Scalping ist die schnellste Form des Handels. Positionen werden Sekunden bis wenige Minuten gehalten, um kleinste Kursbewegungen mitzunehmen. Der Gewinn je Trade ist winzig, dafür ist die Anzahl der Trades hoch. Manche Scalper kommen auf dreistellige Trade-Zahlen am Tag.
Warum die Kosten hier alles entscheiden
Das ist der Punkt, an dem Scalping sich von jedem anderen Stil unterscheidet. Wenn ein Trade auf wenige Kurspunkte zielt, frisst der Spread einen spürbaren Teil davon auf, bevor die Position überhaupt läuft. Dazu kommen die Ordergebühren bei jedem einzelnen Trade.
Ein Beispiel: Ziel sind fünf Punkte Gewinn, der Spread beträgt einen Punkt. Damit gehen 20 Prozent des angestrebten Gewinns weg, ohne dass der Markt sich bewegt hat. Bei einem Swing Trade über 300 Punkte wäre derselbe Spread irrelevant.
Was Scalping voraussetzt
- hohe Liquidität im gehandelten Wert, sonst wird die Ausführung teuer
- enge Spreads und niedrige Gebühren, sonst rechnet sich der Stil grundsätzlich nicht
- eine schnelle und stabile Anbindung, jede Verzögerung kostet Geld
- volle Aufmerksamkeit über die gesamte Handelsphase
Die Rechnung mit Maker- und Taker-Gebühren
An Kryptobörsen zahlt mehr, wer sofort zum Marktpreis handelt, als wer einen Auftrag ins Orderbuch stellt und wartet. Die erste Gruppe heißt Taker, die zweite Maker. Angenommen, die Taker-Gebühr liegt bei 0,05 Prozent und die Maker-Gebühr bei 0,02 Prozent, jeweils auf den Positionswert und je Richtung. Ein Trade besteht immer aus Einstieg und Ausstieg, die Gebühr fällt also zweimal an.
| Ziel je Trade | Kosten als Taker | Kosten als Maker |
|---|---|---|
| 0,15 Prozent | 0,10 Prozent, zwei Drittel des Ziels | 0,04 Prozent, gut ein Viertel |
| 0,30 Prozent | 0,10 Prozent, ein Drittel | 0,04 Prozent, rund ein Achtel |
| 1,00 Prozent | 0,10 Prozent, ein Zehntel | 0,04 Prozent, kaum spürbar |
Deshalb arbeiten Scalper fast nur mit Limit-Aufträgen und achten auf jede Stufe im Gebührenmodell. Bei sehr kurzen Zielen entscheidet die Gebührenklasse darüber, ob die Strategie überhaupt einen positiven Erwartungswert haben kann.
Scalping und Hebel
Kleine Kursziele verlangen große Positionen, sonst lohnt der einzelne Trade nicht. Große Positionen verlangen bei begrenztem Kapital einen hohen Hebel. Damit rückt der Liquidationspreis nah an den Einstieg, und ein kurzer Ausschlag kann die Position schließen, bevor der Stop-Loss greift. Das Risiko je Trade bleibt auch hier die feste Größe: erst der Verlustbetrag, dann der Abstand zum Stop-Loss, daraus die Positionsgröße.
Häufiges Missverständnis
Viele Trades werden als viele Chancen gelesen. Rechnerisch ist das Gegenteil der Fall: Jeder Trade trägt seine Kosten, und je kleiner das Ziel, desto größer ihr Anteil. Ein Stil mit positivem Erwartungswert vor Kosten kann nach Kosten glatt negativ sein. Genau daran scheitert Scalping bei den meisten, nicht an der Marktanalyse.
Für wen das zählt
Für sehr wenige. Scalping setzt professionelle Bedingungen bei Gebühren und Ausführung voraus und verlangt eine Konzentration, die sich kaum über Stunden halten lässt. Für Einsteiger ist es der denkbar ungeeignetste Einstieg, weil jeder Fehler sofort und vielfach auftritt.
Wie sich die Handelsstile im Zeitaufwand und im Kapitalbedarf unterscheiden, ordnet der Artikel Daytrading, Swing-Trading oder langfristig ein.
