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Bloomberg: Tether, Trump und ein Milliarden-Deal. Hat sich Tether das US-Stablecoin-Gesetz gekauft?

Eine große Bloomberg-Recherche legt nahe, dass zwei Trump-Vertraute das erste US-Stablecoin-Gesetz zugunsten von Tether mitgeformt haben. Wir fassen die Vorwürfe, die dokumentierten Geldflüsse und die Dementis der Beteiligten zusammen.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
Juli 24, 2026

Ein Jahr nach dem US-Stablecoin-Gesetz GENIUS Act sorgt eine Investigativ-Recherche von Bloomberg für Aufsehen. Der Bericht wirft die Frage auf, ob zwei enge Vertraute von Präsident Donald Trump das Gesetz so mitgeformt haben, dass es dem Marktführer Tether nützte.

Wichtig vorab: Es geht um Rechercheergebnisse und Vorwürfe, nicht um gerichtlich bewiesene Tatsachen. Die Beteiligten weisen die Darstellung zurück. Wir geben im Folgenden wieder, was Bloomberg berichtet, und trennen sauber zwischen dem, was belegt ist, und dem, was Vorwurf bleibt.

Worum es geht

Der GENIUS Act ist das erste große US-Gesetz für Stablecoins, also für an den Dollar gekoppelte Kryptowährungen. Er soll unter anderem verhindern, dass solche Coins für Geldwäsche und zur Umgehung von Sanktionen genutzt werden. Tether gibt mit dem USDT den weltweit meistgenutzten Dollar-Stablecoin heraus und hält laut Bloomberg rund 60 Prozent des Marktes. Kein anderes Unternehmen hatte bei dem Gesetz also mehr zu gewinnen oder zu verlieren.

Die zwei Schlüsselfiguren

Bloomberg stellt zwei Männer in den Mittelpunkt.

  • Howard Lutnick war Chef der Wall-Street-Bank Cantor Fitzgerald, die Tethers Reserven verwaltet, bevor er US-Handelsminister wurde.
  • Bo Hines, ein damals 29-jähriger Berater im Weißen Haus, trieb das Gesetz durch den Kongress. Rund einen Monat nach der Unterzeichnung wechselte Hines zu Tether, wo er heute den neuen US-Ableger USAT leitet.

Laut Bloomberg spielten die beiden unter Trumps Beratern die prägendsten Rollen in einem Gesetzgebungsprozess, der am Ende mehrere für Tether günstige Regeln enthielt. Die Darstellung stützt sich auf Interviews, eine Gerichtsakte sowie Dutzende Personen aus Branche, Lobby und Verwaltung, die anonym bleiben wollten.

Was die Recherche dem Gesetz zuschreibt

Drei Punkte hebt der Bericht hervor. Beim ersten, von Kritikern „Reziprozitäts-Schlupfloch” genannt, könnte Tethers USDT künftig von El Salvador beaufsichtigt werden statt von US-Behörden, sofern das US-Finanzministerium El Salvadors Regeln als vergleichbar einstuft. Tether baut dort gerade einen neuen Firmensitz auf.

Der zweite, das „DeFi-Schlupfloch”, bedeutet laut Bloomberg, dass Herausgeber wie Tether nicht dafür verantwortlich sind, ihre Coins auf dezentralen Handelsplätzen nachzuverfolgen. Dort können Nutzer direkt auf der Blockchain handeln, ohne ihre Identität offenzulegen.

Der dritte Punkt ist eine dreijährige Schonfrist, bevor Herausgeber die Vorgaben erfüllen müssen. Einige Demokraten wollten sie auf 18 Monate verkürzen. Hines soll laut drei mit den Gesprächen vertrauten Personen darauf bestanden haben, dass die drei Jahre eine „rote Linie” seien.

Die dokumentierten Geldflüsse

Handfester als die Frage der Einflussnahme sind die finanziellen Verbindungen, die Bloomberg auflistet und die teils aus Gerichts- und Börsenunterlagen stammen.

