Öffnet in einem neuen Tab
📆 LIVE am 15.10.: Mit nur 3 Indikatoren Charts lesen und profitabel Traden
Registrieren
ca. 6 minutes Lesezeit

56 % würden Stablecoins nutzen, wenn der Bankschutz da wäre

Eine Visa-Umfrage misst 20 Punkte mehr Bereitschaft für Stablecoins, sobald Betrugsschutz und Einlagensicherung auf Bankniveau gegeben sind. Beides gilt für Stablecoins nicht. Und werben dürfen US-Herausgeber damit auch nicht.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
September 23, 2026
Visa-Logo, US-Flagge, Bankgebäude und FDIC-Schild, davor ein Smartphone mit USDC-Logo und USDC-Münzen; Bildtitel: USA: Gesetzlich verboten, Stablecoins und Einlagensicherung

Eine Umfrage im Auftrag von Visa liefert eine unbequeme Zahl. 36 % der befragten US-Verbraucher würden Stablecoins nutzen. Kämen Betrugsschutz und eine Einlagensicherung auf Bankniveau dazu, wären es 56 %. Diesen Schutz gibt es für Stablecoins nicht, und ein US-Herausgeber darf ihn nach geltendem Recht nicht einmal andeuten.

Was die Visa-Umfrage misst

Die Studie heißt Money Travels 2026. Dahinter steht nach der Mitteilung von Visa eine Befragung des Instituts Morning Consult unter 2.192 erwachsenen US-Amerikanern, erhoben zwischen dem 24. Februar und dem 2. März 2026. Die Teilnehmer bekamen die Fachbegriffe vorab erklärt, auch den Begriff Stablecoin.

Das Ergebnis: Die Bereitschaft, Stablecoins zu nutzen, steigt von 36 % auf 56 %, sobald ein gedachter Betrugsschutz und eine Einlagensicherung wie bei einer Bank dazukommen. Wird derselbe Stablecoin über einen bestehenden Finanzanbieter angeboten, sind es 45 %. Für 64 % der Befragten hängt das Vertrauen am Anbieter und nicht an der Technik. Das meiste Vertrauen genießen Geschäftsbanken mit 61 % und weltweit tätige Zahlungsnetze mit 60 %.

Eine zweite Zahl im selben Bericht bedeutet etwas anderes: 56 % der Befragten hatten vorher noch nie von Stablecoins gehört. Ein Teil derer, die den Begriff kannten, hielt Stablecoins für ähnlich schwankungsanfällig wie Bitcoin.

Gefragt hat Visa in eigener Sache. Der Zahlungskonzern teilte Anfang September mit, seine Stablecoin-Abwicklung habe eine Jahresrate von 20 Mrd. USD überschritten, nach dem Bericht von The Block mehr als fünfzehnmal so viel wie ein Jahr zuvor. Über 160 Kartenprogramme mit Stablecoin-Anbindung laufen nach eigenen Angaben weltweit.

Warum die Einlagensicherung für Stablecoins nicht gilt

Einlagensicherung heißt in den USA: Die staatliche Einlagensicherung FDIC ersetzt bis zu 250.000 USD je Einleger und Institut, wenn eine Bank ausfällt. In Deutschland liegt die gesetzliche Sicherung bei 100.000 Euro je Kunde und Bank.

Bei einem Stablecoin gibt es diese Stelle nicht. Ein Stablecoin ist ein Token, dessen Wert an eine Währung gekoppelt ist, meist an den US-Dollar. Der Herausgeber verspricht, jeden Token gegen einen Dollar zurückzunehmen, und hinterlegt dafür Reserven, überwiegend Bargeld und kurzlaufende US-Staatsanleihen. Wer den Token hält, hat damit eine Forderung gegen ein Unternehmen. Gerät dieses Unternehmen in Schieflage oder verlieren die Reserven an Wert, haftet keine staatliche Kasse nach.

Auch der Regelentwurf der FDIC vom April 2026 ändert daran wenig. Nach ihm sind die Reserven eines Herausgebers als Firmenkonto gesichert, also zugunsten des Unternehmens und nicht zugunsten der einzelnen Token-Inhaber. Tokenisierte Bankeinlagen zählen nach demselben Entwurf ausdrücklich nicht als Stablecoin und bleiben gesicherte Einlagen.

