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Krypto mit Hebel in den USA: Die CFTC plant dafür eine eigene Börsenklasse

Die US-Terminaufsicht hat am 17. September ein Kryptovorhaben beim Weißen Haus eingereicht. Der Text ist geheim, der Plan dahinter nicht: eine eigene Börsenklasse für Handel mit Hebel. Was das für dich als Trader in Europa bedeutet.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
September 21, 2026
CFTC-Schild vor einem Behördengebäude, davor Kryptomünzen und ein Kerzenchart. Bildtitel: Krypto mit Hebel in den USA, CFTC plant eine eigene Regulierung.

Die US-Terminmarktaufsicht CFTC hat am 17. September ein eigenes Kryptovorhaben beim Weißen Haus eingereicht. Was darin steht, ist nicht öffentlich. Woran die Behörde arbeitet, hat ihr Vorsitzender im August selbst beschrieben: an einer neuen Klasse von Handelsplätzen, auf denen Krypto mit Hebel gehandelt werden darf.

Genau dieses Geschäft lief jahrelang fast vollständig über Börsen außerhalb der USA. Amerikanische Privatanleger kamen nicht heran. Dabei sitzt in den USA der größte Finanzmarkt der Welt. Öffnet er sich für diese Geschäfte, kann das dem Kryptomarkt auf Dauer zusätzliches Volumen bringen.

Was beim Weißen Haus eingegangen ist

Die Commodity Futures Trading Commission, kurz CFTC, beaufsichtigt in den USA die Termin- und Derivatemärkte. Gehandelt werden dort Verträge, deren Wert am Preis von etwas anderem hängt, etwa am Bitcoin-Kurs.

Am Donnerstag, dem 17. September, ging bei der Prüfstelle des Weißen Hauses ein Vorhaben mit dem Titel „Regulation Crypto Asset Transactions and Regulation Crypto Asset Markets” ein, Aktenzeichen RIN 3038-AF80. Der Eintrag wurde einen Tag später veröffentlicht.

Als Verfahrensstand steht dort „Prerule”, die früheste Stufe im amerikanischen Regelsetzungsverfahren, noch vor dem eigentlichen Verordnungsentwurf. Der Text selbst ist nicht öffentlich. Welche Kryptowerte erfasst wären, was eine Börse erfüllen müsste und wie weit die Behörde ihre Befugnisse sieht, weiß bisher niemand außerhalb des Hauses.

Schnell geht es ohnehin nicht. Das Weiße Haus darf solche Vorhaben prüfen und ändern, die Trump-Regierung verlangt diesen Schritt auch von unabhängigen Behörden wie der CFTC und der Börsenaufsicht SEC. Danach geht das Papier zurück an die Kommission, wird zur Abstimmung gestellt, veröffentlicht und kommentiert. Erst eine zweite Abstimmung macht daraus geltendes Recht.

Zwei Tage vor der Einreichung war der Clarity Act im US-Senat gescheitert, das Gesetz, das die Zuständigkeiten für Kryptomärkte zwischen SEC und CFTC verteilen sollte. Es fehlten die 60 Stimmen.

Handel auf Kredit war der Engpass

Hebel bedeutet, dass du mit mehr Geld handelst, als du eingezahlt hast. Du hinterlegst eine Sicherheit, die Margin, und der Rest kommt vom Handelsplatz. Bei einem Hebel von 10 trägt eine Sicherheit von 1.000 Dollar eine Position über 10.000 Dollar. Steigt der Kurs um 10 %, verdoppelt sich dein Einsatz. Fällt er um 10 %, ist die Sicherheit aufgebraucht, und die Börse schließt die Position automatisch. Das Geld ist dann weg, und zwar ohne Rückfrage.

Das meistgehandelte Produkt dieser Art im Kryptomarkt ist der Perpetual, ein Terminkontrakt ohne Ablaufdatum. Für Amerikaner war er lange gesperrt. Wer in den USA Termingeschäfte mit Hebel anbieten will, braucht eine Zulassung als Terminbörse, und die hatten Kryptobörsen nicht. Umgekehrt sperrten die Auslandsbörsen US-Kunden lieber aus, als sich eine Registrierungspflicht einzuhandeln.

