ca. 7 minutes Lesezeit

Ethereum-Upgrade Hegotá: Gebühren ohne ETH und ein Quantenplan bis 2029

Die Ethereum Foundation hat zwei Vorhaben für das Upgrade Hegotá als zwingend gesetzt. Eines davon erlaubt Überweisungen, ohne selbst Ether zu besitzen. Bis Dezember 2029 soll die Basisschicht gegen Quantencomputer gewappnet sein.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
September 8, 2026
Vitalik Buterin vor Ethereum-Symbol und Skyline. Bildtitel: Ethereum Hegotá-Update, Quantencomputerschutz und Netzwerkgebühren zahlen ohne ETH

Die Ethereum Foundation hat festgelegt, was in das Ethereum-Upgrade Hegotá muss und was nicht. Zwei Vorhaben sind gesetzt, eines davon erlaubt es, eine Überweisung zu bezahlen, ohne selbst Ether zu besitzen. Dazu nennt die Stiftung ein festes Datum, bis zu dem Ethereum gegen Quantencomputer gewappnet sein soll: Dezember 2029. Benutzen kann davon heute niemand etwas.

Was ist passiert

Der Protokollbereich der Ethereum Foundation hat eine Rangliste veröffentlicht. Sie bewertet 62 Änderungsvorschläge für Hegotá, das übernächste große Upgrade des Netzwerks. Solche Vorschläge heißen EIP und tragen eine Nummer, ausgeliefert werden sie gebündelt als Upgrade mit eigenem Codenamen, etwa einmal im Jahr. Als Nächstes kommt Glamsterdam noch in diesem Jahr, Hegotá folgt 2027.

Zwei Vorschläge stehen ganz oben und gelten als Pflicht. Gerät einer in Verzug, verschiebt sich lieber der Termin, als dass er gestrichen wird.

Der erste heißt FOCIL, in der Zählung EIP-7805. Heute stellen wenige große Anbieter die Blöcke zusammen und könnten einzelne Aufträge liegen lassen. FOCIL gibt einer Gruppe von Validatoren, also den Rechnern, die das Netzwerk absichern, das Recht, gültige Überweisungen zwingend aufnehmen zu lassen.

Der zweite heißt Frame Transactions, EIP-8141, und ist der für Nutzer spürbare. Ihn haben die Entwickler schon Ende August fest eingeplant, nach Angaben von CoinDesk in ihrer Sitzung vom 27. August. Vitalik Buterin, Mitgründer von Ethereum und einer von zehn Autoren des Vorschlags, schrieb in der Nacht zum Sonntag auf X, in den vergangenen Monaten sei daran viel im Stillen vorangegangen, und empfahl die Lektüre des aktualisierten Entwurfs.

Hinter der Bewertung stehen rund 60 Forscher und Entwickler, erstmals mit einer gemeinsamen Stimme statt getrennt nach Teams. Laut Cointelegraph sollen 15 weitere Vorschläge mitkommen, 28 sind abgelehnt, zwei warten auf Betriebsdaten aus Glamsterdam.

Gebühren ohne ETH: was Frame Transactions ändern

Der Vorschlag löst ein Ärgernis, das jeder kennt, der schon einmal Stablecoins auf Ethereum gehalten hat. Jede Überweisung im Netzwerk kostet eine Gebühr, und diese Gebühr wird ausschließlich in Ether fällig, der eigenen Währung des Netzwerks. Wer mehrere hundert Dollar in Stablecoins in seiner Wallet liegen hat, aber keinen Ether, kommt an dieses Geld nicht heran. Erst Ether kaufen, dann überweisen. So ist es heute.

Frame Transactions zerlegt eine Überweisung in getrennte Schritte. Einer prüft, ob der Besitzer sie wirklich angeordnet hat. Ein zweiter klärt, wer die Gebühr trägt. Die übrigen führen den Auftrag aus. Damit müssen der Absender des Geldes und der Zahler der Gebühr nicht mehr dieselbe Adresse sein. Eine Zahlungs-App kann die Gebühr übernehmen oder sich dafür Stablecoins geben lassen und die Ether-Rechnung im Hintergrund selbst begleichen. Das Netzwerk bekommt sein Geld weiterhin in Ether, der Nutzer muss nie welchen kaufen.