Was der GENIUS Act den Herausgebern verbietet

Der GENIUS Act ist das US-Gesetz für Zahlungs-Stablecoins, wir haben es hier ausführlich aufgeschrieben. Abschnitt 4 des Gesetzestextes verbietet jede Vermarktung, die einen vernünftigen Menschen glauben lässt, ein Zahlungs-Stablecoin sei gesetzliches Zahlungsmittel oder vom US-Staat garantiert. Pro Verstoß drohen bis zu 500.000 USD. Spätestens ab Januar 2027 greift die Vorschrift.

Die Kundschaft nennt den Schutz als Bedingung. Der Herausgeber kann ihn nicht liefern, weil es ihn für Stablecoins nicht gibt. Und wer in der Werbung auch nur in die Nähe dieses Eindrucks rückt, zahlt. Die 20 Punkte Abstand beschreiben deshalb kein Marktpotenzial, das ein Produktteam ausschöpfen könnte. Sie sind eine Rechengröße aus einem gedachten Fall. Visa hält in derselben Mitteilung selbst fest, dass der Bankschutz hypothetisch ist.

Was die Umfrage nicht zeigt

Erhoben wurde Ende Februar und Anfang März, veröffentlicht Ende September. Zwischen Antwort und Schlagzeile liegen rund sieben Monate.

Gemessen wurde eine Absicht. Wer angibt, etwas nutzen zu wollen, hat es noch nicht getan. Die Haushaltsbefragung SHED der US-Notenbank zählte im Oktober 2025 rund 10 % der US-Erwachsenen, die Kryptowerte nutzen oder halten, davon rund 7 % als Anlage. Zwischen Absicht und Praxis liegt also einiges.

Die Befragten bekamen die Definition mitgeliefert. Anders wäre die Frage kaum zu stellen gewesen, wenn mehr als die Hälfte den Begriff gar nicht kennt. Die Antworten beschreiben damit die Reaktion auf eine Erklärung. Ein Produkt, das die Befragten im Alltag erlebt hätten, steht dahinter nicht.

Und die Bedingungen stehen nebeneinander. 45 % über einen bestehenden Finanzanbieter und 56 % mit Bankschutz sind zwei getrennt abgefragte Szenarien. Ob sich ihre Wirkung addiert, geht aus der Berichterstattung nicht hervor.

Was das für Trader und Anleger bedeutet

An der Rechtslage ändert die Umfrage nichts. Ein Stablecoin auf einer Börse oder in einer Wallet ist eine Forderung gegen den Herausgeber und bleibt es. Eine staatliche Sicherung steht nicht dahinter, in den USA nicht und in Europa auch nicht. Die EU-Regeln unter MiCA schreiben Reserven, Rücktausch und Aufsicht vor, eine Einlagensicherung schaffen sie nicht.

Für die Anbieterseite steckt die Nachricht im Vertrauenswert. 61 % für Geschäftsbanken und 60 % für Zahlungsnetze erklären, warum das Stablecoin-Geschäft derzeit über Karten, Banken und Zahlungsdienstleister ausgerollt wird und kaum über neue Marken. Wie Stablecoin-Herausgeber Geld verdienen, haben wir ausführlich erklärt: Sie leben von den Zinsen auf ihre Reserven, und die fallen nur an, solange jemand den Token hält. Reichweite ist für sie bares Geld.

Für uns ist das die Lehre aus der Umfrage. Im Privatkundengeschäft hat der Stablecoin eine Obergrenze, die kein Produktmanager wegentwickeln kann. Sie steht im Gesetz. Wer digitales Geld mit staatlicher Sicherung will, landet bei der tokenisierten Bankeinlage, und genau daran arbeiten die Banken längst, in den USA an einem eigenen Netzwerk der Bankenverbände und in Europa an der EZB-Plattform Pontes. Beides läuft bisher im Geschäft zwischen Profis.

