Die meisten Trader entscheiden zuerst, wie viel sie kaufen, und schauen danach, wo der Ausstieg liegen könnte. Damit ist das Risiko das Ergebnis eines Zufalls.
Die Positionsgröße gehört ans Ende der Rechnung, nicht an den Anfang. Sie ergibt sich, sie wird nicht gewählt.
Die Formel
Drei Größen reichen, und zwei davon stehen fest, bevor du den Chart öffnest.
Positionsgröße = (Konto × Risiko in Prozent) ÷ Abstand zum Stop-Loss
- Konto: dein tatsächliches Handelskapital, nicht dein Vermögen
- Risiko in Prozent: die einzige Zahl, die du frei wählst. Üblich ist ein Prozent, erfahrene Trader liegen darunter.
- Abstand zum Stop-Loss: kommt aus dem Chart, nicht aus deinem Wunsch
Beispiel Aktie, durchgerechnet
Konto 10.000 Euro, ein Prozent Risiko, eine Aktie bei 50 Euro, der Stop-Loss liegt bei 48 Euro.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Erlaubter Verlust | 1 Prozent von 10.000 | 100 Euro |
| Abstand zum Stop | 50 minus 48 | 2 Euro je Aktie |
| Positionsgröße | 100 geteilt durch 2 | 50 Aktien |
| Positionswert | 50 × 50 Euro | 2.500 Euro |
| Gegenprobe | 50 Aktien × 2 Euro Verlust | 100 Euro, also genau ein Prozent |
Jetzt das Entscheidende: Wenn der Stop-Loss näher rückt, auf 49 Euro, halbiert sich der Abstand. Die Position verdoppelt sich damit auf 100 Aktien im Wert von 5.000 Euro. Der mögliche Verlust bleibt trotzdem bei 100 Euro.
Konstant bleibt der Verlust im schlechtesten Fall, der Einsatz darf schwanken. Das ist der ganze Punkt der Rechnung.
Beispiel Bitcoin, mit Florians Zahlen
Florian Sondershausen arbeitet mit 0,4 Prozent Risiko je Trade. Dasselbe Konto von 10.000 Euro, Einstieg bei 80.000 Dollar, Stop-Loss bei 77.500. Der Einfachheit halber rechnen wir Euro und Dollar hier eins zu eins.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Erlaubter Verlust | 0,4 Prozent von 10.000 | 40 Euro |
| Abstand zum Stop | 80.000 minus 77.500 | 2.500 |
| Positionsgröße | 40 geteilt durch 2.500 | 0,016 BTC |
| Positionswert | 0,016 × 80.000 | 1.280 Euro |
Die Position ist mit 1.280 Euro deutlich kleiner als das Konto. Es braucht also gar keinen Hebel, um diesen Trade einzugehen. Wer stattdessen mit Hebel 10 einsteigt und 12.800 Euro bewegt, riskiert 400 Euro statt 40.
Warum ein weiter Stop-Loss nicht mehr Risiko bedeutet
In einem stark schwankenden Markt muss der Stop-Loss weiter weg liegen, sonst löst ihn normales Rauschen aus. Viele halten den Trade deshalb für riskanter. Das Gegenteil stimmt, sofern gerechnet wird.
Derselbe Bitcoin-Trade mit einem Stop bei 75.000 statt 77.500: Der Abstand verdoppelt sich auf 5.000, also halbiert sich die Position auf 0,008 BTC im Wert von 640 Euro. Der mögliche Verlust bleibt bei 40 Euro.
Die Schwankungsbreite verändert also deine Stückzahl, dein Risiko bleibt gleich. Wer das nicht anpasst, riskiert in volatilen Märkten unbemerkt ein Vielfaches.
Schnellübersicht: Stop-Abstand und Positionsgröße
Liegt der Stop-Loss als Prozentwert vor, wird die Formel noch einfacher: Positionswert gleich erlaubter Verlust geteilt durch den Abstand in Prozent. Für ein Konto von 10.000 Euro und 0,4 Prozent Risiko, also 40 Euro:
| Abstand zum Stop-Loss | Positionswert | Anteil am Konto |
|---|---|---|
| 1 Prozent | 4.000 Euro | 40 Prozent |
| 2 Prozent | 2.000 Euro | 20 Prozent |
| 3 Prozent | 1.333 Euro | 13 Prozent |
| 5 Prozent | 800 Euro | 8 Prozent |
| 10 Prozent | 400 Euro | 4 Prozent |
Die Tabelle zeigt auch, wann ein Hebel überhaupt nötig wird: erst dann, wenn der errechnete Positionswert das Konto übersteigt. Bei 40 Euro Risiko wäre das ab einem Stop-Abstand von unter 0,4 Prozent der Fall.
