Volatilität beschreibt, wie stark ein Kurs innerhalb eines Zeitraums schwankt. Sie sagt nichts über die Richtung und ist kein Urteil über gut oder schlecht. Sie ist ein Maß für Bewegung, mehr nicht.
Wie sie gemessen wird
Die historische Volatilität rechnet zurück: Wie weit lagen die Kurse der vergangenen Tage oder Wochen auseinander? Die implizite Volatilität rechnet nach vorn und wird aus Optionspreisen abgeleitet. Sie zeigt, welche Schwankung der Markt für die Zukunft einpreist.
In der Praxis reicht oft eine einfachere Größe: die durchschnittliche Tagesspanne. Bewegt sich ein Wert im Schnitt um zwei Prozent am Tag, ist ein Stop-Loss bei einem halben Prozent Abstand praktisch eine Einladung, ausgestoppt zu werden.
Warum sie über die Positionsgröße entscheidet
Das ist die praktische Verbindung. Ein Wert mit hoher Volatilität braucht einen weiteren Stop-Loss, damit normales Rauschen ihn nicht auslöst. Ein weiterer Stop-Loss bedeutet bei gleichem Risiko eine kleinere Positionsgröße. Wer beides nicht aneinander anpasst, riskiert bei volatilen Werten unbemerkt ein Vielfaches.
Wie volatil ist Bitcoin im Vergleich?
Ein Gefühl für Größenordnungen hilft mehr als jede Formel. Die folgenden Werte sind typische Tagesschwankungen in ruhigen bis normalen Marktphasen. In Stressphasen liegen alle Märkte deutlich darüber.
| Markt | Typische Schwankung an einem Tag |
|---|---|
| Euro gegen US-Dollar | rund 0,5 Prozent |
| Große Aktienindizes wie DAX oder S&P 500 | rund 1 Prozent |
| Gold | rund 1 Prozent |
| Bitcoin | 2 bis 3 Prozent |
| Kleinere Altcoins | 5 bis 10 Prozent, zeitweise mehr |
Bitcoin bewegt sich an einem gewöhnlichen Tag also so stark wie ein Aktienindex in einer ganzen Woche. Wer Regeln aus dem Aktienhandel unverändert auf Krypto überträgt, setzt seine Stop-Loss-Marken deshalb fast immer zu eng.
Ein Rechenbeispiel mit der ATR
Die gängigste Messgröße im Chart ist die Average True Range, kurz ATR. Sie gibt die durchschnittliche Spanne der letzten Kerzen an, üblich sind 14 Perioden. Viele Trader legen den Stop-Loss im Abstand von ein bis zwei ATR, damit normales Rauschen ihn nicht auslöst.
Angenommen, das Konto hat 10.000 Euro und das Risiko je Trade liegt bei 0,4 Prozent, also 40 Euro. Bitcoin steht bei 80.000 Euro, die ATR im Tageschart bei 2.400 Euro. Ein Stop-Loss im Abstand von 1,5 ATR liegt 3.600 Euro entfernt. Die Position darf dann 0,011 Bitcoin groß sein, das sind rund 890 Euro. Eine Aktie bei 100 Euro mit einer ATR von 1,50 Euro bekommt bei derselben Regel einen Abstand von 2,25 Euro und eine Position von 17 Stück, also rund 1.700 Euro. Gleiches Risiko, halbe Position beim schwankungsstärkeren Wert.
Wann die Volatilität springt
- Termine mit offenem Ausgang: Zinsentscheide, Inflationsdaten, Arbeitsmarktzahlen und Quartalsberichte.
- Zwangsschließungen im Kryptomarkt: Werden viele gehebelte Positionen gleichzeitig liquidiert, verstärkt jeder Verkauf den nächsten.
- Dünner Handel: Nachts und am Wochenende reichen kleinere Aufträge für größere Ausschläge.
- Nach langer Ruhe: Auf Phasen mit ungewöhnlich enger Spanne folgt häufig eine kräftige Bewegung, in welche Richtung bleibt offen.
Häufiges Missverständnis
Hohe Volatilität wird mit hohem Risiko gleichgesetzt. Das Risiko entsteht aber erst durch die Positionsgröße. Eine kleine Position in einem stark schwankenden Wert kann weniger riskant sein als eine große in einem ruhigen. Umgekehrt ist niedrige Volatilität kein Schutz, sie kann jederzeit umschlagen, und genau dann trifft sie Positionen, die für ruhige Märkte gebaut wurden.
Für wen das zählt
Für jeden, der einen Stop-Loss setzt, also für alle. Besonders im Krypto-Handel, wo zweistellige Tagesbewegungen normal sind und Einstellungen aus dem Aktienhandel schlicht nicht funktionieren.
Warum Kryptomärkte stärker schwanken als Aktien und was das für den Handel heißt, erklärt der Artikel Volatile Kryptomärkte.