Ende Mai 2026 öffnete sich die Tür einen Spalt. Die CFTC ließ den ersten Bitcoin-Perpetual auf einer regulierten US-Terminbörse zu und erlaubte einem amerikanischen Anbieter, die Kontrakte seiner ausländischen Schwester an Privatkunden weiterzureichen. Einzelfälle. Was jetzt ansteht, wäre die Regel dahinter.

Die neue Klasse: „crypto asset market”

Bei einer Veranstaltung der Behörde am 20. August sagte CFTC-Chef Michael Selig, er habe seinen Stab beauftragt, eine Marktstruktur für Kryptowerte innerhalb der bestehenden Befugnisse auszuarbeiten. Das könne bereits registrierte Anbieter ebenso wie bisher nicht registrierte Kryptobörsen in die Lage versetzen, als eine Unterart der regulierten Terminbörse anerkannt zu werden, „crypto asset market” genannt, und Kryptohandel mit Hebel oder gegen Sicherheitsleistung anzubieten. Nach Regeln, die eigens dafür zugeschnitten werden.

Die Behörde baut damit keine neue Aufsicht, sie hängt eine Untergattung an das Regelwerk, das sie ohnehin verwaltet. Wer dort hineinpasst, dürfte in den USA legal Hebelprodukte auf Kryptowerte anbieten.

Selig sprach von einem Prüfauftrag an seinen Stab, und das im Konjunktiv. Ob genau das im eingereichten Papier steht, bleibt offen, solange der Text nicht veröffentlicht ist.

Wenn die Wallet zum Vermittler wird

Am selben 17. September erklärte die CFTC, dass Anbieter passiver Software ihren Nutzern Zugang zu regulierten Derivaten vermitteln dürfen, ohne sich als Vermittler registrieren zu müssen. Gemeint sind ausdrücklich auch Krypto-Wallet-Apps.

Die Wallet-App Phantom hatte eine solche Freistellung schon im März bekommen, für sich allein. Jetzt steht sie allen offen, die dieselben Bedingungen erfüllen: kein Kundengeld halten, keine Kauf- oder Verkaufssignale geben, keine Kontrolle darüber, wohin eine Order geht. Risikohinweise und Aufzeichnungspflichten bleiben.

Phantom hat nach eigenen Angaben über 20 Millionen Nutzer und vermittelt ihnen seit Dezember 2025 Wetten auf Ereignisse über die Prognosebörse Kalshi. Aus einem Aufbewahrungsort für Kryptowerte wird ein Schaufenster für Finanzprodukte, und aus einem Einzelfall ein Muster für alle, die kein Kundengeld anfassen.

Zwei Behörden, zwei Regelwerke, kein Gesetz

In derselben Woche gab die Börsenaufsicht SEC eine auf fünf Jahre befristete Ausnahme für tokenisierte US-Aktien frei. Passende Handelsplätze dürfen solche Papiere direkt auf einer Blockchain handeln, ohne Zulassung als nationale Börse.

Damit entsteht in Absprache zwischen zwei Behörden, was der Clarity Act per Gesetz hätte festlegen sollen. Die SEC nimmt die Wertpapierseite, die CFTC die Derivateseite.

Die CFTC hat fünf Kommissarsposten, besetzt ist derzeit genau einer, der von Selig. Eine Abstimmung mit einer Stimme ist schnell vorbei, ihr Vorhaben dürfte deshalb zügig vorankommen.

Eine Verordnung hält bis zum Widerruf
Ein Gesetz aus dem Kongress hätte den Rahmen über Regierungswechsel hinweg festgeschrieben. Eine Regel, die eine Behörde selbst erlässt, hält nur so lange, wie die Behörde sie stehen lässt. Eine später anders besetzte Kommission kann das Verfahren wieder aufmachen und in die andere Richtung drehen. Für Börsen, Broker und Emittenten heißt das: Es gibt eine Planungsgrundlage, aber eine weichere als ein Gesetz.

