Die US-Börsenaufsicht SEC hat für Freitag, den 14. August, eine öffentliche Sitzung angesetzt. Auf der Tagesordnung steht der erste förmliche Regelvorschlag der Behörde für Kryptowährungen, intern “Regulation Crypto” genannt (kurz “Reg Crypto”). Damit würde die SEC zum ersten Mal eigene, dauerhafte Regeln für die Ausgabe digitaler Vermögenswerte schaffen, statt wie bisher über Klagen und unverbindliche Stellungnahmen zu steuern.
Vor wenigen Tagen ist im Senat der Versuch gescheitert, den Clarity Act vor der Sommerpause auf den Weg zu bringen. Die US-Börsenaufsichtsbehörde übernimmt jetzt also selbst, Obwohl die behördliche Zuständigkeit für Kryptowährungen noch gar nicht geklärt ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Die SEC trifft sich am Freitag, 14. August, um 10 Uhr Ortszeit New York (16:00 Uhr Deutscher Zeit). Die dreiköpfige Kommission, aktuell ausschließlich mit Republikanern besetzt, stimmt darüber ab, den Vorschlag zur öffentlichen Kommentierung freizugeben.
- Geplant ist ein maßgeschneidertes Ausgabe-Regime für bestimmte Anlageverträge. Token-Herausgeber sollen Kapital einsammeln können, ohne die volle SEC-Registrierung auszulösen.
- Vorgesehen sind außerdem vereinfachte Offenlegungspflichten, Schutzräume (Safe Harbors) und ein Ausstiegspfad aus der SEC-Zuständigkeit, sobald ein Projekt nicht mehr aktiv von seinem Gründerteam gesteuert wird und dezentral agiert.
- Bis zu einer fertigen Regel dauert es noch Monate. Auf die Freigabe folgt eine Kommentierungsfrist von üblicherweise zwei bis drei Monaten und danach eine Überarbeitung.
Was am Freitag genau passiert
Die SEC hat die Sitzung am Montagabend mit ungewöhnlich kurzer Frist angekündigt, obwohl das Vorhaben seit Längerem auf der Agenda der Behörde steht.
Wichtig für die Einordnung: Am Freitag wird nichts beschlossen, was ab Montag gilt. Die drei Kommissionsmitglieder stimmen darüber ab, ob der Entwurf veröffentlicht und zur Kommentierung freigegeben wird. Erst danach beginnt der eigentliche Prozess. Marktteilnehmer, Kanzleien und Verbände reichen Stellungnahmen ein, die Behörde arbeitet den Text um, und irgendwann steht eine finale Regel. Realistisch reden wir über den Zeitraum bis weit ins Jahr 2027.
Trotzdem ist der Schritt bedeutsam. Bisher hat die SEC unter ihrem Vorsitzenden Paul Atkins mit einer Reihe von Positionspapieren gearbeitet, die zwar Orientierung gaben, aber jederzeit von einer künftigen Führung eingestellt werden könnten. Eine förmliche Regel ist deutlich schwerer rückgängig zu machen. Genau darin liegt die Relevanz des Vorhabens der SEC.
Was die US-Börsenaufsicht zum Thema Kryptowährungen vorhat
Die Grundzüge hat Atkins bereits im März dieses Jahres in einer Rede auf dem DC Blockchain Summit skizziert. Der Rahmen besteht demnach aus drei Bausteinen.
Erstens eine Ausnahme für Start-ups. Entwickler sollen über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren bis zu fünf Millionen Dollar einsammeln können, ohne die volle Registrierung zu durchlaufen. Statt eines klassischen Wertpapierprospekts würde eine prinzipienbasierte Offenlegung reichen, ähnlich einem heutigen Whitepaper.
Zweitens eine größere Finanzierungs-Ausnahme für Projekte, die über die Startphase hinaus sind. Berichten zufolge liegt die geplante Obergrenze bei rund 75 Millionen Dollar innerhalb von zwölf Monaten.
Drittens ein Schutzraum für den Anlagevertrag selbst. Das ist der juristisch spannendste Teil. Ein Token soll seinen Status als Wertpapier verlieren können, sobald das Gründerteam nicht mehr die wesentlichen unternehmerischen Anstrengungen erbringt, auf denen der Wert beruht. Damit bekäme ein Projekt erstmals einen definierten Ausstiegspfad aus der Zuständigkeit der SEC.