Gebühren und Slippage einrechnen
Der erlaubte Verlust ist eine Obergrenze für alles, was der Trade kosten darf. Dazu gehören die Gebühren für Einstieg und Ausstieg und die Abweichung zwischen gewünschtem und tatsächlichem Ausführungskurs, die Slippage. Bei einer Position von 2.000 Euro und 0,1 Prozent Gebühr je Richtung sind das 4 Euro, also ein Zehntel des Risikobudgets von 40 Euro. Wer genau rechnet, zieht diese Kosten vorher ab und bestimmt die Position aus den verbleibenden 36 Euro.
Futures und CFDs: die Rechnung mit Kontrakten
Bei Kontrakten ersetzt der Punktwert den Kurs. Ein Beispiel: Ein Differenzkontrakt auf einen Aktienindex hat einen Punktwert von einem Euro, der Stop-Loss liegt 25 Punkte entfernt. Ein Kontrakt riskiert damit 25 Euro. Bei 40 Euro Risikobudget ist genau ein Kontrakt möglich. Zwei Kontrakte lägen mit 50 Euro schon über der Grenze. Wenn ein einzelner Kontrakt das Budget sprengt, ist das Instrument für die Kontogröße zu groß, und der Trade entfällt.
Der häufigste Fehler
Er sieht harmlos aus: Man kauft eine runde Menge, etwa 100 Aktien oder 0,1 Bitcoin, und setzt den Stop-Loss dorthin, wo er “vernünftig” wirkt. Damit ist die Reihenfolge umgedreht, und das Risiko ergibt sich aus zwei willkürlichen Entscheidungen.
Die Folge merkt man erst in der Verlustserie. Wer mal 100 und mal 600 Euro riskiert, kann seinen Erwartungswert nicht berechnen, weil die Einsätze nicht vergleichbar sind. Und ein System, das sich nicht berechnen lässt, lässt sich auch nicht verbessern.
Fazit
Die Positionsgröße ist der Punkt, an dem aus einer Meinung über den Markt ein kalkulierter Trade wird. Sie kostet dreißig Sekunden Rechnen vor dem Einstieg und entscheidet darüber, ob eine Pechsträhne ein Ärgernis bleibt oder das Konto halbiert.
Wie viel Kapital du überhaupt brauchst, steht in Wie viel Geld brauche ich zum Traden. Warum 0,4 statt einem Prozent sinnvoll sein können, rechnet Risikomanagement im Trading vor.
Wie berechne ich die Positionsgröße?
Konto mal Risiko in Prozent, geteilt durch den Abstand zum Stop-Loss. Bei 10.000 Euro Konto, einem Prozent Risiko und zwei Euro Abstand ergibt das 50 Stück.
Was ist die 1-Prozent-Regel?
Sie besagt, dass ein einzelner Trade höchstens ein Prozent des Kontos kosten darf. Bei 10.000 Euro sind das 100 Euro, unabhängig davon, wie groß die Position dafür sein muss.
Ändert der Hebel mein Risiko?
Nein. Der Hebel bestimmt nur, wie viel Sicherheitsleistung für eine Position gebunden wird. Das Risiko ergibt sich aus Positionsgröße und Abstand zum Stop-Loss.
Was mache ich in volatilen Märkten?
Den Stop-Loss weiter setzen und die Position entsprechend verkleinern. Der mögliche Verlust in Euro bleibt dadurch gleich, die Stückzahl sinkt.
Sollte ich immer denselben Prozentsatz riskieren?
Ja, zumindest innerhalb einer Strategie. Nur bei gleichem Risiko je Trade lassen sich Trefferquote und Erwartungswert überhaupt sinnvoll auswerten.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Der Handel mit Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.