Cantor Fitzgerald sicherte sich im April 2024 für 600 Millionen Dollar das Recht auf einen 5-Prozent-Anteil an Tether. Tethers Chairman soll den Preis laut einer Gerichtsakte als „bloody cheap”, also spottbillig, bezeichnet haben; gemessen an Tethers Gewinn wäre der Anteil auf dem Papier ein Vielfaches wert gewesen.

Im Dezember 2024 investierte Tether 775 Millionen Dollar in das defizitäre Medienunternehmen Rumble, das Trumps Plattform Truth Social technisch betreibt. Nach dem Verkauf von Cantor an einen Trust zugunsten seiner Kinder gewährte Tether laut einem in New York eingereichten Dokument eben diesem Trust einen Kredit. Und Tether stellte Hines rund einen Monat nach der Unterzeichnung des Gesetzes ein.

Der heikle Hintergrund

Warum das brisant ist, zeigt ein zweiter Strang des Berichts. Der USDT wird laut Bloomberg weiterhin von kriminellen und sanktionierten Akteuren genutzt. Die Analysefirma Elliptic führt an, dass die sanktionierte iranische Zentralbank 2025 USDT im Wert von 507 Millionen Dollar kaufte und dass Russland-nahe Wallets Milliardenbeträge erhielten. Zudem sollen in diesem Jahr über vier Milliarden Dollar in dem Token über Betrugs-Marktplätze geflossen sein. Kritiker warnen laut Bloomberg, die beschriebenen Lücken könnten die Bekämpfung von Geldwäsche schwächen.

Was die Beteiligten sagen

Zu einer fairen Darstellung gehören die Gegenstimmen, und die sind deutlich. Tether weist jede Andeutung eines unzulässigen Vorgehens entschieden zurück und erklärt, das Gesetz verschaffe dem Unternehmen keine Sonderrechte, da die Regeln für jeden Herausgeber gälten. Man arbeite mit über 340 Behörden in 67 Ländern zusammen, um illegale Gelder aufzuspüren und einzufrieren.

Ein Sprecher des Handelsministeriums erklärte, Lutnick habe seine Ethik-Vereinbarung eingehalten, seine Beteiligungen einschließlich Tether verkauft und sei „an keinerlei Angelegenheiten zu den Stablecoin-Regeln des GENIUS Act beteiligt” gewesen. Hines und das Weiße Haus antworteten laut Bloomberg nicht auf Anfragen.

Bewiesen oder Vorwurf?

Für die Einordnung lohnt eine klare Trennung. Belegt sind über Unterlagen vor allem die Geldflüsse und die Personalwechsel: der günstige Tether-Anteil von Cantor, das Rumble-Investment, der Kredit an den Trust und Hines’ Wechsel zu Tether. Der Kern-Vorwurf, dass daraus eine gezielte Einflussnahme auf das Gesetz wurde, stützt sich dagegen auf Aussagen anonymer Quellen und eine Gerichtsakte. Bewiesen ist er nicht, und die Beteiligten bestreiten ihn.

Schlusswort

Der Bericht erscheint zu einem heiklen Zeitpunkt. Im US-Senat wird derzeit beim Clarity Act, dem großen Krypto-Gesetz zur Marktstruktur, genau um eine Ethik-Klausel gegen Interessenkonflikte gerungen. Die Bloomberg-Recherche liefert den Kritikern dieser Klausel neues Material und dürfte die Debatte über die Nähe von Politik und Krypto-Branche weiter anheizen. Für Anleger ist das weniger eine Kursfrage als eine Vertrauensfrage: Wie unabhängig sind die Regeln, nach denen der junge Markt künftig läuft?


Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Er gibt die Rechercheergebnisse und Vorwürfe von Bloomberg wieder; die genannten Personen und Unternehmen weisen die Darstellung zurück.

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