Einige Wallets bieten so etwas heute schon über Zusatzdienste an. Neu wäre, dass es im normalen Ablauf des Netzwerks funktioniert, ohne dritte Partei. Nebenbei löst der Vorschlag eine bekannte Falle beim Handel: Wer einen Token tauscht, erteilt erst die Erlaubnis, ihn zu bewegen, und schickt dann den Tausch los. Scheitert der Tausch, bleibt die Erlaubnis oft liegen. Frames bündelt beides.

Warum derselbe Vorschlag beim Quantenschutz hilft

Jede Ethereum-Adresse hängt heute an genau einem privaten Schlüssel, einer langen geheimen Zeichenfolge. Sie beweist das Eigentum und lässt sich nicht austauschen. Wer sie verliert, verliert das Guthaben. Was hinter privatem Schlüssel und Seed Phrase steckt, haben wir hier ausführlich erklärt.

Genau das wird zum Problem, wenn eines Tages ein Rechner stark genug ist, das Verfahren hinter dem Schlüssel zu knacken. Frame Transactions erlaubt einem Konto, eigene Regeln für die Freigabe festzulegen. Der Schlüssel ließe sich dann wechseln, auch gegen ein Verfahren, an dem ein Quantencomputer scheitert, und das Guthaben bliebe auf derselben Adresse. Fachleute nennen diesen Umbau Account Abstraction.

Der Zeitplan bis Dezember 2029

Als Ziel nennt die Stiftung, dass Ethereums Basisschicht bis Dezember 2029 quantensicher ist, in allen drei Bereichen: Ausführung, Konsens und Datenhaltung. Begründet wird das Datum damit, dass der Tag, an dem ein Quantencomputer heutige Verschlüsselung bricht, von niemandem gesteuert werden kann. Also ein festes Ziel statt Abwarten.

Für die Planung nimmt die Stiftung an, dieser Tag könne schon 2030 kommen, und nennt diese Annahme selbst bewusst aggressiv. Bis Januar 2027 gilt die Frist als nicht verhandelbar, dann wird der Stand der Forschung mit externen Fachleuten neu bewertet. Google, Cloudflare und Microsoft haben für ihre eigene Umstellung ähnliche Zeitpunkte gesetzt, berichtet The Block.

Hegotá selbst bringt die Umstellung noch nicht. Es ist das Upgrade, an dem sich zeigt, ob der Zeitplan hält. Die quantensicheren Schritte stehen in späteren Paketen, die bisher nur Platzhalternamen tragen, und der Takt ist eng: Von Glamsterdam Ende 2026 bis Dezember 2029 bleiben im Schnitt 7,2 Monate je Upgrade. Wie Vitalik Buterin sich den Umbau der Basisschicht insgesamt vorstellt, steht in seiner Roadmap.

Was das für Trader und Anleger heißt

Kurzfristig ändert sich nichts. EIP-8141 ist ein Entwurf, benutzen kann ihn heute niemand, und einen Auslöser für den Kurs gibt die Meldung nicht her.

Eine Randnotiz ist sie trotzdem nicht. Ethereum ist mit rund 304 Mrd. US-Dollar die zweitgrößte Kryptowährung, und auf dieser Kette läuft der Großteil des dezentralen Finanzwesens: Verträge ohne Mittelsmann, Kredite, Handelsplätze, Stablecoins. Was am Fundament passiert, betrifft einen großen Teil des Marktes. Bei rund 2.500 US-Dollar liegt Ether derzeit fast 50 % unter dem Höchststand von 4.946 US-Dollar vom 24. August 2025 (Stand 8. September 2026).

Unser Schwerpunkt liegt bei Bitcoin, daraus machen wir keinen Hehl. Den Nutzen von Ethereum bestreiten wir deshalb nicht. Ein Finanzsystem ohne Mittelsmänner braucht eine Kette, auf der Verträge selbst laufen, und diese Rolle füllt bisher vor allem Ethereum aus.

Aus dieser Sicht sind zwei Dinge an der Meldung wichtig. Die niedrigere Hürde trifft Einsteiger und alle, die Ethereum als Zahlungsschiene nutzen. Die naheliegende Sorge, damit falle die Nachfrage nach Ether weg, geht am Mechanismus vorbei: Die Gebühr wird weiter in Ether bezahlt, nur eben von jemand anderem.