Dieser dritte Punkt setzt genau am Kern des jahrelangen Streits an. Ob eine Kryptowährung ein Wertpapier ist, entscheidet in den USA bislang der sogenannte Howey-Test aus dem Jahr 1946. Er fragt vereinfacht, ob jemand Geld in ein gemeinsames Unternehmen investiert und dabei Gewinne aus der Arbeit anderer erwartet. Bei einem frisch gestarteten Token trifft das meist zu. Bei einem Netzwerk, das seit Jahren dezentral von tausenden Beteiligten betrieben wird, eher nicht. Bisher fehlte jede Regel dafür, wann genau dieser Übergang stattfindet.
Was der verschobene Clarity Act damit zu tun hat
Der Anlass liegt im Senat. Der Digital Asset Market Clarity Act, der die Zuständigkeit zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC gesetzlich regeln soll, hat es vor der Sommerpause nicht zur Abstimmung geschafft. Wie es dazu kam und woran es hakt, haben wir in unserer News zum Clarity Act aufgeschrieben, die Inhalte des Gesetzes stehen in unserer Analyse zum Clarity Act.
Genau diesen Zusammenhang stellt auch der Analyst Jaret Seiberg von TD Cowen her. In einer Kundennotiz schrieb er, dies sei die erste von mehreren Regelsetzungen, die die SEC angehen werde, um Rechtssicherheit für Krypto-Vermögenswerte zu schaffen, nachdem der Senat den Clarity Act vor der Sommerpause nicht vorangebracht habe.
Atkins selbst hat die Marschrichtung im Juli in seiner Erklärung zur Regulierungsagenda 2026 offen benannt. Um das Ziel von Präsident Trump zu erreichen, die USA zur Krypto-Hauptstadt der Welt zu machen, wolle die Behörde mehr Produkte ins Land holen, klare Spielregeln für die Kapitalaufnahme mit Krypto-Vermögenswerten schaffen und klären, wie Marktteilnehmer tokenisierte Wertpapiere verwahren und handeln können. Dabei sollten die Schutzmechanismen für Anleger erhalten bleiben und Rechtsbrecher weiter verfolgt werden.
Reg Crypto ist damit ein Baustein von mehreren. Im März hatten SEC und CFTC bereits eine gemeinsame Auslegung veröffentlicht, die Krypto-Vermögenswerte in fünf Kategorien einteilt und klärt, wann ein Token unter den Howey-Test fällt. Parallel arbeitet die Behörde an ihrem Ansatz für tokenisierte Wertpapiere, den Atkins regelmäßig als eines der wichtigsten Krypto-Vorhaben der SEC nennt.
Was das für dich als Anleger bedeutet
Kurzfristig ändert sich nichts. Weder werden am Freitag Regeln in Kraft gesetzt, noch betrifft der Vorschlag den Kauf oder Verkauf bestehender Kryptowährungen über eine Börse.
Mittelfristig sind drei Dinge relevant:
- Mehr neue Token-Projekte aus den USA. Wenn ein Team fünf Millionen Dollar mit überschaubarem juristischen Aufwand einsammeln kann, senkt das die Hürde für Projektstarts spürbar. Das bringt Innovation, aber auch mehr Angebot von unterschiedlicher Qualität. Woran du Substanz erkennst, steht in unserem Artikel Was sind Altcoins und welche lohnen sich wirklich?.
- Klarere Verhältnisse für bestehende Projekte. Ein definierter Ausstiegspfad aus dem Wertpapier-Status würde für etablierte Netzwerke Rechtssicherheit schaffen, die es so bislang nicht gab.
- Die Regel ersetzt kein Gesetz. Atkins betont selbst regelmäßig, wie wichtig ein Rahmen vom Kongress wäre. Eine Behördenregel lässt sich von einer künftigen Regierung leichter ändern als ein Gesetz. Der Clarity Act hat im September noch eine kleine Chance verabschiedet zu werden.
Was jetzt für die Krypto-Regulierung der SEC wichtig wird:
Am Freitag wird sichtbar, wie weit die SEC tatsächlich gehen will, denn dann liegt der Entwurfstext vor. Bis dahin beruhen die Details auf Reden, Kundennotizen und der Ankündigung selbst.
Zwei Dinge lohnen den Blick: ob die Kommission einstimmig zustimmt, und wie lang die Kommentierungsfrist ausfällt. Eine kurze Frist wäre ein Signal, dass die Behörde Tempo machen will.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.


