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Binance steigt mit 100 Mio. Dollar bei Circle ein: Warum das Geld in beide Richtungen fließt

Binance kauft Circle-Aktien für 100 Mio. USD, Circle zahlt der Börse dafür fünf Jahre lang eine Gebühr für den USDC-Vertrieb. Warum Stablecoin-Herausgeber für Reichweite bezahlen und was das für Trader bedeutet.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
September 22, 2026
Zwei Männer geben sich vor den Logos von Binance und Circle die Hand, davor Geldbündel und eine USDC-Münze. Bildtitel: 100 Mio. investiert, Binance steigt bei Circle ein.

Binance, die größte Kryptobörse der Welt, hat für 100 Mio. USD Aktien von Circle gekauft, dem Herausgeber des Stablecoins USDC. Im selben Zug zahlt Circle der Börse fünf Jahre lang jeden Monat eine Gebühr dafür, dass sie USDC unter die Leute bringt. Binance zahlt einmal ein, Circle zahlt jeden Monat zurück. Der Deal zeigt ziemlich genau, wo im Geschäft mit Stablecoins das Geld verdient wird.

Was Binance und Circle vereinbart haben

Laut einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC hat Circle 1,24 Mio. neue Aktien zu je 80,84 USD an Binance ausgegeben. Das ist etwas weniger, als die Aktie vorher an der Börse kostete, der Abschlag lag bei rund 5 %. Abgeschlossen wurde das Geschäft am 17. September, bekannt wurde es am Dienstag, 22. September 2026.

Die Aktien gingen per Privatplatzierung an Binance, also direkt an einen einzelnen Käufer, an der Börse vorbei. Dazu gehört eine Sperrfrist, auf Englisch Lock-up. Bis zu zwei Jahre darf Binance die Papiere weder verkaufen noch weitergeben noch gegen Kursverluste absichern. Früher endet die Frist nur, wenn Binance die Zusammenarbeit unter bestimmten Umständen beendet. Abstimmen darf die Börse mit ihren Aktien vom ersten Tag an.

Parallel läuft ein neuer Vertrag über fünf Jahre. Circle zahlt Binance jeden Monat eine Gebühr, berechnet als Prozentsatz auf das USDC, das über Circles Wallet-Technik gehalten wird. Mit diesem Dienst betreiben Firmen digitale Geldbörsen für ihre Kunden. Je mehr USDC dort liegt, desto mehr verdient Binance. Wie hoch der Prozentsatz ist, steht in der Meldung nicht.

Im Gegenzug wirbt Binance für USDC. Ein Sprecher der Börse kündigte gegenüber dem Wall Street Journal an, den Stablecoin in Spar- und Anlageprodukte einzubauen und die Handelsgebühren für Paare zu senken, die in USDC abgerechnet werden. Der Vertrag ersetzt zwei ältere USDC-Abkommen der beiden Firmen vom November 2024 und August 2025.

Warum Circle für den Vertrieb von USDC bezahlt

USDC ist ein Stablecoin, ein Krypto-Token, dessen Wert an den US-Dollar gekoppelt ist. Ein USDC soll immer einen Dollar wert sein. Dafür legt Circle für jeden ausgegebenen Token einen Dollar zurück, überwiegend als Bargeld und in kurzlaufenden US-Staatsanleihen.

Auf diese Reserven bekommt Circle Zinsen. Wer USDC hält, bekommt davon nichts. Davon lebt Circle, und die Rechnung ist schlicht: Mehr USDC im Umlauf heißt mehr Reserven, mehr Reserven heißen mehr Zinsen. Wie dieses Geschäftsmodell hinter Stablecoins im Detail funktioniert, haben wir ausführlich aufgeschrieben.

Der Haken: Ein Token bringt nur so lange Zinsen, wie ihn jemand hält. Gehalten werden Stablecoins vor allem dort, wo gehandelt wird, auf Börsen und in Wallets. Die Börse entscheidet, welcher Stablecoin in ihrer App oben steht, gegen welchen Token die meisten Handelspaare laufen und womit ihre Sparprodukte arbeiten. Diesen Platz lassen sich die Börsen bezahlen.

Das Muster kennt Circle schon. Mit Coinbase, der größten US-Kryptobörse, teilt das Unternehmen seit Langem die Erträge. Für jedes USDC, das bei Coinbase liegt, gehen die Zinsen laut Wall Street Journal komplett an die Börse. Binance bekommt nun ebenfalls einen Anteil, wie groß er ist, bleibt offen. Neu ist, dass die Börse zugleich Miteigentümerin von Circle wird.

Ziel sind die Schwellenländer, das Revier von USDT

USDC ist mit rund 75 Mrd. USD Marktwert der zweitgrößte Stablecoin der Welt. Tethers USDT ist mehr als doppelt so groß und gibt vor allem in Schwellenländern den Ton an. Dort sparen viele Menschen lieber in Dollar als in der eigenen Währung, kommen aber schwer an ein Dollar-Konto.

Genau dort setzt der Deal an. Circle hat bisher vor allem Banken, Fondshäuser und Zahlungskonzerne umworben, zuletzt mit der eigenen Blockchain Arc, bei der BlackRock und Visa Blöcke bestätigen. Mit Binance zielt Circle auf Privatkunden in aller Welt. Circle-Chef Jeremy Allaire nennt Binance die meistgenutzte Wallet für Dollar-Stablecoins. Binance-Co-Chef Richard Teng spricht von einem digitalen Dollar für jeden, der ein Handy besitzt.