Der zweite Punkt betrifft langfristige Halter. Ein Netzwerk, dessen Schlüssel sich nie wechseln lassen, hat ein Problem, sobald die Rechenleistung dafür existiert. Ethereum legt sich jetzt auf ein Datum fest. Bitcoin steht vor derselben Frage und geht sie anders an, wie real die Gefahr dort ist, haben wir eingeordnet, und neun Schwergewichte der Branche haben dafür 15 Mio. US-Dollar zugesagt.

Kurz erklärt

Q-Day: Der Tag, an dem ein Quantencomputer die heute übliche Verschlüsselung brechen kann. Wann er kommt, weiß niemand, deshalb arbeiten Netzwerke und Konzerne mit gesetzten Zielterminen.

Was jetzt zählt

Drei Dinge lohnt es sich zu beobachten:

  1. Glamsterdam. Erst danach können die Entwicklerteams mit Hegotá anfangen, und erst dann liegen die Betriebsdaten vor, auf die zwei der Vorschläge warten.
  2. Januar 2027. Die Neubewertung mit externen Fachleuten. Bis dahin gilt Dezember 2029 als gesetzt.
  3. Der Takt. 7,2 Monate je Upgrade sind wenig Spielraum. Verzögert sich Hegotá, rutscht alles dahinter mit.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen zum Ethereum-Upgrade Hegotá

Was ist das Ethereum-Upgrade Hegotá?

Hegotá ist das übernächste große Upgrade des Ethereum-Netzwerks und für 2027 geplant. Davor steht Glamsterdam, das noch 2026 kommt. Die Ethereum Foundation hat 62 Änderungsvorschläge für Hegotá bewertet und zwei davon als zwingend eingestuft: FOCIL (EIP-7805) gegen das Aussortieren einzelner Überweisungen und Frame Transactions (EIP-8141) für flexiblere Konten.

Kann ich Ethereum-Gebühren künftig ohne ETH bezahlen?

Nach dem Vorschlag Frame Transactions ja. Er trennt den Absender einer Überweisung von demjenigen, der die Gebühr zahlt. Eine Anwendung kann die Gebühr übernehmen oder sich dafür Stablecoins geben lassen. Das Netzwerk selbst bekommt seine Gebühr weiterhin in Ether. Nutzbar ist das frühestens mit Hegotá 2027.

Was sind Frame Transactions (EIP-8141)?

Der Vorschlag zerlegt eine Überweisung in getrennte Schritte: Prüfung der Berechtigung, Klärung der Gebührenzahlung und Ausführung. Dadurch lassen sich mehrere Schritte bündeln, Gebühren von Dritten übernehmen und eigene Regeln für die Freigabe eines Kontos festlegen. Der Fachbegriff dafür ist Account Abstraction.

Ist Ethereum durch Quantencomputer bedroht?

Heute nicht. Kein bekannter Rechner kann die verwendete Verschlüsselung brechen. Die Ethereum Foundation plant vorsorglich mit dem Jahr 2030 als frühestmöglichem Zeitpunkt und will die Basisschicht bis Dezember 2029 quantensicher haben. Der erste Schritt dahin ist die Möglichkeit, den privaten Schlüssel eines Kontos gegen ein quantensicheres Verfahren zu tauschen.

Wann kommt Hegotá und was ändert sich für mich?

Hegotá ist für 2027 vorgesehen, ein genaues Datum gibt es nicht. Die Entwicklerteams können nach Glamsterdam Ende 2026 mit der Umsetzung beginnen. Für Nutzer wäre die spürbarste Änderung, dass Überweisungen ohne eigenes Ether-Guthaben möglich werden. Bis dahin bleibt alles wie bisher.

Erlerne die Kunst des Tradings
Jetzt Termin vereinbaren

Schritt für Schritt zu deiner finanziellen Freiheit!

Gespräch sichern
Du wirst da abgeholt, wo du stehst und hast 24/7 Support bei deinen nächsten Schritten. Mit eigens entwickelten Strategien bringen wir dir das nötige Wissen bei, damit du schnell und erfolgreich in Kryptowährungen investieren kannst. Du entscheidest selbst über dein Geld und worin du es investierst - du gibst dein Geld nie aus der Hand. Mit uns lernst du, Fehler zu vermeiden, bevor sie überhaupt entstehen.