Coinbase darf Derivate jetzt selbst abwickeln. Die US-Terminmarktaufsicht CFTC hat die Tochter Coinbase Clearing am Montag, 28. September, als Clearingstelle registriert. Damit gehört der größten US-Kryptobörse die ganze Kette für Terminkontrakte, von der Order bis zur Abrechnung. Die Zulassung gilt allerdings nur für Geschäfte ohne Hebel.
Was die CFTC Coinbase erlaubt hat
Eine Terminbörse und einen Broker hatte Coinbase schon. An der Börse Coinbase Derivatives kommen die Aufträge zusammen, der Broker Coinbase Financial Markets führt die Konten und nimmt das Kundengeld an. Mit Coinbase Clearing kommt das dritte Glied dazu. In seiner Mitteilung zur Zulassung nennt Coinbase die eigene Derivate-Infrastruktur damit komplett.
Die Verfügung der CFTC legt fest, wie weit das reicht. Coinbase Clearing darf nur voll besicherte Kontrakte abwickeln, und zwar Futures, Optionen auf Futures und Swaps. Futures sind Terminkontrakte, Swaps Verträge über den Tausch von Zahlungen. Alles mit Hebel läuft weiter über fremde Clearingpartner.
So arbeitet eine Clearingstelle
Hinter jedem Terminkontrakt stehen zwei Seiten. Die eine setzt auf steigende Kurse, die andere auf fallende. Am Ende schuldet eine der anderen Geld. Die Clearingstelle stellt sich dazwischen: Für den Käufer wird sie zum Verkäufer, für den Verkäufer zum Käufer. Sie sorgt dafür, dass jedes Geschäft sauber zu Ende geht, auch wenn eine Seite ausfällt. Dafür haftet sie.
Im klassischen Terminhandel teilen sich das meist mehrere Häuser. An der Frankfurter Terminbörse Eurex führt ein Broker das Konto, und die Eurex Clearing steht zwischen den Parteien. Große Kryptobörsen außerhalb der USA machen alles selbst: Sie nehmen die Order an, verwahren die Sicherheit, rechnen ab und schließen Positionen notfalls selbst. Alles in einer Hand hat Coinbase jetzt auch im regulierten US-Markt, mit Auflagen der CFTC.
Voll besichert heißt: ohne Hebel
Voll besichert heißt, dass der größtmögliche Verlust von Anfang an als Sicherheit bereitliegt. Ein Rechenbeispiel: ein Terminkontrakt auf Bitcoin im Wert von 10.000 USD, gesetzt wird auf steigende Kurse.
Ohne Hebel hinterlegst du die vollen 10.000 USD. Fällt Bitcoin in einem Rutsch um 15 %, verlierst du 1.500 USD, und 8.500 USD bleiben stehen. Selbst bei einem Kurs von null wäre nicht mehr weg als die Sicherheit.
Mit zehnfachem Hebel hinterlegst du nur 1.000 USD, die sogenannte Margin. Derselbe Rutsch kostet wieder 1.500 USD. Die Sicherheit deckt 1.000 davon. Es fehlen 500 USD.
Diese 500 USD muss jemand zahlen: der Trader per Nachschuss, sonst sein Broker und am Ende die Clearingstelle. Deshalb braucht eine Clearingstelle für Hebelgeschäfte Rücklagen für ausfallende Händler. In Deutschland hat die BaFin die Nachschusspflicht bei CFDs für Privatkunden 2017 verboten, die Lücke trägt dort der Anbieter. Kryptobörsen schließen Positionen per Liquidation, bevor die Sicherheit aufgebraucht ist. Reicht das bei einem Kurssprung nicht, greift das Auto-Deleveraging: Die Börse schließt dann auch Positionen anderer Trader, die im Plus liegen.
Coinbase Clearing bleibt all das erspart. Wer nur verlieren kann, was er hinterlegt hat, bleibt nichts schuldig. Die Clearingstelle muss nie Geld nachfordern und nie für einen zahlungsunfähigen Händler einspringen. Das Geschäft, bei dem genau das passieren kann, bleibt bei den Partnern.
Getrenntes Geld und USDC rund um die Uhr
In der Verfügung ist außerdem festgehalten, dass Coinbase das Geld der Clearing-Mitglieder getrennt vom eigenen Vermögen hält. Mitglied ist, wer direkt über die Clearingstelle abrechnet, etwa ein Broker für seine Kunden. Im Konkurs gehört das Geld den Mitgliedern. Wohin es führt, wenn eine Börse Kundengeld für eigene Geschäfte nutzt, hat 2022 die Pleite von FTX gezeigt.
Coinbase wirbt mit der ersten Clearingstelle auf Basis von USDC, dem Dollar-Stablecoin von Circle. Sicherheiten liegen in USDC, abgerechnet wird rund um die Uhr, auch am Wochenende, wenn Banken kein Geld bewegen. Wer auf Kryptobörsen Perps handelt, also Terminkontrakte ohne Ablaufdatum, kennt Stablecoins als Sicherheit seit Jahren. Jetzt zieht eine Clearingstelle unter CFTC-Aufsicht nach.
