Perpetual Futures, kurz Perps, sind das größte Geschäft im Kryptomarkt, und es lief bisher fast nur außerhalb der USA. Jetzt öffnet die US-Terminmarktaufsicht CFTC regulierten Plattformen die Tür. Die Nachricht steckt im Wo. Das Wann hat sich erledigt: Perps gibt es seit 2016, und Amerikaner handeln sie längst mit.
Was die USA bei Perps gerade öffnen
Im August lobte Donald Trump im Weißen Haus die Finanzaufseher dafür, dass sie Hyperliquid in die USA holen wollen, eine Kryptobörse für Perps mit Entwickler in Singapur. Die CFTC hatte schon früher im Jahr die Bedingungen festgelegt, unter denen regulierte US-Plattformen Perps anbieten dürfen. Finanzgeschäfte auf der Blockchain sollen nach ihren Worten legal im eigenen Land wachsen. Kalshi und Coinbase führen seitdem Krypto-Perps. Wie die CFTC den Handel mit Hebel ordnen will, haben wir hier aufgeschrieben.
Am 16. September zog Payward nach, die Muttergesellschaft von Kraken. Sie will US-Kunden die Perps von Hyperliquid anbieten, abgewickelt über eine eigene, von der CFTC beaufsichtigte Börse samt Clearingstelle. Bloomberg Businessweek sieht darin eine Blaupause für ausländische Perp-Anbieter.
Die alte Börsenwelt wehrt sich. Die Aktie der CME, der größten klassischen Derivatebörse der Welt, fiel nach Trumps Worten zeitweise um 3,4 %. Die CME klagt gegen die CFTC, weil deren Chef Michael Selig bei der Zulassung das vorgeschriebene Verfahren umgangen habe. Die Behörde hält die Klage für haltlos.
Perps gibt es längst, nur nicht in den USA
2025 wurden an Kryptobörsen Perps für 62 Bio. USD gehandelt, mehr als dreimal so viel wie Kryptowährungen direkt. Fast alles davon lief im Ausland.
Und längst nicht mehr nur mit Bitcoin. Auf Hyperliquid bietet der Marktplatz Trade.xyz Perps auf Aktienindizes, Silber, Öl und Einzelaktien an. Im Juli übertraf dort der Handel mit klassischen Anlagen mit 115 Mrd. USD den Handel mit Krypto. Als die USA und Israel Ende Februar Iran angriffen, waren die Ölmärkte übers Wochenende zu. Die Öl-Perps liefen weiter und zeigten an, wo der Ölpreis wieder öffnen dürfte.
Die Amerikaner sind längst dabei. Offiziell ist Hyperliquid für sie gesperrt. Nach Angaben der Rechtsprofessorin Yesha Yadav von der Vanderbilt University handeln sie trotzdem, per VPN, einem Dienst, der den eigenen Standort verschleiert. Die rund ein Dutzend Fachleute, mit denen Businessweek sprach, sahen das genauso. Eine Ausweiskontrolle verlangt Hyperliquid bisher nicht.
Für uns ist das der Kern. Die US-Zulassung schafft vor allem einen neuen Ort für Geld, das längst im Markt ist, mit heimischem Anbieter und US-Aufsicht. Bloomberg rechnet mit einem geteilten Markt, offshore und reguliert in den USA, wie bei den Prognosemärkten.
So funktionieren Perpetual Futures: Funding, Hebel, Liquidation
Ein klassischer Terminkontrakt, ein Future, hat einen Stichtag, an dem abgerechnet wird. Ein Perpetual hat keinen, läuft rund um die Uhr und lässt sich mit viel geliehenem Geld handeln. Erfunden haben ihn 2016 die Gründer der Kryptobörse BitMEX um Arthur Hayes, die Trump 2025 begnadigte. BitMEX hat am 23. September den Handel eingestellt. Ihr Produkt ist größer als je zuvor.
Ein Vertrag ohne Ende muss trotzdem dem echten Preis folgen. Dafür sorgt die Funding, eine laufende Ausgleichszahlung zwischen den Tradern. Liegt der Perp über dem Marktpreis, zahlen in der Regel die Long-Positionen, also Wetten auf steigende Kurse, an die Short-Positionen, die auf fallende setzen. Long bleiben wird teurer, und der Preis rückt zurück Richtung Markt. Liegt der Perp darunter, dreht sich die Zahlung um. Wer in einem überhitzten Markt long bleibt, zahlt dafür.
Dazu kommt der Hebel. Mit einer Sicherheit, der Margin, bewegt man eine Position, die ein Vielfaches wert ist. Hyperliquid erlaubt bis zum 50-Fachen, aus 1.000 USD werden 50.000 USD. Eine Bewegung von 2 % in die falsche Richtung zehrt die Sicherheit rechnerisch auf. So weit lässt es die Börse nicht kommen. Sie schließt die Position vorher automatisch, sobald die Sicherheit unter eine feste Schwelle fällt: die Liquidation. Einen Stop-Loss setzt der Trader selbst. Die Liquidation setzt die Börse, zu ihren Bedingungen.
Auto-Deleveraging: Wenn dein Gewinn fremde Verluste deckt
Bei extremen Kurssprüngen reicht auch die Liquidation nicht. Dann greift das Auto-Deleveraging, kurz ADL. Die Börse schließt dabei Positionen, die im Plus liegen, um die Lücke aus den Verlusten anderer zu stopfen. Dein Gewinntrade bezahlt dann den Verlusttrade eines Fremden.