Der gesicherte digitale Dollar
Eine tokenisierte Bankeinlage ist normales Bankguthaben, das als Eintrag auf einer Blockchain geführt wird. Die Bank bleibt Vertragspartner des Kunden, die Einlagensicherung greift weiter. Nach dem FDIC-Entwurf vom April 2026 zählt sie ausdrücklich nicht als Stablecoin. Digitales Geld mit staatlicher Sicherung gibt es also längst, es trägt nur einen anderen Namen und steht Privatkunden bisher kaum offen.

Kurz erklärt

Einlagensicherung: Eine gesetzliche Garantie, die Bankguthaben bis zu einer festen Summe ersetzt, wenn die Bank ausfällt. In den USA sind das bis zu 250.000 USD je Einleger und Institut, in Deutschland 100.000 Euro. Für Stablecoins gilt sie nicht.

Tokenisierte Bankeinlage: Normales Bankguthaben als Eintrag auf einer Blockchain. Die Bank bleibt Vertragspartner, das Geld bleibt im Bankensystem, die Einlagensicherung gilt weiter.

Was jetzt zählt

  • Die FDIC-Regeln zum GENIUS Act. Der Entwurf vom April 2026 ist noch nicht endgültig und entscheidet darüber, wer im Ernstfall geschützt ist.
  • Januar 2027. Bis dahin müssen Herausgeber ihre Werbung an Abschnitt 4 angepasst haben.
  • Tokenisierte Einlagen für Privatkunden. Erst wenn Banken sie normalen Kunden anbieten, wird aus der Umfragezahl ein Angebot.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen zu Stablecoins und Einlagensicherung

Sind Stablecoins durch eine Einlagensicherung geschützt?

Nein. Ein Stablecoin ist eine Forderung gegen seinen Herausgeber, gedeckt durch Reserven. Die US-Einlagensicherung FDIC greift nur bei Banken und ersetzt dort bis zu 250.000 USD je Einleger und Institut. In Europa gilt das Gleiche: Die gesetzliche Einlagensicherung deckt Bankguthaben ab, keine Token.

Was hat Visa genau gefragt?

Die Studie Money Travels 2026 beruht auf einer Befragung von 2.192 erwachsenen US-Amerikanern durch das Institut Morning Consult, erhoben Ende Februar und Anfang März 2026. Abgefragt wurde unter anderem, ob die Teilnehmer Stablecoins nutzen würden, wenn Betrugsschutz und Einlagensicherung auf Bankniveau dazukämen.

Was verbietet Abschnitt 4 des GENIUS Act?

Er untersagt jede Vermarktung eines Zahlungs-Stablecoins, die einen vernünftigen Menschen glauben lässt, der Token sei gesetzliches Zahlungsmittel oder vom US-Staat garantiert. Verstöße können mit bis zu 500.000 USD geahndet werden, spätestens ab Januar 2027 gilt die Regel.

Worin unterscheidet sich ein Stablecoin von einer tokenisierten Bankeinlage?

Beim Stablecoin ist der Herausgeber dein Schuldner und das Geld liegt in seinen Reserven. Bei der tokenisierten Bankeinlage bleibt die Bank dein Vertragspartner und das Guthaben im Bankensystem, damit greift auch die Einlagensicherung weiter.

Wie können 36 % Stablecoins nutzen wollen, wenn 56 % den Begriff nicht kennen?

Weil die Befragten die Definition vorab bekamen. Sie antworteten also auf eine Erklärung im Fragebogen. Deshalb beschreibt die Zahl eine geäußerte Bereitschaft und keine Erfahrung mit einem Produkt.

Hinweis: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt.

Erlerne die Kunst des Tradings
Jetzt Termin vereinbaren

Schritt für Schritt zu deiner finanziellen Freiheit!

Gespräch sichern
Du wirst da abgeholt, wo du stehst und hast 24/7 Support bei deinen nächsten Schritten. Mit eigens entwickelten Strategien bringen wir dir das nötige Wissen bei, damit du schnell und erfolgreich in Kryptowährungen investieren kannst. Du entscheidest selbst über dein Geld und worin du es investierst - du gibst dein Geld nie aus der Hand. Mit uns lernst du, Fehler zu vermeiden, bevor sie überhaupt entstehen.