiditätsabgriff dahinter: Unter dem Tief oder über dem Hoch werden Stop-Loss-Orders ausgelöst, danach fehlt der Druck in Ausbruchsrichtung.
Wie unterscheidet man einen Fakeout von einem echten Ausbruch?
Im Moment des Ausbruchs gar nicht sicher. Hinweise liefern die Kerzen danach. Schließt der Kurs schnell wieder innerhalb der Spanne und bildet ein höheres Tief, spricht das für einen Fakeout. Bleiben die Schlusskurse draußen und prallt der Kurs beim Rücklauf an der alten Kante ab, spricht das für einen echten Ausbruch.
Wohin gehört der Stop-Loss bei einem Trade in einer Seitwärtsphase?
Eine feste Regel gibt es nicht. Direkt unter dem Tief liegt er dort, wo bei einem Liquiditätsabgriff viele Orders ausgelöst werden. Viele Trader legen ihn deshalb an die nächste tiefere Marke, etwa einen früheren Widerstand. Dann muss die Positionsgröße kleiner sein, damit der mögliche Verlust gleich bleibt.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Die beschriebenen Szenarien geben die Einschätzung aus dem Video vom 9. Oktober 2026 wieder und sind keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf. Der Handel mit Kryptowährungen und gehebelten Produkten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.