Das ist der Preis für den hohen Hebel. Wer Kunden das 50-Fache erlaubt, muss sich selbst absichern. Verstanden wird das selten.
Wie schnell es kippt, zeigte der Oktober 2025. Kurz nach dem Bitcoin-Rekord von mehr als 126.000 USD drohte Trump China mit neuen Zöllen. Kryptobörsen liquidierten Perps für rund 19 Mrd. USD, der Markt rutschte in eine Talfahrt, von der er sich laut Bloomberg bis heute nicht erholt hat.
Was sich für Trader ändert und was nicht
Für Trader in Deutschland ändert sich direkt nichts. Wir handeln Perps selbst mit Hebel, auf großen Kryptobörsen außerhalb der USA, vom Daytrading bis zum längeren Swingtrade. Dort gehören sie seit Jahren zum Standardangebot. Was hier mit welchem Hebel erlaubt ist, bestimmen die europäische Aufsicht und der jeweilige Anbieter.
In den USA dagegen kann, wer heute per VPN handelt, künftig zu einem heimischen, beaufsichtigten Anbieter wechseln. Offen ist, zu welchen Bedingungen. Trader rechnen mit Ausweiskontrollen, womöglich auch mit Mindestsicherheiten, Hebelgrenzen und einer Selbstauskunft zur eigenen Marktkenntnis. Hayes sieht darin die Hürde: Je mehr Zugeständnisse Hyperliquid für die USA macht, desto schwerer hält es mit dem eigenen Auslandsgeschäft mit.
Bleibt die US-Variante nah am Original, zieht sie Liquidität aus dem Ausland ab, und Preise für Perps auf Öl, Silber oder Aktien entstehen zunehmend unter US-Aufsicht. Fallen die Auflagen streng aus, bleibt das große Geld offshore. So oder so rücken Krypto-Trading und Aktienhandel enger zusammen.
Auf längere Sicht sehen wir mehr als einen Umzug. Kommt der Perp-Handel in den USA bei der breiten Masse an und bieten ihn irgendwann im Grunde alle Börsen und Broker an, hätte das aus unserer Sicht große Folgen für den Kryptomarkt. Krypto gehört bei Perps immer zum Grundangebot und würde überall mitgezogen. Dann könnten sich wieder deutlich mehr Privatanleger für den Kryptohandel interessieren. Wir halten es für möglich, dass das auch einen neuen Bullenmarkt begünstigt, also eine längere Aufwärtsphase. Ein Kursziel oder einen Zeitpunkt leiten wir daraus nicht ab.
Yadav warnt: Geht der Start in den USA gründlich schief, wird es für die ganze Anlageklasse lange schwer, bei der Wall Street anzukommen.
Was jetzt zählt
- Die Klage der CME gegen die CFTC. Ein Gericht entscheidet, ob die Zulassung von Perps in den USA hält.
- Der Start bei Kraken. Mit dem Angebot von Payward stehen die ersten US-Bedingungen fest: Ausweispflicht, Mindestsicherheit, Hebelgrenze.
- Hyperliquid selbst. Die Aufsicht entscheidet, ob die Börse direkt in die USA darf oder nur über Partner wie Payward.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Hebelprodukte wie Perps sind hochriskant und können zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.
Häufige Fragen zu Perpetual Futures
Was ist ein Perpetual Future?
Ein Perpetual Future, kurz Perp, ist ein Terminkontrakt ohne Ablaufdatum. Er folgt dem Preis eines anderen Werts, etwa Bitcoin, Öl, Silber oder einer Aktie, läuft rund um die Uhr und lässt sich mit viel geliehenem Geld handeln, dem Hebel. Damit der Kurs ohne Stichtag beim Marktpreis bleibt, zahlen sich die beiden Seiten laufend einen Ausgleich, die Funding. Erfunden haben das Modell 2016 die Gründer der Kryptobörse BitMEX.
Was ist die Funding Rate und wer zahlt sie?
Die Funding Rate ist die laufende Ausgleichszahlung zwischen den Tradern eines Perps. Sie hält den Kontrakt nah am Marktpreis, obwohl er nie abläuft. Liegt der Perp über dem Marktpreis, zahlen in der Regel die Long-Positionen an die Short-Positionen. Liegt er darunter, fließt das Geld in die andere Richtung. Die Zahlung läuft bei jeder offenen Position mit, je nach Seite als Kosten oder als Ertrag.
Was ist Hyperliquid?
Hyperliquid ist eine Kryptobörse für Perps, 2023 gestartet und mitgegründet von Jeff Yan, einem früheren Händler der Handelsfirma Hudson River Trading. Der Entwickler sitzt in Singapur. Die Börse erlaubt bis zu 50-fachen Hebel. Seit Oktober 2025 dürfen Dritte dort eigene Kontrakte listen, darüber laufen inzwischen auch Perps auf Aktienindizes, Öl und Silber. Für US-Trader ist Hyperliquid offiziell gesperrt.
Können Amerikaner jetzt Perps handeln?
Ja, über regulierte US-Plattformen. Die US-Terminmarktaufsicht CFTC hat 2026 festgelegt, unter welchen Bedingungen solche Plattformen Perps anbieten dürfen. Die Prognosebörse Kalshi und die Kryptobörse Coinbase führen bereits Krypto-Perps. Payward, die Muttergesellschaft von Kraken, will US-Kunden die Perps von Hyperliquid über eine eigene, von der CFTC beaufsichtigte Börse anbieten. Ob die Zulassung Bestand hat, muss noch ein Gericht klären, weil die CME gegen die CFTC klagt. Stand: September 2026.
Hinweis: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt.


