Ein Hebel vervielfacht die Wirkung des eingesetzten Kapitals. Wer 1.000 Euro einsetzt und mit Hebel 10 handelt, bewegt im Markt 10.000 Euro. Der entscheidende Satz dazu: Der Hebel wirkt in beide Richtungen und im selben Verhältnis.
Wie sich der Hebel rechnet
Die Rechnung ist einfacher, als der Begriff klingt. Bewegt sich der Basiswert um ein Prozent, verändert sich die Position um ein Prozent. Weil aber nur ein Bruchteil davon eigenes Geld ist, schlägt die Bewegung auf dieses Geld vervielfacht durch.
- Hebel 10, Kurs steigt 1 Prozent: 10.000 Euro Position gewinnen 100 Euro, bezogen auf 1.000 Euro Eigenkapital sind das 10 Prozent
- Hebel 10, Kurs fällt 1 Prozent: derselbe Betrag als Verlust, ebenfalls 10 Prozent des Eigenkapitals
- Hebel 10, Kurs fällt 10 Prozent: das eingesetzte Kapital ist rechnerisch aufgebraucht
Daraus folgt die einzige Zahl, die man sich merken muss: Ein Verlust von 100 geteilt durch den Hebel in Prozent kostet den gesamten Einsatz. Bei Hebel 20 sind das fünf Prozent Kursbewegung, bei Hebel 100 ein einziges Prozent.
Welche Grenzen in der EU gelten
Für Privatanleger sind die Hebel in der Europäischen Union gedeckelt. Die Europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat die Obergrenzen 2018 festgelegt, die BaFin hat sie in Deutschland per Allgemeinverfügung in dauerhaftes Recht überführt. Sie richten sich nach der Schwankungsbreite des Basiswerts.
- 30 zu 1 bei den großen Währungspaaren
- 20 zu 1 bei kleineren Währungspaaren, Gold und großen Aktienindizes
- 10 zu 1 bei sonstigen Rohstoffen und kleineren Indizes
- 5 zu 1 bei Einzelaktien
- 2 zu 1 bei Kryptowährungen
Dazu kommen zwei Schutzmechanismen: Sinkt das Konto unter die Hälfte der hinterlegten Sicherheitsleistung, werden Positionen automatisch geschlossen. Und eine Nachschusspflicht ist ausgeschlossen, der Verlust kann das Guthaben auf dem Konto nicht übersteigen.
Wie wird der Hebel im Kryptohandel genutzt?
Die EU-Grenze von 2 zu 1 gilt für Differenzkontrakte bei regulierten Brokern. Auf Kryptobörsen wird meist über Perpetuals gehandelt, und dort lassen sich häufig Hebel von 20, 50 oder 100 einstellen. Wie wenig Spielraum das lässt, zeigt eine Long-Position bei einem Bitcoin-Kurs von 80.000 Euro:
| Hebel | Kursrückgang, der den Einsatz aufbraucht | Kurs, bei dem das passiert |
|---|---|---|
| 2 | 50 Prozent | 40.000 Euro |
| 5 | 20 Prozent | 64.000 Euro |
| 10 | 10 Prozent | 72.000 Euro |
| 20 | 5 Prozent | 76.000 Euro |
| 50 | 2 Prozent | 78.400 Euro |
| 100 | 1 Prozent | 79.200 Euro |
In der Praxis schließt die Börse etwas früher, weil ein Restbetrag als Wartungsmarge stehen bleiben muss. Bitcoin schwankt an gewöhnlichen Tagen um zwei bis drei Prozent. Eine Position mit Hebel 50 überlebt damit oft nicht einmal einen ruhigen Handelstag, ganz gleich, ob die Richtung am Ende gestimmt hätte.
Eingestellter und tatsächlicher Hebel
Die Zahl, die du an der Börse einstellst, ist nur die halbe Wahrheit. Aussagekräftiger ist der tatsächliche Hebel: der Wert aller offenen Positionen geteilt durch dein gesamtes Handelskapital. Wer 10.000 Euro auf dem Konto hat und eine Position über 5.000 Euro hält, handelt tatsächlich mit Hebel 0,5, auch wenn im Auftrag Hebel 20 eingestellt ist. Die Einstellung bestimmt dann nur, dass 250 Euro als Sicherheitsleistung gebunden werden und der Rest frei bleibt.
Ein Beispiel aus der Praxis: Florian Sondershausen riskiert 0,4 Prozent je Trade. Bei 10.000 Euro Konto sind das 40 Euro. Liegt der Stop-Loss bei einem Bitcoin-Trade gut drei Prozent entfernt, ergibt die Rechnung eine Position von rund 1.280 Euro. Der tatsächliche Hebel liegt damit bei 0,13. Wer seine Positionsgröße sauber rechnet, landet erstaunlich oft unter 1.
Was ein Hebel kostet
Geliehene Kaufkraft kostet Geld, solange die Position offen ist. Bei Differenzkontrakten fällt für jede Nacht eine Finanzierungsgebühr an. Bei Perpetuals zahlen sich Käufer und Verkäufer in festen Abständen eine Finanzierungsrate, meist alle acht Stunden. Für einen Trade über wenige Stunden spielt das kaum eine Rolle. Wer eine gehebelte Position über Wochen hält, sollte diese Kosten in sein Ziel einrechnen.
Häufiges Missverständnis
Der Hebel wird oft mit dem Risiko gleichgesetzt. Über das Risiko entscheidet aber die Positionsgröße zusammen mit dem Abstand zum Stop-Loss. Die Hebelzahl auf dem Kontoauszug sagt darüber wenig. Ein Trader mit Hebel 30 und winziger Position riskiert weniger als einer mit Hebel 2 und einer Position, die sein halbes Konto füllt. Der Hebel legt nur fest, wie viel Sicherheitsleistung gebunden wird.
Für wen das zählt
Für jeden, der Short geht oder Derivate handelt, denn ohne Hebel funktionieren diese Instrumente nicht. Anfänger sollten ihn so niedrig wählen, dass ein normaler Handelstag das Konto nicht gefährdet. Wer langfristig anlegt und Wertpapiere tatsächlich besitzt, braucht ihn gar nicht.
Wie Hebel, Margin und die EU-Grenzen für Privatanleger zusammenhängen, steht im Artikel CFDs und Hebelprodukte einfach erklärt.
