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Hardware-Wallet sicher kaufen: Lehren aus dem Ledger-Stopp bei MediaMarkt

MediaMarktSaturn hat Ledger-Wallets aus dem Sortiment genommen, nachdem ein Kunde in Deutschland ein fremdes Bauteil gemeldet hat. Wir zeigen, was bestätigt ist und worauf es beim Kauf einer Hardware-Wallet ankommt.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
Oktober 13, 2026
Kunde von hinten mit Einkaufswagen vor leeren Regalen unter einem MediaMarkt-Saturn-Schild, vorn eine Ledger-Box, eine Ledger-Wallet und ein geöffnetes Gerät mit Platine. Text: Hardware-Wallet: Sicher kaufen nach dem Ledger-Fall

MediaMarktSaturn hat die Hardware-Wallets von Ledger aus seinen Filialen und Onlineshops genommen, nach eigenen Angaben international in allen Ländern des Konzerns. Anlass ist ein Kunde in Deutschland, der in seinem Gerät ein nicht autorisiertes Bauteil gefunden haben soll. Geld hat er nach Angaben von Ledger nicht verloren.

Für alle, die eine Hardware-Wallet sicher kaufen wollen, verschiebt der Fall den Blick. Bisher ging es vor allem um die Technik im Gerät. Jetzt geht es um den Weg, den das Gerät bis zum Käufer nimmt.

MediaMarktSaturn zieht die Geräte vorsorglich zurück

Ein Sprecher von MediaMarktSaturn nennt den Schritt eine Vorsichtsmaßnahme. Ledger erklärte am Dienstag, der Verkaufsstopp sei mit dem Hersteller abgestimmt. Auslöser sei die Meldung eines Hardware-Implantats durch einen Kunden in Deutschland. Hinweise darauf, dass eigene Infrastruktur oder Systeme kompromittiert wurden, hat Ledger nach eigenen Angaben nicht gefunden.

Schon am Montag hatte ein Nutzer auf X zwei Ledger-Geräte gezeigt, die er in zwei verschiedenen MediaMarkt-Filialen gekauft haben will. In beiden sollen zusätzliche Kabel und Mobilfunkmodule stecken. Bestätigt ist dieser Fall nicht. Ob es derselbe ist, auf den sich Ledger bezieht, geht aus den Angaben nicht hervor. Die Geräte sollen laut Filialunterlagen aus dem Bestand der Aqipa GmbH stammen. Ob Aqipa direkter Vertriebspartner von Ledger ist, war sich Ledgers Technikchef nicht sicher.

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Weitere Informationen

Wie das Implantat an die Wiederherstellungswörter kommt

Begonnen hat der Fall in Südostasien. Seit dem 9. Oktober untersucht Ledger Verluste bei Kunden des Händlers CryptoBilis, der Geräte unter anderem in Malaysia, Indonesien und auf den Philippinen verkaufte. Inzwischen beschreibt der Hersteller den Angriff genauer: Ein verdecktes Implantat im Gehäuse las die 24 Wiederherstellungswörter vom Display ab und schickte sie über das Mobilfunknetz an die Angreifer.

Diese Wiederherstellungswörter, auch Seed Phrase genannt, sind der Generalschlüssel zur Wallet. Wer sie kennt, kann den Zugang auf jedem anderen Gerät nachbauen und die Coins bewegen.

Den Sicherheitschip, das sogenannte Secure Element, hat das Implantat laut Ledger nicht verändert, ebenso wenig das Betriebssystem und die Signaturen. Der Hersteller spricht deshalb von einem physischen Angriff auf die Lieferkette und von keinem Softwarefehler. Für Käufer ist genau das der heikle Punkt. Der Chip schützt den Schlüssel, solange er im Gerät bleibt. Bei der Einrichtung muss die Wallet die Wörter aber auf dem Bildschirm zeigen, damit der Nutzer sie notieren kann. In diesem Moment greift das Implantat zu.

Auch andere Hersteller ziehen die Zügel bei Händlern an

Der Hongkonger Wallet-Hersteller OneKey hat sich ebenfalls von CryptoBilis getrennt und mehr als 95 % seiner Wiederverkäufer von der offiziellen Liste gestrichen. Lieferungen an fast alle Händler sind gestoppt, neue Partner nimmt OneKey vorerst nicht auf. Geräte, die zwischen dem 1. März und dem 12. Oktober bei CryptoBilis gekauft wurden, ersetzt das Unternehmen kostenlos. Verluste bei OneKey-Nutzern sind bisher nicht bekannt. Die Kosten schätzt Firmenchef Yishi Wang auf vermutlich einen ganzen Jahresumsatz.

Bei Ledger kündigte Technikchef Charles Guillemet an, die Verkaufsregeln für den Direktvertrieb und für Wiederverkäufer sowie den Schutz gegen Manipulation zu überprüfen. Firmenchef Pascal Gauthier lässt klären, wer die Geräte verändert hat und an welcher Stelle der Lieferkette das geschah. Manipulation in der Lieferkette sei ein Risiko für die ganze Branche, sagt er. Zwei Hersteller bauen also gleichzeitig ihre Händlernetze um. Das zeigt, wo die Branche die Schwachstelle sieht.

Was Käufer daraus mitnehmen können

Was Ledger Besitzern betroffener Geräte rät

Wer ein Gerät von CryptoBilis besitzt, soll es laut Ledger nicht einrichten. Wer es schon nutzt, soll seine Coins auf ein neues Gerät mit neu erzeugten Wiederherstellungswörtern übertragen. Ein verdächtiges Gerät sollen Besitzer nicht öffnen und an niemanden schicken, bevor sie mit dem Ledger-Support oder der Polizei gesprochen haben. Vor einem Öffnen gehören die Wiederherstellungswörter gesichert, weil das Gerät dabei Schaden nehmen kann. Verluste sollen Betroffene bei der örtlichen Polizei anzeigen. Wie Seed Phrase und privater Schlüssel zusammenhängen, erklären wir in unserem Grundlagenartikel zur Seed Phrase.