Die Richtung zeichnete sich ab. Schon Mitte September kaufte Circle für 400 Mio. USD den Zahlungsanbieter Tazapay, um in Schwellenländern gegen Tether anzutreten. Im angestammten Hoheitsgebiet von Circle wird es gleichzeitig enger: 21 Großbanken um Bank of America, Citi und Goldman Sachs arbeiten an einem eigenen Dollar-Stablecoin, der Zahlungsdienst Stripe ist beim Projekt Open USD dabei.

Was der Deal für Trader und Anleger bedeutet

Wer bei Binance handelt, bemerkt als Erstes vielleicht niedrigere Gebühren auf USDC-Paare. Ob und wann das auch für Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt, geht aus den Berichten nicht hervor. Dasselbe gilt für die angekündigten Spar- und Anlageprodukte.

Für Aktien-Trader zählt etwas anderes. Binance verdient künftig doppelt an USDC, über die Monatsgebühr und über den Kurs der Circle-Aktie. Circle gewinnt Reichweite, gibt dafür aber einen Teil seiner Zinserträge ab. Welcher Effekt überwiegt, hängt davon ab, wie viel zusätzliches USDC Binance in Umlauf bringt.

Die Aktie hat eine wilde Strecke hinter sich. Beim Börsengang im Juni 2025 kostete sie 31 USD, kurz darauf knapp 300 USD. Am Dienstagnachmittag lag sie bei rund 93 USD, rund 200 % über dem Ausgabepreis und rund 69 % unter dem Rekordhoch.

Ein Risiko gehört dazu. Circle bindet sich an eine Börse, gegen die laut Berichten vom selben Tag US-Ankläger wegen möglicher Verstöße gegen Iran-Sanktionen ermitteln. Beide Seiten können den Vertrag bei bestimmten Ereignissen vorzeitig kündigen. Welche das sind, nennt die Meldung nicht.

Für uns ist das die wichtigste Lehre aus dem Deal: Bei Stablecoins verdient auch mit, wer den Kunden hat. Das sind die Börsen.

Die Zinsen gehen an andere
Wer USDC auf einem Konto bei einer Börse liegen hat, bekommt von Circle keine Zinsen. Die Erträge aus den Reserven teilen sich Circle und die Börsen. Bietet eine Börse auf Stablecoins eine Rendite an, ist das ihr eigenes Produkt mit eigenen Bedingungen. Das Guthaben liegt dann bei der Börse, und gerät sie in Schwierigkeiten, steckt dein Geld mit drin.

Kurz erklärt

Reservezinsen: Zinsen, die ein Stablecoin-Herausgeber auf die Dollar-Reserven hinter seinen Token bekommt, etwa aus kurzlaufenden US-Staatsanleihen. Für Circle sind sie die wichtigste Einnahmequelle.

Lock-up: Eine vereinbarte Sperrfrist, in der ein Aktionär seine Aktien nicht verkaufen darf. Bekannt vor allem von Börsengängen, bei denen frühe Eigentümer eine Zeit lang stillhalten müssen.

Privatplatzierung: Ein Unternehmen verkauft neue Aktien direkt an ausgewählte Käufer, ohne öffentliches Angebot. Oft gibt es dafür einen Preisabschlag und Grenzen beim Weiterverkauf.

Was jetzt zählt

  • Die USDC-Menge bei Binance. Wächst sie in den kommenden Monaten deutlich, geht Circles Rechnung auf.
  • Das Angebot für Europa. Ob Binance die günstigeren USDC-Paare und die neuen Produkte auch hier anbietet.
  • Circles nächste Quartalszahlen. Dort zeigt sich, wie viel Circle für den Vertrieb über Börsen ausgibt.
  • Der Stablecoin der 21 Banken. Er soll im ersten Halbjahr 2027 kommen und wäre neue Konkurrenz für USDC.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen zu Binance, Circle und USDC

Warum kauft Binance Aktien von Circle?

Binance hat für 100 Mio. USD rund 1,24 Mio. Circle-Aktien übernommen und gleichzeitig einen Fünfjahresvertrag geschlossen. Darin verpflichtet sich die Börse, für USDC zu werben, und bekommt dafür von Circle eine monatliche Gebühr. Als Aktionärin profitiert Binance zusätzlich, wenn der Kurs steigt.

Bekomme ich Zinsen, wenn ich USDC halte?

Von Circle nicht. Die Zinsen auf die Reserven behält Circle oder teilt sie mit Börsen wie Coinbase und Binance. Manche Börsen geben einen Teil über eigene Sparprodukte weiter. Das ist dann ein Angebot der Börse mit ihren Bedingungen und Risiken.

Was ist der Unterschied zwischen USDC und USDT?

Beide sind Stablecoins, die an den US-Dollar gekoppelt sind. USDC gibt das börsennotierte US-Unternehmen Circle heraus, USDT die Firma Tether. USDT ist mehr als doppelt so groß und vor allem in Schwellenländern verbreitet, USDC ist die Nummer zwei.

Ändert der Deal etwas an der Sicherheit von USDC?

Nein. Die Reserven hinter USDC bleiben dieselben. Der Vertrag regelt nur, wie Binance den Stablecoin vertreibt und was Circle dafür zahlt.

Hinweis: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt.

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