Was das für dich als Trader bedeutet

Direkt ändert sich für dich in Deutschland nichts. Das Vorhaben ist nicht öffentlich, nicht beschlossen und gilt ohnehin nur in den USA. Was du hier mit welchem Hebel handeln darfst, regelt die europäische Aufsicht, und die ist bei Kryptowerten deutlich strenger.

Trotzdem lohnt der Blick, aus drei Gründen.

Der erste ist der Preis. Ein großer Teil der Liquidität bei Krypto-Terminkontrakten liegt außerhalb der USA. Dürfen amerikanische Anbieter legal mitspielen, verteilt sich dieses Geschäft neu. Wo gehandelt wird, entstehen Preise, und die kommen auch bei dir auf dem Chart an.

Der zweite ist die Produktrichtung. Dauerkontrakte waren bis vor Kurzem ein reines Kryptoprodukt. Inzwischen beantragen amerikanische Anbieter dieselbe Bauart für Einzelaktien. Die Grenze zwischen Krypto-Trading und klassischem Aktienhandel verschwimmt, und die CFTC baut den Rahmen dafür.

Der dritte ist der Zugang. Wird die Wallet auf deinem Handy zum Schaufenster, sinkt die Hürde vor einem Hebelprodukt auf zwei Fingertipps. Bequem, und gefährlich. Die Zwangsschließung fragt nicht, ob der Kurs zehn Minuten später wieder gedreht hätte. Wer ohne Stop-Loss und ohne feste Positionsgröße mit Hebel handelt, gibt die Entscheidung aus der Hand.

Was jetzt zählt

  1. Wann das Weiße Haus das Papier zurückschickt. Erst danach wird der Text öffentlich, und erst dann lässt sich prüfen, ob die Hebel-Kategorie darin steht.
  2. Ob weitere Kommissarsposten besetzt werden. Eine Kommission mit fünf Stimmen entscheidet anders als eine mit einer.
  3. Ob der Kongress noch einmal ansetzt. Solange kein Gesetz steht, hängt jede Regel an der jeweiligen Behördenspitze.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Hebelprodukte sind hochriskant und können zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.

Häufige Fragen zu den CFTC-Krypto-Regeln

Was hat die CFTC genau eingereicht?

Ein Vorhaben mit dem Titel „Regulation Crypto Asset Transactions and Regulation Crypto Asset Markets”, Aktenzeichen RIN 3038-AF80, eingegangen am 17. September 2026 bei der Prüfstelle des Weißen Hauses. Der Verfahrensstand lautet „Prerule”, also früheste Stufe. Der Text ist nicht öffentlich.

Was wäre ein „crypto asset market”?

Eine Unterart der regulierten US-Terminbörse. Kryptobörsen, die dort anerkannt werden, dürften Handel mit Hebel anbieten. Der Behördenchef hat das im August als Prüfauftrag beschrieben, beschlossen ist es nicht.

Darf ich als deutscher Anleger dann mit mehr Hebel handeln?

Nein. Die Regeln gelten in den USA. Für dich zählt, was die europäische Aufsicht und dein Anbieter erlauben. Daran ändert eine amerikanische Verordnung nichts.

Was ändert sich für Wallet-Apps?

Sie dürfen ihren Nutzern regulierte Derivate vermitteln, ohne sich als Vermittler zu registrieren. Bedingung ist unter anderem, dass sie kein Kundengeld halten und keine Kauf- oder Verkaufssignale geben. Die Freistellung gilt, bis die CFTC eigene Regeln dazu erlässt.

Wie lange hält so eine Regelung?

So lange, wie die Behörde sie stehen lässt. Ein Gesetz überdauert einen Regierungswechsel, eine Verordnung nicht zwingend. Eine nachfolgende Kommission kann das Verfahren wieder öffnen.

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