Eines der größten Finanzkonzerne Japans setzt auf die Solana Blockchain. Am Montag, dem 13. Juli 2026, haben SBI Holdings und die Solana Foundation ihre Zusammenarbeit bekannt gegeben. Ihr Ziel ist groß: Sie wollen Japans Finanzmarkt Stück für Stück auf die Blockchain heben.
Blockchain meint hier die digitale Datenbank, auf der auch Bitcoin und andere Kryptowährungen laufen. Statt Werte über viele getrennte Banksysteme zu schieben, werden sie direkt auf dieser gemeinsamen Infrastruktur abgebildet und abgewickelt. Genau dieses Fundament soll künftig das Solana-Netzwerk liefern.
Was SBI und Solana zusammen vorhaben
Kern des Ganzen ist ein Gemeinschaftsunternehmen, im Fachjargon Joint Venture. Die bestehende SBI-Tochter SBI R3 Japan wird dafür in SBI Solana Global umbenannt. Die Solana Foundation steigt als Anteilseigner ein, die Sumitomo Mitsui Financial Group, eine der größten Banken des Landes, bleibt an Bord.
Die Aufgabenliste ist lang. Das Unternehmen soll einen Yen-Stablecoin ausgeben, also einen an den Yen gekoppelten Krypto-Token. Dazu kommen tokenisierte Anleihen, Fonds und Immobilien. Tokenisiert heißt: Der Vermögenswert wird als digitales Abbild auf der Blockchain handelbar gemacht. Mehr dazu in unserem Überblick zur Tokenisierung.
Selbst eine Zahlungsinfrastruktur für KI-Agenten steht auf dem Plan, also für Software, die eigenständig Aufgaben erledigt und dabei bezahlen können soll. Am Ende soll all das Japans Markt an die weltweiten Kapitalströme anschließen.
SBIs Einkaufstour
Der Deal mit Solana krönt eine wochenlange Einkaufstour. SBI war alleiniger Geldgeber in einer 125 Millionen Dollar schweren Finanzierungsrunde des Risikoanalyse-Spezialisten Gauntlet und in einer 76-Millionen-Runde der institutionellen Kryptobörse EDX Markets. Im Juni übernahm der Konzern zudem die japanische Kryptobörse Bitbank für knapp 289 Millionen Dollar.
SBI kauft nicht einfach ein bisschen Krypto-Beteiligung, sondern baut die komplette Kette. Joseph Goh von der Krypto-Investmentbank Areta beschreibt es gegenüber The Block als durchgehende Plattform für digitale Vermögenswerte, von der Börse über die Abwicklung bis zum Asset Management. Wer diese Rohre kontrolliert, verdient an jedem Schritt mit.
Der Yen wandert auf die Blockchain
SBI hat Ende Juni den JPYSC gestartet, Japans ersten von einer Treuhandbank gedeckten Yen-Stablecoin. Das neue Gemeinschaftsunternehmen soll diesen Token nun ausgeben und weiterverbreiten.
Warum das wichtig ist?
Ein Stablecoin ist das Bindeglied zwischen normalem Geld und der Blockchain. Wer die Yen-Seite dieser Abwicklung kontrolliert, sitzt an einem strategischen Hebel in Asiens Finanzwelt. SBI legt sogar noch nach und will auf den JPYSC einen Verleih-Dienst mit rund drei Prozent Jahresrendite anbieten. Aus dem Stablecoin wird so nicht nur ein Zahlungsmittel, sondern auch ein kleines Zinsprodukt.
Ein Steuergeschenk aus Tokio
So mutig baut SBI nicht ohne Grund. Japan macht Krypto gerade so attraktiv wie selten ein Land. Das Parlament treibt ein Gesetz voran, das die Steuer auf Krypto-Gewinne von bis zu 55 Prozent auf einen festen Satz von 20 Prozent senkt. Krypto würde damit wie Aktien und Anleihen behandelt. Das Unterhaus hat bereits zugestimmt, das Oberhaus muss noch folgen. Greifen soll der neue Satz ab 2028.
Ganz ohne Haken ist das nicht. Der niedrige Satz gilt zunächst nur für klassische Kauf- und Verkaufsgewinne. Erträge aus Nebenformen wie Staking oder dem Verleihen von Coins sollen weiter höher besteuert werden. Trotzdem ist die Richtung klar.
Zum Vergleich: Auch in Deutschland ändert sich die Besteuerung gerade, wie wir in unserer Analyse zur Krypto-Steuer beschrieben haben. Japan zieht die Zügel dagegen in die andere Richtung an und lockt damit Kapital an.
Vom Konbini bis zur Ladenkasse
Dass Japan es ernst meint, zeigt ein zweites Beispiel abseits von SBI.
Die Convenience-Store-Kette Lawson, in Japan ein allgegenwärtiger Rund-um-die-Uhr-Laden (bei uns als Kiosk oder Späti bekannt), testet ab August Zahlungen mit dem Yen-Stablecoin JPYC. Partner sind der Telekomkonzern KDDI und die Krypto-Wallet-Firma HashPort.
Wichtig zur Einordnung: Der JPYC ist nicht der SBI-Coin JPYSC, sondern Japans erster offiziell zugelassener Yen-Stablecoin, gestartet im Oktober 2025. Und der Test beginnt klein. Er läuft zunächst in einem einzigen Geschäft in Tokio und ist anfangs auf Mitarbeiter der beteiligten Firmen beschränkt. Es geht erst einmal darum, ob die Technik an der Kasse sauber funktioniert. Spannend ist die mögliche Skalierung: Lawson betreibt in Japan fast 15.000 Filialen. Klappt der Test, könnte daraus ein echter Alltags-Anwendungsfall für Stablecoins werden, und genau der gilt als härtester Praxistest.
Was das für dich bedeutet
Für dich als Anleger in Deutschland ändert der einzelne Deal kurzfristig wenig. Interessant ist das große Bild. Mit klaren Regeln, einer kräftigen Steuersenkung und Schwergewichten wie SBI wird Japan gerade zu einem der spannendsten Krypto-Märkte der Welt. Und das Land ist nicht allein. Auch Südkorea zieht nach, und große Häuser wie Citi und Morgan Stanley testen ähnliche Blockchain-Projekte.
Für Solana ist der Zuschlag ein Ritterschlag. Weg von Memecoins und Popkultur hin zu Finanzinfrastruktur. Eine ähnliche Entwicklung machte auch Ethereum in den letzten neun Jahren durch – wenn man an die Crypto Kitties (NFTs) von 2017 denkt und heute Ethereum als eines der größten Netzwerke für Blockchain-basierte Finanztechnik sieht. Manche Beobachter leiten daraus eine wachsende, strukturelle Nachfrage nach dem Solana-Token ab. Ob sich das in Kursen niederschlägt, ist damit aber nicht gesagt, denn zwischen Ankündigung und echtem Betrieb liegt noch viel Arbeit. Im Auge behalten sollte man vor allem, ob Japan seine großen Pläne am Ende auch wirklich umsetzt.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.