Woher das Gerät kommt

Den Händlern hat Ledger schon am 11. Oktober geraten, Geräte nur über autorisierte Kanäle zu beziehen und zurückgegebene Wallets nie wieder ins Lager zu legen. Den eigenen Direktvertrieb sieht Ledger nicht betroffen. Ein Freibrief ist das Etikett „offizieller Händler“ trotzdem nicht: CryptoBilis stand als offizieller Wiederverkäufer auf Ledgers Liste.

Für Käufer folgt daraus eine Grundregel. Je kürzer und nachvollziehbarer der Weg vom Hersteller zum eigenen Schreibtisch, desto weniger Gelegenheiten gibt es für eine Manipulation. Ein Gerät aus zweiter Hand oder eines, das schon einmal zurückgegeben wurde, verlängert diesen Weg.

Hilft also der Kauf direkt beim Hersteller? Nach heutigem Stand am meisten: Alle bestätigten Verluste betreffen Geräte des Händlers CryptoBilis, über manipulierte Geräte aus Ledgers eigenem Shop gibt es bislang keine Berichte. Ein offizieller Händler allein ist dagegen keine Garantie, auch CryptoBilis war autorisierter Ledger-Partner. Ganz ausschließen lässt sich das Risiko aber auch beim Direktkauf nicht. Ledger überprüft nach eigenen Angaben inzwischen die Abläufe im eigenen Verkauf genauso wie bei Händlern, Firmenchef Pascal Gauthier nennt Manipulationen in der Lieferkette ein Risiko für die ganze Branche.

Niemand fragt nach den 24 Wörtern

Fälle wie dieser locken Betrüger an, die angebliche Hilfe anbieten. Ledger fordert die Wiederherstellungswörter nach eigenen Angaben niemals an. Als Grundregel gilt das für jeden Hersteller und jeden Support: Wer nach dem Seed fragt, will an die Coins. Wie solche Maschen aussehen, zeigten zuletzt gefälschte Mails im Namen von Trezor und BitBox.

Was noch offen ist

Wie groß der Schaden ist, steht nicht fest. On-Chain-Forscher, die Geldflüsse auf der Blockchain auswerten, zählen mehr als 300 betroffene Wallets und Verluste von bis zu 93,2 Mio. USD. Ledger bestätigt weder die Zahl der Opfer noch die Summe. Der Stablecoin-Herausgeber Tether hat 10 Mio. USDT eingefroren. Nach Ledgers Stand betreffen alle bestätigten Verluste Geräte von CryptoBilis, ein Diebstahl mit einem anderswo gekauften Gerät ist nicht verifiziert.

Daneben steht eine Behauptung von Mark Karpelès, dem früheren Chef der Börse Mt. Gox. Er will ein Implantat in einer Ledger Flex gefunden haben, die am Flughafen Singapur gekauft wurde. Ledger ging darauf nicht direkt ein. Berichte über manipulierte Geräte betreffen bisher die Modelle Ledger Flex und Ledger Gen5. Zum Nano X und zu Geräten, die direkt bei Ledger gekauft wurden, gibt es keine Berichte. Ob manipulierte Geräte noch auf anderen Wegen in den Handel kamen, muss die Untersuchung zeigen. Wie der Fall in den ersten Tagen verlief, haben wir in unserem ersten Beitrag zu Ledger und CryptoBilis zusammengefasst.

Häufige Fragen zum sicheren Kauf einer Hardware-Wallet

Was bedeutet der Rückzug für alle, die ihre Ledger bei MediaMarkt oder Saturn gekauft haben?

MediaMarktSaturn nennt den Verkaufsstopp eine Vorsichtsmaßnahme. Der gemeldete Fall aus Deutschland endete laut Ledger ohne Geldverlust. Eine eigene Empfehlung für Käufer aus diesen Märkten hat Ledger in den uns vorliegenden Angaben nicht veröffentlicht.

Sind auch Hardware-Wallets anderer Hersteller betroffen?

Bestätigte Implantate betreffen bisher Ledger-Geräte. OneKey hat sich trotzdem von CryptoBilis getrennt und ersetzt dort gekaufte Geräte, Verluste bei OneKey-Nutzern sind nicht bekannt.

Warum reicht ein neues Gerät mit den alten Wörtern nicht?

Die Wiederherstellungswörter sind der Zugang selbst. Wer sie auf einem Ersatzgerät eingibt, stellt genau die Wallet wieder her, deren Wörter ein Angreifer womöglich schon kennt. Erst ein neuer Seed schafft einen Zugang, den das Implantat nie gesehen hat.

Lässt sich ein Implantat von außen erkennen?

In den bekannten Fällen saß das Bauteil im Gehäuse. Der Nutzer auf X zeigte die zusätzlichen Kabel erst an geöffneten Geräten. Eine Prüfung von außen, die eine Manipulation sicher ausschließt, beschreibt Ledger nicht.

Erstattet Ledger verlorene Coins?

Eine Zusage zur Erstattung enthalten die bisherigen Mitteilungen von Ledger nicht. OneKey bietet kostenlosen Ersatz für Geräte, die zwischen dem 1. März und dem 12. Oktober bei CryptoBilis gekauft wurden, aber keinen Ausgleich für Verluste.


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Der Handel mit Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.

Hinweis: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt.

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