Eine Liquidation ist die Zwangsschließung einer gehebelten Position durch den Handelsplatz. Sie greift, sobald die hinterlegte Sicherheit den laufenden Verlust nicht mehr deckt. Diese Sicherheit heißt im Handel Margin und ist der Betrag, den du für eine Position hinterlegst, die ein Vielfaches davon wert ist.
Für jede offene Position gibt es deshalb einen Kurs, an dem die Margin rechnerisch aufgebraucht wäre. Das ist der Liquidationspreis. Erreicht der Kurs diese Marke, schließt die Börse die Position, ohne Rückfrage.
Wie der Liquidationspreis zustande kommt
Der Abstand zwischen Einstieg und Liquidationspreis hängt am Hebel, also am Verhältnis zwischen Positionsgröße und hinterlegter Margin. Je größer der Hebel, desto kleiner der Abstand.
Ein Beispiel: Du hinterlegst 1.000 US-Dollar und führst damit eine Position über 10.000 US-Dollar, also mit einem Hebel von 10. Jedes Prozent Kursbewegung wirkt damit zehnfach auf deine Sicherheit. Läuft der Kurs 10 Prozent gegen dich, sind das 10 Prozent mal 10, also 100 Prozent: Der Verlust ist genauso groß wie der Betrag, den du hinterlegt hast. Bei einem Hebel von 20 reichen dafür 5 Prozent, bei einem Hebel von 50 genügen 2 Prozent.
Dieselbe Rechnung gilt in die Gegenrichtung. Läuft der Kurs 10 Prozent zu deinen Gunsten, stehen bei einem Hebel von 10 ebenfalls 100 Prozent auf deine Sicherheit zu Buche. Zu deinen Gunsten heißt bei einer Long-Position, dass der Kurs um 10 Prozent steigt, bei einer Short-Position, dass er um 10 Prozent fällt. Liquidiert wird entsprechend die Long-Position bei fallenden und die Short-Position bei steigenden Kursen.
In der Praxis greift die Börse etwas früher. Sie verlangt eine Wartungsmarge, einen Restbetrag, der immer stehen bleiben muss, damit bei ihr selbst kein Minus hängen bleibt. Die Position fällt also, bevor die Sicherheit rechnerisch bei null steht. Welche Positionsgröße ein Konto trägt, rechnet unser Artikel dazu durch, wie viel Geld du zum Traden brauchst.
Warum im Krypto-Handel kein Anruf kommt
Im gehebelten Handel außerhalb von Krypto gab es dafür lange eine Vorstufe. Rutschte die Sicherheit unter die vereinbarte Schwelle, meldete sich der Broker und forderte Geld nach. Das ist der Margin Call, wörtlich der Anruf wegen der Margin. Wer rechtzeitig überwies, hielt seine Position offen.
Für Privatanleger in Deutschland gibt es diese Aufforderung so nicht mehr. Die BaFin hat die Nachschusspflicht bei CFDs im Mai 2017 untersagt und das Verbot 2019 dauerhaft festgeschrieben. Seitdem greift auch dort ein automatischer Close-out: Fällt die Sicherheit auf 50 Prozent der ursprünglich geforderten Margin, schließt der Anbieter die Position. Der Begriff ist damit geläufiger als die Sache dahinter. Wer ihn kennt, kennt ihn meist aus dem US-Markt, aus dem Profigeschäft oder aus Filmen.
Bei Krypto-Perpetuals, also Terminkontrakten ohne Verfallstag, fehlt die Vorstufe ebenfalls. Die Börse rechnet laufend mit, und sobald die Sicherheit unter die Wartungsmarge fällt, schließt das System die Position von selbst. Zwischen der Warnung im Konto und der Schließung liegen oft Sekunden. Der Unterschied zum regulierten CFD-Handel liegt weniger im Prinzip als in Schwelle und Tempo: Dort ist der Punkt bei 50 Prozent festgelegt, hier setzt ihn die Börse selbst, und sie liegt meist deutlich näher am vollständigen Verbrauch der Sicherheit.
Der Ausdruck Margin Call fällt im Krypto-Handel trotzdem, gemeint ist dann die Liquidation selbst. Wer aus dem Aktien- oder Devisenhandel kommt, wartet also unter Umständen auf eine Aufforderung, die nie eintrifft. Solche Erwartungen gehören zu den Gründen, warum die meisten Trader Geld verlieren.
Häufiges Missverständnis
Liquidation und Stop-Loss, also die selbst gesetzte Verlustgrenze, gelten vielen als dieselbe Sache. Der Unterschied liegt darin, wer die Marke bestimmt. Deine Grenze legst du vor dem Einstieg fest, den Liquidationspreis rechnet die Börse aus, und sie rechnet dabei zu ihren eigenen Gunsten.
Der Abstand zwischen beiden Marken kostet Geld. Bei einer Liquidation ist die Margin dieser Position aufgebraucht, meist zuzüglich einer Gebühr. Eine eigene Grenze bei 20 Prozent Verlust lässt von 1.000 US-Dollar dagegen 800 stehen. Ein Konto verkraftet viele kleine Verluste. Wenige vollständige beenden es. Wie sich so eine Grenze vor dem Einstieg festlegen lässt, zeigt unsere Anleitung mit Rechenbeispiel.