Für Coinbase hat USDC noch eine zweite Seite. Auf USDC, das bei der Börse liegt, bekommt Coinbase laut Wall Street Journal die gesamten Zinserträge aus den Reserven des Stablecoins. Ob das auch für die Sicherheiten der Clearingstelle gilt, sagt Coinbase nicht. Falls ja, verdient der Konzern an jedem hinterlegten Dollar mit.
Was Coinbase von der eigenen Clearingstelle hat
Für voll besicherte Kontrakte braucht Coinbase keinen fremden Abwickler mehr, die Gebühren bleiben im Haus. Coinbase selbst verspricht sich davon schnellere Produktentwicklung und einen effizienteren Betrieb.
Die Konkurrenz hat denselben Schritt schon gemacht, per Kauf. Payward, der Mutterkonzern der Kryptobörse Kraken, hat im Mai den US-Anbieter Bitnomial übernommen. Damit kamen Terminbörse, Clearingstelle und Broker auf einen Schlag ins Haus. Coinbase hat sich das dritte Glied selbst genehmigen lassen.
Als Nächstes zielen beide auf Aktien. Am 18. September haben Coinbase und Payward bei der CFTC Perps auf einzelne US-Aktien beantragt. Bei Coinbase geht es unter anderem um Apple, Tesla und Nvidia.
Was das für Trader in Deutschland bedeutet
Direkt ändert sich hier nichts. Die Zulassung gilt nur in den USA. Wir handeln Perps selbst mit Hebel, auf großen Kryptobörsen außerhalb der USA, und dort gelten weiter deren Regeln.
Die Grenze der CFTC taugt trotzdem als Prüffrage für den eigenen Handel. Wer zahlt den Verlust, der über die Sicherheit hinausgeht? Ohne Hebel gibt es ihn nicht. Mit Hebel regelt ihn die Börse, per Liquidation, meist in Sekunden und zu ihren Bedingungen.
Das Hebelgeschäft mit Perps, das größte Geschäft im Kryptomarkt, bleibt bei Coinbase vorerst außer Haus. Ob der Konzern auch dafür eine eigene Clearing-Zulassung anstrebt, hat er nicht gesagt.
Für uns liegt die Nachricht in der Grenze. Coinbase hat die ganze Kette im Haus, aber nur dort, wo niemand einen Ausfall auffangen muss.
Kurz erklärt
Designated Contract Market (DCM): So heißt in den USA eine von der CFTC zugelassene Terminbörse. Bei Coinbase: Coinbase Derivatives.
Futures Commission Merchant (FCM): Ein Broker für Termingeschäfte, der Kundenkonten führt und Kundengeld annimmt. Bei Coinbase: Coinbase Financial Markets.
Derivatives Clearing Organization (DCO): Die amtliche Bezeichnung einer Clearingstelle im US-Terminmarkt. Seit 28. September zählt Coinbase Clearing dazu.
Was jetzt zählt
- Die Aktien-Perps. Über die Anträge vom 18. September entscheidet die CFTC. Bei Coinbase würde ein Partner sie abwickeln.
- Die Hebel-Regeln der CFTC. Die Behörde arbeitet an einer eigenen Börsenklasse für Krypto mit Hebel. Sie regelt, wie Kryptobörsen in den USA Handel mit Hebel anbieten dürfen.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Hebelprodukte sind hochriskant und können zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.
Häufige Fragen zu Coinbase Clearing
Was ist Coinbase Clearing?
Die Clearingstelle der Kryptobörse Coinbase, seit dem 28. September 2026 bei der US-Terminmarktaufsicht CFTC registriert. Sie steht bei Terminkontrakten zwischen Käufer und Verkäufer, rechnet ab und haftet für die Erfüllung. Erlaubt sind nur voll besicherte Futures, Optionen auf Futures und Swaps. Sicherheiten werden in USDC hinterlegt, abgerechnet wird rund um die Uhr.
Was bedeutet voll besichert?
Der größtmögliche Verlust eines Kontrakts liegt von Anfang an als Sicherheit bereit. Bei einem Bitcoin-Kontrakt über 10.000 USD, der auf steigende Kurse setzt, sind das die vollen 10.000 USD. Der Verlust kann nie größer werden als die Sicherheit, niemand muss Geld nachschießen. Bei Hebel liegt dagegen nur ein Teil als Margin bereit.
Kann ich bei Coinbase jetzt mit Hebel handeln?
Über die neue Clearingstelle nicht. Derivate mit Margin bietet Coinbase in den USA weiter an, abgewickelt über externe Clearingpartner. Für die geplanten Perps auf einzelne Aktien gilt dasselbe. Für Trader in Deutschland ändert die US-Zulassung nichts.
Welche Auflagen hat die CFTC Coinbase gemacht?
Coinbase Clearing darf nur Kontrakte abwickeln, die nach der CFTC-Regel 39.2 voll besichert sind. Das Geld der Clearing-Mitglieder liegt getrennt vom Firmenvermögen und gehört im Konkurs den Mitgliedern. Außerdem kann die CFTC die Zulassung jederzeit einschränken, aussetzen oder aufheben.
Hinweis: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt.


