DeFi ist der Sammelbegriff für Finanzdienste, die ohne Bank oder Broker direkt über Programme auf einer Blockchain laufen. Die Abkürzung steht für Decentralized Finance, auf Deutsch dezentrale Finanzwelt. Tauschen, verleihen, absichern, handeln: Die Aufgaben sind dieselben wie im gewohnten Finanzsystem, die Abwicklung übernimmt ein Programm, das auf der Blockchain liegt und für jeden einsehbar ist. Im Fachjargon heißt so ein Programm Smart Contract.
Ein Konto im gewohnten Sinn wird dafür nicht eröffnet. Wer teilnimmt, verbindet seine eigene Wallet mit dem Dienst und behält die Schlüssel dazu selbst. Was hinter diesen Schlüsseln steckt, erklärt unser Artikel zu Seed Phrase und privatem Schlüssel, und wie eine Blockchain im Hintergrund arbeitet, haben wir getrennt aufgeschrieben.
Wie ein Geschäft ohne Gegenpartei zustande kommt
An einer Börse steht auf der anderen Seite jemand, der genau das Gegenteil will, vermittelt über ein Orderbuch. Viele DeFi-Dienste arbeiten mit einem Liquiditätspool. Das ist ein Topf aus zwei Werten, den viele Beteiligte gemeinsam gefüllt haben.
Wer tauscht, gibt den einen Wert hinein und nimmt den anderen heraus. Der Preis ergibt sich aus dem Verhältnis der beiden Bestände im Topf. Für den Tausch fällt eine Gebühr an, häufig 0,3 Prozent, und sie geht an die Beteiligten, die den Topf gefüllt haben. Bei einem Tausch über 1.000 US-Dollar sind das 3 US-Dollar. Eine Gegenpartei muss dafür nicht gefunden werden, der Topf ist immer da.
Der Unterschied zum Handel über eine der großen Krypto-Börsen liegt genau hier: Dort verwahrt ein Unternehmen die Werte und führt die Geschäfte zusammen, im DeFi erledigt das ein Programm.
Was DeFi im Handel in die Breite gebracht hat
Drei Dinge waren im klassischen Handel lange die Ausnahme und sind über die dezentrale Finanzwelt für Privatleute erreichbar geworden.
Erstens der Handel rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche. Es gibt keinen Börsenschluss und keine Feiertage, weil kein Handelsplatz zumacht.
Zweitens der Zugang zu Absicherungsgeschäften, im Fachjargon Hedging. Das war lange etwas für große Adressen mit eigenem Vertrag, heute genügen kleine Beträge.
Drittens Perpetuals, die sich halten lassen, ohne dass Stichtage im Kalender stehen.
Häufiges Missverständnis
Dezentral wird oft als sicher gelesen. Der Wegfall der Bank nimmt ein Risiko heraus und legt ein anderes hin. Niemand holt eine falsche Überweisung zurück, eine Einlagensicherung gibt es nicht, und der Programmcode selbst kann Fehler enthalten, die jemand ausnutzt.
Dazu kommt ein zweiter Punkt. Viele Dienste, die sich DeFi nennen, hängen an einem Unternehmen: Es betreibt die Weboberfläche, kann sie sperren und hält oft Schlüssel für den Notfall. Die Prüffrage lautet deshalb: Wer könnte diesen Dienst abschalten? Lässt sich darauf ein Name nennen, ist der Dienst nur zum Teil dezentral.
